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23. August 2022

Finale Furioso

Zum Abschluss der Studierenden-Weltmeisterschaften in Biel lief die deutsche Herrenstaffel auf das Podium. Lange Zeit lief die deutsche Staffel sogar im Bereich der Medaillen, erst auf der Schlussstrecke musste sie sich geschlagen geben. Mit Platz 6 blieb trotzdem ein sensationelles Ergebnis, sodass das Team stolz zurückreisen konnte.

Die Startstrecke für das deutsche Team lief Colin Kolbe. Er lief ein recht solides Rennen, mit dem er sich am Ende sehr zufrieden zeigen konnte. Zwar brachte er zwei Minuten Rückstand auf die Spitze mit – etwas mehr als er sich erhofft hatte – konnte aber gut mitlaufen und schaffte es den richtigen Moment zu erkennen, in dem er selbst orientieren musste. Nur durch eine schlechte Route zu Posten 2 und einen kleinen Fehler zu Posten 6 verlor er die Topläufer aus Schweden und der Schweiz. Gemeinsam mit Norwegen, Schweden 2, Schweiz 2 und dem überraschend und erfreulich starken Läufer aus Japan kam er auf Platz 7 ins Ziel.
Erik Döhler auf Strecke zwei zeigte eine aus dieser super Teamleistung nocheinmal herausragende Leistung. Er verlor zwar einen Platz, konnte den Rückstand auf die Spitze aber auf 30 Sekunden reduzieren. Seit dem Ruhetag am Freitag ging es für ihn physisch ständig bergauf, er fühlte sich körperlich gut und brachte technisch alles zusammen. Mit der tollen Ausgangslage, die Colin ihm übergab, konnte er in einer Gruppe loslaufen. Der Norweger Isak Jonsson und der Schwede Felix Axelsson, die mit ihm gemeinsam hinausgingen, gaben von Beginn an richtig Gas und es war anstrengend mitzulaufen. Nach einem kleinen Fehler an einem Gabelposten verlor er sogar kurzzeitig den Anschluss an die Gruppe und musste allein orientieren und Tempo machen. Er schaffte es wieder heranzulaufen, nicht nur an seine Gruppe, sondern sogar an die vorherige Spitzengruppe, und trotz eines weiteren kleinen Fehlers vor der Sichtstrecke konnte er in der Verfolgertram gemeinsam mit Finnland, Schweden und Frankreich übergeben. Vorn liefen zwei Schweizerteams, Tschechien und Norwegen.
Die Verantwortung auf der Schlussstrecke lag in den Händen von Ole Hennseler. In so einer guten Position war klar, dass er ersteinmal mitlaufen musste und auch das Risiko des Übertempos in Kauf nehmen sollte. Er hielt nur den nötigsten Kartenkontakt und versuchte sonst einfach den Anschluss nicht zu verlieren. Die Gabeln hatte er zunächst meist im Griff, bei Posten 6 stand er allerdings am falschen Posten. Damit verlor er den Schweden Viktor Svensk sowie den Finnen, mit dem er gemeinsam unterwegs war. Nach etwa 40 Sekunden Fehler musste er viel alleine arbeiten, hatte aber Tino Polsini für Schweiz 2 direkt im Nacken. Physisch war es so von Anfang an sehr hart, auch, weil die Strecke stetig bergauf führte. Auf der Schlussschleife wurde das Tempo nocheinmal verschärft, sodass Ole nicht mehr mitkam und am vorletzten Posten nocheinmal knapp vorbeilief. Polsini konnte ihn so nocheinmal abschütteln, da Ole aber sowieso „nur“ gegen Schweiz 2 und Finnland 2 lief, war es für die Platzierung nicht mehr relevant. So kam er als 7. ins Ziel, was dann Nationenrang 6 bedeutete. Nachdem die Spitze gemeinsam mit Ole die ersten Posten noch in einer größeren Tram absolvierte, setzte sich mit Viktor Svensk und Mathieu Perrin ein Duo ab. Zeitgleich kamen sie an die Sichtstrecke, auch am Pre-Warning trennten beide nur wenige Sekunden. Der Schwede aber war der stärkere der beiden. Er veredelte die Vorarbeit der beiden Simons (Hector und Imark) und lief als Sieger ein. Drama dahinter: Perrin hatte einen Posten vergessen und so wurde Frankreich disqualifiziert. Es profitierten die Schweiz in Person von Fabian Aebersold und Finnland mit Topi Syrjäläinen.

Das Damenteam erreichte den 15. Rang, Rang 21 aller Staffeln. Überzeugen konnte vor allem Birte Friedrichs, die zum ersten Mal in ihrer Karriere eine internationale Startstrecke lief. Sie wechselte als 14. in der Verfolgertram um Platz 6. Ihr Rückstand auf die Spitze betrug nur 1:33 Minuten. Sie berichtete davon, mehrfach allein gewesen zu sein, fand jedoch auch immer wieder eine Tram. Zu Posten 8 und Posten 9 passierte ihr jeweils ein Fehler von ca. 30 Sekunden im Postenraum, sodass sie den Anschluss an die absolute Spitze verpasste. Sie erreichte aber die Verfolgertram, deren Tempo sie mitgehen konnte – eine Leistung, die sie vorher nicht erwartet hatte. Erstes Wertungsteam war – etwas überraschend – die Spanierin Ana Isabel Toledo Navarro vor Fiona Bunn (GBR). Knapp dahinter lag die Schweiz, sämtliche andere Favoritenteams lagen in der Tram um Birte.
Pech hatte dagegen Meike Hennseler auf der zweiten Position. Sie fühlte sich schon vorher nicht topfit, auf dem Weg zum ersten Posten wurde sie mehrfach von Erdwespen gestochen. Der Fokus auf den Wettkampf war dadurch natürlich dahin, Meike quälte sich mit Schmerzen durchs Rennen. In der Folge passierten ihr mehrere Fehler, sodass sie auf Position 20 zurückfiel. Insgesamt bezeichnete sie diesen Abschluss als sehr frustrierend. Während die Favoritenteams die gute Minute Rückstand an der Spitze langsam aufholten, blieb eine Staffel überraschend in Front, von der es vielleicht nicht so zu erwarten war: Auch Nerea González Peña zeigte einen hervorragenden Lauf und konnte die spanische Führung unter anderem gegen Klara Axelsson (SWE) und Elisa Mattila (FIN) verteidigen. Der Rest des Feldes blieb aber dicht zusammen dahinter.
Die Schlussstrecke für Deutschland lief Sophie Kraus. Schon im Vorfeld hatte sie sich auf das Staffelgelände gefreut, war es doch dasselbe, in dem auch die Schlussschleife der Langdistanz gelaufen worden war. Entsprechend wichtig waren Kompasslauf und die Interpretation der Vegetation. Sie war relativ allein unterwegs. Einige kleinere Fehler hatte sie zu verzeichnen, vor allem auf der Schlussschlaufe kostete sie eine Wasserrinne im Grün einige Zeit. Läuferisch merkte sie die Belastung von vier vorangegangenen Wettkämpfen sehr. Trotzdem befand sie die Staffel als einen schönen Abschluss für die WUOC.
Auf der Schlussstrecke konnten die Spanierinnen doch nicht mehr so phänomenal mithalten, wie es zuvor gelungen war. Sie wurden letztlich 13. In Führung ging zunächst Mitteldistanzsiegerin Ida Haapala für Finnland. Bis kurz vor die Arenapassage hielt diese Führung. Dann überholte aber mit Katrin Müller (SUI) die Siegerin der Langdistanz. Fünfundzwanzig Sekunden lag sie in Front, weitere 70 Sekunden dahinter passierten Frankreich und Schweden die Sichtstrecke. Das Rennen schien schon fast entschieden, alles wartete nur darauf, wer zuerst zum Pre-Warning kam, Haapala oder Müller. Dann aber schrien die LäuferInnen des Teams in Blau und Rot auf. Cécile Calandry stempelte den Posten 6 Sekunden vor der Schweizerin, zeitgleich stempelte auch Frida Vikström (SWE). Die gleiche Reihenfolge auch im Ziel. Für Haapala blieb nur Platz 4. Frankreich gewann Gold… oder? Geradeeinmal fünf Minuten war es her, dass die Herrenstaffel wegen eines fehlenden Postens disqualifiziert worden war. Bange Sekunden bis zum Auslesen, dafür danach dann umso überschwänglicherer Jubel.

Die restlichen drei deutschen LäuferInnen bildeten ein zweites Herrenteam. Sie liefen in der Reihenfolge Riccardo Casanova, Anton Silier und Kaatje Fantini. Sie erreichten den 29. Rang von 35 Staffeln.

Mit der Staffel ging die diesjährige Studentenweltmeisterschaft zuende, die nach zweijähriger Zwangspause wieder stattfinden konnte. Das deutsche Team konnte teils Topleistungen im Rahmen der Möglichkeiten jedes Läufers zeigen. Herausstechend natürlich: Die Bronzemedaille von Colin im Einzelsprint und der 6. Platz der Staffel. In jedem Fall aber hatten alle viel Spaß und konnten viel Erfahrung gewinnen.

 

Ergebnis

Damen

1.

FRA

M. Beauvir, F. Hanauer, C. Calandry

115:12 Minuten

2.

SUI

E. Deininger, S. Bachmann, K. Müller

+0:06

3.

SWE

V. von Krusenstierna, K. Axelsson, F. Vikström

+0:11

15. (21.)

GER

B. Friedrichs, M. Hennseler, S. Kraus

+33:34

 

Herren

1.

SWE

S. Hector, S. Imark, V. Svensk

119:50 Minuten

2.

SUI

P. Buchs, T. Suter, F. Aebersold

+1:13 Minuten

3.

FIN

T. Oksanen, A. Aho, T. Syrjäläinen

+1:41

6. (7.)

GER

C. Kolbe, E. Döhler, O. Hennseler

+5:02

29.

GER

R. Casanova, A. Silier, K. Fantini

+50:07

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