03. Juli 2023
JWOC 2023 - Baia Mare
Vom 03. bis 08. Juli finden im nördlichen Rumänien in und um die Stadt Baia Mare die Juniorenweltmeisterschaften statt. Sie ist so groß wie wahrscheinlich nie zuvor – 153 Juniorinnen und 174 Junioren aus 41 Nationen gehen an den Start. Auch Deutschland schickt eine ambitionierte Delegation.
Wie sieht das Programm aus?
Die Wettkämpfe starten mit dem Sprint am Montag, 03.07. in der Innenstadt von Baia Mare. Am nächsten Tag findet im direkt angrenzenden Gebiet die Sprintstaffel statt. Mit der Mitteldistanz – von nun an ohne Quali – steht am Mittwoch die erste Walddisziplin auf dem Programm, dann geht es nach Kapnik, ungefähr 20 Kilometer ostwärts gelegen. Nach einem Ruhetag am Donnerstag steht am Freitag die Langdistanz an. Den krönenden Abschluss bildet die Waldstaffel am Samstag, bevor es zur obligatorischen JWOC-Party geht.
Welches Gelände erwartet die AthletInnen?
Sowohl Sprint als auch Sprintstaffel finden in Baia Mare statt. Die Stadt ist sehr flach, was viele Routenwahlen vereinfachen wird – es gilt vermutlich die kürzeste Route zu finden, Höhenmeter brauchen nicht beachtet werden. Im Einzelsprint haben die Strecken viele Posten, was für kurze Verbindungen spricht. Das Gelände weist eine grobe Gebäudestruktur auf, durch viele Hecken und potentiell künstliche Sperren wird der Ausrichter für Schwierigkeit sorgen. Auch viele Parallelstrukturen laden zu Fehlern ein.
Alle Walddistanzen werden von derselben Arena aus stattfinden. Der nördliche Teil des Geländes dürfte dabei wahrscheinlich für die Mitteldistanz und Staffel vorgesehen sein – hier sind viele feine Höhenstrukturen zu finden. Die Langdistanz wird voraussichtlich in den groberen Hangstrukturen weiter südlich stattfinden. Bei allen Formaten wird es einen spannenden Mix aus Waldstücken und offenem Gelände geben. Das Gras in den offenen Gebieten ist zu dieser Jahreszeit oft hüfthoch, der Übergang zu halboffenen Gebieten häufig fließend und Pfade in diesen Gebieten schlecht zu sehen. Feine Konturen können im hohen Gras untergehen. Sehr frühe Startzeiten könnten in diesen Gebieten durch die Laufbehinderung ein Nachteil sein. Der Wald dagegen ist zwar etwas diffuser als bei uns, allerdings so offen, dass man schnell durchfegen kann. Hier könnte die Schwierigkeit sein im Hang zu laufen, denn diese sind oft steil und lose, sodass der Schritt unter den Füßen abrutscht.
Wie geht das deutsche Team in die Wettkämpfe?
Hochmotiviert, oder wie Bundestrainer Karsten Leideck sagt: „Es haben alle Bock auf das Gelände!“ Im Herrenteam gehen fünf Läufer an den Start, die in diesem Jahr ihre letzte JWOC absolvieren werden. Umso motivierter sind sie, optimale Läufe zu zeigen. Dass die Resultate vor allem daran hängen, wissen sie alle. Mit Anselm Reichenbach gibt es vorallem im Sprint einen Läufer, der das Potential für eine Top6-Platzierung hat – auch wenn die beiden Norweger Ivar Haugen und Ivar Lundanes ihn nicht unter den Favoriten nannten (mehr dazu später). Dass er gut in Form ist, hat er mit den Titeln bei den norwegischen Meisterschaften und bei den großen skandinavischen Staffeln bereits bewiesen. Im letzten Jahr überzeugte er zum Beispiel mit Laufbestzeit in der Sprintstaffel. Marek Pompe konnte im letzten Jahr auf der Startstrecke der Waldstaffel auf sich aufmerksam machen – leider nur für ein Mixedteam. Wie für alle anderen deutschen Herren sind auch bei ihm Plätze in den Top20 bis 30 möglich, wobei die Chancen im Wald größer sein dürften. Mit Konrad Stamer und Konstantin Kunckel stehen weiterhin zwei ehemalige EYOC-Sieger im Aufgebot. Während Konrad in der Vorbereitung durch eine hartnäckige Verletzung gebremst wurde, hat Konstantin in den letzten Tagen mit einem Infekt zu kämpfen gehabt. Der Sprint kommt zu früh für ihn, danach wird er aber umso motivierter ins Geschehen eingreifen wollen. Malte Borrmann vom OL-Team Görlitz kommt in diesem Jahr zu seinem ersten internationalen Einsatz für Deutschland. Wenn alles zusammenläuft, könnte dieses Team in der Staffel für ein tolles Ergebnis sorgen.
Mit drei Damen reisen die Juniorinnen zu den Wettkämpfen. Altersmäßige Teamleaderin ist hier Emma Caspari aus Detmold. In Deutschland konnte sie sich in diesem Jahr bereits im Feld der Elite achtbar schlagen. Lone Pompe und Anne Kästner komplettieren das Team. Beide sind noch jung und bremsen deshalb die Erwartungen an sie selbst. Vorrangiges Ziel ist es, fehlerfreie Läufe ins Ziel zu bringen und dann zu schauen, was diese wert sind. Das Potential für Top50 haben alle drei, vielleicht geht es sogar in Richtung der Top30. Die als vierte Läuferin nominierte Jule Roßner musste aufgrund von Knieproblemen auf einen Start verzichten und ist nicht angereist.
Betreut wird das Team von den beiden Bundestrainer*innen Karsten Leideck und Pia Buchholz. Karsten wird die Teamleitung übernehmen und das Team zum Beispiel im Teamleadermeeting vertreten. Im Wettkampf übernimmt er die Startbetreuung, Pia empfängt die LäuferInnen nach (erfolgreichen :D ) Läufen im Ziel.
Wer sind die FavoritInnen?
Die Favoritenteams stellen wenig überraschend die Big Four – Schweden, Finnland, Norwegen und die Schweiz, mit Abstrichen die Tschechen. Dabei gibt es einige Namen, die geneigte Zuschauer*innen der JWOC auf dem Zettel haben sollten.
Bei den Damen gibt es zwei große Favoritinnen: Im Sprint wird es wohl nicht über die Ungarin Rita Maramarosi gehen, die vor Wochenfrist erst den EYOC-Sprint dominierte. Im Wald heißt die Favoritin über alle Distanzen Eeva Liina Ojanaho (FIN). Sie könnte ihrem großen Bruder nacheifern und die prägende Juniorin dieser JWOC werden. Mit einem starken Team hinter sich dürfte sie auch nach Staffelgold greifen. Weitere Favoritinnen sind die Schwedin Elsa Sonesson, Pia Young Vik (NOR) oder die Neuseeländerin Penelope Salmon.
Der große Favorit bei den Herren ist Noel Braun aus Schweden. Im letzten Jahr gewann er knapp die Langdistanz, einem Mitteldistanztriumph stand nur ein im Dickicht verlorener SIAC im Wege. Er könnte sich bei dieser JWOC ein Duell mit dem Tschechen Jakub Chaloupsky liefern. Aus Norwegen sollte man die Namen Brage Takle und Martin Skjerve auf der Rechnung haben. In der Staffel könnten die geschlossene Teambreite der Schweizer und der Tschechen für die größten Siegchancen sorgen. Vorallem im Sprint könnte es auf dem Podium durchaus Überraschungen von außerhalb der genannten Nationen geben: Der Este Jurgen Joonas ist stark einzuschätzen, ebenso der Brite Jim Bailey oder Gonzalo Ferrando. Oder… vielleicht Anselm?
Wer die FavoritInnen noch umfassender vorgestellt haben möchte, dem sei der Podcast Ivarnational Orienteering News (Ivar Haugen und Ivar Lundanes) zu empfehlen.
Wie kann ich die JWOC verfolgen?
Es gibt jeden Tag Liveresults, es gibt GPS und einen Livestream. Wie gut der Stream ist, wird sich zeigen – einschalten lohnt aber allemal. Und anders als bei den Elitewettbewerben ist der Stream kostenfrei. Auf dem Instagram-Kanal der germanojuniors werden Eindrücke aus dem Team gesammelt, auf o-sport.de wird an jedem Wettkampftag ein ausführlicher Bericht veröffentlicht. Am wichtigsten: Drückt unserem Team die Daumen, am besten schon morgen ab 15:30 Uhr deutscher Zeit beim Sprint. Emma wird um 16:13 Uhr unsere erste Starterin sein, Marek bildet um 17:56 Uhr den Abschluss.
Mehr:
Livecenter auf der Homepage der JWOC 2023
Ivarnational Orienteering Podcast
