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16. Juni 2021

Blickpunkt Geschichte – DOLV

Unzählige historische Unterlagen auf der Seite o-sport.de beleuchten inzwischen die Entwicklung der Orientierungssportarten in den vergangenen Jahrzehnten. Bisher kaum belegt und erläutert wurden in diesem Zusammenhang die Ereignisse im Orientierungssport auf deutschem Staatsgebiet rund um die Wende in den Jahren 1989/90. Zahlreiche Dokumente zur Gründung und anschließenden Auflösung des Deutschen Orientierungslauf-Verbandes wurden nun der Sammlung hinzugefügt.

Die Ereignisse rund um die friedliche Revolution und die daraus resultierenden Auswirkungen werden durch jeden Einzelnen vermutlich auch heute noch unterschiedlich bewertet. Nach 1990 geborene Jahrgänge erhalten bei Bedarf ihre Informationen durch unterschiedliche Medien oder ältere Generationen, welche ihre Sichtweise dazu darlegen. Umso wichtiger ist es, die Zeitzeugen zu befragen und das Quellenmaterial zu sichern, um auch in Zukunft darauf zugreifen zu können und von diesen Erfahrungen zu profitieren.

So soll dieser Artikel analog zur Darlegung der Eckpunkte auf der Geschichtsseite keine persönliche Wertung der Ereignisse darstellen, sondern eine Wiedergabe auf Basis der Dokumente und Schilderungen sein.

Gerade für die Bürger auf dem Staatsgebiet der DDR führte die Wiedervereinigung zu massiven Veränderungen der eigenen Lebenswelt. Zahlreiche Regeln und sonstige Eckpunkte, welche bisher noch galten, waren von heute auf morgen nicht mehr relevant. In der Gemengelage dieser Veränderungen gab es plötzlich ganz neue Möglichkeiten, Träume und Ziele, welche auf einmal erreichbar schienen. Auch im gesamtdeutschen Kontext boten sich damit ganz neue Optionen.

Die dargelegten Ereignisse wurden durch manche ostdeutsche Orientierungssportler als weiterführender Versuch einer lange Zeit gekannten zentralen Steuerung beschrieben. Andere Orientierungssportler aus West- und Ostdeutschland sahen in den Entwicklungen große Chancen. Für wieder andere Enthusiasten waren die Veränderungen ein Grund dem Orientierungssport den Rücken zu kehren.

Fest steht, dass sich Im Rahmen der friedlichen Revolution für die ostdeutschen Orientierungsläufer der lange Zeit geschlossene eiserne Vorhang öffnete. So bestand 1989 auf Einladung erstmals seit vielen Jahren die Möglichkeit nach Finnland zur TUL-Week des finnischen Arbeitersportverbandes zu reisen. Im Jahr 1990 erfolgte der erste und einzige Länderkampf zwischen der BRD und der DDR.

Die ersten Ansätze zur Bildung eines OL-Verbandes in der DDR sind schon im November 1988 schriftlich festgehalten. Seitdem wurde innerhalb des Deutschen Verbandes für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf (DWBO) über die Eigenständigkeit des Orientierungslaufes diskutiert, bis das Büro des DWBO die Arbeit einstellte. In den Reihen der ostdeutschen Orientierungsläufer wurde in diesem Zusammenhang eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. Die Antragstellung zur Bildung eines OL-Verbandes und die Zustimmung durch den Deutschen Turn- und Sportbund der DDR folgten im Februar 1990. Der Deutsche Orientierungslauf-Verband (DOLV) wurde schließlich am 24. März 1990 in Bad Blankenburg gegründet. In den kommenden Monaten folgte auf dem Gebiet der DDR entsprechend der Territorien der heutigen Bundesländer die Gründung von 5 DOLV-Landesverbänden.

Parallel dazu gab es erste Gespräche zwischen dem Deutschen Turner-Bund (DTB), in welchem die westdeutschen Orientierungsläufer organisiert waren, und dem DOLV. Den zentralen Rahmen zur Zukunft des Orientierungslaufes in einem wiedervereinigten Deutschland bildete dabei das „Ein-Platz-Prinzip“ im Deutschen Sportbund (DSB), welches innerhalb der Bundesrepublik pro Sportart nur einen Verband zuließ. Mit Hinblick auf diese Vorgabe, das Förderungskonzept und die finanzielle Einordnung der Sportarten wurde den ostdeutschen Orientierungsläufern die Notwendigkeit der Verbandsauflösung sowie der Beitritt zum DTB innerhalb von Landesturnverbänden mitgeteilt. Von Seiten der ostdeutschen Führungsebene bestand zunächst der Versuch den unlängst gegründeten DOLV als selbstständigen Spitzensportverband zu erhalten. In diesem Zusammenhang kam der Vorschlag auch auf dem Territorium der BRD DOLV-Landesverbände zu gründen und das Breitensportangebot im Rahmen des DTB weiter auszubauen.

Im Zuge der sich im Jahre 1990 anbahnenden Eingliederung der ostdeutschen Orientierungsläufer in die Strukturen des DTB folgten Verhandlungen mit dem Ziel eine gewisse Selbstständigkeit zu behalten sowie eine finanzielle und personelle Grundausstattung sicher zu stellen. Aufgrund des engen Zeitrahmens war in der Kürze der Zeit allerdings keine Bildung von Landesturnverbänden möglich. Stattdessen wurde am 9.9.1990 der Antrag zum Beitritt der 5 ostdeutschen Landesverbände OL zum Deutschen Turner-Bund gestellt. Der Beschluss zur Auflösung des DOLV folgte am 25.11.1990 auf dem sächsischen Rabenberg. Als eigenständiges Mitglied und Gründungsnation schieden die ostdeutschen Orientierungsläufer im Zuge der Auflösung des DOLV Ende des Jahres 1990 aus der Internationalen Orientierungslauf Föderation (IOF) aus. Seitdem vertritt der DTB alle deutschen Orientierungsläufer in der IOF.

Mehr:
Hintergrundinformationen zur DOLV-Gründung in der OLI 64/1990
Protokoll zur Eingliederung des DOLV in den OL-Nachrichten 5-6 1990
Geschichte Orientierungslauf in Deutschland
Historische Unterlagen (Dokumente im Abschnitt DOLV)