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06. Juli 2023

JWOC Mitteldistanz

Middle Distance 2670
Emma Caspari auf den letzten Posten.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Emma Caspari auf den letzten Posten.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023

Hochklassige Mitteldistanzen erwarteten die JWOC-TeilnehmerInnen am dritten Tag der Wettkämpfe. Herausfordernde Strecken, die auf den ersten Blick garnicht so schwer aussahen, luden in schnellem, offenem Buchenwald zu Fehlern ein. Es galt also, die perfekte Balance aus Schnelligkeit und technischer Sauberkeit zu finden. Am besten gelang dies der Schweizerin Henriette Radzikowski und dem Schweden Hannes Mogensen. Mit Platz 49 gelang Emma Caspari als bester Deutscher eine Top50-Platzierung, wie sie im Vorschauartikel ausgegeben wurde. Auch die anderen Damen waren nach ihren Läufen zufrieden. Nicht so zufriedenstellend lief der Tag für das Herrenteam.

Ergebnis:

Damen
1. Henriette Radzikowski (SUI) 25:42 Minuten
2. Lucie Dittrichova (CZE) +0:04
3. Pia Young Vik (NOR) +0:14
49. Emma Caspari +6:02
59. Lone Pompe +7:00
72. Anne Kästner +8:30

Herren
1. Hannes Mogensen (SWE) 24:39 Minuten
2. Jakub Chaloupsky (CZE) +0:43
3. Oscar David Brom Jensen +1:16
69. Konstantin Kunckel +7:55
78. Anselm Reichenbach +8:31
87. Konrad Stamer +8:52
123. Marek Pompe +12:21
136. Malte Borrmann +15:45

 

Der ausführliche Bericht

In der Konkurrenz der Damen gelang einer jungen Schweizerin der überraschende Coup. Mit geradeeinmal 17 Jahren gehört Henriette Radzikowski konnte sich zu einer der jüngsten Titelträgerinnen der letzten Jahre küren. Im Gelände war sie mit Abstand nicht die schnellste. Immer wieder gab es an den verschiedenen Zwischenzeiten Konkurrentinnen, die teils mehr als eine Minute schneller waren als sie. Den Sieg sicherte sie sich dank ihrer brillanten technischen Konstanz. Schon auf den diffusen Waldposten, vorallem aber im Wechsel ins offene Gelände konnte sie mit bestechender Zielgenauigkeit glänzen. Während zahlreiche Konkurrentinnen schon im Wald schwächelten, waren es die letzten drei Wiesenposten, auf denen Radzikowski sich Gold sicherte, trotz dass – oder vielleicht auch weil – sie mit einer recht frühen Startzeit im Wiesenbereich wenig Spuren hatte. Auch die Silbermedaille ging nicht an eine absolute Topfavoritin: Bis zum vorletzten Posten wäre für die Tschechin Lucie Dittrichova sogar der Sieg dringewesen. Erst eine Unsicherheit zu diesem Posten sowie eine falsche Mikroroutenwahl zum letzten Posten kostete sie den Sieg und sie musste sich um 4 Sekunden geschlagen geben. Freuen wird sie sich über diesen Erfolg sicher trotzdem. Und auch Pia Young Vik (NOR) hätte durchaus gewinnen können. Sie verlor den Kampf um Gold einen Posten früher als Dittrichova. Sie geriet auf dem ersten Wiesenposten zu tief und verlor entscheidend an Zeit. 14 Sekunden fehlten ihr schließlich. Sie bleibt damit aber die einzige Athletin dieser JWOC, die in bisher jedem Rennen eine Medaille gewinnen konnte. Und ihr bleiben ja noch zwei Gelegenheiten, um den Medaillensatz voll zu machen.
Dass es bei diesem Rennen nicht um die pure Laufgeschwindigkeit, sondern um technische Konstanz ging, zeigen auch die geringen Abstände im Klassement. Lediglich 40 Sekunden trennten die ersten 8 Plätze. So konnten auch die beiden großen Favoritinnen nicht ganz vorn mitlaufen. Eeva Liina Ojanaho (FIN) verlor schon im Anfangsteil der Bahn zu viel Zeit und konnte trotz guter weiterer Performance nicht mehr entscheidend eingreifen. Sie wurde 8. Die Ungarin Rita Maramarosi pulverisierte wie gewohnt die ersten Zwischenzeiten, schon im Mittelteil verlor sie aber an Vorsprung und bewegte sich nur noch im Bereich von Radzikowski. Als fatal erwies sich auch für sie der vorletzte Posten. Als Zuschauer litt man wahrlich mit ihr mit, wie die Drohne über ihr kreiste, während sie verzweifelt auf der falschen Seite des Dickichts nach ihrem Posten suchte und bis auf Platz 11 zurückfiel.

Das Damenteam zeigte sich grundsätzlich recht zufrieden. Als beste Deutsche kam Emma Caspari als 49. ins Ziel. Auf die Spitze verlor sie 6:02 Minuten. Sie berichtete davon, etwas langsam losgekommen zu sein, erst als sie später aufgelaufen wurde, steigerte sie das Tempo. So geriet sie gegen Ende des Laufs ins Übertempo und machte zwei Fehler, die ein besseres Ergebnis verhinderten.
Auch Lone Pompe zeigte eine solide Leistung. Sie wurde 59., 7:00 Minuten hinter Siegerin Radzikowski. Von jener wurde sie zur Hälfte ihres Laufes auch überholt, konnte ihr jedoch nicht lange folgen. „O-technisch war [der Lauf] nicht ganz perfekt, aber durchaus in Ordnung“, so ihr abschließendes Fazit.
Etwas anders lief das Rennen für Anne Kästner. Sie kam sehr gut in den Lauf und schickte sich an, beste Deutsche zu werden. Auch wenn sie sich zunächst etwas unsicher fühlte, gewann sie an Mut, indem die Posten dort waren, wo sie sie erwartete. Sie wurde nach einigen Posten von Pia Young Vik aufgelaufen und führte die Norwegerin einige Posten durch den Wald. Dann aber lief Young Vik ihr davon, und just in diesem Moment machte Anne einen großen Parallelfehler. Sie beendete ihren ansonsten sehr guten Lauf als 72. mit 8:30 Rückstand.

Zu Beginn des Rennens der Herren zeigte sich im Ziel ein Bild, das unseren Schweizer Nachbarn sicherlich als Endergebnis gut gefallen hätte. Früh setzte Pascal Schärer eine Bestzeit, vor seinen Landsmännern Matthieu Bührer und Joschi Schmid. Der nächste Schweizer, Dominic Müller, schloss mit einem super Finish noch zu Schärer auf, sodass der Leaderschair ganz in rot und weiß leuchtete. Erster Spaßverderber der Schweizer war der Tscheche Jakub Chaloupsky. Neben Noel Braun galt er vor dem Rennen als größter Favorit für den Sieg. Im letzten Jahr war er bereits fünfter über die Mitteldistanz geworden, alle vor ihm Platzierten durften des Alters wegen in diesem Jahr nicht mehr antreten. Und er wurde dieser Favoritenrolle gerecht, 1:13 Minuten war sein Vorsprung am Ende vor dem Duo Müller/Schärer. Der Däne Oscar Brom Jensen schickte sich als nächster an, dem Tschechen gefährlich zu werden. Im Mittelteil der Bahn verlor er allerdings zu viel Zeit, und so musste er sich mit knapp 30 Sekunden Rückstand mit Zwischenplatz zwei zufriedengeben. Also hing es – neben einigen anderen Namen, die aber früh Zeit verloren – an den beiden Schweden Noel Braun und Hannes Mogensen, Chaloupsky noch von Platz eins zu verdrängen. Im Abstand von vier Minuten starteten die beiden. Während Mogensen vorher nur als Geheimtipp galt, schien sich alles auf das Duell Braun-Chaloupsky zuzuspitzen, wie vorher schon erwartet wurde. Mogensen kam gut über die Strecke und setzte neue Bestzeiten, die aber nur Minuten darauf von Braun noch unterboten wurden. Zu Posten 8 kam dann aber der verhängnisvolle Fehler. Die Ablaufrichtung Brauns stimmte überhaupt nicht und er lief einen großen Bogen, der ihn letztlich fast eine Minute kostete. Zu viel Rückstand, um Chaloupsky noch zu gefährden, der technisch extrem souverän gewirkt hatte. Sein Teamkollege sprang aber in die Bresche und ließ sich auch von einem zwischenzeitlichen Zeitverlust nicht beirren. Mit einem wahnwitzigen Finish schlug Mogensen die Zeit von Chaloupsky um 43(!) Sekunden und krönte sich zum neuen Mitteldistanzchampion. Für Noel Braun wurde es nur der vierte Platz, knapp schob er sich noch vor die beiden Schweizer.
Damit gewann mit Hannes Mogensen ausgerechnet der Athlet, um den es im Vorfeld der JWOC etwas Aufregung gegeben hatte. Bis zum letzten Jahr lief er international für Dänemark. Erst in diesem Jahr entschied er sich für einen Start für Schweden. Es geht dabei allerdings lediglich darum, ob der im Eventor erfolgende Nationenwechsel rechtzeitig geschah.

Nicht so zufrieden wie das Damenteam waren die deutschen Herren mit ihrem Ergebnis.
Bester Deutscher wurde Konstantin Kunckel auf Platz 69 (+7:55). Für ihn ging es darum, nach dem Infekt wieder in den Wettkampfrhythmus zu kommen. Den Rückstand erklärte er sich hauptsächlich als läuferisch bedingt. Er startete als einer der ersten Starter, sodass er auf der abschließenden Wiesenpassage die Spuren trat, die Spätergestartete nutzen konnten. Den dadurch entstandenen Zeitverlust bezifferte das Team als etwa 30 bis 60 Sekunden.
Anselm Reichenbach und Konrad Stamer platzierten sich kurz dahinter auf den Plätzen 78 und 87. Beide hatten sie sich von der Mitteldistanz mehr erhofft. Konrad lief zunächst recht sauber, auch wenn er etwas unsicher war und – obwohl richtig – zu früh an sich zweifelte, wenn der Posten spät zu sehen war. Dann passierte ihm ein klassischer Ablauffehler, wie so manchem in diesem Gelände. Auch bei Anselm liefen die ersten Posten ebenfalls gut. Zu Posten 7 machte er auch eigentlich alles richtig, er nahm aber den Kopf nicht hoch und verfehlte den Posten. Dann versuchte er den Norweger, der ihn zwischenzeitlich überholt hatte, wieder einzuholen, orientierte nicht genau genug und wurde an Posten 13 schließlich dafür bestraft.
Marek Pompe wurde von einer typischen Fehlerfolge aus dem Rennen geworfen. Erst verfehlte er den dritten Posten nur um wenige Meter, gleich zum nächsten Posten verlor er sich völlig – ein typischer Folgefehler, der in der Aufregung einer JWOC passieren kann. Er wurde 123.
Malte Borrmann wurde 136. Er berichtete davon, viel Spaß gehabt zu haben – bis er die Ergebnisliste sah. Nicht verwunderlich, gestand er aber auch ein, denn ihm passierten zwei große Fehler.
Morgen geht es mit der Langdistanz weiter. Dann will vorallem das Herrenteam bessere Läufe zeigen.

Middle Distance 1292 Middle Distance 1292
Konzentriert läuft Konstantin Kunckel die letzten Posten an.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Konzentriert läuft Konstantin Kunckel die letzten Posten an.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 965 Middle Distance 965
Trainer, Startbetreuer, Gepäckträger, Zuhörer... Viele Aufgaben am Start für Karsten Leideck.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Trainer, Startbetreuer, Gepäckträger, Zuhörer... Viele Aufgaben am Start für Karsten Leideck.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 2953 Middle Distance 2953
Vollen Einsatz im Wald hielt die Startnummer von Anne Kästner nicht aus.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Vollen Einsatz im Wald hielt die Startnummer von Anne Kästner nicht aus.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 2990 Middle Distance 2990
Konrad Stamer auf dem Weg zum letzten Posten.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Konrad Stamer auf dem Weg zum letzten Posten.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 315 Middle Distance 315
Jede Sekunde zählt für Lone Pompe im engen Feld einer JWOC-Mitteldistanz.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Jede Sekunde zählt für Lone Pompe im engen Feld einer JWOC-Mitteldistanz.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 440 Middle Distance 440
Malte Borrmann im Ziel.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Malte Borrmann im Ziel.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 1034 Middle Distance 1034
Marek Pompe startet in seinen Mitteldistanzlauf.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Marek Pompe startet in seinen Mitteldistanzlauf.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 3319 Middle Distance 3319
Die letzten Meter ins Ziel: Anselm Reichenbach.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Die letzten Meter ins Ziel: Anselm Reichenbach.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
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Das Podest der Damen mit Henriette Radzikowski, Lucie Dittrichova und Pia Young Vik.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Das Podest der Damen mit Henriette Radzikowski, Lucie Dittrichova und Pia Young Vik.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 282 Middle Distance 282
Alles gegeben bis ins Ziel, und dann reichte es für den Sieg: Henriette Radzikowski
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Alles gegeben bis ins Ziel, und dann reichte es für den Sieg: Henriette Radzikowski
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 2898 Middle Distance 2898
Pia Young Vik musste sich auf den letzten Posten im Kampf um den Sieg geschlagen geben.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Pia Young Vik musste sich auf den letzten Posten im Kampf um den Sieg geschlagen geben.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
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Hoch fliege die Silbermedaillengewinnerin Lucie Dittrichova.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Hoch fliege die Silbermedaillengewinnerin Lucie Dittrichova.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
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Hannes Mogensen jubelt über seinen Sieg. An seiner Seite Jakub Chaloupsky und Oscar Brom Jensen.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Hannes Mogensen jubelt über seinen Sieg. An seiner Seite Jakub Chaloupsky und Oscar Brom Jensen.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Middle Distance 1126 Middle Distance 1126
Hannes Mogensen mit vollem Fokus auf den ersten Posten.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Hannes Mogensen mit vollem Fokus auf den ersten Posten.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
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Auch die Teamkolleg*innen beglückwünschen Jakub Chaloupsky mit einem Blumenkranz.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023
Auch die Teamkolleg*innen beglückwünschen Jakub Chaloupsky mit einem Blumenkranz.
Foto: IOF / Photographers of JWOC 2023

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Leon Kollenbach
Staffel-Weltmeistertitel für Deutschland!
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