OL OL

16. Juli 2020

Deutschlands „beste“ O-Sport-Karten und -Gelände #7

Constanze Rathmann, seit 49 Jahren OLerin und immer noch mit Begeisterung und Leidenschaft dabei, reist zusammen mit ihrem Mann Jens Rathmann jedes Jahr quer durch Deutschland zu den OL-Wettkämpfen. Seit 1987 in Schmalkalden im Verein, organisiert Constanze das wöchentliche Training der kleinen OL-Abteilung. Und auch der alljährliche Langdistanz-Wettkampf in den Bergen rund um Schmalkalden wird jedes Jahr mit viel Herzblut auf die Beine gestellt. In all den Jahren unterwegs in den Wäldern hat sie viele Karten kennengelernt. Warum Constanze sich für die Küste entschieden hat, erzählt sie uns im Interview.

Ihr Mann Jens liefert uns OL-Filme samt Drohnenaufnahmen, ihre Tochter Resi lief im Juniorennationalteam und wurde 2014 Deutsche Elite-Meisterin über die Mittelstrecke vor ihrer Freundin Susen Lösch, auch ihr Sohn ist OLer. Constanze Rathmann selbst begann in jungen Jahren in Eisenach mit OL, wurde bei Dynamo Weimar ab 1975 aktiver in unserem Sport, lief zwischenzeitlich bei Lok Jena, gewann während ihres Studiums an der TU Dresden 2-mal die DDR-Studentenrangliste (1985/86 und 1986/87) und lebt seitdem in Schmalkalden (südwestlich des Thüringer Waldes) – und läuft und wirkt für den SV Schmalkalden, der bereits über 50 OL ausrichtete. Hier stellt Constanze uns ihr OL-Lieblingsgelände an der deutschen Ostseeküste vor.


Welches kartierte Gelände (eine Karte) ist für dich am technisch anspruchsvollsten?
Ich habe mich für die Karte Usedom bei Zinnowitz von 1983 entschieden, da mir das Gelände sehr gefallen hat. Es war der 16. Internationale Ostsee-OL, wo wir per Zug nach Usedom gefahren sind und dort vor Ort gezeltet haben. Die Karte wurde aufgenommen von Ingrid/ H. Grosse und G. Thämelt im Maßstab 1:15:000. Besonders das präzise Orientieren ist in dem Dünengelände gefordert und in Mitteldeutschland hatte ich gar nicht die Möglichkeit in solch einem ähnlichen Gelände zu trainieren. Um so erfreulich war es, dass ich mit dem Gelände auf Anhieb so gut zurecht kam. Gerade die vielen Kuppen und Senken genau zu lesen, machte Spaß. Ich würde sagen, ich konnte mein sicheres Orientierungsvermögen in jungen Jahren gut ausspielen. ;) Für mich ist der Wettkampf eine schöne Erinnerung an einen Lauf, wo alles zusammengepasst hat.


Warum genau diese Karte?
Wie gesagt, dieses kleindetailierte Reliefgelände hat seinen eigenen Reiz. Und der Ostsee-OL war immer ein tolles Ereignis an der Küste. Es ist natürlich auch schön zu sehen, auf welchen Karten wir damals gelaufen sind. Der große Maßstab in solch einem feingliedrigen Gelände ist ja heute fast undenkbar. ;)


Welche Distanz/ welches Training eignet sich auf dieser Karte am besten?
Im Rahmen des Ostsee-OLs von 1983 wurde die Normaldistanz dort ausgetragen. Es gab noch keine Unterteilung in Mittel- und Langdistanz. In der Kategorie D19A hatte ich somit 7,2km und 20 Posten zu absolvieren. Aus heutiger Sicht eignet sich die Karte in einem größeren Maßstab sehr gut für eine Mitteldistanz, da zahlreiche Postenstandorte vorhanden sind. Und im Training bietet sich ein Höhenlinien-OL an.


In welchem deutschen, lange nicht kartierten bzw. unkartierten Gelände würdest du gerne einmal laufen und warum?
Wenn ich so an Thüringen denke, dann ist der Lauchagrund bei Bad Tabarz nördlich vom Rennsteig sehr interessant und anspruchsvoll. Er gilt als eines der schönsten Klettergebiete Thüringens und ist bekannt als wildromatisches Tal mit vielen Felsformationen. Hier könnte ich mir einen anspruchsvollen OL gut vorstellen, falls es kein Naturschutzgebiet ist.


Welchen geografischen Vorteil siehst du allgemein in OL-Deutschland?
Von der Küste mit den Dünen über das steinige Gelände Richtung Osten Deutschlands, bis hin zu den steilen Hängen in Thüringen und Bayern ist vieles geboten in OL-Deutschland. Was mir sehr gefällt, ist die Entwicklung im Sprint-OL. Dort haben wir die Möglichkeit, neue urbane Gelände zu erkunden und werden gelegentlich vor knifflige Routenwahlen durch viele kleine Gassen gestellt. Ich denke, als OLer muss man nicht immer gleich in ein anderes Land reisen, sondern die eigene Vielfalt an Regionen mehr zu schätzen wissen.

Mehr:
Abt. OL des SV Schmalkalden 04
Bad Tabarz, Lauchagrund
eins von Christian Teichs Lieblingsgeländen, der auch Usedom vorschlug.