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15. September 2021

Elitetipp im Sep­tember: Die Posten­be­schrei­bung benutzen

Obwohl sich fast jeder Orientierungs­läufer die Posten­be­schrei­bung zum Wettkampf mit­nimmt wird sie zumindest im Wald wenig benutzt. Nur beim Sprint ist es den meisten klar, dass man ohne Postenbeschreibung nicht weit kommt. Im Wald herrscht oft die Meinung vor, in Deutschland sei der Postenstandort eindeutig. Dabei kann man auch hier viel Zeit gewinnen, wenn man die Postenbeschreibung richtig verwendet. Denn die dort gegebenen Informationen sagen viel mehr aus, als es auf den ersten Blick scheint. Neben den ganz objektiven Daten des Postenobjekts sagt die Postenbeschreibung nämlich auch viel über Lauftaktik und benötigte Orientierungstechnik.

Vorbereitung

Ein „Muss“ ist es, sich vor dem Wettkampf die Postenbeschreibung genau anzuschauen.

Es fängt mit den Codenummern an: Sind sie in einer Reihe oder gibt es „ungewöhnliche“ Nummern, die einen während des OLs aus dem Rhythmus bringen können? Ist der letzte Posten wie gewohnt die „99“ oder eine andere Nummer? Wie viele Posten hat man überhaupt? Welche Postennummer könnte der Zuschauerposten haben? Gibt es Posten doppelt? Pflichtübergänge? An welchen Posten gibt es Getränke? Ist der Weg vom letzten Posten ins Ziel markiert?

Manchmal kommen seltene Symbole vor, die man nicht kennt und nachschauen muss.

Oft gibt es auch Auffälligkeiten, die einen Posten schwierig machen können und für die man gleich ein wenig „Extra- Aufmerksamkeit“ einplanen kann, z.B. bei Stein 0,1m, Lichtung bewachsen, undeutliche Mulde, nordöstliche Grabengabelung. Durch die Richtungsangabe bei der Grabengabelung wird z.B. angezeigt, dass es wohl noch andere Grabengabelungen im Umkreis gibt!

Anderseits gibt es auch andere Posten., die man eher mit Vollgas angehen kann: Wurzel 3m, Felsturm Nordseite 20m, Wegkreuzung,...

 

Das Postenobjekt und die Objekthöhe

Zunächst einmal: das Postenobjekt (dort, wo der Posten steht) zu kennen ist Pflicht, wenn man in Postennähe kommt.

Aber wie man sieht, spielt neben der Kenntnis des Postenobjekts vor allem seine Größe eine entscheidende Rolle. Einen Wurzelteller von 4m Höhe kann man anders (nämlich schneller und „sorgloser“) anlaufen als einen von 1m Höhe. Vor allem in Gebieten mit mehreren Wurzeltellern, Steinen, etc kann man anhand der Höhenbeschreibung oft das richtige Objekt mit einem Blick ins Gelände sofort finden.

Der genaue Postenstandort

Eine andere wichtige Angaben ist die Beschreibung des Postenstandortes am Objekt (die Seite, wo er steht). Das sind solche Zusätze wie Nordseite, oben, Fuß,... . Wer einmal so wie ich bei einem Weltcuplauf in Irland mehrmals über eine Minute gebraucht hat, um einen „kleinen Hügel“ zu umrunden, der weiss, wovon ich spreche. Man kann viel Zeit verlieren! Bei guten Wettkämpfen soll der Standort immer dann angegeben sein, wenn das Postenobjekt den Posten von mindestens einer Seite verdecken könnte.

Oft steht der Posten aus der Laufrichtung gesehen hinter dem Objekt. Das erkennt man aus der Postenbeschreibung, In diesem Fall ist es wichtig, dass man also weiß, dass man zuerst das Objekt sieht, ohne den Posten selbst zu entdecken.

Wenn aber aus der Postenbeschreibung hervorgeht, dass er in Laufrichtung steht gibt es nur eine Taktik: Vollgas.

Manchmal kann so etwas sogar in die Routenwahl oder dann die Fehlertaktik eingehen, wie z.B. bei „Felswand 3m Fuß“ oder „Felswand 3m obenauf“ klar wird.

Gerade mit den Himmelsrichtungen tut man sich aber während des Laufes schwer: Die Karte hält man in die Laufrichtung und wo Nordosten oder Südwesten ist ist einem eigentlich ein ziemliches Rätsel. Beziehungsweise es ist einem ziemlich egal, um seinen OL zu machen. Auch damit hatte ich lange Zeit Probleme, was ich dann aber mit einem simplen „Trick“ löste: Ich merke mir, wo der Pfeil, der die Himmelsrichtung des Postenstandortes symbolisiert hinzeigt: in Schreibrichtung der Codezahl auf der Postenbeschreibung (also Osten) oder genau entgegengesetzt, nach oben (Norden) oder nach unten,... Ob das jetzt also Süd heißt oder Ost, das spielt keine Rolle. Wichtig für mich ist die Position des Pfeiles im Verhältnis zur Schrift. Auf der Karte steht ebenfalls eine Zahl am Posten. Auf den ersten Blick erkenne ich also, wo der Posten stehen soll.

 

der richtige Rhythmus

Schön und gut, aber man hat ja beim Orientierungslauf auch noch andere Sachen zu tun, als sich mit der Postenbeschreibung zu beschäftigen. Zum Beispiel orientieren. Wie schafft man es also am besten, beides zu tun?

Zunächst einmal ist auch hier Übung angesagt. Nur wer fast schon automatisch die Postenbeschreibung beachtet hat genügend Zeit, gleichzeitig auch noch zu orientieren und zu laufen. Eine gute „Synchronisation“, wie man es pseudowissenschaftlich bezeichnen könnte, ist der Schlüssel. Also gilt: Auch im Training mit Postenbeschreibung.

Ein weiterer Trick zur Entlastung des Gehirns: Nachdem man die Postenbeschreibung durchgelesen hat schaut man direkt auf die Karte, wo der Posten „im Kartenbild“ steht (man denkt sich dort einen kleinen Punkt). Das Gehirn braucht viel weniger Energie, sich ein Bild zu merken, als wenn es einen ganzen Satz lernen muss.

 

Autor: Ingo Horst, 2004

Der Elitetipp erscheint monatlich auf o-sport.de. In ihm werden verschiedene Leute über spezielle Themen im OL berichten, mit denen sie sich auskennen. Der Elitetipp soll dazu anregen, selbst darüber nachzudenken, was man alles besser machen könnte im OL.

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