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05. September 2025

EM-Sprint in Lier

Pia Young Vik
Die 22-jährige Norwegerin Pia Young Vik schaffte mit dem EM-Titel im Sprint den Durchbruch in die internationale Spitze. Schon zwei Tage zuvor hatte sie Silber im KO-Sprint gewonnen.
Foto: Frank Weyler
Die 22-jährige Norwegerin Pia Young Vik schaffte mit dem EM-Titel im Sprint den Durchbruch in die internationale Spitze. Schon zwei Tage zuvor hatte sie Silber im KO-Sprint gewonnen.
Foto: Frank Weyler

Zwei junge Orientierungsläufer*innen kürten sich am Sonntag zum Abschluss der EM zu überraschenden Europameistern im Einzelsprint: Pia Young Vik aus Norwegen und Matthias Barros Vallet aus Frankreich. Deutsche Starter*innen schafften die Qualifikation fürs Finale nicht.

Ergebnis

Damen

1. Pia Young Vik (NOR) 13:59 Minuten
2. Hanna Lundberg (SWE) +0:03
3. Inka Nurminen (FIN) +0:17

 

Herren

1. Mathias Barros Vallet (FRA) 13:39 Minuten
2. Kasper Harlem Fosser (NOR) +0:09
3. Eirik Langedal Breivik (NOR) +0:18

 

Bericht:

In Lier fand zum Abschluss der Titelkämpfe am Sonntag der EM-Einzelsprint statt. Für die Starter*innen galt es am Vormittag zunächst eine Qualifikation zu überstehen, bevor die 45 Besten am Nachmittag im Finale um die Medaillen laufen würden. In wechselndem Gelände aus Altstadt, Park und Schulgelände ging es darum, jede Sekunde zu optimieren, auch wenn die Qualifikationsrückstände nicht gar so gering ausfielen wie im KO-Sprint zwei Tage zuvor. Viele künstliche Sperren machten die Routenwahlen unsymmetrisch und sorgten so ein weiteres Mal dafür, dass ihre Länge schwer einzuschätzen war. 
Für die deutschen Starter*innen war leider schon in diesem Vorlauf Schluss. Am knappsten war es bei Anselm Reichenbach. Ihm fehlten 19 Sekunden. Zwei Tage nach seinem Erfolg mit Platz 8 im KO-Sprint erzählte er hinterher, dass er an diesem Tag nicht die Beine hatte, ins Finale zu kommen. Nicht viel mehr Rückstand war es bei Marek Pompe (+0:33) und Patricia Nieke (+0:35). Besonders Patricia haderte mit einem Fehler zu Posten 4, als sie eine Hauswand in der Karte übersah, ihren Durchgang verpasste und so gut 20 Sekunden verlor. Auch wenn diese Zeit letztlich nicht den Ausschlag gab, ob sie die Qualifikation schaffte, blieb so das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre.

Das Finale stieg noch am gleichen Nachmittag an gleicher Stelle. Bahnlegung wie Starterfeld waren hochklassig, das Gelände absolut würdig für eine Europameisterschaft. Mit einem kurzen Loop in kleinen Wohnkarrees starteten die Strecken nach dem Motto „Fast and Furios“, bevor sie mit einer langen und für einige Läufer*innen durchaus schon entscheidenden Routenwahl hin zur Arenapassage geführt wurden. Nach gut einem Drittel lagen dort bei den Herren über 30 Läufer innerhalb einer halben Minute und konnten sich damit berechtigte Hoffnung auf eine Medaille machen, bei den Damen waren es kaum weniger. Anschließend ging es in die Hinterhöfe der Innenstadt von Lier. Viele Passagen durch Gebäude, mit denen wohl keine*r der Läufer*innen gerechnet hat, wurden geöffnet, unter anderem die Tiefgarage der Sint-Ursula-Schule. Hier wurden die Rennen letztlich auf zwei komplexen, typisch belgischen Routenwahlen entschieden: Wer hier eine falsche Wahl traf und zu viele Meter machte, wurde mit teils massiven Zeitverlusten bestraft. Im schlimmsten Fall übersah man sogar noch einen der zahlreichen Zäune und geriet in eine Sackgasse, dann waren die Medaillenambitionen sofort vorbei.

Der Nachmittag startete mit dem Rennen der Männer. Früh war die Stimmung in der Arena schon hervorragend, als die ersten belgischen Läufer den Durchlauf passierten – drei von ihnen hatten es ins Finale geschafft. Der erste Medaillenaspirant startete kurze Zeit später, doch Jonathan Gustafsson (SWE) konnte sein Tempo nie wirklich auf die Straßen von Lier bringen. Besser gelang das dem Neuseeländer Tim Robertson, der die erste Richtzeit setzte, an der sich die Konkurrenz abzuarbeiten hatte. Durch zahlreiche Verletzungen war er in diesem Jahr bisher noch nicht in Bestform, ein so technischer Sprint sollte ihm aber eigentlich liegen. Just in diesem Schlussteil verlor er jedoch entscheidend an Zeit, sodass es „nur“ für Platz 6 reichte. Als Trost: Eine Medaille hätte er als Nicht-Europäer sowieso nicht gewinnen können.
Schneller noch unterwegs als Robertson war Kasper Fosser. Dem Norweger hatte im KO-Sprint noch die Geschwindigkeit gefehlt, ein Einzelsprint liegt ihm deutlich besser. An der Arenapassage setzte er eine im Maßstab dieses Rennens deutliche neue Bestzeit. Auch ihn erwischte es aber im folgenden Abschnitt. Zu Posten 14 verlor er durch seine Routenwahl ganze 15 Sekunden. Zu viel für den Sieg. Die Zeit von Robertson schlug er trotzdem deutlich. 
Hauptkonkurrent war zunächst sein Landsmann Eirik Langedal Breivik. Der verlor früh etwas Zeit und machte sich an die Aufholjagd. Am Ende reichte es knapp nicht, um Fosser zu gefährden, er wurde 3.
Den vierten Platz teilten sich nur eine Sekunde dahinter Jakub Glonek (CZE) und der Heimfavorit Yannick Michiels. Michiels verlor die Chance auf Gold bereits im ersten Teil des Rennens. Ab dem Kartenwechsel und dem Arenadurchlauf – vielleicht nahm er dort die Energie der Menge auf – verlor er nur noch eine Sekunde auf den Sieger. Ein Zusammenstoß mit einer Radfahrerin in der ansonsten mit großem Aufwand hervorragend gesicherten Stadt kostete ihn womöglich die Sekunde zur ersehnten Medaille in der Heimat.
Als die drei letzten Starter gingen schließlich die Vorlaufsieger ins Rennen. Tuomas Heikkila (FIN) und Martin Regborn hatten sicherlich den größten Favoritendruck im Rennen, und beide scheiterten. Regborn lief schon zu Posten 14 in eine Sackgasse, Heikkila erwischte dieselbe auf dem Weg zu Posten 19. Der dritte Vorlaufsieger war, überraschend, der Franzose Mathias Barros Vallet. Er bestätigte seine Leistung aus dem Vorlauf. Im Anfangsteil lag er zwar noch knapp hinter Fosser zurück, auf der zweiten Hälfte machte er den Unterschied und verlor nur auf der letzten Routenwahl zu Posten 19 etwas Zeit. Sein Tempo auch am Ende war jedoch so hoch, dass er letztlich souverän siegte. So überraschend der Sieg zuerst wirkt, er kam nicht von ungefähr. In Vorbereitung auf die Titelkämpfe absolvierte der 22-jährige in diesem Jahr über 80 Sprinttrainings, sehr viele davon auf den 35km² Sprintkarten rund um den Kaderstützpunkt in Clermont-Ferrand. 

Die große Schweizer Favoritin im Damenrennen startete als letzte Starterin des Tages. Spannung bis zuletzt also, wohl aber mit erwartbarem Ausgang. Eine Belgierin hatte es leider nicht ins Finale geschafft, dafür mit Eef van Dongen aber eine Niederländerin, die damit praktisch Heimvorteil genoss, noch dazu hatte sie ihren Vorlauf gewonnen. 
Die erste Dame jedoch, die für eine richtig starke Zeit sorgte, war die Schwedin Helena Bergman. Die 40-Jährige war zum ersten Mal seit acht Jahren im Weltcup dabei und zeigte gleich, dass sie noch immer eine Medaillenanwärterin ist. Ihre Erfahrung kam ihr auf dieser Strecke sicherlich zugute. Am Ende wurde sie sechste.
Ihre Zeit wurde erst von Inka Nurminen (FIN) geschlagen, der ersten großen Überraschung des Rennens, als schon die absolute Spitze unterwegs war und es bereits um die Medaillen ging. Das belgische Pflaster scheint der Sprintspezialistin zu liegen, schon im Frühjahr beim ASOM hatte sie den Einzelsprint gewonnen, auch wenn die Leistung damals mangels Konkurrenz von der absoluten Spitze schwer einzuschätzen gewesen war. Sicherlich war sie auch etwas auf die Fehler der Konkurrenz angewiesen, denn am Arenadurchlauf lag sie bereits 16 Sekunden zurück. Bis ins Ziel aber verlor sie nichts mehr auf die spätere Siegerin.
Auch die spätere Viertplatzierte Alva Sonesson lief etwas unter dem Radar der Zuschauer*innen nachdem sie zu Beginn etwas Zeit verlor. Mit einer starken zweiten Hälfte verpasste sie ihre erste Einzelmedaille jedoch letztendlich nur knapp.
Dramatisch wurde der Kampf um den Sieg. Hanna Lundberg (SWE) und Pia Young Vik (NOR) starteten direkt hintereinander und lagen für den Großteil des Rennens fast gleichauf. Den Unterschied machte erst die letzte Routenwahl zu Posten 16. Lundberg nahm die einfachere, aber zu lange Route über die Hauptstraße, sodass Vik auf den kurzen letzten Posten mit spritzigeren Beinen den geringen Rückstand in einen minimalen Vorsprung von drei Sekunden ummünzen konnte.
Zum Schluss kam noch die Favoritin. Und Simona Aebersold (SUI) wurde der Rolle absolut gerecht. Bis zur Arenapassage hatte sie einen Vorsprung von sieben Sekunden herausgelaufen und lag voll auf Kurs für den ersehnten Titel. Dieselbe Routenwahl, die schon Regborn bei den Männern die Chance auf eine Medaille gekostet hatte, wurde auch ihr zum Verhängnis. Zu Posten 10 verlor sie auf der falschen Route durch eine übersehene Sackgasse 27 Sekunden. Was für ihre Überlegenheit spricht: Trotz einem solchen Zeitverlust wurde Aebersold noch Fünfte. Den Sieg konnte die junge Pia Young Vik feiern.

Mathias Barros Vallet Mathias Barros Vallet
Mathias Barros Vallet krönt sich überraschend zum Europameister. Im Finale bestätigte der 22-jährige seine tolle Vorstellung aus der Qualifikation.
Foto: Frank Weyler
Mathias Barros Vallet krönt sich überraschend zum Europameister. Im Finale bestätigte der 22-jährige seine tolle Vorstellung aus der Qualifikation.
Foto: Frank Weyler

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