01. November 2022
Vorstellungsrunde Nachwuchskader: Julia Fritz
Julia Fritz war dieses Jahr Athletensprecher des Nachwuchskaders. Damit ist man wie eine Interessenvertretung aller Athlet*innen im Kader und kann ein Bindeglied herstellen. Bei Sorgen oder Wünschen können sich Athlet*innen an sie wenden, damit auch anonym vermittelt werden kann. Sie kommt aus dem Süd-Westen Deutschlands, was oft lange Fahrzeiten zu nationalen Wettkämpfen bedeutet. Wie ist es für Sie im Nationalkader zu laufen?
Wie lange bist du schon im Bundeskader?
Ich bin seit 2021 im Kader, also jetzt zwei Jahre und laufe im Moment erstes Jahr D18.
Wie viel Zeit bringst du für dein Training auf?
Ich trainiere 7 bis 11 Stunden die Woche, in den Ferien auch mal mehr.
Wie verbindest du Leistungssport im Bundeskader und Schule?
Bei mir geht das ganz gut. Ich trainiere vor oder nach der Schule, wenn ich für Klausuren lernen muss eben in den Lernpausen. Klar verpasst man mal ein paar Stunden, bei mir relativ oft Freitags, weil die Anreise zu den Wettkämpfen so lang ist, aber ich nutze die langen Fahrten zum Lernen oder Hausaufgaben machen. Bei Trainingslagern oder Wettkämpfen, die während der Schulzeit liegen, muss man den Stoff natürlich nacharbeiten, aber wenn man sich da gut organisiert und sich zur Not auch Hilfe sucht, ist das auf jeden Fall machbar.
Was schätzt du am meisten am Bundeskader?
Man hat durch die TLs und Maßnahmen viel bessere Möglichkeiten sich vorzubereiten, andere Gelände kennenzulernen, sich mit ähnlich Starken zu messen und man lernt auch so viele tolle Leute kennen.
Für wen ist der Bundeskader deiner Meinung nach nicht geeignet?
Nun ja, man sollte schon bereit sein, Kompromisse einzugehen, sei es jetzt in Bezug auf Schule oder auch im näheren Umfeld, denn Leistungssport ist nun mal sehr zeitintensiv, was bedeutet, dass manchmal auch weniger Zeit für anderes bleibt. Also ist der Bundeskader nicht geeignet für Leute, die nicht bereit sind sich für den Kader auch mal befreien zu lassen und den Stoff eben nachzuholen. Ich habe letztes Schuljahr 27 ganze und 3 halbe Tage beurlaubt wegen des Sports gefehlt. Man sollte selbstständig sein und auch mal alleine zu einer Maßnahme weit reisen können. Generell um Leistungssport zu betreiben sollte man nicht so schnell an sich zweifeln und sich selbst auch mal quälen können und auch bereit sein, so viele Stunden die Woche zum Trainieren zu opfern.
Was war dein Lieblings-TL oder Maßnahme?
Schwierige Frage. Eigentlich war alles cool, aber wenn ich mich entscheiden muss wahrscheinlich das Trainingslager in Dänemark zu Ostern dieses Jahr. Die Atmosphäre war dort so locker und auch die Location und der Wald waren schön. Zum Schluss sind wir noch den Paskeloeb gelaufen, einem Wettkampf über drei Etappen. Das war ein auch ein schöner Abschluss der Maßnahme.
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Julia Fritz in Wissembourg. |
Verzichtest du auf etwas, weil du Athletin im Bundeskader bist?
Ich würde nicht sagen, dass ich direkt auf etwas verzichte, ich habe aber nicht so oft Zeit mich beispielsweise am Wochenende mit Freunden zu treffen, vor allem in der Wettkampfsaison, aber sonst fällt mir da jetzt nichts ein. Es ist halt einfach Zeitinvestition, aber da ich mich selbst dazu entschieden habe, sehe ich es nicht als Einschränkung an.
Bei welchen Themen setzt du dich selbst unter Druck? Wie gehst du damit um?
Klar, bei Sichtungen und Nominierungen setzt man sich schnell selbst unter Druck. Ich bereite mich auf die Wettkämpfe gut vor, versuche positiv zu denken und mich auf meine Stärken zu konzentrieren. Außerdem kann Meditation helfen. Auch weil man sich ständig mit den anderen vergleicht und verglichen wird, übt das natürlich Druck aus, aber es kann auch motivieren. Ich versuche mich auf das Motivierende zu fokussieren. Also kann man sagen, dass ein gewisser Druck mir auch gut tut und mir hilft gute Leistungen zu erreichen.
An welchen Moment im Bundeskader hast du die negativsten Erinnerungen?
Es ist natürlich immer blöd, wenn man ein ganzes Jahr auf ein Ziel hingearbeitet hat und es dann nicht erreicht.
Ich wurde 2021 nicht für die EYOC nominiert. Ich hatte zur Zeit der Quali eine Herzmuskelentzündung von einer Corona-Impfung, was ich damals noch nicht wusste. Ich musste dann drei Monate Pause machen und natürlich hat es weh getan, die anderen zur EYOC gehen zu sehen, während ich selbst nicht mal richtig trainieren durfte.
Abgesehen davon weiß ich noch, wie ich das erste Jahr im Kader war und ich niemanden so richtig kannte. Ich habe mich nicht wirklich als Teil des Teams gefühlt, zumindest nicht von Anfang an. Ich habe mich auch nicht getraut, auf die anderen zuzugehen. Deswegen habe ich dieses Jahr versucht, diejenigen, die neu in den Kader kamen, von Anfang an besser einzubinden und auch anzusprechen, was hoffentlich geklappt hat.
Worauf sollte man deiner Meinung nach als Einsteiger im Bundeskader achten?
Man muss sich trauen, Leute anzusprechen und auch offen für Leute sein, die einen ansprechen. Man darf nicht unsicher sein, wenn man mal einen Fehler gemacht hat, das passiert jedem Mal.
Versuchen sich einzubringen. Kritische Themen mit den Trainern durchsprechen und im persönlichen Gespräch klären sind wichtige Dinge.
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Julia Fritz (r.) gemeinsam mit den Staffelkolleginnen bei der EYOC. |
An welchen Moment erinnerst du dich spontan am meisten in deiner Zeit im Bundeskader?
Auf jeden Fall der Moment bei der EYOC, wo wir mit der Staffel 4. geworden sind. Ich hatte relativ am Anfang einen Fehler gemacht und wusste nicht wirklich wie wir lagen. Ich kam dann ins Ziel und habe noch beim Zieleinlauf gefragt, wie wir liegen. Als die anderen dann sagten, dass wir 4. waren, war ich so erleichtert und glücklich. Im Ziel haben die anderen aus dem Team dann auch direkt gratuliert und das war einfach so schön. Aber es sind auch nicht immer die großen Momente. Es ist auch einfach cool, bei TLs oder so zu merken, dass man Teil des Teams ist. Und das ist auch total schön und motivierend.
Bewirbst du dich nächstes Jahr?
Natürlich!