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15. Mai 2022

Elitetipp im Mai: Ich habe von einer Mitteldistanz geträumt...

Wenn man an OL-Wettkämpfen teilnimmt, werden diese in der Streckenlänge unterschieden. Es gibt Ultralangdistanz, Langdistanz, verkürzte Langdistanz, Mitteldistanz, Sprintdistanz und den verlängerten Sprint…

Was bedeutet da eigentlich Mitteldistanz? Ist das einfach irgendwas mittellanges, irgendwas zwischen normalem OL und Sprint?

Weit gefehlt. Eine gute Mitteldistanzbahn soll die Königsdisziplin für O-Techniker sein. Und wie so eine Bahn aussehen muss erklärt dieser Elitetipp.

Man könnte eine gute Mitteldistanz mit dem Stichwort „Variation“ beschreiben: Variation von Geschwindigkeit, Untergrund und Orientierungstechnik.

 

Wenige Posten


Es reichen 13-14 Posten auf einer Mitteldistanzbahn der Herren-Elite aus (ca. 5km). 25-30 Posten wären hier viel zu viel! Mehr Posten vereinfachen den OL, anstatt ihn zu erschweren.
Bei vielen Posten muss man beständig wissen, wo man ist. Also immer mitlesen bei relativ niedrigem Tempo, das alle laufen können. Nicht besonders raffiniert oder schwierig...am Ende haben dann alle ungefähr die gleiche Zeit, weil man nirgendwo große Fehler machen oder etwas herauslaufen kann.

Variation: lange Posten, kurze Posten, Höhenlinien-Orientieren, Kompaß, leichte Posten, schwere Posten

Lange Schläge einbauen


Einer der größten Fehler: Die Bahn sieht aus, als hätte man die Posten in 200m Abstand an einer Schnur aufgereiht und dann möglichst rechtwinklig zu den Wegen ausgesetzt.

Selbst Schläge mit mehr als 1 km sind bei einer Mitteldistanz kein Problem. Nichts spricht dagegen, einen oder mehrere lange Schläge einzubauen. Das Tempo wird hier sehr hoch, die Erschöpfung steigt. Fehler werden beim Wechsel Grob-O zu Fein-O provoziert, der Laufuntergrund ändert sich plötzlich...

Routenwahlen einbauen


Routenwahlen sind ebenfalls wichtig. Im Gegensatz zur Langstreckenbahn hat man keine Zeit, die Routen vorzubereiten. Mikroroutenwahlen entscheiden den Lauf. Kräftezehrende, technisch schwierige Routen sind möglich zu nehmen, weil man seine Kraft nicht sparen muss.

Mikroroutenwahlen, kurz erklärt: die Kompassroute ist nicht die schnellste, obwohl sie auf den ersten Blick „ganz gut“ und machbar aussieht.

Ganz kurze Teilstücke...


...gehören ebenfalls zu einer guten Bahn. Hier muss sich der Läufer genau Zeit nehmen, um auf die Karte zu schauen. Obwohl man schneller laufen könnte und es auch will. Obwohl man es von den langen Teilstücken gewohnt ist.

Keine Angst vor Wegen!


Bahnleger denken oft, wenn man Weg laufen kann, wird es einfach. Irrtum! Das hohe Tempo auf dem Weg macht den Läufer k.o., der Wechsel wieder ins Gelände ist eine Situation, die Fehler provoziert. Es gibt auch (wegen des hohen Tempos) technisch schwierige Pfadübergänge.

Leichte Posten und schwere Posten


Die beste Mitteldistanzbahn ist nicht die, wo man die ganze Bahn fast abgehen muss, um keinen Fehler zu machen. Sondern die, wo es einige Posten gibt, wo man alles laufen kann was geht und danach fast auch mal gehen muss, weil es so schwierig ist.

Einen leichten Posten gleich als solchen zu erkennen ist schon eine Kunst, wo der gute Läufer Zeit gewinnen kann. Und einen schweren Posten nicht als einen solchen zu erkennen ist das, wo die schlechteren Läufer ihre Zeit verlieren.

beide Posten sehen vom Kartenbild gleich schwer aus. Posten 6 ist jedoch sehr leicht (Felswand mit Knick klare Auffanglinie, Pfad), Posten 7 sehr viel schwerer (aus Laufrichtung ist Postenobjekt nicht zu sehen, Höhenabschätzung schwer, viele ähnliche Mulden, Route nicht klar)

Technikwechsel


Nicht immer soll die Kompassroute die beste sein. Es gibt viele andere Techniken, die man als OLer können muss. Auch in deutschem Gelände ist das möglich.

Sich informieren


Wer eine Mitteldistanzbahn legen will, der muss das Rad nicht neu erfinden. Von allen großen internationalen Wettkämpfen sind Bahnen im Internet. Anschauen lohnt sich! Man muss versuchen, hinter die Idee des Bahnlegers zu kommen. Warum z.B, hat er hier einen leichten Schlag gelegt, hier einen schweren?

Fairness

 

Die Schwierigkeit soll nicht sein, den Posten zu sehen. Die Schwierigkeit beim OL besteht darin, möglichst schnell zum Postenobjekt zu kommen.

Das beste zum Schluss


Schwierige Posten am Schluss der Bahn sind ideal. Denn gerade am Schluss sind Läufer müde und wollen „nur noch ins Ziel“.

 

Mikroroutenwahl: quer an den Böschungen entlang, über die Pfade südlich oder über den Pfad nördlich?

Autor: Ingo Horst

Der Elitetipp erscheint monatlich auf orientierungslauf.de. In ihm werden verschiedene Leute über spezielle Themen im OL berichten, mit denen sie sich auskennen. Der Elitetipp soll dazu anregen, selbst darüber nachzudenken, was man alles besser machen könnte im OL. Hast Du Lust, auch über ein Thema zu schreiben, wo Du Dich auskennst? Oder willst du ein Thema vorschlagen, das mal behandelt werden sollte? Fragen, Anregungen, Kritik? Mail an ingo.horst@web.de!