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30. Juni 2020

Deutschlands „beste“ O-Sport-Karten und -Gelände #5

Peter Gehrmann von der ASG (Ausdauersportgemeinschaft) Teutoburger Wald (nahe Bielefeld, NRW), ein Urgestein des (west)deutschen OL, stellt uns seine hiesige Lieblingskarte von der OL-WM 1995 vor. Gleich 2-mal war der heute 81-Jährige Cheftrainer/ Trainerratsvorsitzende des deutschen OL und trainierte der (O)Läufer und Miterfinder des Hermannslaufes auch unabhängig davon Nationalteamläufer.

Welches kartierte Gelände (eine Karte) ist für dich am technisch anspruchsvollsten?

Karte: Mordkuhle

Unter technischen Anspruch möchte ich hier einmal nicht allein die Orientierung (Grob- und Feinorientierung) verstehen, sondern auch die Möglichkeiten zur Routenwahl, die m.E. für Sieg oder Niederlage beim OL nicht minder wichtig ist als das Orientieren zum Posten. 

Warum genau diese Karte ?

Das Gebiet über das sich die Mordkuhle-Karte erstreckt, nämlich den Teil des Teutoburger Waldes zwischen dem Hermannsdenkmal und dem Bilsteinsender weist ein interessantes Höhenbild auf, das nicht so leicht zu überblicken ist. Dieses Höhenbild, verbunden mit einer nach damaligem technischen Standard brillanten Geländeaufnahme von Stephan Schliebener schafft die Voraussetzungen für faires Überschauen und somit faires Urteilen über eine OL-Route. Unter „fair“ verstehe ich, dass ich aus dem Kartenbild erkennen kann, wie der Wald dort in Natura (Belaufbarkeit) ausschaut, so dass sich eine Routenwahl nicht allein am Höhenbild orientieren muss.

Welche Distanz/ welches Training eignet sich auf dieser Karte am besten?

Natürlich kann man hier am besten die Routenwahl trainieren, aber auch kurze Schläge am Hang oder Laufen nach Leitobjekten lässt sich hier gut praktizieren.

Ich habe bewusst einmal den ersten Teil der Herren-Bahn der WM 95 eingezeichnet gelassen. Der lange Schlag von P 6 nach P 7 wurde damals sehr heiß diskutiert. Zwei der drei Medaillengewinner entschieden sich für eine ganz einfache „H12-Route“, also knallhartes einfaches Wegeballern und fuhren offenbar gut dabei. Auch für ganz einfache (aber schnelle!!) Routen muss man einen Blick bekommen, denn beim OL gewinnt nicht der, welcher die am intelligentesten ausschauende Route läuft, sondern der, welcher zuerst im Ziel ist.

Welchen geografischen Vorteil siehst du allgemein in OL-Deutschland?

Deutschland ist ein Land mit (aus Sicht des OL) landschaftlich vielen Gesichtern. Es sind oft krasse Unterschiede, ob man im Rheinischen Schiefergebirge (Sauerland, Siegerland, Eifel) oder in den Heidehügelchen Niedersachsens oder der Lausitz läuft. Und dann sind da noch die sensationellen Felsgebiete im Elbsandsteingebirge oder Rheinhauser Wald, die bei guter Aufnahme das Herz eines jeden OLers fröhlich hüpfen lassen. Wir aus dem Westen waren damals in den achtziger Jahren hellauf begeistert, als wir beim Ostsee-OL erstmals in den von Grosse/ Thämelt [damals HSG TU Dresden] sehr gut aufgenommenen Ostseedünen bei Zinnowitz liefen.

An dem internationalen OLer-Spruch: „Wer in Norwegen orientieren kann, der kann es in der ganzen Welt“, ist schon etwas dran. Doch, wer deswegen die herrlich vielseitigen OL-Wälder unserer Heimat vernachlässigt, ist keinesfalls ein guter OLer.

Welchen Tipp möchtest du, bedingt durch deine lange OL-Erfahrung der jetzigen Generation gerne mit auf den Weg geben?

Man sollte sein OL-Training generell darauf ausrichten, ein/e Wettkämpfer/in mit gleichmäßig guten Leistungskomponenten (Orientieren, Routenwahl, Laufen) zu werden. Ich geb’s zu: Der verhängnisvolle Satz sitzt unbewusst tief und böse drin (leider auch bei mir): „Wer durch fitzelige Höhenlinien orientieren kann, ist klug, wer Wege ballert, ist doof.“ Wenn man ein siegreicher OLer sein will, dann muss man Orientieren und Routenwahl und Laufen beherrschen und mit gleicher Intensität trainieren. Ich möchte sogar ganz frech Folgendes behaupten: Das Orientieren durch knifflige Höhenlinien, das hat man irgendwann heraus … und kann es. Nicht so die Routenwahl. Da erwischt es einen immer wieder … mich jedenfalls noch jenseits der H70 … und das ist mir heute noch peinlich.

Und das Laufen? Die Zeiten, in denen man als orientierender Wandersmann nach dem treuherzigen Motto: „Trotz Reg’n und Schnee im DTB“ noch gewinnen konnte, sind lange vorbei.

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