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24. Juli 2021

WM-Analyse IOF – Covid 19

Im Nachgang der Weltmeisterschaften im Orientierungslauf wurde auf der Seite des Internationalen Orientierungssport-Verbandes (IOF) eine Analyse der Covid-19-Virusinfektionen im Rahmen der Wettkämpfe veröffentlicht. Auch wenn sich die Empfehlungen auf IOF-Veranstaltungen mit möglichen Zuschauern beziehen, so geben die dort gewonnenen Erkenntnisse auch deutschen Ausrichtern und Teilnehmern an Veranstaltungen einen Überblick über den aktuellen Wissensstand. Daher erfolgt eine Übersetzung des Beitrages.

Am vorletzten Wettkampftag, als die WM-Staffeln kurz vor dem Start standen, bestätigten die Organisatoren durch PCR-Tests eine symptomatische Covid-19-Infektion bei einem der Team-Offiziellen innerhalb der Veranstaltungsblase. Der Covid-Arzt des Veranstalters und die lokalen Behörden entschieden, dass die anderen Team-Offiziellen des Teams isoliert werden mussten, dass aber nach einem negativen Test die betroffenen Teams bei der Staffel starten konnten. Am letzten Wettkampftag wurde ein Athlet eines anderen Teams, der keine Symptome zeigte und in sein Heimatland zurückreisen wollte, bei einem Screening positiv getestet. Der Athlet wurde für 14 Tage in der Tschechischen Republik unter Quarantäne gestellt.

Seit dem Ende der Veranstaltung sind nun 2 Wochen vergangen und leider wurden weitere 13 Fälle von bestätigten positiven Covid-19-Infektionen registriert, die im Zusammenhang mit den Weltmeisterschaften stehen. Der Covid-Arzt der Veranstaltung, die örtlichen Gesundheitsbehörden und die medizinischen Experten der IOF, Olli Heinonen und Katja Mjøsund, haben die Daten der Veranstaltung analysiert und eine Liste mit Empfehlungen für zukünftige Veranstaltungen zusammengestellt. Einige Erkenntnisse aus den 15 erlebten Fällen:

  • Bei 12 der Fälle handelt es sich um Teamoffizielle und Athleten von 5 verschiedenen Teams, die an der WM teilnahmen, 3 wurden bei den Organisatoren gefunden. Das Virus wurde also nicht auf ein einziges Team beschränkt, und es gibt Grund zu der Annahme, dass weitere Fälle unentdeckt geblieben sein könnten, insbesondere asymptomatische Infektionen. Eine Reihe von Teams haben ihre Teammitglieder nach der WM getestet, aber nicht alle.
  • Unter den positiven Tests sind mindestens 2 Varianten von Covid-19 vorhanden, was bedeutet, dass die Infektionen von mindestens 2 verschiedenen Ausbrüchen stammen. Jedes der oben genannten 5 Teams bei der WM wohnte in unterschiedlichen Unterkünften, so dass eine Ausbreitung zwischen den Teams höchstwahrscheinlich in den Teambereichen oder Arenen stattgefunden hat.
  • In nur 3 der Fälle zeigten die betroffenen Personen keine Symptome. Die Symptome reichten von leicht bis mittelschwer, zum Glück wurde bisher keine ernsthafte Erkrankung festgestellt.
  • In 2 der Fälle, die miteinander in Zusammenhang stehen, traten die Infektionen und Symptome auf, obwohl die Personen bereits weit vor der Veranstaltung eine Dosis Covid-19-Impfung erhalten hatten. Es ist klar, dass die Impfung nicht verhindert, dass eine Person infiziert wird und das Virus auf andere übertragen kann. Alles deutet jedoch darauf hin, dass sie dazu beiträgt, schwere Erkrankungen bei der infizierten Person zu verhindern.

Die Covid-19-Pandemie ist noch nicht vorbei, und da weitere IOF-Veranstaltungen näher rücken, sind kollektive Maßnahmen erforderlich, um auch zukünftig sichere Veranstaltungen für alle Teilnehmer zu organisieren. Im Allgemeinen hat sich der von der IOF und den Veranstaltern gewählte Ansatz bewährt, aber natürlich kann dieser angesichts der sich entwickelnden Pandemie-Situation und insbesondere angesichts der sich wieder öffnenden Gesellschaft nicht als statisch betrachtet werden und muss, wo nötig, anpasst werden. Die IOF ist der festen Überzeugung, dass die Veranstaltungen fortgesetzt werden sollten, aber nur, wenn sie sicher durchgeführt werden können. Die Empfehlungen, die von den medizinischen Experten kommen, sind:

  • Stellen Sie sicher, dass der Veranstalter einen Verantwortlichen für Covid-Angelegenheiten mit ausreichender medizinischer Kompetenz zur Verfügung hat. Dies hat sich bei allen IOF-Veranstaltungen bewährt und sollte nicht unterschätzt werden. Der Covid-Verantwortliche muss positive Fälle im Voraus antizipieren und einen Aktionsplan parat haben. Diese Person muss ein Mandat haben, in allen Bereichen der Veranstaltung zu handeln.
  • Das Blasen-Konzept mit obligatorischen PCR-Tests zum Betreten der Blasen sollte für alle absehbaren zukünftigen Veranstaltungen beibehalten werden.
  • Event-Blasen sollten über einen möglichst kurzen Zeitraum gehalten werden, dazu gehört auch die Empfehlung, dass Teams nicht zu früh zum Event anreisen sollten.
  • Erhöhte Testhäufigkeit, Verwendung von Antigentests zusätzlich zu den PCR-Tests.
  • Die Verwendung von Masken sollte durch die Entwicklung des Virus vorgeschrieben werden, nicht durch die gesellschaftlichen Konventionen des ausrichtenden Landes.
  • Sicherstellen, dass die Trennung von Teams innerhalb der Blase, bei Unterkünften, beim Transport und in Teambereichen möglich ist und praktiziert wird. Die Organisatoren müssen sicherstellen, dass die Möglichkeit zur Trennung gegeben ist, aber die Teams müssen dafür verantwortlich sein, dass die Trennung tatsächlich umgesetzt wird.
  • Es muss sichergestellt werden, dass die Trennung der Teams von den Zuschauern und von anderen Interaktionen, die nicht in der Blase stattfinden, möglich ist und praktiziert wird. Die Organisatoren und die IOF müssen die Durchsetzung verstärken und die Teams und einzelnen Athleten müssen mehr Verantwortung für die Umsetzung übernehmen. Wenn es nicht möglich ist, die Blase von der Nicht-Blase zu trennen, können Zuschauer und öffentliche Rennen nicht erlaubt werden.

Warum kümmert sich die IOF immer noch um die Sicherheit von Covid-19 bei Veranstaltungen, wenn sich die Gesellschaft wieder öffnet und Einschränkungen in den meisten Bereichen abgebaut werden? Dafür gibt es 2 Hauptgründe.

  • Die Sicherheit und das Wohlbefinden der Athleten steht an erster Stelle. Wie die medizinischen Experten es ausdrücken, ist jede Infektion eines Sportlers mit Covid-19 ein Risiko für den Einzelnen. Auch wenn die IOF im Rahmen der Wettkämpfe bisher nur Fälle mit weniger schwerwiegenden Folgen gesehen hat, ist Covid-19 ein gefährliches Virus und mit möglichen Folgen, die bei Sportlern in anderen Sportarten zum Karriereende geführt haben. Dieses Risiko möchte die IOF gerne vermeiden. Es hat sich gezeigt, dass breit angelegte Impfprogramme die Schwere von Covid-Infektionen verringern, aber die IOF weiß auch, dass die meisten der Elite- und jüngeren Athleten noch nicht die Gelegenheit hatten, sich vollständig impfen zu lassen. Solange das nicht der Fall ist und bis medizinisches Fachwissen etwas anderes empfiehlt, muss Covid ernst genommen werden.
  • Jede infizierte Person stellt auch ein Risiko für die Verbreitung des Virus auf andere dar. Die IOF ist der Meinung, dass diese eine gesellschaftliche Verantwortung hat, die Verbreitung des Virus einzudämmen und gefährdete Personen sowohl vor Ort, wo Veranstaltungen sind, als auch zu Hause zu schützen. Mit der Delta-Variante des Covid-19-Virus und der zunehmenden internationalen Reisetätigkeit ist es in vielen Ländern zu einem Anstieg der importierten Fälle gekommen, was zu einem Anstieg der Krankenhausaufenthalte führte. Von den oben genannten WOC-Fällen sind nur 2 während der WOC-Woche vor Ort in der Tschechischen Republik aufgetreten. Die anderen 13 Fälle wurden zu Hause entdeckt und stellen ein Risiko der Ausbreitung auf Familie, Freunde und Bekannte dar.

Die IOF hat gesehen, dass es möglich ist, Covid-19 sichere Veranstaltungen zu organisieren und wird dies auch weiterhin tun. Die IOF wird die Erfahrungen aus der WM nutzen und die Auswirkungen werden bereits beim kommenden Orientierungslauf-Weltcup in Idre Fjäll in Schweden vom 12. bis 15. August zu sehen sein.

Pressemitteilung IOF / Übersetzung & ergänzende Einleitung Daniel Härtelt (deepl.com)

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