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10. September 2025

Das Siegerprojekt der Breitensport­prämie 2025

Familienspaß "OL für alle"
Eine Familie mit viel Spaß bei ihrem ersten OL
Foto: Frieda Fischer
Eine Familie mit viel Spaß bei ihrem ersten OL
Foto: Frieda Fischer

„Wir sind immer noch begeistert“

Die Breitensportprämie des DOSV ist in diesem Jahr an den HSV Weimar gegangen. Die neu gegründete OL-Abteilung hatte sich mit der Projektidee „OL für alle“ beworben, vom DOSV-Präsidium dafür den Zuschlag erhalten und das Event am 17. August in Weimar durchgeführt. Wir haben uns dazu mit Katrin Hölzer, der stellvertretenden Abteilungsleiterin der OL-Abteilung des HSV Weimar unterhalten, die die Gesamtleitung des Breitensportevents innehatte.

Welche Idee steckte hinter dem Event „OL für alle“?

Hölzer: Orientierungslauf hat in Deutschland eine sehr aktive, aber eben leider noch viel zu kleine Anhängerschaft. In den Vereinen wird super engagiert ehrenamtlich gearbeitet, doch oftmals gelingt es uns v.a. in den Regionen abseits der traditionellen OL-Hochburgen trotzdem nicht, über unsere bestehende Basis der alteingesessenen OLer-Familien hinaus neue Mitglieder und Interessenten anzulocken. Dazu ist diese einzigartige Natursportart an sich leider auch nach über 70 Jahren noch immer zu wenig bekannt in Deutschland und medial unterrepräsentiert.

Doch wer sie erst einmal selbst ausprobiert und erlebt hat, der ist danach oft begeistert, und interessiert sich anschließend auch für die lokale und regionale Berichterstattung ganz anders, weil man weiß, worum es geht und was OL eigentlich ist. Hier wollten wir ansetzen. Die Idee war, einmal nicht nur die Strukturen eines ohnehin geplanten offiziellen OL-Ranglistenlaufs für Interessenten zu öffnen, sondern allen Interessierten sogar ein ganz eigenes Event anzubieten, um selbst Tuchfühlung mit dieser besonderen Sportart aufzunehmen, Hemmschwellen zu überwinden und ein erstes positives Erlebnis zu generieren, bei dem allen Schnupper-OLern unser gesamtes erfahrenes OL-Team beratend und unterstützend zur Seite steht, statt selbst im Wettkampfmodus zu sein. So war die Idee des Doppelevents geboren, um Strukturen und Ressourcen effektiv zu nutzen, und trotzdem etwas Neues zu platzieren.

 

Worauf kam es bei der Umsetzung besonders an?

Hölzer: Wir haben sehr früh mit der Planung begonnen und viele Akteure mit einbezogen. Unseren HSV-Großverein mit allen Abteilungen, andere Sportvereine, die Stadt Weimar, die Medien. Uns war klar, dass so ein Doppelevent für unsere kleine Abteilung eine große Herausforderung darstellt, aber all unsere Mitglieder sowie Freunde und Familie haben motiviert mitgezogen, Ideen eingebracht und Aufgaben übernommen. Das Wichtigste aber war, einmal nicht nur mit unserem OL-Kopf zu denken, sondern sich in die Leute hineinzuversetzen, die wir erreichen wollen: Wie bringt man sie dazu, erst einmal zu kommen und sogar mitzulaufen? Wie schafft man für sie ein positives Gesamterlebnis mit einem OL? Und wie wird das Ganze nachhaltig, also wirkt sich sowohl für den Verein als auch für den Sport insgesamt positiv aus?

 

Ist euch das gelungen?

Hölzer: Ich denke ja. Die Stadt Weimar hat sich von unserer Idee begeistern lassen, hat eine großangelegte Plakataktion unterstützt, die Presse hat im Vorfeld mehrfach berichtet, und es lief sogar digitale Werbung in allen Bussen und auf allen digitalen Leinwänden der Stadt. Man konnte sich unverbindlich anmelden und die gesamte Teilnahme war für Jeden kostenlos. 
Unser Abteilungsleiter Marcel hat tolle leicht verständliche OL-Erklärplakate für die Teilnehmer entworfen, die Berührungsängste abbauen konnten und die wir dann auch persönlich erläutert haben. Wir standen für alle Fragen permanent parat und erklärten den Interessenten auch praktisch den Umgang mit Karte und Kompass, bevor sie auf ihre Strecken gingen. Jeder von unserem Team war wichtiger Ansprechpartner und hat mitgezogen, mit Namensschildchen haben wir uns erkennbar gemacht.

 Wir haben auch Mannschaften anderer Sportarten angesprochen, diese haben das Event genutzt, um einmal etwas anderes Sportliches auszuprobieren und als Mannschaft zusammen zu wachsen. Unser Bahnleger Rainer hat drei verschiedene Anfänger-Strecken mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden angeboten, sodass viele Teilnehmer nicht nur eine Strecke laufen wollten, sondern nach der einfachsten zum Herantasten auch noch die schwierigeren Strecken ausprobieren wollten. Erfahrene OLer haben die Läufer im WKZ, am Start und im Ziel unterstützt. Für jeden Teilnehmer gab es kleine Preise und im WKZ einen großen Catering-Stand, so dass man vor und nach dem Lauf ins Gespräch kommen konnte über seine ersten Erlebnisse mit einem richtigen Orientierungslauf. Unser Technikteam rund um Frank und Samuel hat tolle Arbeit geleistet, jeden Starter bzw. Familie mit Kompass und SI-Chip ausgestattet und dafür gesorgt, dass keine Technikpanne das erste spannende SI-Erlebnis trübt. Wir haben für alle Teilnehmer ihre SI-Ergebnisse sofort verfügbar gemacht und sogar Einblicke in Livelox ermöglicht. Wer wollte, konnte schauen, wie sich die OLer-kids am Morgen auf den gleichen Strecken geschlagen haben. Auf den Laufkarten, die Jeder mit nach Hause nehmen konnte, waren dann auch unsere Kontakte und die nächsten Trainingsangebote aufgedruckt.

 

Wie zufrieden seid ihr mit dem Tag?

Hölzer: Wir sind nicht nur zufrieden, sondern ehrlich gesagt immer noch begeistert. Schon bei der Thüringen-Meisterschaft über die Mitteldistanz am Morgen, die ja für unsere neue OL-Abteilung die Feuertaufe der ersten eigenen Veranstaltungsorganisation gewesen ist, hat alles reibungslos funktioniert. Und wenn sich dann im Anschluss zum für Alle offenen OL-Fest und Breitensport-Event „OL für alle“ schon vor Beginn um 14 Uhr die ersten Interessierten sammeln und neugierig sind auf unseren spannenden Sport, dann bekommt man echt Gänsehaut. Am Ende waren es über 100 OL-Interessierte, die auf die 3 Strecken gegangen sind. Darunter ganze Familien, Einzelstarter, Teams, Sportgruppen, jung und alt. Wir sind drei Stunden lang gar nicht aus dem Erklären und Erzählen herausgekommen. Diese Resonanz hat uns echt umgehauen. Mein Highlight war, dass der Vereinsvorsitzende des HSV Weimar, der eigentlich Fußballer ist, mitgemacht hat und hinterher gesagt hat: „Ich habe jetzt mit 71 Jahren meinen ersten OL absolviert und soll ich was sagen: Es hat unglaublich Spaß gemacht.“

 

Wie hat euch die Breitensportprämie des DOSV dabei geholfen, was wurde davon finanziert?

Hölzer: Durch die Unterstützung des DOSV konnten wir im Vorfeld sehr gut in die so wichtige Öffentlichkeitsarbeit investieren, haben Flyer, verschiedenste Werbe- und Erklärplakate, Banner und Infomaterial produziert. Dazu natürlich der Druck der Karten und die Kosten der ganzen Strukturen, die für ein Event dieser Größe einfach notwendig sind. Zudem haben wie Teilnehmer-Preise gekauft und Leih-Kompasse für die Teilnehmer und zukünftige neue Mitglieder. Das restliche Prämiengeld wird für nachfolgende Trainings, Kartendrucke und notwendige Material-Anschaffungen für Trainings- und Wettkampfausrichtungen verwendet, um dem Nachhaltigkeitskonzept unserer Veranstaltung gerecht zu werden. 
An dieser Stelle wollen wir auch der ganzen OL-Abteilung des USV Jena noch einmal explizit und von Herzen danken, die uns bei unserer Neugründung bedingungslos und einzigartig unterstützt hat, und uns auch ihre SI-Technik, Postenständer und noch so vieles mehr an Ausrüstung und Knowhow kostenfrei zur Verfügung gestellt hat, damit wir diese Doppel-Veranstaltung überhaupt durchführen konnten. Diese wertvolle vereinsübergreifende Unterstützung und die DOSV-Prämie haben uns dann den notwendigen Spielraum verschafft, um uns auf die anderen Themen der inhaltlichen Umsetzung konzentrieren zu können. Das hat uns extrem geholfen und dafür sind wir wahrhaftig dankbar.

 

Spürt ihr schon Auswirkungen des Events für eure Abteilung?

Hölzer: Definitiv. Seit der Veranstaltung haben wir jede Woche bei unseren Trainingseinheiten neue Interessenten begrüßen können, die ersten davon sind sogar schon Vereinsmitglieder geworden. Das gibt uns allen natürlich mega Energie, denn man spürt, dass sich der hohe Aufwand gelohnt hat. Und wir beobachten tatsächlich auch noch etwas anderes: wir werden seitdem öfter auf unseren Sport angesprochen, werden z.B. bei Trainings als Orientierungsläufer erkannt, die öffentliche Präsenz hat unsere Bekanntheit als Verein und vor allem die Bekanntheit der Sportart Orientierungslauf in und um Weimar definitiv gesteigert.

 

Welchen Rat könnt ihr anderen Vereinen mitgeben, die sich zukünftig für die Breitensportprämie des DOSV bewerben oder eine ähnliche Aktion planen?

Hölzer: Schon die Bewerbung für die DOSV-Prämie hat bei uns etwas ausgelöst: Wir haben uns Gedanken gemacht, ein gemeinsames Ziel formuliert, gemeinsam einen Antrag auf die Beine gestellt und dabei als Team echt einen Schritt nach vorn gemacht. Die Idee, zwar die Infrastruktur eines offiziellen Ranglistenevents effektiv zu nutzen, davon aber zeitlich abgekoppelt der breiten Öffentlichkeit ihr eigenes Schnupper-Event anzubieten, bei welchem nur sie allein im Mittelpunkt steht und rundum professionell betreut wird, kann eine gute Blaupause sein, denke ich. Für uns zumindest hat sie super funktioniert. Gern stellen wir unsere Unterlagen und Poster, aber auch unsere Erfahrungen anderen Vereinen zur Verfügung. Entscheidend ist, dass wir im OL nicht in unserem Randsportart-Schneckenhaus sitzen bleiben und darüber klagen, dass wir zu Wenige sind. Sondern gemeinsam überlegen, wie wir das ändern können.

WKZ "OL für alle" WKZ "OL für alle"
WKZ Breitensport-Event "OL für alle"
Foto: Katrin Hölzer
WKZ Breitensport-Event "OL für alle"
Foto: Katrin Hölzer
Erklärung "OL für alle" Erklärung "OL für alle"
Caroline und Marcel erklären einem Teilnehmer OL
Foto: Tomas Schäfer
Caroline und Marcel erklären einem Teilnehmer OL
Foto: Tomas Schäfer
Erklärposter "OL für alle" Erklärposter "OL für alle"
OL-Erklärposter für Anfänger
Foto: Christina Hänsel
OL-Erklärposter für Anfänger
Foto: Christina Hänsel
Grundlagen "OL für alle" Grundlagen "OL für alle"
Rainer und Franziska erklären Teilnehmern am Start die Grundlagen des Orientierens mit Karte und Kompass
Foto: Tomas Schäfer
Rainer und Franziska erklären Teilnehmern am Start die Grundlagen des Orientierens mit Karte und Kompass
Foto: Tomas Schäfer
Technik "OL für alle" Technik "OL für alle"
Klein und Groß erleben das Postenfinden im Wald und die SI-Technik als spannend
Foto: Tomas Schäfer
Klein und Groß erleben das Postenfinden im Wald und die SI-Technik als spannend
Foto: Tomas Schäfer
Karte "OL für alle" Karte "OL für alle"
OL-Karte von Bahn 2 "OL für alle" Vorder- und Rückseite
Foto: Katrin Hölzer
OL-Karte von Bahn 2 "OL für alle" Vorder- und Rückseite
Foto: Katrin Hölzer
Katrin Hölzer und Thomas Schaarschmidt
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