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11. Juli 2022

Schwierige Bahnen beim JWOC-Sprint

In der portugiesischen Ortschaft Carapito wurde am heutigen Vormittag die Sprintentscheidung der Juniorenweltmeisterschaft ausgetragen. Das beste deutsche Ergebnis konnte Anselm Reichenbach erzielen. In einem unglaublich engen Rennen wurde er 15. Auch Marlene Fritz konnte als 43. in der Damenkonkurrenz überzeugen. Die Juniorenweltmeister kommen mit Axel Elmblad und Elisa Mattila aus Schweden und Finnland.

Ein typisches portugiesisches Gelände erwartete die LäuferInnen. Ein Großteil der Strecke führte durch den engen Ortskern des Dorfes mit schmalen Gässchen und höchstem orientierungstechnischen Anspruch. Herren und Damenstrecken warteten nach kurzer Startpflichtstrecke sogleich mit einer komplizierten Routenwahl durch den gesamten Dorfkern auf. Künstliche Sperren verkomplizierten die Route noch zusätzlich. Wie kompliziert die Route war, lässt sich auch daran schon ablesen, dass in der Übertragung gleich sechs unterschiedliche Routen angegeben wurden. Wenige AthletInnen wählten die kürzeste Route, die ein Stück durch Wiese und über Felsplatten führte, die meisten entschieden sich für einen etwas längeren Weg durch die Straßen. Parallelfehler waren aber auf allen Routen möglich und wurden im Starterfeld auch reichlich gemacht. So konnte auf dieser ersten Route zwar das Rennen noch nicht gewonnen werden, wohl aber war es zu verlieren. Routenwahlen zu nahezu jedem einzelnen Posten bestimmten im Anschluss die Bahn, erst auf der zweiten Hälfte ging es aus dem Dorfkern hinaus. Eine lange Routenwahl bergan durch etwas grober strukturiertes Siedlungsgebiet führte in eine kurze Waldpassage. Hier entschied sich das Rennen. Bergauf konnten entscheidendende Sekunden gutgemacht werden; schon graugelaufen und unter Hitze waren die letzten drei Posten in dem Waldstück dann offensichtlich für viele LäuferInnen eine Herausforderung. Auch schon fast sichere Medaillen wurden hier noch vergeben.

Mit dem 15. Platz sorgte Anselm Reichenbach für ein Spitzenergebnis bei den Herren. Entsprechend zufrieden war er auch mit Platzierung und Lauf. Ohne größere Fehler brachte er den Lauf ins Ziel, zögerte allerdings manchmal und fand nicht immer die beste Route. Läuferisch konnte er sich den Sprint gut einteilen, lief recht kontrolliert und hatte am Ende noch genügend Kraft, um am Berg einige Plätze gutzumachen. Hinter den drei skandinavischen Medaillengewinnern hatte er nach Posten 16 die 4. beste Abschnittszeit. Mit 1:01 Minuten Rückstand auf den Sieger kam er zeitgleich mit drei(!) Konkurrenten ins Ziel. Trotz Freude über das Ergebnis blieb nach dem Lauf das Gefühl, dass er, vor allem am Anfang, schneller hätte laufen können.
Mit dem Gelände kam auch Lucas Imbsweiler recht gut zurecht. Als 55. hatte er am Ende 2:20 Minuten Rückstand, das Feld um ihn herum eng und im Sekundenabstand. Schon minimales Zögern konnte also gleich mehrere Plätze kosten. Er habe versucht, möglichst kontrolliert zu laufen, um bei den engen Gassen den Überblick zu behalten, musste aber auch feststellen, dass er den größten Teil seines Rückstands gegenüber der Spitze läuferisch vor allem auf langen Verbindungen verliert. Gerade die Höhenmeter am Ende fand er wirklich hart.
Als dritter deutscher Herr ging Konstantin Kunckel an den Start, mit 3:11 Minuten Rückstand wurde er 82.

Außer eine „nicht grandiose“ Route zum ersten Posten konnte Marlene Fritz einen sehr guten Lauf abliefern. Als 43. erreichte sie mit 2:34 Minuten Rückstand das Ziel, ein Ergebnis, das für eine Läuferin im ersten D18 Jahr sehr zufriedenstellend sein sollte. Zum ersten Posten noch verpasste sie eine Abzweigung, weil alles so schnell kam, in der Folge konnte sie aber gut vorplanen und ihre Pläne ebensogut ausführen. Und auch wenn die Waldpassage anhand der Lage der Arena abzusehen war und sie auch nicht sonderlich überraschte, war es natürlich ungewohnt und auch nicht so optimal, mit Sprintschuhen durch ein Steinfeld zu müssen. Hinzukam, dass die Beine gegen Ende auch nicht mehr unglaublich spritzig waren und sie nicht bis zum Ende den vollen Speed hatte.
In der ersten Hälfte des Tableaus klassierte sich auch Lone Pompe. Als 60. hatte sie 3:28 Minuten Rückstand auf die Siegerin, ein gutes Ergebnis vor dem Hintergrund, dass sie ebenfalls erst im ersten Jahr in der D18 läuft und nicht als Sprinterin bekannt ist.
Emma Caspari verfehlte ein Ergebnis in der ersten Hälfte knapp, sie landete auf Platz 78 (+4:13). Julia Fritz als 92. (+4:36) und Franka Klein als 95. (+4:49) vervollständigten das deutsche Ergebnis.

 

Sehr früh entschied sich die Spitze in der Damenkonkurrenz. Als eine der ersten Starterinnen lief Anna Karlova aus Tschechien mit einer starken Zeit von 15:16 Minuten ins Ziel. Ihre Bestzeit hatte nur kurz Bestand. Eine Minute hinter ihr gestartet kam die Schweizerin Lilly Graber sechs Sekunden schneller ins Ziel. Und auch ihre Zeit wurde nur wenig später wieder unterboten. Die Finnin Elisa Mattila lieferte sich in den engen Gassen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Schweizerin. Zwar erwischte sie nicht immer die besten Routen, lief aber sehr sauber und konnte gegen Ende davonziehen. Mit 14:57 Minuten sicherte sie sich die Goldmedaille. Pia Young Vik (NOR) und Hanne Hilo (FIN) erliefen zeitgleich mit 23 Sekunden Rückstand Platz 4, Tifenn Moulet (FRA) auf Platz 6 hatte 25 Sekunden Rückstand. An diesen sechs Damen kam in den letzten eineinhalb Stunden des Wettkampfes keine Starterin mehr vorbei, auch wenn noch einige namhafte Athletinnen folgten. Es kann nur spekuliert werden, ob die Hitze einen Einfluss hatte oder ob die stärksten Starterinnen mit Absicht frühe Startgruppen wählten.
In Abwesenheit der verletzten Hanna Lundberg (SWE) konnte die Ungarin Rita Maramarosi, die vor zwei Wochen noch an der Elite-WM teilnahm und vor Wochenfrist überlegen die EYOC-Sprintdistanz gewann, als Favoritin gehandelt werden. Lange Zeit wurde sie dieser Rolle auch gerecht, an Posten 15 hatte sie fast eine halbe Minute Vorsprung. Der Übergang in den Wald stellte sie jedoch – beispielhaft für auch viele andere – vor einige Probleme und sie verlor fast zwei Minuten.

Anders war die Situation bei den Herren. Hier war es bis zum Schluss spannend, welche Läufer es noch auf die vordersten Plätze schaffen würden. Gleich als erster Starter setzte der Belgier Liam Thiels mit 15:02 Minuten eine Bestzeit nahe der angedachten Siegerzeit, die für die erste halbe Stunde hielt. Stück für Stück wurde diese Zeit von nachfolgenden Läufern unterboten. Der starke Schweizer Benjamin Wey konnte den Leader’s Chair mit einer Zeit von 14:25 Minuten eine ganze Zeit lang für sich beanspruchen. Es änderte sich auch nichts, als der letztjährige Vizejuniorenweltmeister aus Finnland, Touku Seppa (letztendlich 8.), auf die Bahn ging, ein Fehler gleich zum ersten Posten kostete ihn schon zu viel Zeit. Und auch als mit Axel Embland der Bronzemedaillengewinner der JWOC 2021 startete, sah es lange Zeit so aus, als könne Wey (am Ende 7.) sich auch gegen ihn behaupten. Als das Gelände an Posten 15 wechselte, zündete der Schwede jedoch den Turbo und nahm sämtlichen Konkurrenten mehrere Sekunden ab, teils sogar eine halbe Minute. Er siegte am Ende in einer Zeit von 13:45 Minuten. Ähnlich stark finishten nur die weiteren Skandinavier auf dem Podest. Vor dem Berg in Richtung Ziel lag Tobias Alstad aus Norwegen nur auf Rang acht, drei Plätze konnte er bis Posten 16 gutmachen, auf der Waldpassage sogar noch bis zur Silbermedaille vorlaufen, 26 Sekunden Rückstand auf den Sieger blieben. Ähnlich konnte sich auch sein Landsmann Mikkel Holt auf dieser Passage verbessern. Er schloss noch zu zwei zuvor besserplatzierten Konkurrenten auf und kam schließlich gemeinsam mit dem Franzosen Basile Basset und dem Italiener Ilian Angeli auf den dritten Platz. Die Kommentatoren scherzten zwischenzeitlich schon, ob überhaupt genug Medaillen vorhanden wären. Dass man auch zu gut vorbereitet sein kann, bewies unter anderem jener letztgenannte Italiener. In Führung liegend lief er zu Posten 13 in eine Sackgasse, an deren Ende der Veranstalter Zäune positioniert hatte. In der alten Karte, die den LäuferInnen zur Vorbereitung zur Verfügung stand, war dieser Hang noch passierbar gewesen. Er bemerkte es früher als andere Konkurrenten, geriet aber dennoch in die Defensive und konnte nur noch Platz drei verteidigen. Das Podium auf Platz sechs komplettierte der Spanier Pablo Ferrando mit einem Rückstand von 38 Sekunden und bescherte damit den portugiesischen Kommentatoren eine riesige Freude, wenn schon kein Portugiese in die Diplomränge laufen konnte.

Bei all den Schwierigkeiten der letzten Tage muss für die Übertragung ein großes Lob an die Veranstalter gerichtet werden. In den Livesplits gab es zwischenzeitlich kurze Aussetzer, der Livestream lieferte aber durchgehend GPS und Bilder von Start und Ziel. Auch wenn oft in beiden Kategorien zugleich etwas passierte schafften es die Kommentatoren den Überblick zu behalten. Und es ist völlig klar, dass bei so viel Aktion auch mal ein Läufer durchrutschen kann, wie es bei Anselm passierte, als er auf Platz 4 liegend ins Ziel kam. Nicht jeder Kommentator bemerkt jedoch, wenn spätere Läufer ins Ziel kommen und die Zeit dieses „unterschlagenen“ Läufers durchrutscht. Sie entschuldigten sich umgehend für dieses „Vergehen“. Teil des Kommentatorenteams war unter anderem auch Tomás Lima, Jahrgang 2001. Wäre nicht die Coronapandemie gewesen und hätte die JWOC in Portugal wie zunächst geplant im Jahr 2021 stattgefunden, es wäre wohl der Höhepunkt seiner Juniorenzeit gewesen mit einer letzten JWOC im Heimatland.
Der Livestream war, anders als bei Weltcups üblich, kostenlos. Die Veranstalter freuen sich jedoch über Spenden für den Aufwand, den sie in dieses Angebot steckten.

 

Weiter im geänderten JWOC-Programm geht es am Mittwoch mit der Mixed-Sprintstaffel. Zwei deutsche Staffeln werden an den Start gehen, die übrigen Läuferinnen werden mit Belgien ein Mixed-Team bilden. Sollte alles optimal laufen, so ist eine Top15-Platzierung im Bereich des Möglichen.

 

Ergebnis

Damen (149 Starterinnen)

1. Elisa Mattila FIN 14:57 Minuten
2. Lilly Graber SUI +0:13
3. Anna Karlova CZE +0:19
43. Marlene Fritz GER +2:34
60. Lone Pompe GER +3:28
78. Emma Caspari GER +4:13
92. Julia Fritz GER +4:36
96. Franka Klein GER +4:49

 

Herren (157 Starter)

1. Axel Elmblad SWE 13:45 Minuten
2. Tobias Alstad NOR +0:26
3. Mikkel Holt NOR +0:28
= Basile Basset FRA +0:28
= Ilian Angeli ITA +0:28
15. Anselm Reichenbach GER +1:01
55. Lucas Imbsweiler GER +2:20
82. Konstantin Kunckel GER +3:11

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