04. November 2022
Reichenbach wird 14. über die JWOC Mitteldistanz
Nur 2:03 Minuten Rückstand standen am Ende für Anselm Reichenbach zubuche. Ein so geringer Rückstand zeigt eindrücklich, wie eng das Rennen über die JWOC Mitteldistanz war. Der Sieg ging etwas überraschend an den Ungar Zoltan Bujdoso. Das Damenrennen dominierte die Schwedin Hanna Lundberg von Beginn an.
Zwei unterschiedliche Geländeteile beherrschten den Wettkampf. Die erste Hälfte war sehr offen und schnell. Große Felsplatten bedeckten den Boden, dazwischen offener Kiefernwald oder raue Offenflächen. Schon zum ersten Posten ging es über das Plateau hinweg und in den Hang hinein, an dem die LäuferInnen sich bis zum zehnten Posten entlanghangelten. Nach einer Straßenpassage änderte sich das Gelände. Unübersichtliche, kleine Dickichte beherrschten das Kartenbild, es galt die Höhenformationen sicher zu lesen und auf den Weg auf den im Gelände gut erkennbaren, offeneren Streifen zwischen den Grüns zu finden.
Anselm berichtete von einem kontrollierten Rennen. Schon mit diesem Vorsatz ging er in den Wettkampf, und dieser Plan ging genau auf. Er machte den ganzen Lauf keine größeren Fehler, sein Tempo war nie besonders hoch. Viel besser, so sagte er, hätte das Ergebnis nicht sein können. Er profitierte auch zusätzlich davon, dass der spätere Sieger Zoltan Bujdoso an Posten 5 hinter ihm auftauchte. Das gab zusätzliche Sicherheit und wechselnd führten beide einander über den Kurs. Nicht nur für Anselm wird sich diese Zusammenarbeit ausgezahlt haben.
Nur eine gute Minute mehr Rückstand hatte Lucas Imbsweiler. 3:25 Minuten standen für ihn zu Buche, das reichte für den 36. Platz. Wie der Rest des Teams auch ging auch er mit dem Ziel an den Start nicht maximal zu laufen, um so o-technische Fehler zu vermeiden. Ihm unterliefen nur Kleinigkeiten, und so schwärmte er anschließend zufrieden von dem tollen Gelände. Einzig der Geländewechsel klappte nicht hundertprozentig. Er machte zwar keinen Fehler, wurde aber unsicherer, was sicherlich auch einige Sekunden kostete.
Die weiteren deutschen Herren erreichten Rang 71 (Konrad Stamer, +6:48), 78 (Konstantin Kunckel, +7:39) und 89 (Marek Pompe, +9:24). Alles sind keine großen Rückstände, was einmal mehr zeigt, wie eng dieses Rennen war.
Beste deutsche Dame war Marlene Fritz auf Rang 42 (+8:45). Dicht hinter ihr folgten Julia Fritz (47., +9:36), Emma Caspari (48., +9:40) und Lone Pompe (54., +10:21). Anna Mühlstädt erreichte Rang 94 (+20:29), Franka Klein überlief den dritten Posten und wurde aus der Wertung genommen. Eine Platzierung in den besten 50 in ihrem Alter ist für die jungen Damen sowieso schon eine richtig gute Leistung, auch der auf den ersten Blick große Rückstand relativiert sich noch etwas: Siegerin Hanna Lundberg hatte fast drei Minuten Vorsprung auf die Zweitplatzierte. Marlene sagte im Ziel, dass sie in Teilen sicherlich schneller hätte laufen können. Aber wie für die Herren auch galt es, Fehler zu minimieren. Die Erfahrung im Trainingslager zu Pfingsten hatte gezeigt, dass es schwer ist, sich in dem Gelände wieder einzulesen.
Ein früher Starter im Feld der Herren war Nathan Marchand (FRA). Beim JEC Anfang Oktober konnte er schon seine Klasse zeigen, jetzt setzte er früh eine Bestzeit, an der sich viele nachfolgende Läufer die Zähne ausbeißen sollten und eine Wiederholung seines Siegs beim JEC schien möglich. Am Ende reichte es zu Platz 10, 1:18 hinter dem Sieger. Der Sieg bei den Herren ging wie zuvor schon geschrieben in einer Zeit von 24:20 Minuten an Zoltan Bujdoso aus Ungarn. Etwas überraschend ist dieser Sieg sicherlich, da er sich gegen höhergehandelte Namen durchsetzen konnte, zumindest in den erweiterten Favoritenkreis war er aber dennoch zu zählen. Nicht umsonst startet er auch bereits schon auf Eliteniveau für die ungarische Nationalmannschaft. Mit neunzehn Sekunden Vorsprung verwies er Edvin Nilsson (SWE) auf Rang zwei, dritter wurde Touku Seppa (FIN) mit weiteren drei Sekunden Rückstand.
Auch bei den Damen mischte eine Ungarin vorn mit. Die junge Rita Maramarosi setzte eine frühe Bestzeit von 27:07 Minuten. Kurz nach ihr kam mit Salla Isoheranen eine Finnin, die ihr diese Position schon wieder streitig zu machen schien. Im Geländewechsel nach Posten 10 verlor Isoherranen jedoch noch mehr Zeit als ihre ungarische Konkurrentin und musste sich mit fünf Sekunden Rückstand und schließlich Platz 5 begnügen. Um 39 Sekunden wurden beide in der Folge von Eeva Liina Ojanaho (FIN) geschlagen. Und dann kam ein Auftritt, der die Konkurrenz schon etwas machtlos zurückließ. Nach einer etwas seltsamen aber auch sicheren Route zum ersten Posten zeigte Hanna Lundberg ihre Klasse und distanzierte die Konkurrenz beständig weiter. Ins Ziel lief sie in einer Zeit von 23:18 Minuten und untermauerte ihre Favoritenrolle. Am Ende waren das 2:50 Minuten Vorsprung auf die Silbermedaille. Die ging an Lundbergs Landsfrau Elsa Sonesson, die eine sehr sichere Leistung ablieferte und auf die Fehler ihre direkten Konkurrentinnen verzichtete.
Am morgigen Samstag geht es mit der Waldstaffel weiter. Die Damen starten um 11 Uhr deutscher Zeit, zwei Stunden später gehen die Herren an den Start. Topfavoritinnen dürften nach der heutigen Leistung die Schwedinnen sein, aber auch das Team aus Finnland möchte in der Damenkonkurrenz sicherlich mitreden. Offener ist das Geschehen bei den Herren. Mannschaftlich am geschlossensten zeigten sich heute die Schweizer. Daneben sind wie üblich die Skandinavier nicht außenvor zu lassen. Frankreich und Ungarn könnten Teams sein, die bei groben Patzern der Konkurrenz profitieren.
