15. Juli 2025
WOC Staffel
Foto:
Foto:
Schweden gewinnt überlegen Staffelgold bei den Damen, der Sieg bei den Herren geht an Norwegen. Die deutschen Staffeln erreichen sowohl bei den Herren als auch den Damen den 14. Platz.
Ergebnis
Damen
1. Schweden (H. Lundberg, S. Fast, T. Alexandersson) 101:32 Minuten
2. Norwegen (P. Young Vik, M. Olaussen, A. Benjaminsen) +2:28
3. Schweiz (P. Gross, N. Gemperle, S. Aebersold) +4:00
14. Deutschland (H. Müller, E. Klüser, B. Friedrichs) +26:37
Herren
1. Norwegen (J. Baklid, E. Langedal Breivik, K. Harlem Fosser) 101:38 Minuten
2. Schweiz (D. Hubmann, F. Aebersold, M. Kyburz) +1:50
3. Finnland (T. Syrjalainen, Akseli Ruohola, M. Kirmula) +4:49
14. Deutschland (O. Hennseler, K. Kunckel, B. Blumenstein) +17:46
Herrenrennen
„Now we are waiting for Germany!” So viel Bildschirmzeit wie an diesem Samstagnachmittag hat eine deutsche Staffel bei Weltmeisterschaften wohl noch nie bekommen. Dass Kommentatorin Kathrine Bett im IOF-TV diese Aussage tätigte, war der starken Leistung von Ole Hennseler auf der Startstrecke der deutschen Herrenstaffel zu verdanken. Unterstützt durch die etwas schnellere Gebelungsvariante setzte er sich in der Spitzengruppe fest. „Ich hatte von Anfang an die volle Kontrolle und wusste immer wo ich hin will und welche Objeke ich sehen will. Dadurch konnte ich hohes Tempo laufen und auch vom Tempo der anderen profitieren“, beschrieb er sein Erfolgsrezept. Gerade auf den langen Schlägen zu Posten zwei und auch direkt nach der Arenapassage zu Posten 11 lief er so schneller, als er es allein gelaufen wäre. Und Ole lief in der Spitzengruppe nicht nur mit: Am Fernsehposten an Posten 4 lag er plötzlich mit einer kleinen Lücke in Führung, die er auch am nächsten TV-Split bei Posten sechs noch behielt – ein Umstand, den auch die TV-Kommentatoren entsprechend würdigten. Zwar sprengte der Schwede Martin Regborn die Spitzengruppe kurz vor der Arenapassage, Ole hielt aber die Verfolgertram und kam mit einer Minute Rückstand auf Startstreckensieger Matthieu Perrin (FRA) ins Ziel.
Auf Strecke zwei lief für Deutschland Konstantin Kunckel. Den Tschechen Vojtech Kral, mit dem er gemeinsam startete, musste er bald ziehen lassen und bestritt das Rennen allein. Er bekam an den ersten Funkposten allerdings ebenfalls noch die TV-Zeit, als die Kameras auf diesen blieben, bis er den Posten als Achtplatzierter passierte. Bis zur Arenapassage musste er nur Tim Robertson aus Neuseeland vorbeilassen. Die lange Routenwahl zu Posten 11 direkt im Anschluss aber entschied er falsch, indem er eine Querroute wählte und über eine Minute auf die direkten Konkurrenten verlor. Er schickte Schlussläufer Bojan Blumenstein mit knapp acht Minuten Rückstand auf Platz 13 los, vor ihm lagen allerdings noch einige Teams in Reichweite. An der Spitze bildete sich bald eine Dreiertram der größten Favoriten: Norwegen, Schweiz und Schweden. Die finnische Staffel lief mit einer Lücke von 30 Sekunden allein auf Platz vier, nachdem die Franzosen in Person von Quentin Moulet bereits am gegabelten ersten Posten zurückfielen. Als entscheidend erwies sich auch an der Spitze die Routenwahl nach der Arenapassage. Die Dreiertram in Führung teilte sich mustergültig auf: Eirik Langedal Breivik nahm für Norwegen die höhenmeterintensive Variante über den Berg, während Fabian Aebersold typisch schweizerisch umlief. Emil Svensk dagegen nahm, typisch skandinavisch, eine Direktvariante und verlor über eine Minute auf beide Konkurrenten, sodass Finnland aufschließen konnte. In der Folge verwaltete Langedal Breivik die gerissene Lücke und schickte seinen Schlussläufer mit einer halben Minute Vorsprung auf die Schweiz ins Rennen.
Schlussläufer Bojan Blumenstein hatte die schwierige Aufgabe, die Staffel ins Ziel zu bringen und dabei optimalerweise noch Plätze gutzumachen. Er lief zunächst allein, der nächste Konkurrent lag 30 Sekunden vor ihm, dahinter war mehr als eine Minute Lücke bis zur nächsten Tram. Um die Lücke nach vorn zu schließen fehlte ihm im vierten Rennen der Woche die Geschwindigkeit. Zwar fiel unter anderem der Österreicher Simon Tobler zu ihm zurück, von hinten schlossen jedoch die Staffeln aus Großbritannien, Polen und Kanada auf, deren Tempo Bojan nicht mitgehen konnte. Am vorletzten Posten verlor er durch einen etwas unklaren Postenstandort noch einige Sekunden – er war an diesem Punkt nicht der einzige – sodass am Ende Platz 14 zubuche stand.
An der Spitze tat sich zunächst wenig. Kasper Fosser (NOR) und Matthias Kyburz (SUI) spulten technisch saubere Läufe ab, sodass ein Einholen zunehmend unrealistisch schien. Ihr Abstand hielt sich bei ungefähr einer Minute – Kyburz hatte schon zu Posten eins durch eine Mikroroutenwahl 20 Sekunden verloren, die Situation schien wie eingefroren. Um Platz drei lieferten sich Miika Kirmula (FIN) und Max Peter Bejmer (SWE) einen Zweikampf. Bis zur Arenapassage schien Bejmer eine Lücke zu seinen Gunsten reißen zu können, doch dann nahm das Drama seinen Lauf: Statt die einfache Wegroute zu wählen, nahmen beide die riskantere, doch zu diesem Posten potentiell schnellere Quervariante. Sie kamen von der Richtung ab, Kirmula korrigierte, während Bejmer einen Posten fehlstempelte und zum nächsten auf und davon war. Ein Parallelfehler resultierte daraus, doch auch daran merkte der Schwede seinen Fehler nicht und die Staffel wurde später disqualifiziert. Für Finnland lief es nur geringfügig besser: Die Korrektur Kirmulas endete in einem weiteren Fehler und plötzlich hatte Lucas Basset (FRA) eine Lücke von zuvor fast zwei Minuten geschlossen. Entglitt die nach dem Fehlstempel Schwedens fast schon sichere Bronzemedaille? Im Anlauf auf die letzten beiden, einfachen Posten zündete Kirmula den Turbo, Basset fehlte die Spritzigkeit. Im letzten Rennen der Heimweltmeisterschaften gewann Finnland die ersehnte Medaille.
Damenrennen
Die Startstrecke für die deutschen Damen lief Hanna Müller. Wie dem Rest des Teams auch fehlte auf dieser schnellen Strecke physisch etwas, um die Lücke nach vorn geringer zu halten. Sie wechselte als 15. mit etwas mehr als sechs Minuten Rückstand.
An der Spitze setzte sich die Schwedin Hanna Lundberg bereits auf der Routenwahl zum zweiten Posten ab. Das schwedische Team ward in der Folge wie in der Vergangenheit schon mehrfach von fast keiner Konkurrentin mehr gesehen. Fast, denn die junge Norwegerin Pia Young Vik konnte die Lücke schließen und machte mit Lundberg gemeinsame Sache. Diese gewann die Startstrecke schließlich sogar, während die weiteren Teams schon weit verstreut hinterher kamen. Die namhaftesten Verliererinnen der Startstrecke: Die Schweiz lag bereits 2:30 Minuten zurück, ein Angriff auf den Sieg war schon zu dem Zeitpunkt schwer.
Auf Strecke zwei für Deutschland lief Ellen Klüser. Nach einer Ungenauigkeit zum ersten Posten blieb sie fehlerfrei und konnte einen Platz gutmachen. Sie schickte Schlussläuferin Birte Friedrichs gemeinsam mit der Konkurrentin aus Ungarn auf die Strecke, die Lücke vor ihr war aber bereits fast drei Minuten groß.
An der Spitze setzte die Schwedin Sanna Fast sich, bedingt durch eine Ungenauigkeit der Norwegerin Marie Olaussen im Anlauf des ersten Postens auch von ihrer letzten verbliebenen Konkurrentin ab. Der Abstand blieb zunächst bei einer Minute, auch dadurch bedingt, dass Fast den Eingang zur Arenapassage nicht fand und bis zum neuerlichen Orientierungsbeginn vorbeilief, nur um dort den Fehler zu bemerken und umzudrehen. Trotzdem baute sie den Vorsprung auf der Schlussrunde auf 2:30 Minuten aus. Die einzige Konkurrentin, die annähernd ihr Tempo laufen konnte, war die junge Tschechin Lucie Dittrichova. In der Woche zuvor hatte sie noch in Italien um Juniorinnengold gekämpft, nun zeigte sie, dass sie auch im Konzert der Großen mitspielen kann: Vom fünften Zwischenplatz gestartet brachte sie ihre Staffel gemeinsam mit der Norwegerin auf Platz zwei in den Wechsel.
Birte Friedrichs lief auf der Schlussstrecke für Deutschland ein solides Rennen. Im ersten Teil der Strecke war sie gemeinsam mit der Ungarin Csilla Gardonyi unterwegs. Nach einem Richtungsfehler Birtes zum Posten im Hang vor der Arenapassage schob sich die Ungarin vorbei. Weil beide aber bereits zuvor die Staffel aus Bulgarien überholt hatten, hielt Birte den 14. Platz bis ins Ziel.
Für Tove Alexandersson gab es auf der schwedischen Schlussstrecke also das, was sie am liebsten macht: Allein vorneweg laufen, ohne den Trubel der Konkurrenz um sich herum. Sie musste fehlerfrei bleiben, dann war sie uneinholbar. Das gelang, und so feierten die Schwedinnen einen weiteren, überlegenen Sieg. Spannender geriet der Kampf um die weiteren Plätze auf dem Podest: Andrine Benjaminsen (NOR) konnte sich bald von ihrer tschechischen Begleiterin lösen, dahinter aber setzte Simona Aebersold die von Natalia Gemperle gestartete Aufholjagd fort. Bis zur Arenapassage konnte sie den Rückstand auf 30 Sekunden reduzieren, dann aber warf sie eine mögliche Silbermedaille sprichwörtlich weg: Nachdem auf der Langdistanz vor zwei Tagen die Karte am Kartenwechsel tatsächlich getauscht werden musste, warf sie auch diesmal ihre Karte beiseite, obwohl sie sie nur hätte wenden müssen. Dreißig Sekunden gingen verloren, bis sie die Karte wiedergefunden hatte. So blieb es bei den dortigen Platzierungen. Silber ging an Norwegen, Bronze an die Schweiz.
Foto:
Foto:
Foto:
Foto:
Foto:
Foto:
Foto:
Foto:
Mehr:
Ergebnis WOC-Staffel
