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01. Juni 2022

Ziele in KO-Sprint und Sprintstaffel erfüllt

Bojan Blumenstein und Erik Döhler qualifizierten sich in unglaublich engen KO-Qualifikationsrennen für das Viertelfinale. Dort mussten sie sich der starken Konkurrenz geschlagen geben, konnten als Gesamt-25. aber ordentlich Weltcuppunkte sammeln. Mit Platz 12 in der bereinigten Nationenwertung erfüllte die Sprintstaffel „Deutschland 1“ das ausgegebene Top15-Ziel. Im KO-Sprint gewannen Tove Alexandersson (SWE) und Matthias Kyburz (SUI), die Sprintstaffel ging an Schweden.

Platz sieben mit vierzehn Sekunden Rückstand, mit dieser Leistung qualifizierte sich Bojan Blumenstein für das Viertelfinale im KO-Sprint. Zwar wählte er zweimal nicht die optimale Route, war aber insgesamt gut im Flow und konnte vom Start weg ordentlich Druck machen, die physische Form passte. Die eindeutige Qualifikation war der Lohn. Im zweiten Vorlauf lag Erik Döhler dreiundzwanzig Sekunden hinter dem Heatsieger auf Platz 11, auch er erreichte das Viertelfinale, wenn auch äußerst knapp. Er fühlte sich physisch gut, machte aber auf einer herausfordernden Bahn ein paar kleine Fehler. Davor waren aber auch einige Starter, die er stärker einschätzte, nicht gefeit, sodass es am Ende für ihn reichte. Für Felix Späth dagegen waren fünfunddreißig Sekunden schon zu viel, er erreichte nur Rang 19. Auch für einige große Namen war in der Quali schon Schluss. Yannick Michiels, Joey Hadorn und Daniel Hubmann waren unter den prominentesten Opfern. Bei den Damen waren die Rückstände der deutschen größer, Patricia Nieke als 19. hatte 57 Sekunden Rückstand, zwölf Sekunden fehlten zu Platz 12, der eine Viertelfinalteilnahme bedeutet hätte. Sie war an diesem Tag die beste Deutsche.

Im Viertelfinale traf Erik in der Runner’s Choice die richtige Wahl und konnte bis zur Hälfte gut mithalten. Als die Schweden dann noch einen Gang hochschalteten hatte er aber keine Chance mehr. Glücklich mit seinem Lauf stufte er Platz 25 trotzdem als seinen bisher größten Erfolg ein. Offensiv startete Bojan in sein Viertelfinale. Zusammen mit dem Norweger Eskil Kinneberg setzte er sich an die Spitze, fiel aber durch eine schlechte Routenwahl auf Platz fünf zurück. Obwohl er auf der Route zu Posten 10 nocheinmal alles probierte, konnte er nicht mehr an die Führungsgruppe heranlaufen. Trotz verpasster Halbfinalquali – auch er war hochzufrieden mit seinem Ergebnis.

Nach dem Viertelfinale kam auch im Halbfinale die Gabelungsvariante Runner’s Choice zum Einsatz, während das Finale ungegabelt war. Wie von dem Format nicht anders zu erwarten waren die Rennen allesamt sehr eng, häufig gab es Zielsprintentscheide um die Qualifikation zur nächsten Runde. Eine beeindruckende Ausnahme bildete das dritte Halbfinale der Damen, in welchem Hanna Lundberg und Megan Carter Davies sich um fast eine halbe Minute vom restlichen Verfolgerfeld absetzen konnten, sodass sie schließlich entspannt über die Ziellinie joggen konnten. Beeindruckend war – wie sollte es anders sein – auch die Halbfinalperformance von Tove Alexandersson, schon nach der Runner’s Choice an Posten 3 und 4 war ihr Vorsprung fast uneinholbar groß, obwohl sie auf ihrer Variante allein unterwegs war. Hinter Alexandersson konnte sich Andrine Benjaminsen im Zielsprint durchsetzen. Das Starterfeld fürs Finale wurde durch die beiden Schwedinnen Lina Strand und Karolin Ohlsson komplettiert.
Im Finale der Damen zeigte sich sehr früh, dass eigentlich nur drei Starterinnen das nötige Tempo für den Sieg mitbrachten. Hanna Lundberg setzte sich gewohnt stark an die Spitze, doch die Juniorin musste schlussendlich doch den Anstrengungen des Tages Tribut zollen. Durch eine gute Routenwahl zu Posten 5 konnte sich in der Folge Megan Carter Davies vom Rest des Feldes absetzen. Die Britin zeigte sich technisch sicher und verfügte über ein so hohes Lauftempo, dass nur Tove Alexandersson ihr folgen konnte. Im Verlauf der weiteren Strecke saugte sich die Dominatorin der letzten Jahre an ihre Konkurrentin heran. Die erste kleine Unsicherheit nutzte Alexandersson um an Posten 11 endgültig heranzukommen, bevor sie mit einem schnellen Antritt an ihrer Gegnerin vorbeiging und einige Meter Abstand gewann. Sie gewann das Finale vor der tapfer kämpfenden Carter Davies, dritte wurde im Zielsprint der Verfolgerinnen Andrine Benjaminsen.
Noch enger waren die Läufe der Herren. Für die einzige Schweizer Finalteilnahme sorgte Matthias Kyburz, ihm folgte in Halbfinale eins Tim Robertson. Robertson zeigte im Verlaufe des Tages immer wieder seine Klasse. Unbeeindruckt von den Entscheidungen der anderen Läufer, die häufig in der Tram liefen, nahm er immer wieder eigene Routen, die zumeist auch die schnelleren waren. In einem schwedisch dominierten zweiten Halbfinale konnte sich Ralph Street vor Martin Regborn durchsetzen. Für Kontroverse sorgte das dritte Halbfinale. Hier liefen August Mollen und Mika Kirmula im Zielsprint vor Kasper Fosser ein. Allerdings liefen alle Läufer außer den Norwegern Kasper Fosser und Eskil Kinneberg durch eine verbotene Hecke, die zwar nur wenige Meter, doch aber einen so entscheidenden Vorsprung brachte, dass Fosser sich erst zum Zielsprint wieder herangekämpft hatte. Ein Protest war die Folge, gefolgt von einem Gegenprotest, in welchem darauf hingewiesen wurde, dass die Hecke bei hohem Lauftempo nicht eindeutig als unpassierbar zu erkennen gewesen sei. Die Entscheidung der Jury mutete etwas seltsam an: Diejenigen, die zuerst die Ziellinie überquerten, durften im Finale antreten, obwohl sie ein Verbot missachteten. Zusätzlich wurde mit Fosser nur einer der durch ihre Regelkonformität benachteiligten Läufer ins Finale weitergesetzt – eine für die Zukunft gefährlich anmutende Kompromissentscheidung.
Das Finale der Herren war ähnlich eng wie auch die Vorrundenentscheidungen, die Finalstarter bis kurz vor Schluss in einer Tram beisammen. Lange Zeit führte der Brite Ralph Street mit einem couragierten Rennen das Feld an. Eine Routenwahlentscheidung, die der Neuseeländer Tim Robertson erneut unabhängig vom restlichen Feld traf, führte ihn an Posten 6 an die Spitze, die er bis kurz vor Schluss behaupten konnte. Erst eine schlechte Mikroroutenwahl und zwei Meter Umweg zum elften Posten gaben Matthias Kyburz die Möglichkeit an ihm vorbeizugehen. Der Schweizer nutzte diese Unachtsamkeit mit all seiner Erfahrung natürlich sofort, gleichzeitig zog er das Lauftempo derart an, dass eine kleine Lücke zum Rest des Feldes aufging, die sich bis ins Ziel nicht mehr schloss. Auch der Neuseeländer ließ im Zielsprint der folgenden vier Läufer niemanden vorbei, dritter wurde der Schwede August Mollen.

Am Sonntag folgte als Abschluss der ersten Weltcuprunde eine Sprintstaffel. Für die erste deutsche Staffel lief Susen Lösch auf der Startposition. Der Lauf war nach eigener Aussage nicht gut. Vom Start weg hatte sie nicht die nötige Kontrolle, da es sehr eng war und sie aufpassen musste nicht der Vorderfrau in die Hacken zu treten, sodass Kartelesen quasi nicht möglich war. Sie lief also zunächst nur der Tram hinterher und rannte schlussendlich auch noch in eine der vielen künstlichen Sperren. Ihre Aussage zu dem Rennen: „Schon echt krass wie schnell die alle rennen, wenn jemand zeigt wo’s lang geht!“ Auf Position 2 folgte Bojan Blumenstein. Mit unglücklicherweise etwas mehr Rückstand als erhofft lief er ein sehr einsames Rennen. Ein kurzer Blackout zu Posten drei und fünfzehn Sekunden Fehler aufgrund eines falschen Gabelungspostens halfen auch nicht, um wieder heranzulaufen. Colin Kolbe für die zweite deutsche Staffel lief ihn auf, erst zum Ende hin konnte Bojan seinen Teamkollegen wieder etwas distanzieren. Erik Döhler auf Position drei berichtete von einem soliden Lauf, auch er musste aber kleine Zeitverluste durch Routenwahlen beklagen. Durch die physische Betonung der Sprintstaffel und bereits 3:40 Minuten Rückstand sah er sich aber nicht in der Lage noch etwas auszurichten. Den Abschluss der Staffel bildete Birte Friedrichs. Abgesehen von einer Route entschied sie die Routenwahlen richtig, auch das Lauftempo passte. Ihr Highlight: Durch eine gute Route zum letzten Posten konnte sie die Litauerin überlaufen und so Platz 34 (Platz 12 in der bereinigten Nationenwertung, in der nur je eine Staffel pro Nation zählt, dazu keine Mixedteams) absichern. Die zweite deutsche Staffel in der Besetzung Patricia Nieke, Colin Kolbe, Felix Späth, Hanna Müller erreichte das Ziel eine halbe Minute nach Deutschland 1 auf Platz 36. Leonore Winkler und Paula Starke liefen in verschiedenen Mixedteams.

Vom Start weg prägten die Teams Schweden 1 und 2 das Rennen an der Spitze. Hanna Lundberg lief für das Team Schweden 1 gewohnt stark an, ihrem Lauftempo konnte zunächst niemand folgen. Ein Routenwahlfehler auf der zweiten langen Routenwahl zu Posten 10 warf sie allerdings so weit zurück, dass sie nicht wieder an die Spitze aufschließen konnte. Lina Strand für das Team Schweden 2 übernahm die Spitze. An Position 2 – noch vor Lundberg – wechselte die Niederländerin Eef van Dongen in einem Mixedteam laufend auf den Neuseeländer Tim Robertson. Im weiteren Verlauf des Rennens hielt das Team Schweden 2 mit den Herren Martin Regborn und Emil Svensk souverän seinen Vorsprung. Sowohl Joey Hadorn für die Schweiz 1 an Position 2 laufend, als auch Gustav Bergman für Schweden 1 an Position 3 konnten den Rückstand zwar zwischenzeitlich auf etwa 10 Sekunden verringern, individuelle Fehler sorgten allerdings dafür, dass die Führung nie in Gefahr geriet. Die Schlussstrecke wurde so zu einem Schaulaufen von Karolin Ohlsson, erst auf der kurzen Schlussrunde büßte sie etwas von ihrem mit 45 Sekunden durchaus komfortablen Vorsprung ein, bevor sie im Ziel von den jubelnden Staffelkollegen empfangen wurde – ein Sieg, der auch als teaminterne Kampfansage hinsichtlich der WM in knapp einem Monat verstanden werden darf, bei der auch Schweden nur ein Staffelteam stellen darf. Dahinter entwickelte sich ein Zweikampf zwischen Tove Alexandersson und Elena Roos, den die Schweizerin letztlich durch einen ungewöhnlichen Routenwahlfehler Alexanderssons für sich entscheiden konnte. Platz drei in der Nationenwertung ging an Norwegen, Kasper Fosser an Position drei konnte sich bereits ein Stück vom Verfolgerfeld absetzen, Andrine Benjaminsen lief die Staffel nach Hause. Schweden, Schweiz und Norwegen, bereits seit einem Jahr schaffte es kein anderes Team mehr auf das Siegerpodest einer Sprintstaffel.

Bundestrainer Thomas Meier zeigte sich nach dem Weltcup grundsätzlich zufrieden. „Die drei Wettkämpfe in Borås haben bestätigt, dass der Bundeskader als Ganzes in den Sprint-Formaten Fortschritte gemacht hat. Während im Sprint Weltcuppunkte noch schwierig zu erlaufen sind, zeigt sich im kürzeren KO-Sprint, dass ein erfolgreiches Abschneiden in der Qualifikation für einige Athleten des Bundeskaders möglich ist. Dabei ist das Erreichen der Viertelfinals mit mindestens 10 Weltcuppunkten verbunden“, so der Bundestrainer zu den beiden Einzeldisziplinen. „In der Sprint-Staffel konnte zum vorderen Mittelfeld aufgeschlossen werden, wobei dem Team aber auch deutlich gemacht wurde, wo die primären Mängel liegen. Mit dem aktuellen Laufvermögen kann dem Tempo der Top8-Nationen nicht gefolgt werden.“

Nach dem Weltcup wurden die Teams für die beiden großen Höhepunkte der Saison nominiert.
Für die Weltmeisterschaften Ende Juni in Dänemark wurden Susen Lösch, Birte Friedrichs, Erik Döhler und Bojan Blumenstein für alle Disziplinen nominiert, Patricia Nieke und Colin Kolbe für die Einzeldisziplinen. Hanna Müller und Felix Späth sind die Ersatzläufer für einen Ausfall im Vorfeld der Wettkämpfe.
Für die World Games im Juli wurde aus demselben Athletenkreis gewählt, hier wurden Susen Lösch, Birte Friedrichs, Bojan Blumenstein und Erik Döhler nominiert, als Ersatzläufer im Vorfeld unter Vorbehalt der Zustimmung durch den Veranstalter wurden Patricia Nieke und Colin Kolbe berufen.

Für alle, die bis hierher gelesen haben, entschuldige ich mich abschließend für dieses Artikelmonster.

 

Ergebnisse KO-Sprint:

1. Matthias Kyburz (SUI)        7:21 Minuten
2. Tim Robertson (NZL)          +0:01
3. August Mollen (SWE)          +0:02
25. Erik Döhler QF                    7:35 (+0:10)
25. Bojan Blumenstein QF     7:45 (+0:17)
55. Felix Späth Q                      10:01 (+0:35)
82. Colin Kolbe Q                      10:48 (+1:28)

1. Tove Alexandersson (SWE)      8:15 Minuten
2. Megan Carter Davies (GBR)    +0:04
3. Andrine Benjaminsen (NOR)   +0:11
55. Patricia Nieke Q                       10:52 (+0:57)
55. Birte Friedrichs Q                    10:52 (+1:16)
74. Hanna Müller Q                       11:02 (+1:21)
76. Leonore Winkler Q                  11:03 (+1:27)
91. Paula Starke Q                         12:21 (+2:27)
DSQ Susen Lösch

 

Ergebnisse Sprintstaffel:

1. Schweden 2                  55:20 Minuten
2. Schweiz 1                      +0:36
3. (4.) Norwegen 1           +1:16
12. (34.) Deutschland 1  +6:07

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