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25. Juni 2022

Vorstellungs­runde WM Teil 3 - Die Trainer

Damit ein Team starke Leistungen zeigen kann, braucht es immer auch die Trainer, die die Athleten betreuen und ihnen den Rücken von all den organisatorischen Aufgaben freihalten. Auch sie sollen hier ein wenig Aufmerksamkeit bekommen. Angeführt wird das Team von Cheftrainer Thomas „Chrafti“ Meier, der inzwischen schon seit einigen Jahren das Eliteteam managt. Seit letztem Jahr wird er unterstützt von Josef „Pepa“ Neumann, der schon vor zehn Jahren zeitweilig die Junioren betreute. Als Physiotherapeutin unterstützt Cosima Marckardt das Team erstmals bei einer WM.

 

Chrafti, auch wenn du den meisten inzwischen bekannt bist, stell dich bitte einmal vor.

Ein Interview mit mir gab es ja vor nicht allzu langer Zeit - Interessierte können dort nachlesen. Für einmal sind wir alle Athleten und Trainer aller Nationen alles blutige Anfänger: alle zusammen fahren an ihre erste Sprint-WM.

Da hat wohl ein Interviewender nicht aufgepasst. Das Interview ist natürlich unten verlinkt.

 

Was sind deine Erwartungen an das Team?

Die Erwartungen an das Team sind, dass Jede und Jeder seine Aufgabe wahrnimmt. Die Athleten sollen jeweils in ihrem individuellen optimalen Leistungszustand am Start stehen und die Trainer und Betreuer unterstützen sie dabei, in dem sie mögliche Störfaktoren rechtzeitig entschärfen. Wenn es dem Team gelingt, dies besser umzusetzen als andere Teams, dann sind sogenannte Exploits möglich, das heisst Resultate welche besser sind, als es die Weltranglistenposition erwarten lässt. Konkret sind alle deutschen Starter fähig, die Qualifikationen zu überstehen und von der Mixed-Staffel darf das beste deutsche Resultat an internationalen Meisterschaften erwartet werden (bisher Platz 15 aus 2021, Anmerkung des Interviewenden).

 

Wie sah die Vorbereitung des Teams aus?

Die Athleten hatten die vergangen Monate den Fokus klar auf den Sprint-Formaten und seit anfangs April standen ausschliesslich Sprint-Massnahmen im Programm des Bundeskaders. Für die Trainingstage Ende April im Großraum Darmstadt und anfangs Juni in Dresden wurden durch die Bundestrainer selbst unzählige Stunden im Gelände und am Computer für die Aktualisierung der Trainingskarten aufgewendet. Die Athleten sollten inzwischen alle mit der neuen Kartennorm vertraut sein.

 

Was werden deine Aufgaben beim Wettkampf sein? Habt ihr eine feste Zuteilung oder ist das flexibel? Wie gehst du mit den Athleten am Start um?

Die Aufgabenteilung ist bei uns in der Regel so, dass ich die Athleten in der Quarantäne und am Vorstadt betreue, während Pepa primär für die Coaching-Zone zuständig ist. Cosima, unsere Physio, wird die Athleten im Ziel in Empfang nehmen. Endgültig entscheiden werden wir aber vor Ort. Es gilt die lokalen Begebenheiten zu berücksichtigen. Insbesondere ist es im KO-Sprint noch nicht bekannt, ob es für die Betreuer möglich ist, zwischen Arena und Quarantäne hin und her zu pendeln.

 

Staffelentscheide sind immer eine besondere Sache, denn es muss ein ganzes Team funktionieren. Die Fehler einzelner LäuferInnen bestrafen das ganze Team. Beim letzten Weltcup in Borås wurde Platz 15 als Ziel ausgegeben. Warum ist das ein gerechtfertigtes Ziel?

Mit einem Rang in den ersten 15 sind die deutschen Ziele in der Sprintstaffel nach wie vor bescheiden. Aber Ziele sollen realistisch sein und am Weltcup in Schweden mussten wir feststellen, dass eine Top-8 Rangieren alleine läuferisch noch nicht möglich ist. Am Weltcup haben noch die Teams aus Übersee gefehlt und wir haben auf der Schlussstrecke auch etwas vom Einbrechen anderer Teams profitiert. Allerdings muss man auch Mauern im Kopf abbauen: Wir sind nach dem Weltcup in Schweden Nummer 11 in der Nationenwertung und sind für die World Games qualifiziert. Daher wollen und müssen wir uns nach vorne orientieren.

 

 

Cosima, stell dich doch bitte einmal vor.

Ich bin seit drei Jahren Physiotherapeutin, seit einem netten Telefonat mit Chrafti begleite ich den Bundeskader bei allen größeren Maßnahmen und zu den Läufen. Meine ersten OL Erfahrungen habe ich mit 9 Jahren beim USV Jena gesammelt. Derzeit lebe ich in der Schweiz und fröne den vielen exquisiten Möglichkeiten die mir die geniale Bergwelt hier bietet.

 

Was sind deine Aufgaben als Physio im Nationalkader? Hast du da auch noch andere Aufgaben (z.b. „Seelsorgerin“)?

In erster Linie betreue ich die Athleten während der Maßnahmen und Läufe. Die Athleten wissen, dass sie mit jedem Problem zu mir kommen können. Natürlich stehen die körperlichen im Vordergrund, aber ich kann auch zuhören. Auch wenn wir nicht gemeinsam unterwegs sind ist es mir wichtig in Kontakt zu bleiben und einen Überblick über den derzeitigen körperlichen Stand zu haben.

 

Wie erlebst du Bundeskader-OL, vor allem vor dem Hintergrund, dass du selbst nie in diesem Umfeld aktiv warst?

Eigentlich macht es vor allem Spaß, ich werde herausgefordert und lerne eine Menge dazu und sehe dabei zu wie sich wirklich sämtliche Athleten weiterentwickeln, das ist genial. Es ist vielleicht auch nicht schlecht von Außerhalb mit einer OL Abstinenz von doch so einigen Jahren dazu zu kommen, das erlaubt auch mal einen anderen Blickwinkel.

 

 

Pepa, stell dich doch bitte auch vor.

Seit knapp zwei Jahren bin ich zurück in Dresden, hier bin ich wieder viel näher am OL als es der Fall am Bodensee war. Parallel zum Ortswechsel habe ich mich als Ingenieur selbständig gemacht. Dank einer sehr guten Zusammenarbeit mit dem US-Unternehmen Inora Technologies, Inc. bin ich aktuell zeitlich und örtlich flexibel. Das ist ein Luxus, für den ich meinen Geschäftspartnern dankbar bin und ohne den der Trainerjob in dem Ausmaß nicht möglich wäre.

 

Was sind bei der WM deine Aufgaben als Trainer? Was sind sie in Trainingslagern, etc.?

Während der WM selbst sollten die Hausaufgaben bereits erledigt sein. Eine gute Wettkampfbetreuung ist die Summe vieler kleinen Dinge und einer positiven Grundhaltung. Ziel ist es, dass es allen Athleten gut geht und sie ihre optimale Leistung auf die Straße bringen.
In Trainingslagern gibt es meist zwei Einheiten pro Tag. Die müssen organisiert und durchgeführt werden. Von grundsätzlicher Planung mit Thomas bis zum Posten hängen und Schattenlaufen ist da alles dabei. Wer Arbeit sucht – der findet sie auch. Entlohnt wird das alles durch unvergessliche Erlebnisse und manchmal auch Ergebnisse wie z.B. bei der letztjährigen WM in meiner anderen Heimat, der Tschechischen Republik.

 

Du hast vor zehn Jahren bereits den Juniorenkader betreut. Wie haben sich deine Aufgaben seitdem verändert? Haben sich vielleicht auch die Aufgaben, die ein Trainer erfüllen muss, verändert?

Eigentlich organisierte ich schon seit meiner Jugend, zusammen mit meinem Vater, Trainingslager in Tschechien. Irgendwann bin ich so in den Bundeskader rübergeschwappt und hatte plötzlich das Jugend- und Juniorenteam zu betreuen. Klar, über die Jahre wächst man mit den Herausforderungen.
Im Elitebereich ist alles etwas spezifischer. Die Anzahl der Athleten ist geringer, die Intensität der Einheiten höher. Beim finalen Trainingslager vor der diesjährigen WM haben wir beispielsweise sechs Sprintkarten intensiv überarbeitet.
Früher hatte ich mich nicht getraut gewisse Dinge umzusetzen. Teilweise, weil-es-schon-immer-so-war, teilweise, weil man weiß, dass da ein riesiger Berg Arbeit auf einen wartet. Wenn man den jedoch ab und zu weiterschiebt, ist man anschließend umso zufriedener mit sich selbst.

Mehr:
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