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15. Januar 2021

Elitetipp im Januar: Vergrößern, verlängern, vereinfachen - so überlistet man auch schwere Posten

Viele schwierig aussehenden Posten können ganz leicht werden, wenn man die nötigen Techniken kennt, um den Posten schnell und sicher anzulaufen. Der Trick ist, aus den vielen Details auf der Karte diejenigen wenigen herauszufiltern, auf die es wirklich ankommt. Und die man im Gelände auch wirklich schnell und sicher zuordnen kann. Von diesen Techniken, die sehr oft gebraucht werden und die jeder Orientierungsläufer ganz instinktiv auch oft anwendet, handelt dieser Elitetipp. Oder anders gesagt: Es geht auch bei schwierigen Posten um nichts anderes als die Grundtechniken.

 

 

 

Vereinfachen

Hiermit meine ich in diesem Zusammenhang nicht das Generalisieren von Postenübergängen oder des Postenraumes. Mit „vereinfachen“ ist gemeint, dass ein Posten von einer Seite her angelaufen wird, wo er besonders leicht zu attackieren ist (rote Route: leicht; grüne Route: schwer).

Das bedeutet, dass schon bei der Routenwahl darauf Rücksicht genommen werden muss, von welcher Seite her man den Posten am besten anläuft! Das kommt zum einen auf den sogenannten „Attackpoint“ an, zum anderen oft aber auch auf das Postenobjekt (=dort, wo der Posten steht). So ist es z.B. so, dass Felswände oder Mulden in einem Hang von oben oft ganz schwer sind, während sie von unten einfach zu finden sind. Kleine Löcher, Plateaus und Senken im Hang dagegen würde man am besten von oben anlaufen, denn von dort hat man in diesem Falle die bessere Übersicht.

 

Verlängern

Ähnlich wie beim Vereinfachen werden Strukturen auf der Karte (bzw. eigentlich im Gelände) genutzt, damit der Posten einfacher wird. Der Posten selbst ist ein Punktobjekt, das schwierig zu sehen ist. In Kombination mit anderen, länglichen Geländeformationen wie Bestandsgrenzen, Mulden, Hügeln, usw. wird er dagegen ganz einfach (rote Route: leicht, grüne Route: schwer).

Gerade beim Kompasslauf ist diese Technik wichtig: Da man oft nicht genau genug Kompass läuft, peilt man absichtlich etwas zu weit auf die eine Seite und kann sich dann sicher sein, dass der Posten dann auf der anderen steht. Damit ersparen sich gerade Anfänger die Frage, ob sie weiter links oder weiter rechts suchen sollen...

 

Vergrößern

Kleine Objekte, an denen der Posten steht, befinden sich oft in der Nähe von großen Objekten. Diese nutzt man, um zum Posten zu kommen.

In Bild 3 z.B. läuft man also zuerst ganz auf den Hügel (rote Route: leicht, grüne Route: schwer), um den dahinterliegenden Stein dann schon zu sehen. Oder auf einer Postenverbindung läuft man absichtlich über größere Objekte und nimmt einen Umweg in kauf.

 

Hilfe auf der anderen Seite

Eine Technik, die oft auch ganz nützlich ist und von der ich finde, dass sie oft übersehen wird, ist die „Hilfe auf der anderen Seite“. Sie ist in Bild 4 erklärt.

Posten, die wie Bingoposten aussehen, sind manchmal ganz einfach anzulaufen, wenn man die Objekte auf der gegenüberliegenden Seite benutzt.

 

 

 

Im Prinzip lassen sich alle Techniken zum Finden der Posten beim OL auf diese 4 Grundtechniken zurückführen. Schwierige Posten sind nur deshalb schwierig, weil die Technik nicht so auf dem silbernen Tablett präsentiert wird wie in den Beispielen. Diese Techniken in einer normalen OL- Bahn wiederzufinden, ist eine schöne Übung für lange Läufe oder lange Winterabende oder Langeweile im Lockdown. Ausprobieren! Gerade im schwierigen skandinavischen Gelände lassen sich die Grundtechniken wegen den vielen Objekten meist immer anwenden aber oft besonders schwierig ausmachen.

 

Autor: Ingo Horst (im Original von 2004)

Der Elitetipp erscheint monatlich auf o-sport.de. In ihm werden verschiedene Leute über spezielle Themen im OL berichten, mit denen sie sich auskennen. Der Elitetipp soll dazu anregen, selbst darüber nachzudenken, was man alles besser machen könnte im OL.

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