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14. September 2021

Endlich wieder Bundes­ver­an­staltungen: anspruchsvoller Orientierungssport im Harz!

Rund eineinhalb Jahre nach der letzten Bundes­ver­anstaltung im Orien­tierungs­lauf konnte endlich wieder ein nationales OL-Wochen­ende aus­getragen werden. Der MTV Seesen hatte ein Mammut­programm mit DPT-Sprint am Freitag, DM Mitteldistanz und Trail-O am Samstag, sowie einem Langdistanz-BRL am Sonntag in Wildemann zusammengestellt. Auf der anspruchsvollen Mitteldistanz sicherten sich Paula Starke (USV TU Dresden) und Riccardo Casanova (OLG Regensburg) die Deutschen Meistertitel in den Elitekategorien, beim fordernden Bundesranglistenlauf triumphierten Patricia Nieke (USV TU Dresden) und Sören Lösch (USV Jena).

Vier Wettbewerbe in drei Tagen - der MTV Seesen als erster Ausrichter eines Bundes-OL-Wochenendes nach der rund 18-monatigen "Corona-Pause" ging gleich in die Vollen. Rund 650 Teilnehmer waren nach Wildemann in den Harz gereist, um sich das umfangreiche Angebot nicht entgehen zu lassen. Das Wetter präsentierte sich zwar mit angenehmen Lauftemperaturen, aber mit wechselhafter Witterung mit einem Mix aus Regen, Nebel, Wolken und Sonne.

Dass "in Zeiten von Corona" die Durchführung einer Großveranstaltung in Deutschland auch in einer Outdoorsportart einiges an Zusatzaufwand für Organisatoren wie Teilnehmer bedeutet, zeigte sich schon im Vorfeld. Die "3-G-Regel" Geimpft-Genesen-Getestet war die Grundlage für die Teilnahme, was bereits im Vorfeld der Veranstaltung kontrolliert und erfasst wurde. Das eigens organisierte Testmobil vor dem Zugang zur Zielwiese war am Samstag gut frequentiert, der Ausrichterverein kontrollierte den Zugang zum Zielareal für Teilnehmer und Begleitpersonen konsequent. Im weitläufigen Wettkampfzentrum und Zielareal hielten sich die Teilnehmer auch überwiegend an die Abstandsregeln, wobei natürlich trotzdem der Austausch untereinander beim Wiedersehen nach so vielen Monaten nicht zu kurz kam.

Den Auftakt der Wettbewerbe bildete der Harz-Sprint am Freitagabend, bei dem der MTK Bad Harzburg dem MTV Seesen die Organisationsarbeit abgenommen hatte. Gleich mehrere interessante Postenverbindungen galt es auf den anspruchsvollen Bahnen in und um das in einem eng eingeschnittenen Tal liegenden Straßendorf Wildemann zu lösen. Rund 220 Starter gingen ins Rennen, um Punkte für die Deutsche Park Tour 2021 zu sammeln oder sich für die anstehenden Wettkämpfe einzulaufen. Die Siege in den Hauptklassen sicherten sich die Bundeskader-Athleten Paula Starke (USV TU Dresden) und Marvin Goericke (SV IHW Alex 78 Berlin).

Zur Meisterschaft über die Mitteldistanz hatte der Ausrichter ein von Bergbau geprägtes Gelände gewählt. Gleich nach dem Start ging es für die meisten Starter - nur die kürzeren Bahnen hatten einen anderen Start näher am Zielareal - in ein feinkupiertes, von Senken und Felslöchern durchzogenes Hanggebiet, in dem viele Teilnehmer bereits auf den ersten Posten ihre Hoffnungen auf Edelmetall begraben mussten. Sichere Navigation und dennoch zügiges Laufen trotz des ruppigen Untergrundes waren hier der Schlüssel zum Erfolg. Es folgte in den meisten Fällen eine mittellange Routenwahl mit der Entscheidung Tal oder Umweg, bevor es in mehreren Postenverbindungen steil hinab ins Zielgelände ging, wo kurz vor dem Ziel in einem weiteren Bergbaugelände nochmals die Konzentration hochgehalten werden musste. Die Schwierigkeit der Bahnen waren einer Deutschen Meisterschaft mehr als würdig, die Bahnlängen stellten sich jedoch in nahezu allen Kategorien für deutsche Verhältnisse als teils deutlich zu lang heraus. Viele Teilnehmer erzielten Laufzeiten, die eher an eine Langdistanz als an eine Mitteldistanz erinnerten und selbst die Sieger schafften es selten unter 40 Minuten ins Ziel. Manche Starter haderten auch mit der Positionierung von Posten in den tiefen Löchern, die die angegebenen Abmessungen 5x5 m nicht immer auch tatsächlich erreichten.

In der Damenelite sicherten sich die Läuferinnen des USV TU Dresden einen Dreifachsieg. Im spannenden Kampf um Gold setzte sich Paula Starke in einem Start-Ziel-Sieg mit gerade einmal 16 Sekunden Vorsprung gegen Patricia Nieke durch. Entscheidend war dabei insbesondere ein Vier-Minuten-Fehler von Patricia gleich zum ersten Posten, nach dem sie sich zwar stetig näher an Paula heranschob, sie allerdings nicht mehr einholen konnte. Bronze sicherte sich ungefährdet Anna Reinhardt. In der Herrenelite ging die Goldmedaille mit Riccardo Casanova von der OLG Regensburg nach Bayern. Ob dies im Zusammenhang mit dem von den Ausrichtern gewählten originellen Kartennamen "Schweinebraten" steht, ist nicht überliefert. Jedenfalls konnte Riccardo zwei Minuten zwischen sich und den Silbermedaillengewinner Wieland Kundisch (USV TU Dresden) legen, auf Rang drei folgte weitere 40 Sekunden dahinter Toby Scott (OLV Steinberg). Nachdem Riccardo sich auf den ersten Posten gleich an die Spitze gesetzt hatte, verlor er die Führung nach Fehlern im feinkupierten Teil der Bahn zwischenzeitlich, wo sie im Laufe der nächsten Posten zwischen mehreren der nah beieinander liegenden Athleten wechselte. Rechtzeitig zum Ende des diffizilen Bergbauareals eroberte der junge Regensburger jedoch die Führungsposition zurück, die er auf dem zweiten Teil der Bahn bis hinunter ins Ziel nicht mehr abgab.

Noch während in den letzten Kategorien die Sieger und Platzierten geehrt wurden, machten sich die ersten Teilnehmer auf, um am Harz-Trail-O teilzunehmen, der direkt beim Zielgelände startete und ebenfalls in ein feingliedriges Bergbaugelände führte. Knapp 60 Starter konnten beim PreO-Wettbewerb gezählt werden. Viele von ihnen nutzten die Gelegenheit, das Präzisionsorientieren einmal "in natura" auszuprobieren. Die von Bjarne Friedrichs vorbereiteten Aufgabenstellungen hatten dabei durchaus internationales Niveau. Sowohl in den Kategorien Elite und Jugend, die 20 Posten zu lösen hatten, als auch in der Anfängerkategorie mit 13 Posten schaffte es kein Teilnehmer, fehlerfrei ins Ziel zu kommen. Den Sieg in der Elitekategorie sicherte sich Trail-O-Bundeskadermitglied Leon Kollenbach (Ski-Club Helsa) mit 19 Punkten, gefolgt von Ronja Fell (Berliner Turnerschaft) und Paula Starke (USV TU Dresden) auf den Plätzen zwei und drei mit je 18 Punkten.

Wolken, Nebel und Regenschauer bestimmten den Bundesranglistenlauf auf der OL-Karte "Spinne" am Sonntag, wo nochmals anspruchsvolle Aufgaben auf die Teilnehmer warteten. Die längeren Bahnen besuchten auch das feinkupierte Gelände des Vortages ein weiteres Mal, dazwischen wechselten kurze Postenverbindungen mit mittellangen und langen Routenwahlen im teils offenen, teils aber auch sehr zugewucherten Terrain ab, bei denen der richtige Weg durch, entlang oder um die tief eingeschnittenen Harztäler gefunden werden musste. Den meisten Kategorien gemein war insbesondere eine längere Routenwahlverbindung von über zwei Kilometern in den Geländeteil nahe des Ziels, bei der sich die Idealroute je nach Ausgangs- und Zielposten der Verbindung teils deutlich unterschied und die von den Teilnehmern höchst unterschiedlich gelöst wurde.

In der Damenelite feierte der USV TU Dresden erneut einen Dreifachsieg. Diesmal jedoch ließ Patricia Nieke der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance und siegte mit sage und schreibe 18 Minuten Vorsprung auf Anna Reinhardt und fast 30 Minuten auf Paula Starke. Bei den Herren setzte sich Sören Lösch (USV Jena) beim zweiten Posten an die Spitze und gab diese bis zum Ziel nicht mehr her. Am Ende hatte er vier Minuten Vorsprung auf den erneut stark laufenden Riccardo Casanova (OLG Regensburg) auf Rang zwei. Auf dem dritten Platz eine weitere Minute dahinter folgte Leif Bader (Post SV Dresden). Bemerkenswert ist dabei die Altersspanne: den Zweit- und Drittplatzierten trennen nicht weniger als 18 Jahre (!).

Als Fazit kann festgehalten werden, dass ein anstrengendes, aber durchweg gelungenes nationales OL-Wochenende mit vielfältigen Angeboten für alle Zielgruppen hinter den Teilnehmern und Organisatoren liegt, das gleich wieder mehr Lust auf OL auf nationaler Ebene in Deutschland macht. Bis bald im Wald!

Deutsche Meisterschaften Mittel-OL (11.09.2021)

Damen Elite - 4,3 km 230 Hm 20 P
1. Paula Starke (USV TU Dresden) 49:41
2. Patricia Nieke (USV TU Dresden) 49:57
3. Anna Reinhardt (USV TU Dresden) 53:53
4. Hanka Straube (SV Lengefeld) 57:20
5. Mareike Seeger (OLG Regensburg) 60:16
6. Sabine Rothaug (OSC Kassel) 60:40

Herren Elite - 5,2 km 270 Hm 23 P
1. Riccardo Casanova (OLG Regensburg) 42:57
2. Wieland Kundisch (USV TU Dresden) 44:46
3. Toby Scott (OLV Steinberg) 45:25
4. Philipp Müller (Post SV Dresden) 45:35
5. Christoph Prunsche (TuS Lübbecke) 45:40
5. Leif Bader (Post SV Dresden) 45:40

Bundesranglistenlauf Lang-OL (12.09.2021)

Damen Elite - 8,2 km 420 Hm 22 P
1. Patricia Nieke (USV TU Dresden) 92:12
2. Anna Reinhardt (USV TU Dresden) 110:14
3. Paula Starke (USV TU Dresden) 121:41
4. Hannah Hänsel (SV Lengefeld) 122:33
5. Felicitas Vogt (OL Görlitz) 133:08
6. Lina Buchberger (MTV Seesen) 134:58

Herren Elite - 14,0 km 680 Hm 33 P
1. Sören Lösch (USV Jena) 118:33
2. Riccardo Casanova (OLG Regensburg) 122:40
3. Leif Bader (Post SV Dresden) 123:42
4. Moritz Döllgast (Post SV Dresden) 128:30
5. Wieland Kundisch (USV TU Dresden) 131:31
6. Cedric Guthier (OLV Steinberg) 135:16

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