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19. Juli 2022

TWG-Sprintstaffel: Erneut ein Top-Ergebnis

Mit der Sprintstaffel fanden die Worldgames am Sonntag ihren Abschluss. Dem deutschen Team gelang mit dem 8. Platz erneut ein sehr gutes Ergebnis. In einem schnellen, laufbetonten Rennen setzte sich die Schweiz vor Norwegen und Großbritannien durch.

Die Läuferinnen erwarteten im Railroad Park in der Downtown von Birmingham weniger technische Schwierigkeiten, dafür sollte es läuferisch umso schneller werden. Die Temperaturen waren mit 26°C etwas angenehmer als in den Tagen zuvor. Das Gelände war sehr flach, 15 Höhenmeter nur auf den Strecken, die an dem einzigen Hügel, der auf der Karte zu finden war, gelaufen wurden. Das Gelände unterschied sich damit sehr von dem des Einzelsprints am Freitag. Es erwartete die Zuschauer ein „schnelles und furioses Rennen“, wie Kommentator Boris Granovskiy immer wieder betonte. Eine Schwierigkeit vor allem für die Veranstalter ergab sich daraus, dass im gleichen Gelände auch die Duathlon-Rennen stattfanden. Überall standen im Gelände die Absperrungen herum und das Organisationsteam arbeitete bis spät in die Nacht an den Absperrungen, um das Gelände der Karte anzupassen.

Startläuferin Susen Lösch kam ohne Probleme über ihre Strecke. Nach dem Lauf gab sie zu Protokoll, dass mehr nicht drin gewesen sei. Mit 1:03 Minuten Rückstand übergab sie als 10. auf Bojan Blumenstein. An der Spitze setzte sich eine Vierertram ab: Simona Aebersold (SUI), Lina Strand (SWE), Ida Agervig Kristiansson (DEN) und Olena Babych (UKR). Dahinter konnten Victoria Haestad Bjornstad (NOR) und Cecilie Andersen (GBR) noch den Anschluss halten. Bemerkenswert ist die läuferische Leistung der Dänin Agervig Kristiansson. Sie absolvierte die meisten Gabelungen allein und lief trotzdem genauso schnell wie die drei anderen in der Tram. Den einzigen o-technischen Zeitverlust hatte Aebersold zu verbuchen, sie nahm zu Posten 11 die falsche Route und verlor 3-4 Sekunden.
Auch Bojan konnte mit Ausnahme eines kleinen 5 Sekundenfehlers von einem guten Lauf berichten. Er hatte immer wieder Kontakt zu dem Österreicher Janis Bonek, der schlussendlich 3 Sekunden vor ihm ins Ziel kam. Bojan wechselte mit 1:38 Minuten Rückstand auf Platz 10. Aus dem Quartett an der Spitze wurde ein Trio. Die favorisierten Teams aus Schweden, Norwegen und vor allem der Schweiz – letztere liefen in der gleichen Besetzung wie bei der WM – setzten sich ab, während die Ukraine, noch mehr aber Dänemark zurückfielen. Ralph Street konnte den Abstand Großbritanniens so begrenzen, dass sein Team in Schlagdistanz blieb. Den Zielsprint zog er so durch, dass er beim Abschlag nicht mehr bremsen konnte und kopfüber über die hüfthohe Absperrung fiel. Nach einer kurzen Atempause verließ er den Wechselbereich aber selbstständig und scheinbar unverletzt.

Colin Kolbe war laut Aussage des Bundestrainers noch etwas gehandicapt von seinem Sturz am Freitag, bis auf zwei kleine Schlenker zu 11 und 18, auf denen er etwas Zeit liegen ließ, kam er technisch gut durch. Während des Laufes dachte er tempomäßig gut dabei zu sein, seine eigene Auswertung zeigte aber später, dass er etwas langsamer als Bojan unterwegs war. Mit 2:53 Minuten Rückstand übergab er auf dem 9. Platz. Kurz vor Schluss überholte ihn wieder der Österreicher Gernot Ymsen und konnte bis ins Ziel einen Vorsprung von 8 Sekunden herauslaufen. Das Spitzentrio mit Matthias Kyburz (SUI), Kasper Fosser (NOR) und Martin Regborn (SWE) vergrößerte seinen Vorsprung, nach ihnen sollten es schon 50 Sekunden Vorsprung vor den nachfolgenden Läufern sein. Das Team aus der Ukraine fiel mit einem Fehlstempel von Oleksandr Kratov aus der Wertung. Ein Stück hinter dem deutschen Team lag nach der zweiten Strecke das Team aus Estland. Timo Sild startete auf der dritten Strecke. Er hatte sich im Modelevent zur Mittelstrecke allerdings einen Ast ins Bein gerammt. Da keine ErsatzläuferInnen mitgenommen werden durften, wanderte er die Strecke, damit das Team zumindest in Wertung ins Ziel kam.

Auf der Schlussstrecke lag es also an Birte Friedrichs, das Duell mit dem österreichischen Team zu entscheiden. Es erwies sich, dass sie und Laura Ramstein fast exakt gleich schnell unterwegs waren, der Abstand zwischen ihnen also immer gleich groß blieb. Am Ende gab sie noch einmal alles, doch es reichte nicht, um die entscheidenden Meter aufzuholen. Auch wenn sie dieses seit Strecke eins währende Duell knapp verlor, am Ende war sie sehr zufrieden und beendete die Staffel auf Platz 8 mit 4:32 Minuten Rückstand. An der Spitze tat sich zunächst wenig. Am stärksten wirkte die Schweizerin Elena Roos, während die norwegische Bronzemedaillengewinnerin über die Mitteldistanz dem Tempo nicht folgen konnte und einige Meter Rückstand bekam. Auch zwischen Roos und der Schwedin Karolin Ohlsson lagen nach der Arenapassage an Posten 10 einige Meter. Ohlsson nahm zu Posten 11 die falsche Route, verlor einige wenige weitere Sekunden und damit vermutlich die Chance, die Lücke wieder schließen zu können. Dann aber der schwedische Supergau: Als es zurück in den Railroad Park ging, las Ohlsson im falschen Moment die Karte und lief an Posten 19 vorbei. Sie bemerkte es noch vor dem nächsten Posten, schien aber verwirrt und kreiselte einen Augenblick durchs Gelände. Die Schweiz sicherte sich den Sieg, 39 Sekunden vor Norwegen und 1:14 Minuten vor Charlotte Ward aus Großbritannien. Hinter Tschechien und Polen fiel Schweden auf Rang 6 zurück. Entsprechend untröstlich war die schwedische Pechvögelin im Ziel. Deutschland profitierte von einem weiteren Ausfall: Auf Strecke drei joggte der Däne Jakob Edsen die letzten Meter nur noch ins Ziel, die Schlussläuferin fiel aus, einen Ersatz gab es nicht. Ein Stück hinter dem deutschen Team gab es das zweite Nachbarschaftsduell. Die Teams aus Kanada und den USA lieferten sich ein enges Wettrennen, welches auf der letzten Strecke zugunsten der USA ausging – sehr zur Freude des Kommentators.

 

Das Trainerteam bestehend aus Thomas Meier und Josef Neumann zeigte sich mit der Staffel und den Wettkämpfen allgemein sehr zufrieden. Die angestrebten Ziele wurden erreicht. Susen, Birte und Bojan konnten ihre Leistung zu 100% abrufen. Auch Colin war bis zu seinem schweren Sturz im Sprint top unterwegs, konnte dann aber die beiden weiteren Wettkämpfe nach einem Arztbesuch nur mit Schmerzmittel laufen. Er hatte Prellungen an Oberkörper und Beinen. Trotzdem – oder auch gerade deswegen – geht ein großer Dank des ganzen Teams an Colin, dass er kurzfristig in die USA nachreiste, um den erkrankten Erik Döhler zu ersetzen. Dazu verschob er sogar die Fertigstellung seiner Bachelorarbeit und musste Kompromisse bei der Teilnahme der anstehenden Europameisterschaften in Kauf nehmen. Elite-Cheftrainer Thomas „Chrafti“ Meier merkte an, es sei schön zu sehen, wie das Team zusammenwächst, sich unterstützt und stärker wird.
In der Staffel hob Chrafti neben dem sehr guten Rückstand auf die Spitze vor allem das kleine Privatduell mit den österreichischen Nachbarn hervor, auch wenn es letztlich knapp nicht reichte, um diese zu schlagen. Vor einem halben Jahr aber war auch die Österreich-Staffel für das deutsche Team noch nicht erreichbar. Über Weltcup, Weltmeisterschaften und Worldgames arbeitete sich das Team stetig heran.

 

 

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