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16. Juli 2023

WOC Mitteldistanz

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Patricia Nieke auf dem Weg ins Ziel.
Foto: Josef Neumann
Patricia Nieke auf dem Weg ins Ziel.
Foto: Josef Neumann

Platz 18 erlief Bojan Blumenstein heute über die Mitteldistanz im Flemtal. Ihm gelang ein fast fehlerfreier Lauf, der in diesem Gelände vielen verwehrt blieb. Bis auf zwei kleine Schlenker schaffte das auch Hanna Müller. Ihr Lauf reichte zu einem tollen 22. Platz bei den Damen. Die überlegenen SiegerInnen hießen Tove Alexandersson (SWE) und Matthias Kyburz (SUI). Neben dem technisch höchst anspruchsvollen Gelände machten heute auch die Temperaturen den AthletInnen zu schaffen.

Ergebnis:

Herren
1. Matthias Kyburz (SUI) 38:19 Minuten
2. Joey Hadorn (SUI) +2:00
3. Jannis Bonek (AUT) +2:07
18. Bojan Blumenstein +7:55

Damen
1. Tove Alexandersson (SWE) 37:26 Minuten
2. Natalia Gemperle (SUI) +2:18
3. Hanna Lundberg (SWE) +2:34
22. Hanna Müller +10:37
49. Patricia Nieke +23:27


Der ausführliche Bericht:

Platz 18 von Bojan Blumenstein, das ist das beste Ergebnis, das ein deutscher Herr über die Mitteldistanz bisher erreichte. Top 20 war das Ziel, um das zu erreichen, wusste Bojan nach der Quali, würde er einen sehr guten Lauf brauchen. Und der gelang ihm. Vor allem im Anfangsteil konnte Bojan mit guten Zwischenzeiten aufhorchen lassen, so gut, dass er auch noch lange im Feld der Favoriten als Referenzzeit gezeigt wurde. Ausschlaggebend war vor allem das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. „Es hatte sehr viele Details im Grünen und man hat weder was gesehen noch ist man gut vorwärtsgekommen“, berichtete Bojan von der Anfangspassage.

Und weiter: „Wenn man im Wettkampf losläuft, hat man ja in der Regel frische Beine, man möchte Vollgas geben und eine richtig gute Performance abliefern. Aber in diesem Gelände wurde man von Beginn an so gefordert, dass man etwas die Handbremse angezogen haben musste. Man wird etwas gestresst von der Situation.“

Ab der Seepassage wurde es dann hart. Auf der Wegpassage, wo es eigentlich nur darum ging, Tempo zu machen, setzte die Hitze so zu, dass er nur noch an den folgenden Getränkeposten denken konnte. Er identifizierte es auch als einen der Gründe für den Fehler am vorletzten Posten, dass er sich in der laufbetonten Schlusspassage danach sehnte, ins Ziel zu kommen. Und auch wenn er am Ende physisch nicht der Allerstärkste war, hatte er die Anfeuerung der Teamkollegen, die Athmosphäre der Arena und die Sekunden auf seiner Seite, sodass er es war, der am Ende vor seinen im Sekundenabstand folgenden Konkurrenten lag.

Hanna Müller berichtete – trotz der Zufriedenheit über einen großteils guten Lauf – nach der Mitteldistanz von gemischten Gefühlen. Platz 22 ist ein tolles Ergebnis, das sie sich mit guter Physis und technisch solider Leistung erlief. Im Anfangsteil, in dem viele Konkurrentinnen Fehler machten, startete sie gut, war dann aber, wie viele andere auch, ab dem Caumasee ziemlich am Ende.

Zwischenzeitlich wurde sie von der starken Norwegerin Andrine Benjaminsen eingeholt. Auf dieses Szenario hatte sie sich bereits vorher vorbereitet, wollte weiter gut selbst orientieren und sich nicht auf die Konkurrentin verlassen; angesichts der Startposition konnte die Quali bei dieser nicht so gut gelaufen sein. Gesagt, getan, zwischenzeitlich war es Hanna, die die Norwegerin durch den Wald führte und dabei von ihrem Tempo profitieren konnte.

Ärgerlich bei ihrem so guten Lauf ist vor allem der vorletzte Posten. Sie wählte zur 18 eine schlechte Route, lief südlich über den Weg und sprang dort ungenau ab. Ein Fehler, der sie wohl ungefähr eine Minute kostete, besonders ärgerlich, da er so spät im Rennen passierte und Platz 18 schließlich nur 20 Sekunden entfernt lag. Wäre, könnte, hätte ist müßig, es bleibt ein toller 22. Platz.

Patricia Nieke wurde 49. Nach dem harten Wettkampf der Mittelquali am Mittwoch war sie noch nicht wieder erholt genug, um eine für sich zufriedenstellende Mitteldistanz zu laufen. Wir wünschen ihr von Herzen, dass sich die langwierigen Nachwirkungen ihrer Corona-Infektion aus dem Frühjahr in den nächsten Wochen weiter bessern.


Bei den Damen trachtete an der Spitze die vor zwei Tagen geschlagene Schwedin nach Revanche. Wie oft schon, wenn ein Tag „schlecht“ lief, war sie im nächsten Wettkampf umso stärker zurückgekommen. So auch diesmal. Der Beginn war noch etwas verhalten und nach einer kleinen Ungenauigkeit gleich zum ersten Posten lag sie am ersten TV-Posten an Posten fünf noch elf Sekunden zurück auf Platz vier.

Sicherlich war das nur ein Manöver Alexanderssons, um den Zuschauer*innen noch ein wenig Spannung zu bieten. Denn dann wechselte der Charakter des Geländes ein wenig, es wurde etwas offener, und Alexandersson zeigte einmal mehr, warum sie die wohl beste Orientierungsläuferin ihrer Zeit ist.

Einige Konkurrentinnen, die zuvor ähnlich schnell unterwegs gewesen waren, an erster Stelle ist hier die Britin Megan Carter Davies zu nennen, machten in den diffizilen Höhen Fehler, andere, wie beispielsweise Hanna Lundberg, konnten einfach läuferisch nicht dasselbe Tempo gehen wie Alexandersson. Die aufgelaufene Natalia Gemperle versuchte den Anschluss zu halten.

Schon zu diesem Zeitpunkt war eigentlich klar, dass die Schwedin nur von sich selbst um den Sieg gebracht werden konnte, zumal die zweite Hälfte der Strecke noch laufbetonter wurde und Alexandersson ihre überragende Physis noch besser ausspielen konnte.

Ein einziger Zeitverlust passierte ihr, als sie am fünfzehnten Posten vorbeilief. Ihre Schweizer Begleiterin kam nocheinmal weg, doch bis ins Ziel konnte sie auch diese wieder stellen. Goldmedaille Nummer 18 war der Lohn, bis zum Rekord von Bahnlegerin Simone Niggli fehlen nun noch fünf. Einen anderen Rekord der Schweizerin wird sie aber vermutlich schon morgen einstellen: Den der meisten gewonnenen WM-Medaillen, 31 an der Zahl.

Die schon angesprochene Natalia Gemperle machte zu Posten 3 früh im Rennen einen großen Fehler. Sie profitierte davon, dass Alexandersson direkt nach ihr startete, denn in der Folge konnte sie an der Schwedin dranbleiben und mitlesen. Ihr am ersten Funkposten noch beträchtlicher Rückstand auf die Medaillen begann zu schrumpfen, schon am See zu Rennhalbzeit war sie wieder eine Medaillenanwärterin.

Dass sie nicht nur hinten auf Alexandersson draufhing, zeigte sie, als sie den Fehler der Schwedin ausnutzte, um wieder von ihr wegzukommen. Zu diesem Zeitpunkt lag sie bereits wieder recht komfortabel auf der Silberposition. Dafür, dass es noch einmal eng wurde, sorgte sie selbst: Wie viele andere auch wählte sie zum vorletzten Posten die Route über die Wiese und blieb zu hoch im Hang. Ein kleiner Schlenker, ein kleiner Zeitverlust, und plötzlich wurde es wieder eng auf den verbleibenden zwei Minuten, die es noch bis ins Ziel dauerte. Letztlich reichte es aber für die 32-Jährige, um 16 Sekunden konnte sie ihre Silbermedaille ins Ziel bringen.

Die drittplatzierte Hanna Lundberg zeigte von allen Medaillengewinnerinnen wahrscheinlich die sauberste Leistung. Um einen Angriff auf Alexandersson zu starten fehlte ihr schlussendlich vorallem im Mittelteil das Tempo. Die Silbermedaille vergab sie lediglich durch unsauberes Herauslaufen an Posten 16, hier konnte Gemperle den entscheidenden Abstand herstellen. Über Bronze einen Tag vor ihrem einundzwanzigsten Geburtstag wird sie aber sicherlich nicht unglücklich sein. Ihr bleiben noch viele Jahre und das große Potential eine der prägenden Läuferinnen der nächsten Jahre zu werden.

Bei den Herren lag lange Miika Kirmula aus Finnland in Führung, der Bojan auf den letzten Metern noch überholt hatte. Er wurde von Eskil Kinneberg (NOR) geschlagen. Dann kam der Finne Olli Ojanaho, der nach Jahren, in denen er nach seiner äußerst erfolgreichen Juniorenzeit, mit Bronze auf der Langdistanz schon endgültig in die Weltspitze vorgestoßen war. Seine Zeit, 41:03 Minuten, sollte eine Zeit werden, an der sich alle anderen messen mussten.

Der Schwede Gustav Bergman schlug ihn um vier Sekunden. Zwischenzeitlich hatte er bereits eine Minute Vorsprung auf Ojanaho gehabt, doch auf der physischen Schlusspassage verlor er viel Zeit. Schon am See bei Posten 12 sei er völlig physisch am Ende gewesen, erzählte er hinterher im Interview.

Und direkt nach dem Zieleinlauf Bergmans sollte es zur bisherigen Sensation dieser Weltmeisterschaften kommen. Jannis Bonek hatte bei vielen als Geheimtipp gegolten. Dem Österreicher unterlief ein früher Fehler zu Posten 5, als er nach der Routenwahl einige Meter zu hoch im Hang blieb und 40 Sekunden verlor. Zur Hälfte des Rennens noch lag er deutlich hinter den Medaillen zurück. Erst auf dem Schlussteil konnte er seine läuferische Form ausspielen. Auch begünstigt durch eine kluge, weil simple Routenwahl zu Posten 18 schob er sich an Bergman heran und in der Folge auch vorbei.

Ein einziger, entscheidender Zeitverlust passierte ihm noch: Er lief nicht konsequent genug auf die Wiese zum vorletzten Posten heraus. Dort verlor er die entscheidenden Meter auf die Silbermedaille. So wurde es eine groß umjubelte Bronzemedaille. Natürlich hatte er auch etwas Glück am Ende, als alle drei Läufer, die bis kurz vor Schluss in seinem Bereich lagen, den vorletzten Posten verfehlten und so hinter ihn zurückfielen – neben Bergman und Ojanaho ebenfalls der am Ende viertplatzierte Schwede Albin Ridefelt. Und wie das Kommentatorenteam zurecht feststellte: Er war ganz allein, während sämtliche anderen Konkurrenten um ihn herum zumindest zeitweise von Trams profitieren konnten. Umso verdienter die Medaille.

Im schwammigen Anfangsteil verlor auch der Schweizer Joey Hadorn früh an Zeit. Kein Fehler, nicht so schnell aber, dass es für den Sieg reichen konnte. Sein Rennen liest sich fast wie eine Kopie des Rennens von Bonek. Ein solider Mittelteil, in dem er keine Zeit herausholen konnte, ohne aber Zeit zu verlieren. Der Schweizer ist bekannt für seine physische Stärke, und wie Bonek holte auch er ab der Fernsehpassage am Caumasee Zeit auf. Erst zum vorletzten Posten ging er am Österreicher vorbei. Dann verließ er sich auf seine große Stärke: Bergauf. Die Zuschauer in der Arena peitschten ihn vorwärts, sodass er Bonek um sieben Sekunden verdrängen konnte.

Wie bei den Damen gab es aber einen Läufer, an den wohl auch mit technisch optimaler Leistung niemand herangekommen wäre. Im Anfangsteil schon, wo es zuvor nur darum gegangen war, ohne Zeitverlust hindurch zu kommen, konnte Matthias Kyburz eine Minute Vorsprung herauslaufen. Früh konnte er schon Albin Ridefelt auflaufen und es wirkte so, als wäre bald auch Hadorn fällig, bevor dieser den Abstand ab etwa der Hälfte wieder etwas verringern konnte.

Auf jener zweiten Hälfte lief Kyburz nur die viertbeste Zeit, fast eine Minute langsamer als Hadorn. Gold geriet jedoch nie in Gefahr, die hatte der Schweizer schon vorher gesichert – mit einer technischen Meisterleistung auf den ersten fünfzehn Posten. Schweizer Doppelsieg vor Heimkulisse, was könnte es für das Publikum Schöneres geben. Das Stadion leuchtete rot-weiß, als Kyburz mit Fahne in der Hand ins Ziel einlief.

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Hanna und Patricia besprechen ihre Routen.
Foto: Josef Neumann
Hanna und Patricia besprechen ihre Routen.
Foto: Josef Neumann
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Bojan Blumenstein im Gelände.
Foto: WOC 2023 Flims Laax
Bojan Blumenstein im Gelände.
Foto: WOC 2023 Flims Laax

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