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06. August 2022

EOC-Langdistanz

Über die Langdistanz wurden heute die ersten Medaillen der diesjährigen EM vergeben. Gold sicherten sich Venla Harju für Finnland und Martin Regborn für Schweden. Als 31. konnte sich Ole Hennseler stark im Feld behaupten und Weltcuppunkte einstreichen. Diese verpasste Bojan Blumenstein als 45. knapp. Hanna Müller wurde 66.

Sichtlich zufrieden mit der eigenen Leistung zeigte sich Ole Hennseler (31., +17:00) nach dem Rennen. Er sprach von einem soliden Rennen, in dem er nur kleine Unsauberkeiten zu verzeichnen hatte. Die gewählte Route zu Posten 2 führte er nicht gut aus. Besser lief es dann auf der langen Route zu Posten 7, die gestellte Routenwahlaufgabe war jedoch recht eindeutig – hier gab es vor dem Wettkampf etwas Verwirrung über die Frage, ob schwarz umrandete Gewässer und Bäche passiert werden dürften. Ein kleines Zwischentief ereilte ihn im Phi-Loop einige Posten später. Von Posten 12 aus orientierte er zu 14 statt zu 13, merkte es aber noch rechtzeitig. Ab Posten 15 war dieses kleine Zwischentief dann wieder überwunden. Richtig hart wurde es ab Posten 24. Auf dem Wegstück zu ebenjenem Posten konnte er nochmal ordentlich Gas geben, zahlte danach aber dafür. Die Luft war raus, zu Posten 26 interpretierte er das Höhenbild falsch und stand einige Meter zu weit am Damenposten. Die letzten Posten waren viel Qual. Ole‘s Zeitverluste betrugen jeweils etwa eine Minute im Phi-Loop und an Posten 26. An einem Tag, an dem selbst die großen Favoriten deutlich größere Zeitverluste ereilten, wurde diese Leistung zurecht mit vielen Weltcuppunkten honoriert.
Mit 23:24 Minuten Rückstand wurde Bojan Blumenstein 45. Er kam recht gut in den Lauf hinein. Zu Posten 8 aber unterlief ihm ein großer Fehler, als er den Posten um wenige Meter verfehlte – das reichte oft in dem unübersichtlichen, dichten Wald, sodass der Posten nicht zu sehen war. Der Fehler zog ihn mental herunter und kostete auch viel Zeit. Am Ende wurde es vor allem physisch hart und wie viele andere auch litt er am Ende ziemlich. Das Gelände an sich war in etwa so, wie er es erwartet hatte; nicht schlimmer, aber eben auch nicht besser. Es gab viel dichten Wald und wenige Stellen, an denen man wirklich gut voran kam. Wie von einigen anderen LäuferInnen auch zu hören: man fühlte sich nicht schnell. Und trotz eines subjektiv nicht zufriedenstellenden Laufes, das von Bundestrainer Thomas Meier ausgegebene Ziel einer Top45-Platzierung erreichte er trotzdem.
Der Anfang lief auch für Anton Silier recht gut. Er fühlte sich etwas langsam, technisch war das, was er machte, aber „eigentlich okay“. Kurz vor dem Phi-Loop begann die Erschöpfung einzusetzen, sodass er unkonzentriert wurde und begann, Fehler zu machen. Besonders unglücklich wurde es dann kurz nach dem Loop. Er fiel durch eine Unachtsamkeit in ein Schlammloch, probierte noch, den Lauf fortzusetzen, doch die Karte war unlesbar geworden und enttäuscht musste er aufgeben.
Bei den Damen erreichte Hanna Müller mit 37:58 Minuten Rückstand den 66. Platz. Ihr Lauf lief nicht ihren eigenen Erwartungen entsprechend. Weder physisch noch technisch konnte sie ihr Leistungsvermögen abrufen und verlor durch einige Fehler und langsame Routen in den Sümpfen viel Zeit. Physisch kamen einige Faktoren zusammen, die an diesem Tag ein besseres Ergebnis verhinderten. So schleppt sie seit einigen Tagen eine leichte Erkältung mit sich. Hinzu kamen die Hitze, das schwer belaufbare Gelände und zu wenig Verpflegung während des Laufes. Mit fast 90 Minuten Siegerzeit waren die Damenstrecken etwa 20% länger als vorher angegeben. Der Getränkeposten kam dadurch ca. 15 Minuten später als erwartet, sodass sie schon vorher etwas hätte essen sollen.
Katharina Linke wurde mit 70:03 Minuten Rückstand 81. Ihr gelang zumindest technisch ein besserer Lauf als noch am Mittwoch in der Mittelqualifikation. Läuferisch musste sie vor allem der für sie noch ungewohnten schweren Belaufbarkeit des Geländes Tribut zollen.

Nach dem ersten Start dauerte es mehr als zwei Stunden, ehe die ersten LäuferInnen ins Ziel kamen. Erste Finisherin war die Schwedin Sanna Fast. Ihre Zeit von knapp über 100 Minuten hatte eine ganze Zeit lang Bestand. Anders als bei Hanna Lundberg im vergangenen Jahr war aber klar, dass es zu einem Sieg wohl nicht reichen würde, zu weit lag Fast’s Zeit über der angepeilten Siegerzeit von 73 Minuten. Bis die Favoritinnen drei Stunden später auf die Strecke gingen, konnte sie allerdings nur um 2 Minuten verbessert werden. Erste Anwärterin auf den Sieg war dann die Schwedin Johanna Öberg. 92:43 Minuten sollten schließlich für Platz 6 reichen. Die bis zum Ende bestehende Bestzeit zu Rennhälfte konnte Andrine Benjaminsen aus Norwegen für sich beanspruchen. Ein Fehler zu Posten 9 warf sie allerdings zurück, die nach ihr gestartete Sara Hagström holte sie ein und Benjaminsen schien dem hohen Anfangstempo Tribut zollen zu müssen, denn bis ins Ziel konnte sie das Tempo der Schwedin nicht mitgehen. Eben jene Schwedin Hagström hatte sich bereits frühzeitig von ernsthaften Siegambitionen verabschieden müssen. Auf der lange Verbindung zu Posten 5 nahm sie eine längere Route im Norden und verlor nach Schätzungen der Kommentatoren 2-3 Minuten. Mit 1:31 Minuten Rückstand wurde sie 4., vor der Teamkollegin Lina Strand. Kurz nach Hagström startete die Finnin Venla Harju. Vor dem Rennen sicherlich als Podiumsanwärterin einzuschätzen konnte sie dennoch mit einem so hohen Grundtempo überraschen, dass sie sogar zwei Fehler von etwa einer Minute wegstecken konnte. Mit 89:52 Minuten Laufzeit sollte sie die einzige Läuferin bleiben, die unter 90 Minuten blieb, rund 15 Minuten über der angegebenen Siegerzeit. Schnell stellte sich heraus, dass es eigentlich nur noch zwei Läuferinnen gab, die sich ernsthafte Hoffnungen auf den Sieg machen konnten, machten die Anderen doch zu viele Fehler oder fehlte es am Grundtempo, um mit Harju mithalten zu können. Die zweite finnische Topläuferin, Marika Teini, lief ein konstantes, sicheres Rennen und machte im Gegensatz zu vielen anderen keine nennenswerten Fehler. Am zweiten Fernsehposten nach 10 Kilometern führte sie sogar recht komfortabel mit mehr als einer Minute Vorsprung vor Harju. Ein kleines Zögern im Postenraum des 17. Posten und darauf folgende Unsicherheit kostete sie schließlich aber den Sieg. Mit 52 Sekunden Rückstand sollte es schließlich nur zur Bronzemedaille reichen. Direkt nach Teini ging die Dominatorin der letzten Jahre, Tove Alexandersson, ins Rennen. Ein Fehler gleich zum ersten Posten kostete sie mehr als zwei Minuten und zeigte sogleich, dass es kein überlegener Sieg werden würde. Und spätestens nach weiteren 2:30 Minuten Fehler zum 6. Posten begann man als Zuschauer zu zweifeln, ob es denn überhaupt zu einem Sieg Alexanderssons reichen würde. Alexandersson holte in der Folge auf, lag aber 2,5 Kilometer vor dem Ziel noch fast 2:30 Minuten zurück. Gleichzeitig fiel aber ihr GPS in der Übertragung aus, sodass alles zur großen Überraschung geriet, als sie den Wald in Richtung Zielwiese verließ. Siebzehn Sekunden betrug ihr Rückstand dort noch, zu viel, als dass sie ihn in dem langen Zielsprint noch herausholen konnte. Sie musste sich hinter Harju mit Silber zufriedengeben.

Bei den Herren lagen ebenfalls fast das gesamte Rennen hindurch die Schweden in Front. Zunächst Viktor Svensk mit 110:14 Minuten, später dann Henrik Johannesson mit 104:46 Minuten setzten sich an die Spitze. Erst die zuletzt gestarteten Läufer konnten Johannesson‘s Zeit angreifen. Zunächst verbesserte der Finne Olli Ojanaho, später 6., die Zeit um wenige Sekunden. Nur wenig später dann kam Eskil Kinneberg (NOR) fast fünf Minuten schneller ins Ziel. Er sollte mit 31 Sekunden Rückstand die Silbermedaille erringen. Mit 1:06 Minuten Rückstand auf den späteren Sieger dicht hinter ihm folgte der Finne Elias Kuuka. Dann kam der große Auftritt des Martin Regborn (SWE). In einem hochklassigen Rennen, in dem sich die Medaillengewinner keine Blöße gaben und auf Fehler verzichteten, setzte er sich mit einem starken Schlussdrittel in 99:18 Minuten durch. Wohl auch, weil er den nicht ganz so fehlerfreien Teamkollege Gustav Bergman auflief und so in einem starken Zweiergespann unterwegs war. Platz 4 und 5 gingen an Kasper Fosser und Emil Svensk. Beide verbliebenen Topfavoriten hatten das läuferische Potential, um an diesem Tag zu gewinnen. Während Fosser aber durchwegs kleinere Fehler machte, führte Svensk die gesamte erste Rennhälfte das Feld an. Der zweite Fernsehposten aber wurde ihm zum Verhängnis. Er verfehlte ihn knapp, verlor 1:30 Minuten.
Keine Rolle an diesem Tag spielten die MitfavoritInnen aus der Schweiz. Mit Elena Roos, Matthias Kyburz und Daniel Hubmann konnten gleich drei LäuferInnen krankheitsbedingt nicht an den Start gehen, die sonst wohl um die Medaillen gelaufen wären. Überhaupt gab es bei dieser Langdistanz außergewöhnlich viele LäuferInnen, die nicht antraten oder ihren Lauf abbrechen mussten. Insgesamt umfasste die Liste der nicht gewerteten AthletInnen fast 50 Namen – ein Trend, der sich hoffentlich in den nächsten Tagen nicht fortsetzen wird, damit der sportliche Wettbewerb über die Gewinner entscheiden kann.

 

Ergebnis:

Damen

1. FIN Venla Harju 89:52 Minuten
2. SWE Tove Alexandersson +0:17
3. FIN Marika Teini +0:52
66. GER Hanna Müller +37:58
81. GER Katharina Linke +70:03

 

Herren

1. SWE Martin Regborn 99:18
2. NOR Eskil Kinneberg +0:31
3. FIN Elias Kuukka +1:06
31. GER Ole Hennseler +17:00
45. GER Bojan Blumenstein +24:23
  GER Anton Silier Aufg.

 

 

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