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10. Januar 2021

Deutschlands beste O-Sport-Karten und -Gelände #17

Vor einiger Zeit wurde auf unserer deutschen Orientierungssport-Webseite die Diskussion um die besten deutschen OL-Karten begonnen und u.a. auch die „Harz 1“ vorgestellt. Bernd Wollenberg vom SV Schorfheide mit der Abteilung Orientierungssport (OL, Biathlon-OL, Trail-O) nahm das zum Anlass von seinem Einstieg in den OL und von seinen ersten bis hin zu eigenen OL-Geländen/ -Karten zu berichten.

Da ja dort, beim Ramberg, quasi meine „OL-Karriere“ Anfang April 1962 startete, laufe ich immer wieder gern durch die Harzer Berge, inzwischen auch, wie im letzten Jahr trotz Corona–Lockdown Nr. 1 im April bei Friedrichsbrunn oder im Herbst dann auch zu den Regionalmeisterschaften bei Bad Harzburg. Woher kommt diese Lust auf Harz – das fragen mich immer wieder auch „gestandene Orientierer“.

Sicherlich, das hat zum großen Teil mit den Lehren eines Kurt Conrad (genannt „Kenkel“) zu tun, der mich, obwohl der BSG Medizin Quedlinburg angehörend, ab meinem 13. Lebensjahr auch unter seine „Fittiche“ nahm und uns Kinder und Jungjugendliche, anfangs noch bis weit in die 70er Jahre hinein, auf den „berühmt-berüchtigten“ Messtischblättern (braun-weiß oder als Fotokopie schwarz-weiß) im Maßstab 1:25 000 ausbildete und regelrecht darauf „trimmte“, nur den „Höhenlinien“ zu vertrauen. „Alles andere kann sich schnell mal verändern,“ war seine regelmäßige Ansprache an uns. Ergebnis des Ganzen: Mehr und mehr liefen wir schon in jungen Jahren lieber quer nach Kompass und das Höhenprofil war unsere „Auffanglinie“, heute eher als „Attackpoint“ bekannt.
So kam es auch recht schnell dazu, dass sich bei meinen OL-Starts erste Erfolge einstellten, die damaligen „Duelle“ speziell mit Michael „Schubi“ Schubert oder Ludwig „Schlendi“ Genderjahn sind mir immer noch in lebhafter Erinnerung. Die damaligen Wettkämpfe waren, bis auf wenige OL im Raum Berlin-Potsdam oder der Dübener Heide bzw. bei Leipzig oder Halle, wesentlich mehr als später üblich (oder kommt mir das nur so vor?) von Postenstandorten in kleinen Seitentälern, Steingruppen oder natürlichen Vertiefungen in Hanglagen geprägt und gekennzeichnet von den Idealrouten grundsätzlich nur querdurch oder eben „Höhenlinien folgen“.

Und so gehört natürlich – aus dieser Erinnerung heraus und interessanterweise auch der aktuellen Bahnlegungen z.B. eines Dieter Conrad oder Wolfgang „Opi“ Krause , beide bekanntermaßen durchgehend Wissenschaft Quedlinburg – das „Unterharzgelände“ zwischen Thale – Bad Suderode – Friedrichsbrunn immer noch zu den OL-Gebieten, wo zu starten es sich rein orientierungstechnisch immer noch lohnt! Die Herausforderungen, fehlerfrei die Parcours zu absolvieren, ist in den nun über fünf Jahrzehnten immer noch gleich hoch. Obwohl man nun eigentlich davon ausgehen müsste, dass ich mich nun dort „wie in meiner Westentasche“ auskenne, ist das eben beileibe nicht so. Speziell die beiden o.g. Bahnleger verstehen es immer wieder, neue und überraschende Aufgaben zu stellen, die zu lösen nie langweilig wurde.

Wen verwundert es da, dass ich, bis auf einige regional bedingte Ausnahmen, versuche, meine Karten in „einigermaßen“ interessantem Gelände zu erstellen. So reizte mich seit meinem Wohnortwechsel nach Berlin von Anfang an das Großgebiet der brandenburgischen Schorfheide. Da mein damaliger Verein zeitweilig durch das TK den Zuschlag zur WMOC erhielt, der sogar damals durch die IOF bestätigt wurde, gelang es, den doch anfangs gegenüber dem OL negativ eingestellten diversen Behörden quasi „klar zu machen“, dass OL sehr wohl umweltbewusst agiert und konsequent die Zusammenarbeit mit Forst und Jagd betreibt. Dass diese WMOC dann nach einem TK-Wechsel Anfang der 2000er Jahre zurückgezogen wurde, ist eine andere Geschichte, aber die Zusammenarbeit mit Forst und Jagd erlaubte mir, dort tatsächlich beinahe überall OL betreiben zu können. So liegt es nahe, dass das nächste „Großprojekt“ dort dem OL-Gelände im Harz recht nahe kommt: schroffe Hänge zwischen 140 m bis hinunter zum Werbellinsee (ca. 40 m), unübersichtliche Täler mit vielfach verzweigten kleinen Seitentälern und immer wieder überraschenden kleinen Punktobjekten „verzaubern“ regelrecht meine „OL-Seele“ – im Geist sehe ich dann diverse OL´er dazwischen hin und her laufen, zum Teil mit „verzweifelten Gesichtsausdrücken“ – weil sie nicht, wie ansonsten vielfach gewohnt über die Wege hetzen können („dritte Abbiegung rechts, zweite Kreuzung links – piep“). Fertig wird diese Karte wohl so um 2024 und soll eigentlich einer DM im Mittelstrecken-OL dienen. „Warum so spät – Du bist doch dann schon über 75?!“ wurde ich gefragt. Ja, die Karte hätte auch 2022 fertig sein können … Gehindert – und deshalb aber nicht unglücklich – hat mich bei der Erarbeitung dieser Karte ein zwischenzeitlich anderes Projekt: die Kartierung um den Großen Arber im Bayerischen Wald zwischen 900 m und 1456 m Höhenlevel. Auch dort sind wieder ähnliche Bahnen wie im Harz konstruierbar – die Teilnehmer der Weltmeisterschaften im Biathlon-OL vom 4.-7. August 2022 werden dann quasi den langen Atem eines Kurt Conrad am eigenen Leibe verspüren …

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