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01. Oktober 2025

Highspeed zum Weltcup in der Schweiz

Verabschiedung Kyburz
Die wiederkehrende Geschichte des Wochenendes: Matthias Kyburz hängt die OL-Schuhe an den Nagel (zumindest auf internationaler Bühne) und widmet sich fortan dem Marathon und der Jagd nach dem Schweizer Rekord. Zum Abschied versammeln sich große Teile der internationalen Elite und würdigen seine Leistungen.
Foto: Silvan Schletti
Die wiederkehrende Geschichte des Wochenendes: Matthias Kyburz hängt die OL-Schuhe an den Nagel (zumindest auf internationaler Bühne) und widmet sich fortan dem Marathon und der Jagd nach dem Schweizer Rekord. Zum Abschied versammeln sich große Teile der internationalen Elite und würdigen seine Leistungen.
Foto: Silvan Schletti

Mit der dritten Weltcuprunde des Jahres in Uster (SUI) geht die internationale Elitesaison 2025 zu Ende. Mit Platz 62 im Einzelsprint durch Jule Roßner und Platz 15 in der Sprintstaffel war dieser Weltcup ergebnismäßig eher durchwachsen. Im Einzelsprint siegte erstmals Tomas Krivda (CZE) bei den Männern, die Damenkonkurrenz gewann wie auch im KO-Sprint Simona Aebersold (SUI). Den KO-Sprint der Männer gewann Tino Polsini (SUI). In der Sprintstaffel siegte Schweden.

Ergebnisse (mit besten Deutschen)

Einzelsprint Damen

1. Simona Aebersold (SUI) 14:06 Minuten
2. Natalia Gemperle (SUI) +0:30
3. Pia Young Vik (NOR) +0:34

62. Jule Roßner +2:20
68. Paula Starke +2:37

Einzelsprint Herren

1. Tomas Krivda (CZE) 13:32 Minuten
2. Matthias Kyburz (SUI) +0:04
3. Yannick Michiels (BEL) +0:09

71. Riccardo Casanova +1:59
73. Marek Pompe +2:00

 

Sprintstaffel

1. SWE (A. Sonesson, J. Gustafsson, M. Regborn, H. Lundberg) 58:34 Minuten
2. SUI (N. Gemperle, T. Suter, T. Polsini, S. Aebersold) +0:03
3. NOR (V. Haestad Bjornstad, E. Langedal Breivik, K. Harlem Fosser, P. Young Vik) +0:14

15. GER (J. Roßner, M. Pompe, R. Casanova, P. Starke) +6:56

 

KO-Sprint Damen

1. Simona Aebersold (SUI) 7:38 Minuten
2. Grace Molloy (GBR) +0:01
3. Tereza Rauturier (CZE) +0:02

KO-Sprint Herren

1. Tino Polsini (SUI) 6:47 Minuten
2. Max Peter Bejmer (SWE) +0:02
3. Fabian Aebersold (SUI) +0:03

 

Bericht:

Den Auftakt am Freitag bildete ein Einzelsprint. Vom Hausberg der Stadt aus ging es hinab ins Zentrum. Dabei warteten viele Rechts-links-Entscheidungen auf die Läufer*innen auf Strecken, die bei weitem nicht den technischen Anspruch hatten, wie er zuletzt in Belgien gefordert war. Häufig waren einfache symmetrische Überlegungen gefragt, um die kürzeste Route zu ermitteln. Umso höher war das notwendige Tempo, das in der Folge häufig auch über das Orientierungsvermögen hinausging, sodass selbst auf vergleichsweise einfachen Strecken ungewöhnliche Fehler passierten.

Das beste deutsche Ergebnis erlief Jule Roßner als 62. bei den Damen. „Am Anfang gut rein zu starten war nicht so einfach, weil man zuerst eine Treppe runtermusste. Ich glaube ich habe mir den Lauf gut eingeteilt und habe mich physisch ganz gut gefühlt.“ Mit ihrem ersten Weltcuprennen ist sie trotz 2:20 Minuten Rückstand recht zufrieden. Die weiteren deutschen Damen folgten mit wenig Abstand. Bei den Herren wurde Riccardo Casanova als 71. bester Deutscher. Die meisten deutschen Starter zeigten im Rahmen ihrer Möglichkeiten gute Läufe, der läuferische Abstand zur Spitze kommt bei einer so physischen Strecke deutlich zur Geltung.

An der Spitze des Herren gestaltete das Rennen sich äußerst knapp. Mit Matthias Kyburz setzte ein Schweizer zeitig eine dermaßen starke Zeit, dass er gut und gern als Sieger aus seinem letzten internationalen Einzelsprint der Karriere herauskommen konnte. Spätestens als Kasper Fosser (NOR) und Tuomas Heikkila (FIN) mehr als 15 Sekunden Rückstand ins Ziel brachten, glaubte im Stadion wohl jeder daran. Einer hatte aber noch etwas dagegen: Tomas Krivda (CZE) lief besonders in der Startphase einen Vorsprung heraus, den er im Gegensatz zu anderen Konkurrenten nicht mehr hergab. Vier Sekunden vor Kyburz sicherte der Tscheche sich seinen ersten Weltcupsieg.
Auch im Gesamtweltcup wurde es noch einmal spannend: Weil der Gesamtweltcupführende Max Peter Bejmer nur 16. wurde, rückten Krivda und Fosser auf 5 bzw. 9 Punkte heran. Vor dem abschließenden KO-Sprint war also wieder alles offen.
Bei den Damen lief Simona Aebersold in einer eigenen Liga. In Abwesenheit von Tove Alexandersson (SWE) – die gleichzeitig bei der Traillauf-WM überlegen Gold (Kurzstrecke) gewann – war niemand dem Laufvermögen der Schweizerin gewachsen. Sie gewann mit 30 Sekunden Vorsprung auf Landsfrau Natalia Gemperle. Weitere vier Sekunden dahinter folgte die norwegische Sprint-Europameisterin Pia Young Vik.

 

Ein ähnliches Anforderungsprofil wie der Einzelsprint wies tags darauf die Sprintstaffel auf. Auf relativ flachen Strecken ging es in den westlichen Teil Usters rund um das Bildungszentrum und den Zellweger Weiher. Die Strecke war durch lange, aber nicht übermäßig komplexe Routenwahlen geprägt, sodass die läuferische Komponente einmal mehr ausschlaggebend war.

Für Deutschland gingen drei Teams an den Start, wegen Krankheitsausfällen musste das vierte Team als Mixedteam mit einer Niederländerin starten. Bestes Team wurde das nominell erste deutsche Team mit den jeweils Bestplatzierten des Einzelsprints. Jule Roßner schaffte es schon auf der Startstrecke leider nicht, mit dem Tempo der Spitze und der Verfolgerinnen mitzugehen, ordnete sich mit knapp zwei Minuten Rückstand aber zwischen weiteren starken Nachwuchsläuferinnen wie der Belgierin Tille de Smul ein. Die zweite Strecke für diese Staffel lief Marek Pompe, der die Position halten konnte, sich nach vorn aber nicht zu verbessern vermochte. Mit einem starken Lauf konnte Riccardo Casanova auf Strecke drei das Team ein Stück nach vorn bringen. Schlussläuferin Paula Starke brachte das Team auf Platz 15 der Nationenwertung (29. insgesamt) ins Ziel. 
Für Team Deutschland 3 lief Maren Guthier eine hervorragende Startstrecke. Als physisch stärkster deutscher Athletin kamen ihr Massenstartformat und ein relativ eindeutiges Gabelungssystem entgegen, sodass sie mit 53 Sekunden Rückstand in der Verfolgertram einlief. Erst auf Strecke drei schaffte es das erste Team, an ihren Teamkollegen vorbeizuziehen.
Team Deutschland 2 passierte gleich ein doppelter Fauxpas: Schon auf der Startstrecke lief Hanna Müller die Arenapassage nicht, die im hektischen Betrieb eines Massenstartrennens aktiv anorientiert werden musste (Staffeldemos gibt es international grundsätzlich nicht). Sie merkte es im Zieleinlauf und lief die gesamte Schlussschleife noch einmal, sodass sie mit viel Rückstand ins Ziel kam. Bojan passierte später dasselbe Missgeschick, ohne dass er es merkte, sodass die Staffel außer Wertung geriet.

Auf der Startstrecke blieb das Favoritenfeld dicht beisammen. An der Spitze duellierten sich Victoria Haestad Bjornstad (NOR) und Natalia Gemperle (SUI) um den Startstreckensieg. Schweden und Finnland dagegen verloren etwas Zeit, konnten den Abstand mit 20 respektive 30 Sekunden aber in Grenzen halten. Dafür konnte sich ein Außenseiterteam weit vorn platzieren – Grace Molloy hatte auf Platz 3 nur neun Sekunden Rückstand.
An der Spitze änderte sich auf der zweiten Strecke wenig. Freddie Carcas schaffte es den Rückstand für die Briten zu verkürzen. Angeführt von Eirik Langedal Breivik (NOR) schafften es die drei führenden Teams aber, den Vorsprung vor den Verfolgern zu erhalten. Jonathan Gustafsson (SWE) schaffte es nicht substanziell näher an die Spitze heran. Einzig Akseli Ruohola (FIN) konnte Zeit gutmachen und war nun mit 14 Sekunden Rückstand erster Verfolger. 
Ein ähnliches Konzept wie sein Landsmann verfolgte auch Kasper Fosser (NOR) auf Strecke drei. Von Anfang an machte er Druck und versuchte die Lücke zu den Hauptkonkurrenten zu halten. Besonders Tuomas Heikkila (FIN) jedoch war zu stark und schloss bald auf, auch Martin Regborn schaffte es, den Rückstand für Schweden zu verringern. Von den Favoritenteams verlor einzig die Schweiz Zeit, Tino Polsini kam 30 Sekunden hinter der Spitze ins Ziel. Auch die Briten verabschiedeten sich aus der Topposition.
Mit drei Favoritenteams innerhalb von 10 Sekunden war alles für eine spannende Schlussstrecke bereitet. Darüber hinaus drückte Simona Aebersold aufs Tempo, um auch die Schweiz mit in den Kampf um den Sieg zu bringen. Das schaffte sie auch, bis zur Rennhalbzeit hatte sie den Rückstand egalisiert. In der Folge entstand ein Ausscheidungsrennen: Zunächst fiel Venla Harju (FIN) ab, dann konnte auch Pia Young Vik (NOR) den Anschluss nicht mehr halten. Es lief also auf das Duell Hanna Lundberg gegen Simona Aebersold zu. Beide versuchten sich auf den letzten Posten mit Mikroroutenwahlen zu überraschen. Letztlich kam es jedoch zum Zielsprint, in dem sich die Schwedin durchsetzte.

 

Entsprechend der Ergebnisse vom Einzelsprint fand der KO-Sprint zum Abschluss des internationalen Wettkampfjahres ohne deutsche Beteiligung statt. Die Veranstalter aber hatten ein ganz anderes Rennen aufgefahren, als es nach den ersten beiden Tagen zu erwarten war. Technisch wie taktisch waren die Kurse höchst anspruchsvoll, zahlreiche Routenwahlen und vor allem der Einsatz von Gabelungsvarianten wie Schlaufen und Runner’s Choice kamen jenen entgegen, die aktiv das Rennen zu gestalten suchten, denn bei vielen engen Kurven auch durch Schulgebäude oder Tiefgaragen war es oft schwer, zu überholen – der Bahnleger kommt von Indoor-OLs, man merkte es. Technisch anspruchsvolle Bahnen – beste Voraussetzungen für die Gesamtweltcupführenden, die allesamt als stärkere Einzelsprinter denn KO-Sprinter gelten. Die beiden Gesamtweltcupführenden Kasper Fosser und Max Peter Bejmer erreichten beide die letzte Runde, während Tomas Krivda knapp im Halbfinale scheiterte. Im Finale war es also Fosser, der Punkte aufzuholen hatte, der das Rennen von Posten eins an anführte. Dabei nutzten alle sechs immer wieder die Chance, auf eigenen Routen Zeit auf die Konkurrenten gutzumachen oder zumindest ihre Position in der Gruppe zu verbessern. Die Entscheidung fiel erst auf der letzten längeren Routenwahl zurück zur Arena. Tino Polsini wählte die kurvenärmere Variante durch die Arena, die ein höheres Lauftempo zuließ. Ihm folgte Max Peter Bejmer, während die anderen vier beisammen blieben. Polsinis Route erwies sich als besser, er kam als erster der Gruppe zum Schlussposten und konnte sich im Sprint durchsetzen – sein erster Weltcupsieg. Bejmer sicherte sich Platz zwei und damit den Gesamtweltcupsieg, auf Platz drei konnte Fabian Aebersold sein erstes Weltcuppodium erlaufen. Matthias Kyburz, der nach diesem Weltcup seine internationale OL-Karriere beendete, wurde Vierter. Im Anschluss feierte die gesamte internationale OL-Gemeinschaft seine Leistungen und verabschiedete ihn mit einem Spalier.
Bei den Damen standen sieben Läuferinnen im Finale. Nach einer Behinderung in der Runde zuvor wurde die Britin Grace Molloy nachträglich vorgesetzt. Favoritin des Finales und schon designierte Gesamtweltcupsiegerin aber war Simona Aebersold. Sie machte von Beginn an Druck und versuchte das Feld auseinanderzureißen, dass sie gar nicht in die Verlegenheit eines Zielsprints kam – tags zuvor war ein solcher ja noch gegen sie ausgegangen. Zunächst sah es so aus als könne es ihr gelingen, doch in der Führungsposition zögert man zwangsläufig immer mal wieder, wenn etwas Unerwartetes auftaucht, während die nachfolgenden Läuferinnen nur reagieren mussten und somit kleine Abstände immer wieder schließen konnten. So dauerte es bis zur langen Routenwahl zu Posten 9, dass einzelne Läuferinnen sich auf anderen Routen Vorteile zu verschaffen versuchten. Auf derselben Routenwahl wie bei den Herren verloren die beiden Schwedinnen, schon zu diesem Zeitpunkt in hinterer Position laufend, die Chance auf den Sprint, als sie die zu kurvenreiche Route in die Arena nahmen. Auf der anderen Route zog Aebersold zum langen Zielspurt an, den niemand kontern konnte. Dahinter sprintete Grace Molloy (GBR) auf Platz zwei und ebenfalls ihrem ersten Weltcuppodest. Dritte wurde die Tschechin Tereza Rauturier. 

Jule Roßner wird beste Deutsche Jule Roßner wird beste Deutsche
Jule Roßner läuft als beste Deutsche im Einzelsprint auf Platz 62. Weltcupdebüt gelungen, in der Sprintstaffel darf sie die Startstrecke für Team Deutschland 1 laufen.
Foto: Silvan Schletti
Jule Roßner läuft als beste Deutsche im Einzelsprint auf Platz 62. Weltcupdebüt gelungen, in der Sprintstaffel darf sie die Startstrecke für Team Deutschland 1 laufen.
Foto: Silvan Schletti
Gemeinsam am Funkposten Gemeinsam am Funkposten
Birte Friedrichs und Bojan Blumenstein erreichen den zweiten Funkposten im Einzelsprint fast zeitgleich.
Foto: Simon Buser
Birte Friedrichs und Bojan Blumenstein erreichen den zweiten Funkposten im Einzelsprint fast zeitgleich.
Foto: Simon Buser
Doppelweltcupsiegerin Simona Aebersold Doppelweltcupsiegerin Simona Aebersold
Simona Aebersold im Zielsprint zum KO-Sieg. Auch den Einzelsprint gewann sie.
Foto: Silvan Schletti
Simona Aebersold im Zielsprint zum KO-Sieg. Auch den Einzelsprint gewann sie.
Foto: Silvan Schletti
Einzelsprintsieger Tomas Krivda Einzelsprintsieger Tomas Krivda
Premierensieg für den Tschechen Tomas Krivda.
Foto: Simon Buser
Premierensieg für den Tschechen Tomas Krivda.
Foto: Simon Buser
Sieger Tino Polsini Sieger Tino Polsini
Noch ein Premierensieger, noch ein Schweizer: Tino Polsini setzt sich im KO-Sprint durch.
Foto: Silvan Schletti
Noch ein Premierensieger, noch ein Schweizer: Tino Polsini setzt sich im KO-Sprint durch.
Foto: Silvan Schletti

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