OL OL

27. Mai 2022

Technisch anspruchsvolles Weltcuprennen im Einzelsprint

Ein ungewohntes Podest gab es bei den Herren – keine Schweiz, kein Schweden, dafür Neuseeland und Belgien. Fast ausschließlich in schwedischer Hand war dagegen das Siegertreppchen bei den Damen. Für das beste deutsche Ergebnis sorgte Susen Lösch, die als 37. die Maßgabe Weltcuppunkte erfüllte. Colin Kolbe wurde als bester Herr 49.

Fünfzehn Sekunden, zwölf Plätze – so eng geht es bei einem Sprintweltcup im Mittelfeld zu. Geradeeinmal so viel fehlte Colin für den Sprung unter die besten vierzig. Unzufrieden war er trotzdem nicht, auch wenn er einige der unzähligen Routenwahlprobleme nach eigener Aussage nicht ideal hatte lösen können. Hauptursache für gut neunzig Sekunden Rückstand auf Platz eins sah er vor allem im zu niedrigen Lauftempo. Das resultierte aus einer erkältungsbedingt suboptimalen direkten Wettkampfvorbereitung.
Zufrieden mit seinem Lauf zeigte sich auch Felix Späth. Natürlich sei immer noch Verbesserungspotential vorhanden, das Selbstbewusstsein war nach einem zuletzt technisch schlechten Wettkampf angeknackst. Seine Erwartungen an das Gelände bestätigten sich, so bereiteten ihm die vielen Durchgänge in Hecken und Zäune auch keine schwerwiegenden Probleme. Mit weiteren 17 Sekunden Rückstand auf Colin klassierte er sich als 66. auch siebzehn Plätze hinter seinem Teamkollegen.
Deutlich unzufriedener zeigten sich Bojan Blumenstein und Erik Döhler auf Platz 77 und 80. Bei Bojan lief es bis zur Arenapassage gut, doch in der zweiten Hälfte häufte er über 50 Sekunden Fehlerzeit an und verlor den Orientierungsflow. Erik fühlte sich zwar physisch gut, durch die Fokussierung auf den dänischen Geländetyp bei der WM fühlte er sich jedoch nicht gut vorbereitet auf das schwedische Gelände, was sich darin äußerte, dass er viele der kleinen Durchgänge übersah und schlechte Routen wählte.

Trotz Weltcuppunkten zeigte sich auch Susen nicht gänzlich zufrieden. Die Beine fühlten sich nicht so gut an wie in den letzten Wochen. Die technische Kontrolle konnte sie nicht überall behalten, sodass sie hier und da mehr Glück als Verstand gehabt habe.
Dicht beisammen folgten weiter hinten die anderen deutschen Damen – Birte Friedrichs (72.), Hanna Müller (78.), Paula Starke (80.), Patricia Nieke (81.) und Leonore Winkler (86.). Ihrer aller Rückstand betrug mehr als drei Minuten, den alle an schlechten Laufleistungen festmachten.
Birte Friedrichs berichtete davon, die ganze Zeit mit angezogener Handbremse gelaufen zu sein, um die Kontrolle zu behalten, sodass sie nie richtig ins Laufen kam. Schwierigkeiten bereitete ihr die richtige Ausführung der Routen und Vorplanen der nächsten Verbindung, sodass kein Fokus auf die Laufgeschwindigkeit gelegt werden konnte. Ähnlich erging es auch Hanna, Paula und Patricia. Nicht das reine Lauftempo war ausschlaggebend für den doch recht großen Rückstand, sondern vielmehr das Zusammenspiel zwischen Lauf- und Orientierungsgeschwindigkeit. Leonore Winkler konnte gut in den Wettkampf starten und lag nach einem Drittel der Strecke noch vor den anderen Vier, eine langwierige Erkältung in den letzten Wochen forderte allerdings ihren Tribut, sodass sie im weiteren Verlauf einbrach. Mit über drei Minuten auf die Spitze waren die Rückstände natürlich viel zu groß. Dies relativierte sich jedoch zumindest ein wenig durch die großen Abstände an der Spitze, die zu langen Strecken taten ein Übriges. Weder die Herren, noch die Damen konnten in die Nähe der angedachten 15:00 Minuten Siegerzeit kommen.

Bei den Herren entwickelte sich das gewohnt spannende Rennen, auch wenn die Rückstände zumindest an der absoluten Spitze sich zum Ende doch recht deutlich zeigten. Bis zur Arenapassage wechselte die Führung mehrfach zwischen dem späteren Sieger Kasper Fosser und dem Briten Kris Jones, der nach einem Fauxpas auf der Sichtstrecke zurückfiel und schlussendlich achter wurde. Wenn auch im Bulletin und dem Teamleadermeeting angesprochen war die Situation an der Arenapassage unübersichtlich und nicht nur er lief in den falschen Korridor, sodass sich der SIAC deaktivierte und die Posten im weiteren Verlauf händisch zu stempeln waren. Eine detailliertere Darstellung in der Karte hätte die Situation zumindest entschärfen können. Zum Kartenwechsel vor dem letzten Drittel der Strecke übernahm der Neuseeländer Tim Robertson die Führung, musste sich jedoch kurz vor Ende dem nach ihm gestarteten Fosser geschlagen geben. Das Podest komplettierte Yannick Michiels aus Belgien, der sich für eine konstante Leistung und gewohnt hohes Lauftempo belohnen konnte.

Eine eindeutigere Angelegenheit war das Rennen der Damen. Von Beginn des Wettkampfes an dominierten die Schwedinnen die Ergebnisliste, zunächst in Person der jungen Tilda Östberg, die schlussendlich zehnte wurde. Aus dem Kreis der Favoritinnen startete zuerst die amtierende schwedische Meisterin Hanna Lundberg – noch immer startberechtigt bei den Junioren. Ihrem hohen Lauftempo konnte lange niemand folgen, zumindest bis ihre Kolleginnen aus dem schwedischen Team starteten und nach einer kleinen Unsicherheit zum 16. Posten die Folgefehler kamen. Erst hier konnte die spätere Siegerin Tove Alexanderson an ihr vorbeigehen, die konstant laufende Lina Strand und die Schweizerin Simona Aebersold zu ihr aufschließen. Ein Parallelfehler zum drittletzten Posten kostete sie schließlich fast noch das Podest, auch Lina Strand ging vorbei. Zeitgleich mit Lundberg auf Platz drei landete Aebersold, die nach einer Verletzung im Frühjahr rechtzeitig zu alter Stärke zurückgefunden hatte. Einmal mehr zeigte Tove Alexanderson, dass ihr Lauftempo ausreicht um kleinere Routenwahlfehler auszubügeln. Sie gewann mit einer halben Minute Vorsprung.

Als Wettkampfgelände hielt die Wohnsiedlung im nördlich von Borås gelegenen Stadtteil Sjöbo her. Unzählige parallele Wohnblocks prägten das Kartenbild, Parallelfehler galt es unbedingt zu vermeiden. Wie für schwedische Gelände typisch waren die Wohnblocks von Wiesengelände umgeben, unregelmäßige und scheinbar willkürlich verlaufende Hecken und Zäune inklusive schwer sichtbarer Durchgänge erschwerten das Navigieren. Vor allem im ersten Teil der Strecke blieb keine Zeit vorzuplanen oder sich aufs Laufen zu konzentrieren, fast jeder Posten verlangte eine rechts-links-Entscheidung. Oft genug waren die Routen nahezu identisch lang, umso wichtiger war es, rechtzeitig zu bemerken, wenn sich die Länge doch signifikant unterschied. Einige längere Routenwahlen ergänzten die Bahnanlage. Der zweite Teil begann mit einem Schulgelände mit etwas Abwechslung, die Routenwahlen wurden länger und dafür umso komplexer.

Weiter geht es am Samstag, ab 8:00 Uhr kämpfen unsere Athleten um einen Platz unter den besten 36, die sich für das KO-Viertelfinale qualifizieren.

 

Herren:

1. Kasper Fosser (NOR) 15:40 Minuten
2. Tim Robertson (NZL) +0:06
3. Yannick Michiels (BEL) +0:11
49. Colin Kolbe +1:32
66. Felix Späth +1:49
77. Bojan Blumenstein +2:10
80. Erik Döhler +2:18

 

Damen:

1. Tove Alexanderson (SWE) 15:50 Minuten
2. Lina Strand (SWE) +0:29
3. Hanna Lundberg (SWE) +0:53
= Simona Aebersold (SUI) +0:53
37. Susen Lösch +2:14
72. Birte Friedrichs +3:11
78. Hanna Müller +3:20
80. Paula Starke +3:29
81. Patricia Nieke +3:30
86. Leonore Winkler +4:00

Mehr:
Homepage Veranstaltung