20. September 2023
Überraschungssieger beim JLVK
Nagut, vielleicht doch nicht. So… by the way, same procedure as last year? The same procedure as every year, my dear reader! Sachsen gewann den JLVK auch in diesem Jahr überlegen. Der Text eines eigens geschriebenen Rapsongs der sächsischen Junioren ist Programm: „Alle kommen jedes Jahr, schauen wer es besser kann; kämpfen bis zum letzten Meter, für den Ruhm und Punktestand. Dauersieger, immer stark, es steht wieder an der Wand: SACHSEN BESTES BUNDESLAND!“
Der Jugendländervergleichskampf 2023 war ein voller Erfolg: Für die Ausrichter des Vereins SV Hildesia Diekholzen um Bundesjugendfachwart Joachim Stamer und seine über 60 Helfer*innen, welche die Posten setzten, auswerteten, kommentierten, versorgten und bekochten und eine stimmungsvolle Arena auf- und wieder abbauten; für unsere deutsche OL-Jugend sowieso, die mit ihrer Begeisterung und Motivation das Wochenende zu einem tollen Erfolg machten. Ob es um den Sieg ging oder nicht, jede*r ging an seine Grenzen und darüber hinaus.
Team Sachsen machte wiedereinmal sehr früh klar, dass auch bei diesem JLVK nichts anbrennen würde und sie sich ein weiteres Mal alle Pokale sichern würden. Schon im Einzel sammelten sie mehr Podestplätze als alle anderen Bundesländer zusammen. Und dass die Breite, welche für die weiteren Punkte sorgte, in Sachsen mehr vorhanden ist als überall sonst, ist wohl bekannt. Immerhin: Am gesamten Wochenende gelang ihnen nur ein einziger Doppelsieg; in der H16 siegte Lennart Mühlstädt vor Jakob Drechsler. Überhaupt konnten sie am Samstag „nur“ vier Siege einfahren. Am Sonntag gelang die Revanche, denn nur drei Kategorien gaben sie ab.
Der zweite Platz der Gesamtwertung ging an Bayern. Sie hatten ein solides Polster – nach vorn wie nach hinten. Unerwartet spannend wurde es um Platz 3: Nach dem ersten Tag trennten die Teams aus Hessen und Niedersachsen lediglich ein Punkt. Ausgerechnet beim Heimspiel fehlten den Niedersachsen fast die ganze Juniorinnenriege wegen Auslandsaufenthalten. Am Sonntag konnten sie dennoch drei Kategorien mehr als ihre hessischen Rivalen mit Staffeln besetzen, was letztlich entscheidend im Kampf um Platz drei war.
Im Juniorenpokal gelang – für viele sicherlich etwas unerwartet – dem Team aus Westfalen der Sprung aufs Treppchen. Auf Herrenseiten absolvierten sämtliche vor ihnen platzierte Läufer ihren letzten JLVK. Geht da was im nächsten Jahr beim Heimspiel? Platz drei bei den JuniorInnen ging ins Saarland.
Für eine der emotionalsten Geschichten des Wochenendes waren die Sachsen selbst verantwortlich. In der Staffel am Sonntag gewannen die H20er Konstantin Kunckel, Malte Borrmann und Marek Pompe überlegen. Im Zieleinlauf zogen sie extra vorbereitete T-Shirts über. „Danke Gustav“, hieß es darauf, ein Dankeschön an ihren Trainer Jens Lucke, der sie in ihrer Kaderzeit betreut und begleitet hatte, und nach dieser Geste sichtlich gerührt war.
Den gastgebenden Niedersachsen bescherte Till Buchberger zwei Höhepunkte. Im Einzel konnte er EYOC-Bronzemedaillengewinner Loic Dequiedt schlagen und den Sieg einfahren. Und auch in der Staffel konnte er die Vorarbeit seiner Teamkollegen Jonas Knaup und Aaron Niazi krönen – wenn auch nur dank tatkräftiger Unterstützung durch das favorisierte sächsische Team.
Es muss nicht immer der Sieg sein, der für einen persönlichen Höhepunkt steht. Riesiger Jubel brandete beispielsweise im Berliner Team auf, als die H18-Staffel und kurz darauf auch die D20-Staffel zu Platz 3 liefen.
Der Jugendländervergleichskampf ist auch ein Wettkampf, zu dem Läufer*innen kommen, die sonst nicht gar so häufig auf den Wettkampfwiesen der Republik zu finden sind. Und so sind es auch schöne Bilder, die nur der JLVK produziert, wenn sich H20er wie Finn Tisius aus Westfalen fast drei Stunden lang durch den Wald quälen, im Zieleinlauf von ihren Teamkollegen jubelnd in Empfang genommen werden und umringt vom kompletten Team ins Ziel einlaufen.
Für Team Schwaben, die mit nur sechs Läufer*innen das kleinste Team stellten, war schon vorher abzusehen, dass sie auf dem letzten Platz der Länderwertung landen würden. Dafür können sie sich damit rühmen, die höchste „Podestquote“ aller Landesverbände zu erlaufen.
Samstagabend stand die Siegerehrung direkt am Massenlager an. Ein Kulturprogramm, wie es das häufig bei Abendveranstaltungen gibt, braucht es beim JLVK nicht, dafür sorgen die Jugendlichen selbst. Jeder Landesverband hatte sich mit einem Motto inklusive passender Verkleidung vorbereitet. So kamen die sächsischen „Überflieger“ mit der „Saxonia Airline“ zur Siegerehrung – Business Class, Urlaubsflieger, Sportfans und Weltreisende waren alle mit an Bord. Die bayrischen Schlümpfe schunkelten sich in die Halle, Team Baden ging baden – mit Liegestuhl und Sonnenschirm. Bierbauch, Sandalen und lange, weiße Tennissocken: Team Rheinhessen kam „typisch deutsch“ in die Halle eingezogen. Es folgte Thüringen zu Klängen von Barbie Girl als Barbie und Ken (Till, das Outfit steht dir). Aus Hessen kamen ein paar Bäume zu den Rodgau Monotones in die Halle marschiert. Dann änderten sich die Klänge, Hänsel und Grethel suchen zwischen jenen Bäumen nach ihren Posten. Sie trafen eine bayrisch-sächsische Läuferin, doch diese entpuppte sich schon bald als böse Hexe, welche die beiden in die Irre führen möchte. Aber wir alle wissen ja, Märchen gehen gut aus. Den Gastgebern gebürt üblicherweise der Abschluss, die Stimmungskanonen aus Westfalen aber brauchten trotzdem mal wieder eine Extrabitte. Dann zogen sie doch noch vorher ein – ziemlich HAIss und stimmungsvoll. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sonnten sich danach die Niedersachsen, Blitzlichtgewitter, kurzzeitig waren wir alle ihre größten Fans und konnten mit den Paparazzis mitfühlen, die sie stürmisch verfolgten.
Wer nach den Einzügen und der folgenden Siegerehrung noch Stimme hatte, konnte den Abend mit der Party ausklingen lassen. Die DJs Fehl und Stempel aka Kilian Lilje und Magnus Struckmann legten auf. Nicht nur den Jugendlichen gefiel es.
Ein abschließender Dank soll noch an das lokale Bahnunternehmen „START“ gehen. Auf Bitte der Veranstalter ließen sie am Sonntag einen Sonderzug von Bad Salzdetfurth zum Fernbahnhof Hildesheim fahren. So kamen alle, die mit der Bahn anreisten, zügig und komfortabel zu ihrem Anschluss.
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