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23. Mai 2002

Neben der Spur und kurz vor dem Ende

ein Artikel der FAZ, der auch für die Orientierungsläufer interessant sein sollte:

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Hilfeschrei von Leipzig soll die Sparte Rhönradturnen retten Geld allein macht nicht glücklich. Aber wenn die nötigen Mittel fließen, laufen die Räder rund. Auch Rhönräder. Das urdeutsche Sportgerät droht nun allerdings aus der Spur zu geraten. Vom Ende einer Sportart war sogar die Rede, als die Verantwortlichen der Fachgruppe beim Deutschen Turnfest ihren Hilfeschrei losließen. Und dabei ging es neben personellen Fragen dann eben doch auch um Geld, fehlendes Geld. Rhönradturnen schmückt traditionell den Deutschen Turner-Bund (DTB) bei Galas oder Werbeveranstaltungen. Die kleine Randgruppe ist zur kräftigen Abteilung gewachsen. Vor gut zehn Jahren wurde in 80 deutschen Vereinen in, an und auf diesem Rad geturnt; mittlerweile trainieren rund 15 000 Aktive, die meisten noch jugendlich, in 250 Klubs. 105 Vereine haben Rhönradturner nach Leipzig geschickt. Seit 1990 können sich die Deutschen auch international messen, 1995 wurde der Internationale Rhönrad-Verband (IRV) gegründet. Seine zwanzig Mitgliedsverbände sind auf alle Kontinente verteilt. Alle zwei Jahre finden Weltmeisterschaften statt, bei denen sich die Deutschen stets besonders hervortun; derzeit besitzen sie alle Titel. Jan Schäfer und Julia Pohling, beide aus der hessischen Rhönrad-Hochburg Taunusstein, sind die Weltmeister bei den Aktiven. Vorsitzender des IRV ist Franz Obry aus Steinmenden bei Kaiserslautern, der auch im Deutschen Turnerbund für das Wohl und Wehe der Rhönradturner verantwortlich zeichnet. Das wird er allerdings nur noch einen Tag tun. Mit Ende der Wettkämpfe in Leipzig endet auch die Verabredung, die Obry mit Hans-Jürgen Zacharias, dem zuständigen Vizepräsidenten des Deutschen Turner-Bundes, im November getroffen hat. Damals war das gesamte Technische Komitee dieser Sparte zurückgetreten. Drei von fünf Verantwortlichen hatten sich bereit erklärt, bis zum Turnfest weiter die Geschäfte zu führen. "Die Situation ist total verfahren", sagt Obry. Er und seine Mitstreiter sehen sich nicht mehr in der Lage, die gestiegenen Anforderungen mit ständig geringer werdenden Mitteln zu bewältigen. Vor zwölf Jahren, so Obry, habe die Abteilung Rhönrad einen Etat von 40 000 Mark im Jahr gehabt, zur Zeit seien es noch rund 10 000 Euro. Kürzungen der öffentlichen Zuwendungen für den DTB würden auf alle Schultern gleich verteilt, so daß prozentual ein Ungleichgewicht entstehe, bemängelt er. Die Rhönradturner haben zur Selbsthilfe gegriffen. Als für die Weltmeisterschaft 1999 in Limburg die Einkleidung der Aktiven vom DTB nicht geleistet werden konnte, präsentierte Obry einen Sponsor. Doch da der auch über die Servicegesellschaft den DTB generell beliefert, blieb der Vertrag auf die WM beschränkt. Der Förderverein, den die Rhönradturner gegründet haben, stopft nun die größten Löcher. "Der Deutsche Turnerbund verläßt sich darauf, daß wir uns selbst helfen", sagt Obry. Zacharias will da nicht widersprechen. Der Vizepräsident erwartet in Zukunft eine größere Eigenbeteiligung in den einzelnen Sparten vom Orientierungslauf über Rope Skipping (Seilspringen), Trampolinturnen bis hin zu den olympischen Zweigen mit der Rhythmischen Sportgymnastik und dem Kunstturnen. "Das Beispiel der Rhönradturner sollte Schule machen", sagt er. Die Angst, dann könnten sich diese Disziplinen ganz vom DTB lösen, beschwichtigt er: "Die wollen doch alle zu Weltmeisterschaften fahren." Allerdings müßten alle selbst bei diesen Großereignissen ihren finanziellen Beitrag leisten. Während Obry einen Sockelbetrag an Förderung anmahnt, der nicht unterschritten werden dürfe, setzt Zacharias auf Strukturänderungen. Er wird im DTB für eine hauptamtliche Stelle kämpfen, die dem Rhönradturnen zugute kommen soll. Die schnelle Lösung für die Ehrenämter von Obry und den anderen Mitgliedern des Technischen Komitees ist freilich nicht in Sicht. So manchem, der angesprochen wurde, fehlt einfach die Zeit. Und die ist schließlich auch Geld. CHRISTIANE MORAVETZ

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2002, Nr. 117 / Seite 39

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