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06. April 2020

Sternstunden des deutschen Orientierungssports #2

Neben einmal Staffel-Gold und zwei Sprinttiteln sorgten gerade auch deutsche Jugendliche bei der JEM in einigen Jahren für Aufsehen, da die Leistungen im Nachwuchsbereich oft noch weniger klar im Vorfeld abzuschätzen sind. So sei neben fünf jungen Europameistern u.a. an Dorothea Müllers Silbermedaillen 2013 erinnert.

Die European Youth Orienteering Championships (EYOC) wurden ab 1990 in Mitteleuropa inoffiziell ausgetragen und so von der IOF „als Stiefkind behandelt“, bevor der europaweite Wettbewerb in der D/H16 und D/H18 2002 offiziell wurde. Das mag daran liegen, dass es in Skandinavien genügend inländische Konkurrenz gibt und es den Nordeuropäern genügte, ihre besten Junior*innen vorm Elitebereich bei den Junior World Orienteering Championships (JWOC, D/H20) im internationalen Vergleich antreten zu lassen. So dauerte es denn auch etwas, bis Schweden, Finnland und Norwegen jeweils eine Jugendnationalauswahl zur EYOC schickte. 

1999 holte Maxim Reichardt mit dem USC Leipzig (jetzt OK Leipzig) die EYOC nach Deutschland, genauer in die Bad Dübener Heide und verhalf dem „Kinde“ mit einem neuen Teilnehmerrekord wohl auch zu mehr Akzeptanz. Maxim war von 2000 bis 2003 Jugendbundestrainer und im Anschluss bis 2006 Trainerratsvorsitzender. 2009 starb er 40-jährig an Krebs.

Einer seiner Schützlinge aus seinem Verein, Elisa Kaufmann, erreichte 1999, in ihrem 1. Jahr D16 den 4. Platz im Einzel und 2001 den 3. in der D18.

Während im Jahr 2000 ein Sprint-OL im Rahmenprogramm ausgetragen wurde, wurde er für die 1. offizielle EYOC im polnischen Danzig mit ins Programm für die Jugend aufgenommen. Und in eben jenem Jahr schafften es Patrick Hofmeister, Torben Wendler und Christian Teich in der H18-Staffel Gold für Deutschland zu erlaufen.  Nach einer Wette mit den großen Jungs, die mit solch einem Triumph geliebäugelt hatten, musste sich Trainer Maxim seinen Schnurrbart abschneiden (lassen). 

3 Jahre später, also 2005, erreichten Sören Lösch, Sebastian Bergmann und Philipp Müller in Tschechien – ebenfalls in der H18 – Bronze, genauso wie Sandra Juras, Marie-Christine Böhm und Anne Fritsche in der D16. Wiederum ein Jahr danach wurde Bjarne Friedrichs in der H16 in Slowenien Vize-Jugendeuropameister im Langdistanzrennen. 

2008 folgte das nächste sehr erfolgreiche Jahr für das in die Schweiz angereiste deutsche Team: Den Sprint in der H16 gewann Christoph Prunsche und sicherte damit den 1. JEM-Einzeltitel für Deutschland und in der Staffel liefen Susen Lösch, Anna Biller und Resi Rathmann in der D16 zum Bronzeplatz. 

2012 lief die Schweizerin Hanna Müller für Deutschland im Sprint (mit zwei weiteren Läuferinnen) und in der Lang auf den jeweils 3. Platz (D16). 2014 wurde sie für die Schweiz Jugendeuropameisterin über die Langstrecke (D18).

2013 sollte die EYOC ursprünglich in Israel stattfinden, wo jedoch die Sicherheitslage bedenklich geworden war, weswegen die Meisterschaften nach Portugal verlegt wurden. Dort wurde die damals 16-jährige Dorothea Müller im Sprint (hinter der inzwischen auch im Erwachsenenbereich international sehr erfolgreichen Schweizerin Simona Aebersold) als auch über die Langstrecke Vizeeuropameisterin – und bei der Staffel erlief sie sogar die beste Einzellaufzeit. 

2017 hätte es fast zu einem weiteren JEM-Staffel-Podestplatz für Deutschland gereicht: Anton Silier, Martin Scheuermann und Matti Bruns erreichten in der Slowakei den 4. Platz in der Staffel H16. 2006 erreichten die beiden 16er-Staffeln die Plätze 5 (Josephine Greiner, Lucca Blumenstein und Maria Lange) und 6 (Matthias Kretzschmar, Bjarne Friedrichs und Franz Cruse).

Diplomränge gab es auch einige in JEM-Einzeldisziplinen für junge deutsche Athlet*innen wie den 5. Platz von Sandra Juras 2003 im Sprint (D16), den 5. Platz von Jitka Kraemer 2005 in der Lang (D18), den 4. Platz von Birte Friedrichs 2014 in der Lang (D16), den 5. Platz von Riccardo Casanova 2018 im Sprint (H18) und den 5. Platz von Konstantin Kunckel 2019 über die Lang in der H16, als er mit der Staffel noch Platz 6 erlief und ...

In bester Erinnerung wird den meisten Lesenden nach Colin Kolbes Junioren-Weltmeistertitel 2018 im Sprint, Konstantins Jugend-Europameistertitel letztes Jahr sein, mit dem er Christoph Prunsche „ablöste“, wie dieser kommentierte.

Bei der schwedischen Jugend-Tiomila (seit 1981) erreichte Deutschland sowohl bei den Damen bis 18 (5er-Staffel) als auch Herren bis 18 (10er-Staffel) vordere Platzierungen, trat dabei allerdings oft als Nationalteam gegen skandinavische Vereinsstaffeln an.

Der JEC (Junior European Cup, früher auch Junior Match genannt) ergänzt seit 1999 in den Klassen bis D/H18 und D/H20 (Staffel lediglich in den beiden Juniorenklassen) Ende der Saison das internationale Angebot. Auch hier gab es einige deutsche Diplomränge. Die sechs west-mitteleuropäischen Länder Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich sowie die Schweiz richten ihn reihum jährlich aus. Deutschland tat dies bisher 3-mal (der MTK Bad Harzburg davon 2-mal und einmal der USV TU Dresden) und wäre 2021 geplant durch den USC Magdeburg wieder an der Reihe. Der JEC überschnitt sich oft mit der DM Lang und dem Deutschland-Cup.

Seit 2016 gibt es den CEYOC (Central European Youth Orienteering Cup) im Frühjahr. Bisher richtete ihn Polen, Ungarn und 2-mal (nachdem es in der Slowakei nicht klappte) Tschechien aus, welches sich in den letzten 10 Jahren gerade auch im OL-Nachwuchs stark entwickelte und so zu den besten, wenn nicht der besten JEM-Nationen zählt. Am Wochenende der DBK Ultralang hätte er abermals in Tschechien und aus deutscher Sicht als Sichtungsläufe für die JEM stattgefunden. Vordere deutsche Platzierungen sind hier auch auf eine geringere Teilnahme an Ländern zurückzuführen, wenn durchaus auch aus guten Leistungen resultierend.

Ob es bei der Verschiebung der JEM in Ungarn auf voraussichtlich Ende Oktober bleibt, wird sich zeigen. Die JEM fand sowohl 2008 als auch 2013 im Oktober statt.

Etliche Jugendliche nutzen die momentan wettkampffreie Zeit für viele Trainingseinheiten, um mit guter Grundlage an die vergangenen Erfolge anknüpfen zu können – unabhängig davon, wann genau die nächsten internationalen Wettkämpfe terminiert werden.