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13. Juli 2022

Norwegen gewinnt Sprintstaffel-Premiere bei JWOC

Am Ende wurde es unglaublich spannend im Kampf um den Sieg. Norwegen sicherte sich in einem mitreißenden Rennen den Sieg vor den Teams aus Ungarn und Tschechien. Das erste deutsche Team kam auf den 12. Platz der 30 Nationen. Aus dieser hervorragenden Teamleistung schaffte es Anselm Reichenbach noch hervorzustechen. Er lief die schnellste Zeit aller Herren. Das zweite Team erreichte Rang 25 aller 53 gestarteten Mannschaften.

Das Rennen startete um 8:30 Uhr Ortszeit aus der Arena, die auch schon für den Einzelsprint eine würdige Athmosphäre geboten hatte. Wieder spielte sich das Rennen in den Gassen des Örtchens Carapito ab. Das bedeutete aber auch, dass die LäuferInnen bei der Staffel zweimal durch das Waldstück hindurchlaufen mussten, das in der Einzelkonkurrenz so manche Medaillenchance gekostet hatte. Die künstlichen Sperren im Ort waren anders platziert als noch am Montag, sodass sich die Routenwahlen deutlich unterschieden, auch wenn sie auf dem Papier erstmal ähnlich aussahen. Der Ortskern wurde nicht so exzessiv belaufen wie noch vor zwei Tagen, die Damen querten ihn mit nur drei kurzen Posten, auch für die Herren gab es nur eine kurze Schlaufe.

Die Startstrecke für das deutsche Team lief Marlene Fritz. Als 17-jährige war von vornherein klar, dass sie das Tempo der bis zu drei Jahre älteren Konkurrenz nicht mitgehen konnte. Entsprechend lief sie im Massenstart sehr auf sich selbst konzentriert und nahm die Läuferinnen um sich herum nur als Hinweis wahr. Zusätzlich war der Start durch den ersten Waldposten recht unübersichtlich, weil man sich sehr auf seine eigenen Füße konzentrieren musste. Trotzdem hatte sie immer viele Konkurrentinnen um sich, die sie nutzen konnte, indem sie sich von ihrem Tempo mitziehen ließ. Kleine Unsauberheiten hatte sie trotzdem, daran kam man bei einem so schnellen Rennen nicht vorbei. Zu Posten 2 wählte sie eine schlechte Route, so auch auf der späteren langen Verbindung zu Posten 13 erwischte sie die schlechtere Option. Auch zu Posten 7 erwischte sie kurz eine falsche Gasse, bemerkte den Fehler aber schneller als andere Konkurrentinnen und konnte den Zeitverlust in Grenzen halten. Mit 2:15 Minuten Rückstand erreichte sie als 29. (bereinigt 19.) das Ziel, ein couragierter Auftritt, der zum Grundstock für einen tollen Auftritt des deutschen Teams geleiten sollte. Ihre Zwillingsschwester Julia kam nur 21 Sekunden hinter ihr auf Rang 34 ins Ziel.
Die zweite Strecke für das erste Team lief Anselm Reichenbach. Nach bereits einem Top-Lauf am Montag konnte er heute nocheinmal einen draufsetzen. Er lief mit mehr Risiko, als er es vor allem zu Beginn im Einzelsprint tat, und konnte gleichzeitig noch von den Läufern um sich herum profitieren. Platz um Platz arbeitete er sich nach vorn, in einer fantastischen Laufzeit. Seine Zwischenzeit zu den ersten beiden Zwischenzeiten: Laufbestzeit. Bis zu Posten 5 hatte er sogar 15 Sekunden Vorsprung auf die zweitbeste Streckenzeit. Erst als es bergauf zurück in den Wald ging passierte ihm zu Posten 16 ein kleiner Fehler, der ihn noch einige Plätze kostete. Der Lohn am Ende war sogar die Bestzeit aller Herren – sogar zehn Sekunden schneller als der vor zwei Tagen gekürte Juniorenweltmeister Axel Elmblad. Er lief das Team auf Rang 11 (bereinigt Rang 9) nach vorn, holte fast eine Minute auf die führenden Tschechen auf. Für das zweite Team verlor Lucas Imbsweiler zwar etwa eine Minute, konnte sich aber um zwei Plätze nach vorn arbeiten. Technisch lief er so sicher wie von ihm gewohnt, läuferisch hat er nicht das Niveau der absoluten Spitze.
Mit 1:18 Minuten Rückstand ging Konstantin Kunckel als dritter Läufer auf seine Strecke. Auch er blieb technisch sicher, verlor läuferisch nur 14 Sekunden auf die Spitze. Er konnte sehr gut starten, profitierte dabei ebenfalls von den Läufern um sich herum, traf aber seine Entscheidungen allein. Am ersten Funkposten konnte er gemeinsam mit seiner Tram auf 40 Sekunden an die Spitze heranlaufen. Dass er dabei in der Verfolgertram unterwegs war, hatte er laut eigener Aussage aber nicht mitbekommen. Die Bergaufpassage gegen Ende war dann sehr hart, hier verlor er noch einige Sekunden auf die Spitze. Mit 1:32 Minuten Rückstand übergab er als 12. (bereinigt 10.) auf Lone Pompe. Das zweite Team wurde von Marek Pompe gelaufen. Gerade erst wieder von einer Corona-Infektion genesen hatte er noch auf den Einzelsprint am Montag verzichtet. Auch er konnte einen Platz gutmachen, verlor eine weitere Minute. Das Team war nach ihm auf Platz 31.
Die zweite siebzehnjährige in der Staffel, Lone Pompe, lief die Schlussstrecke für die deutsche Sprintstaffel. In der Gesamtabrechnung verlor sie nur einen Platz, sodass das deutsche Team am Ende in der bereinigten Nationenwertung auf Platz 12 landete. Dabei lief sie lange Zeit in einer Tram, berichtete hinterher sogar davon, dass sie in fast keiner Situation allein war. Gegen Ende brach sie zwar läuferisch etwas ein, hatte aber 4-5 Läuferinnen vor sich, sodass sie bei einigen Routenwahlen profitieren konnte. Im Zielsprint dann konnte sie noch zwei Läuferinnen überholen und mit ihren Teamkollegen einen gelungenen Einstand in der ersten Sprintstaffelweltmeisterschaft der Junioren feiern. Die Läuferinnen vor ihr waren hauptsächlich zweite Teams, denn die Ziellinie hatte sie noch als 17. mit einem Gesamtrückstand von 4:21 Minuten überquert. Für die zweite Staffel lief Emma Caspari, auf einer in der Spitze unglaublich schnellen Schlussstrecke verlor zwar auch sie etwa 2:30 Minuten, konnte die zweite Staffel aber noch bis auf Rang 25 vorlaufen. Mit 7:24 Minuten Rückstand kam sie ins Ziel.
Da jede Nation nur zwei Teams an den Start stellen durfte, wurde eine B-Kategorie für alle weiteren LäuferInnen angeboten. Franka Klein und Anna Mühlstädt bildeten mit Willem Bakelants und Gael Amerijckx ein deutsch-belgisches Quartett.

An der Spitze setzte sich bereits auf der ersten Strecke die Bronzemedaillengewinnerin von Montag ab. Bis zum ersten Fernsehposten an Posten 5 blieb das Feld dicht zusammen und schlängelte sich in einer langen Schlange den Hügel hinauf. An der Spitze waren die beiden finnischen Damen und Penelope Salmon aus Neuseeland. Als es aber zum zweiten Mal den Berg hinauf ging spielte die Tschechin Anna Karlova ihre Stärke aus und zog unwiderstehlich davon. Ihr Vorsprung lag im Ziel bei 23 Sekunden. Durch Routenwahlfehler und kleinere Ungenauigkeiten verloren aber auch namhafte Teams bereits früh Sekunden – allen voran die Teams aus Ungarn (+0:59), Norwegen (+1:10) und Schweden (+1:27). Karlova wechselte auf Jakub Chaloupsky. Er konnte als zweiter Läufer den Vorsprung auf die beiden Finnen sogar noch vergrößern, hatte im Ziel 38 Sekunden Vorsprung. In der Verfolgung die beiden finnischen Läufer, daneben waren der Lette Matiss Saulite und vor allem der Franzose Basile Basset auf dem Vormarsch. Zweitbeste Zeit auf der zweiten Teilstrecke hinter Anselm hatte aber der Spanier. Sein Rückstand auf Anselm: 27 Sekunden!
Auf der dritten Strecke änderte sich dann das Klassement an der Spitze. Der junge Daniel Bolehovsky für Tschechien verlor durch eine schlechte Route zu Posten 13 die Führung an Touko Seppa aus Finnland. Den Berg zum Ziel hinauf verlor er noch mehr Zeit und wurde bis auf Rang 5 durchgereicht. Zum ersten Mal tauchte nun auch Norwegen im Medaillenbereich auf. Tobias Alstad lief in einer Tram mit Schaerer (SUI), Elmblad (SWE) und Bujdoso (HUN) von Platz 9 bis auf den zweiten Rang vor. Auf 24 Sekunden waren die ersten 6 Läufer aneinander gerückt.
Durch zwei falsch entschiedene Routenwahlen gleich zu Beginn der Schlussstrecke gab die Finnin Elisa Mattila ihren Vorsprung schon bis Posten 3 aus der Hand. Die Norwegerin Pia Young Vik übernahm die Führung, dahinter kam die laufstarke Ungarin Rita Maramarosi immer näher. Für Tschechien schob sich auch Marketa Mulickova näher heran, während in der Verfolgergruppe immer wieder kleinere Fehler gemacht wurden. Die identische Routenwahl wie zuvor den Tschechen Bolehovsky kostete Finnland erneut Zeit. Die Führenden Young Vik und Maramarosi entschieden sich zum 15. Posten für die falsche Option, hatten aber zu zweit ein so hohes Tempo, dass Mulickova aus dem Fehler keinen Profit schlagen konnte. Ein Zögern von Maramarosi am Ende des langen Berges führte dann wohl zur Entscheidung. Young Vik hatte die entscheidenden Meter Vorsprung, die sie bis zum Ziel nicht wieder hergab. Norwegen gewann die erste Sprintstaffel der Junioren. Maramarosi musste sich mit dem Silberrang zufriedengeben. Mit Jahrgang 2005 hat sie aber noch genug Zeit sich ihre Goldmedaille auch bei den Juniorinnen zu sichern. Auf Rang drei sprintete Mulickova für Tschechien, Mattila hatte sich schon vorher geschlagen geben müssen.

 

Ergebnis:

1. Norwegen O. Scheele, M. Holt, T. Alstad, P. Young Vik 57:50 Minuten
2. Ungarn B. Czako, P. Nagy, Z. Bujdoso, R. Maramarosi +0:02
3. Tschechien A. Karlova, J. Chaloupsky, D. Bolehovsky, M. Mulickova +0:05
17. (12.) Deutschland 1 M. Fritz, A. Reichenbach, K. Kunckel, L. Pompe +4:21
25. Deutschland 2 J. Fritz, L. Imbsweiler, M. Pompe, E. Caspari +7:24

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