Geschichte des Ski-Orientierungslaufs Geschichte des Ski-Orientierungslaufs

Der Orientierungssport hat seine Wurzeln in Skandinavien. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Norwegen die ersten Orientierungsläufe auf Skiern dokumentiert. Ab den 1950er Jahren gibt es Quellenmaterial für Ski-Orientierungsläufe auf deutschem Staatsgebiet.

 
Geschichtliche Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik

In der DDR beginnt die Geschichte der heute als Ski-OL bezeichneten Sportart im Jahr 1952. Auf der Tagung der Fachkommission Alpinistik wurde in Ostrau die Durchführung von Meisterschaften im Touristischen Langlauf vorgeschlagen. Den sportlichen Rahmen bildeten die schon vor dem zweiten Weltkrieg im Osterzgebirge durchgeführten Findigkeitsläufe.

Im Jahr 1953 folgten dann die ersten Bezirksmeisterschaften im Harz und in den Bezirken Leipzig und Karl-Marx-Stadt. Zur 1.DDR-Meisterschaft im touristischen Ski-Langlauf starteten bei den Frauen und Männern noch 2er Mannschaften mit Marschgepäck. Das Hauptaugenmerk lag aber seit Beginn auf den Orientierungsaufgaben. Anzulaufende Ziele wurden am Abend vor dem Lauf bekannt gegeben – die Nutzung beliebiger Touristischer Karten erlaubt.

Bei den 2.DDR Meisterschaften im Jahr 1954 standen insgesamt 105 Mannschaften am Start. Im darauffolgenden Jahr hatten die Teams auf den inzwischen verkürzten Streckenlängen 12 km Luftlinie bei den Damen und 25 km Luftlinie bei den Herren zu absolvieren. Die Siegerzeiten bei den nunmehr als Deutsche Meisterschaften bezeichneten nationalen Titelkämpfen der DDR betrugen im Jahr 1958 ca. 2:25 h bei den Damen und ca. 3:35 h bei den Herren.

Im Jahr darauf nahmen erstmals internationale Starter aus Bulgarien und der ČSSR an den Deutschen Meisterschaften der DDR teil. 1961 wurde der Touristische Skilanglauf noch vor der Gründung der Internationalen Orientierungslauf Föderation (IOF) in der DDR durch den Ski-Orientierungslauf ersetzt.

Im Jahr 1962 entfiel das Pflichtgepäck, der Start als 2er Team blieb aber bestehen. Die Angleichung an die Regeln der nordischen Länder folgte im Jahr 1963. Im darauffolgenden Jahr starteten erstmals Teilnehmer aus der DDR in Schweden. Nationalläufer aus Schweden und Finnland nahmen gleichfalls an den 12. Deutschen Meisterschaften in Tambach-Dietharz teil. Bei den 13. Deutschen Meisterschaften im Ski-OL 1964 in Altenberg wurden erstmals Einzel- und Staffelmeister ermittelt.

Im Jahr 1971 folgte die Umbenennung der nationalen Titelkämpfe in DDR-Meisterschaften, 1974 dann in Bestenermittlungen. Nach dem Beschluss durch den Deutschen Turn- und Sportbund der DDR (DTSB) im Jahr 1973, die nicht-olympischen Sportarten vom internationalen Sportgeschehen auszuschließen, durften die Orientierungssportler der DDR ebenfalls nicht an den ab 1975 durchgeführten Weltmeisterschaften teilnehmen. Einzig Starts im sozialistischen Ausland waren weiterhin möglich.

Die Bestenkämpfe der DDR im Ski-OL fanden bis zur Wiedervereinigung aufgrund von Schneemangel nur unregelmäßig statt. Organisiert waren die Ski-Orientierungsläufer bis zur Wende im Deutschen Verband für Wandern, Bergesteigen und Orientierungslauf (DWBO).  

 
Geschichtliche Entwicklung in der Bundesrepublik

In der Bundesrepublik sind in den 50iger Jahren Ski-Orientierungsläufe im saarländischen Alpenverein dokumentiert. Im Sauerland erklärten Skiläufer in Verbindung mit der Durchführung eines Fuß-Orientierungslaufes, dass sie im Winter des Jahres 1958 ein regelmäßiges OL-Training auf Skiern durchführen wollen.

1960 wurden Ski-OL-Läufe von den Landesverbänden Harz, Bremen und Schwarzwald in das Programm aufgenommen und zum Teil ohne Schnee gestartet. Der erste Internationale Ski-OL der Bundesrepublik fand im Jahr 1963 mit Teilnehmern aus Schweden, der Schweiz und der Bundesrepublik in Hilders/Rhön statt. Dabei hatten die etwa 50 Teilnehmer eine Strecke von ca. 20km Luftlinie mit 5 Kontrollposten zu bewältigen.

Im Jahr 1968 erfolgte die Gründung des Fachausschusses Orientierungslauf im Deutschen Skiverband, in dessen Zuständigkeit der Fuß- und Ski-OL fiel. Anfang der 70iger Jahre wurden erste Versuche unternommen, den Ski-Orientierungslauf strukturiert in der Bundesrepublik weiter zu verbreiten und durch Lehrgänge auszubauen.

Seit dem Jahr 1973 gibt es eine Nationalmannschaft im Ski-OL, welche auch international startete. Zu den ersten Weltmeisterschaften im Ski-Orientierungslauf 1975 in Finnland starteten zwei Teilnehmer aus der Bundesrepublik. Im Jahr 1976 trat der Deutsche Skiverband seine Vertretung als Dachverband für den OL an den Deutschen Turner-Bund ab.

Bei den kommenden beiden Weltmeisterschaften im Jahr 1980 und 1982 starteten die deutschen Teilnehmer nur inoffiziell. Die Teilnahme an den 5. Weltmeisterschaften im Jahr 1984 wurde durch das DTB-Präsidium untersagt. Ab dem Jahr 1986 konnten bundesdeutsche Ski-Orientierungsläufer dann offiziell an Weltmeisterschaften und den ab 1987 ausgetragenen Europa-Cup-Läufen starten.

Die ersten geplanten Deutschen Bestenkämpfe im Ski-Orientierungslauf im Jahr 1988 fielen dem Schneemangel zum Opfer. Bei den 7. Weltmeisterschaften und den 8. Weltmeisterschaften zwei Jahre später nahmen jeweils komplette Teams aus der Bundesrepublik teil.

 
Entwicklung während und nach der Wiedervereinigung

Im Rahmen der politischen Veränderungen mit der folgenden Wiedervereinigung beider deutschen Staaten wurde im März 1990 durch die ostdeutschen Orientierungsläufer in Bad Blankenburg der Deutsche Orientierungslauf Verband (DOLV) gegründet.

Der DOLV stellte zum Ende des Jahres 1990 nicht zuletzt aufgrund des finanziellen Anreizes von Seiten des Deutschen Turner-Bundes (DTB) seine Tätigkeit ein. Die OL-Gemeinde aus dem Osten Deutschlands trat anschließend ebenfalls dem DTB als Dachverband der Orientierungssportler in Westdeutschland bei.

Im Jahre 2014 wurde der Deutsche Orientierungssport-Verband (DOSV) gegründet. Eine Vereinbarung zwischen DTB und DOSV regelt seit dem Jahr 2018 die Aufgabenverteilung.

 
Aktueller Stand in Deutschland

Bis in die Gegenwart sind die Ski-Orientierungsläufer im DTB organisiert. Eine Nationalmannschaft vertritt Deutschland bei internationalen Titelkämpfen im Nachwuchs- und Erwachsenenbereich. Regionale und nationale Wettkämpfe sowie Deutsche Meisterschaften werden je nach Schneelage durchgeführt.

Aufgrund der übersichtlichen Szene und der teilweise schwierigen Schneeverhältnisse finden nicht selten gemeinsame Ranglistenläufe mit eigener deutscher Wertung in Tschechien, Österreich oder der Schweiz statt.

Die Anzahl der Ski-Orientierungsläufer ist in Deutschland aktuell sehr überschaubar. Oftmals starten Orientierungsläufer und Mountainbike-Orientierer im Winter beim Pendant auf Skiern.

 
Internationale Einordnung

Ursprünglich wurden im Rahmen der seit 1975 ausgetragenen Weltmeisterschaften ein Einzelwettkampf und eine Staffel ausgetragen. Seit dem Jahr 1988 zählt zusätzlich der Wettbewerb über die Kurzdistanz zum WM-Programm. Diese Streckenlänge wird heute als Mitteldistanz bezeichnet. 2002 wurde dann ebenfalls die Sprintdistanz aufgenommen. Bei der seit 2011 zusätzlich ausgetragenen Mixed-Staffel laufen jeweils ein Mann und eine Frau in einer Mannschaft abwechselnd je drei Runden.

Ähnlich wie die Weltmeisterschaften werden aller zwei Jahre Weltcup-Läufe durchgeführt. Europameisterschaften finden jährlich statt.

Aufgrund der Einstufung als anerkannte olympische Sportart existieren seit Jahren durch den Internationalen Orientierungssport Verband (IOF) Bestrebungen den Ski-Orientierungslauf in das olympische Programm aufnehmen zu lassen.

 
Technische Entwicklung

Als Haltervorrichtung für die Karte werden heutzutage kommerziell hergestellte, drehbare Kartenbretter verwendet. Bis in die 1980er Jahre wurden diese oft in Eigenregie gebaut.

Zur Kontrolle der angefahrenen Postenstandorte sind inzwischen berührungsfreie, elektronische Kontrollsysteme der Standard. Vor dessen Erfindung kamen bis in die 90iger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zuerst farbige Stempel und danach Zangen zum Einsatz. Bei größeren Wettkämpfen wurden die Zangen an ca. 1m langen Leinen befestigt, welche von einem Gestell (gleich einer Wäscheleine, ca. 2 m hoch, oft über die Loipe gespannt) herabhingen. An diesen Konstruktionen waren gleichfalls ein OL-Schirm und ein Schild mit der Codezahl befestigt. Die Kontrollkarten zum Lochen brachten zahlreiche Läufer seinerzeit mit Sicherheitsnadeln am Unterarm an.

Heutzutage ist beim Ski-Orientierungslauf je nach Loipenbreite und Loipenbeschaffenheit die freie Technik vorherrschend. International wird diese seit 1986 eingesetzt. Auf historischen Aufnahmen sind allerdings schon in den 1950iger in Schweden Ski-Orientierungsläufer zu sehen, welche die freie Technik nutzen.

Neben den heute verwendeten elektronischen Kontrollsystemen kommen bei internationalen Großereignissen inzwischen GPS-Systeme und Kameras im Gelände zum Einsatz, so dass Zuschauer die Entscheidungen live verfolgen können.

 
Quellenangaben und weiterführende Links: