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14. August 2021

Brigitte Schmiedeberg ist dreifache Senioren-Weltmeisterin!

Bei den World Masters Orienteering Championships (WMOC) in Ungarn holen die deutschen Starter insgesamt sechs Medaillen. Die beiden deutschen Titelverteidiger gehen jedoch leer aus.

Bei hochsommerlichen Temperaturen weit jenseits der 30 Grad wurden rund um das ungarische Velence die diesjährigen Senioren-Weltmeisterschaften ausgetragen. Die ungarischen Ausrichter waren eingesprungen, nachdem die ursprünglich im Rahmen der World Masters Games in Kansai (Japan) geplante Austragung corona-bedingt nicht möglich war. An allen fünf Wettkampftagen boten die Ausrichter den diesmal nur rund 1.500 Teilnehmern - in den vergangenen Jahren waren meist rund 4.000 Altersklassenläufer zur WMOC gereist - eine perfekte Organisation, interessante Gelände und anspruchsvolle Bahnen.

In der Sprint-Qualifikation im Norden von Székesfehérvár erwartete die Teilnehmer ein Mix aus Park-, Sport-, Schul- und Ortsgelände mit einigen Routenwahlen, aber doch eher laufbetonten Bahnen. Im Sprint-Finale in der Altstadt von Székesfehérvár war dann genaues Kartenlesen in den verwinkelten Gassen ebenso entscheidend wie schnelle Beine. Bereits zur Wald-Qualifikation in Csákvár machten die Teilnehmer Bekanntschaft mit dem in großen Teilen offenen und mit undurchdringlichen Dickichten und Dornbüschen durchsetzten Gelände der weiteren Wettkampftage, bei denen die Bezeichnung "Wald"-Wettbewerbe durchaus in Anführungszeichen zu setzen ist. Besonders viele offene Bereiche, in denen Feinorientierung absoluter Trumpf war, um nicht durch Suchaktionen entscheidende Zeit zu verlieren, gab es beim Mittel-Finale in Pakozd. Im Lang-Finale erneut in Csákvár gesellten sich dann noch teils dicht bewachsene Waldbereiche und mit Felsen durchsetzte, kraftraubende Steilhänge hinzu.

Aus deutscher Sicht überstrahlt vor allem Brigitte Schmiedeberg (SV Turbine Neubrandenburg) die Wettbewerbe, die sich in W 85 in allen drei Wettbewerben - Sprintdistanz, Mitteldistanz und Langdistanz - gegen ihre einzig verbliebene Konkurrentin durchsetzte und sich drei Weltmeistertitel sicherte. Ebenfalls eine Bank ist Michael Thierolf (TSG Bad König) in M 55: im Sprint mit Silber dekoriert, ergänzte er seine Medaillensammlung über die Mitteldistanz noch um eine Bronzemedaille. Lediglich in der Langdistanz lief es für ihn mit Rang neun nicht wie erhofft. Dort glänzte jedoch Ingrid Grosse (USV TU Dresden), die sich mit Silber in W 80 ihren Medaillentraum erfüllte. Zuvor hatte sie schon Rang neun im Sprint und Platz sechs über die Mitteldistanz eingefahren.

Leider leer aus gingen die beiden deutschen Titelverteidiger von der letzten WMOC 2019 in Riga. Helmut Conrad (USV TU Dresden) gewann in M 80 zwar beide Qualifikationswettkämpfe, leistete sich jedoch im Sprint einen Fehlstempel, schrammte in der Mitteldistanz als Vierter knapp am Podium vorbei und musste sich über die Langdistanz nach Fehlern mit Rang zehn begnügen. Georg Reischl (TV Osterhofen) belegte in M 85 in der Sprint-Entscheidung Rang acht, fiel jedoch im Mittel-Rennen mit Fehlstempel aus der Wertung. Über die Langdistanz reichte es für ihn zumindest noch zu Platz fünf.

Unter den knapp 40 deutschen Teilnehmern konnten sich Birgitt Michel (TV Jahn Wolfsburg) mit den Platzierungen vier (Sprint) und sechs (Lang) in W 70, sowie Dieter Conrad (SV Wissenschaft Quedlinburg) mit zwei siebten Plätzen (Sprint und Mittel) über je zwei Top-10-Plätze freuen. Im Sprint schoben sich zudem Michael Bohsmann (OL-Team Filder) als Fünfter in M 60 und Günter Gohde (TK Hannover) als Achter in M 80 unter die besten Zehn.

Trotz der hohen Temperaturen und der direkten Sonneneinstrahlung im offenen Wettkampfgelände gab es zum Glück nur eine ernstere Situation, bei der eine ältere Teilnehmerin in Zielnähe kollabierte, jedoch reanimiert werden konnte. Von Corona war während der Tage in Ungarn überhaupt nichts zu spüren: weder in Restaurants, Geschäften oder anderswo gibt es dort eine Abstands- oder Maskenpflicht. Auch auf den Zielwiesen, die basierend auf dem Covid-Konzept des Ausrichters meist recht großzügig angeordnet waren, war (fast) alles wie in Zeiten vor der Pandemie. Angesichts der wahrscheinlich sehr hohen Impfquote unter den Teilnehmern der WMOC ist dies einerseits auf den Weg zurück zur Normalität eine erfreuliche Entwicklung. Jedoch bleibt angesichts des deutlich lockereren Umgangs in Ungarn mit der Pandemie nur zu hoffen, dass es im Nachgang der Wettbewerbe zu keinen Covid-19-Infektionen mit schweren Verläufen unter den Teilnehmern kommen wird.

Im kommenden Jahr wird dann Italien Gastgeber der Senioren-Weltmeisterschaften sein. Die Region Apulien mit der Halbinsel Gargano ist dann in der ersten Juli-Hälfte 2022 Schauplatz der Wettbewerbe. In zwei Jahren wird dann die im Vorjahr ausgefallene WMOC im slowakischen Košice nachgeholt.

Mehr:
Homepage der Senioren-Weltmeisterschaften (WMOC) 2021 in Velence (HUN)