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14. Dezember 2020

Elitetipp im Dezember: Hausgymnastik

Egal welcher Lockdown noch kommt oder ob wir in Quarantäne müssen- ein Elitetipp aus dem Jahr 2015 wird uns das versüßen und uns noch stärker machen! Denn gerade jetzt ist die beste Gelegenheit für den Orientierungsläufer, an den Komponenten seiner Athletik zu arbeiten, die er sonst das ganze Jahr vernachlässigt.

Im heutigen Elitetipp dreht sich alles um die allgemeine Kraftkomponente und intramuskuläre Koordination.

Ein Problem zu dieser (Jahres)zeit ist immer die Wahl einer geeigneten Trainingsumgebung. Draußen ist es meist unwirtlich kalt und feucht, weil der Klimawandel noch nicht weit genug fortgeschritten ist. Dadurch droht zusätzlich zu Corona noch die Gefahr von einer normalen Erkältungskrankheit. Sporthallen stehen im Moment gar nicht und auch sonst leider nicht allen Orientierungsläufern und vor allem nicht mehrmals in der Woche zur Verfügung. Der Besuch eines Fitnesscenters ist gerade ganz unmöglich und auch sonst mit finanziellem Aufwand verbunden. Was bietet sich also besser als Sportgelände an, als die eigenen vier Wände? In Quarantäne hätte man sowieso gar keine Wahl und bevor man vor Langeweile die Decke hoch geht... aber seht selbst.
Diese Überlegungen führen uns nämlich direkt zur Hausgymnastik, im Original „House Gymnastics“ genannt. House Gymnastics ist die neue Trendsportart für das Alternativtraining im Winter. Sie wurde vor ein paar Jahrzenten von Harrison und Ford ins Leben gerufen, hat sich dank Internet schnell verbreitet und eine internationale Gemeinschaft geschaffen. Die freuen sich glaube ich gerade so richtig, dass sie auf die richtige Sportart gesetzt haben und unverdrossen weitermachen dürfen. House Gymnastics ist eine Mischung aus Funktionsgymnastik, Yoga, Klettern und Break-Dance, also bestens geeignet als Koordinationstraining und zur allgemeinen Kräftigung der häufig sehr einseitig ausgebildeten Orientierungsläufermuskulatur. Durchs Sporttreiben in den eigenen vier Wänden kann man so nicht nur bequem dem trüben Winterwetter trotzen, sondern auch hervorragend soziale Kontakte knüpfen und pflegen. Übertragt alles live ins Internet und ihr seid eine tolle Gemeinschaft!
Wir möchten in diesem Elitetipp beispielhaft zwei Übungen vorstellen, die von den Autoren selbst getestet wurden (als sie noch in weit jüngerem Alter waren). Weitere Übungsbeispiele sind auf www.housegymnastics.com zu finden, der Homepage von Harrison und Ford. Bei dieser Sportart sind aber der Kreativität des Sporttreibenden keine Grenzen gesetzt. Abhängig von körperlichem Leistungsvermögen und der Wohnungsausstattung können beliebige neue Übungen, sogenannte „Moves“, entwickelt werden.

Beispiel 1: Door Wedge (featuring Luise K.)

Door Wedge = Das Trainingsgerät ist ein gewöhnlicher Türrahmen. Umfasse den oberen Rahmen und hebe den Körper so hoch wie möglich an, klemm dich mit Füssen und Rücken in den Rahmen.

Beispiel 2: Jumping Jack Wedge (featuring Jan V.)

Jumping Jack Wedge = Trainingsgerät sind zwei gegenüberliegende Wände. Spring hoch und klemm Arme und Füße in eine gespreizte Position gegen die Wand. Klettere nun durch wechselseitiges Springen und Klemmen immer höher, bis die Decke erreicht ist. 

Hier einige weitere interessante Moves:

Ceiling Walk             One Handed Starfish              The Triangle


Beim Ausüben dieser Sportart sind einige wichtige Regeln zu beachten. Eine große Bedeutung hat zum Beispiel die Trainingsvorbereitung:


-Wohnungseinrichtung auf Stabilität überprüfen
-Partner für Hilfestellungen in die Wohnung einladen
-geeignetes Schuhwerk wählen, das möglichst wenig Schäden an den Wänden hinterlässt
-lockere Kleidung tragen
-Stretching zum Aufwärmen


Ausgewählte Aufwärmübungen

Das Ausführen der Übungen geschieht auf eigenes Risiko. Weder die Autoren noch Harrison oder Ford übernehmen die Verantwortung für personelle und materielle Schäden. Hausgymnastik darf nie allein und nie unter Einfluss von Alkohol oder Drogen durchgeführt werden. Wenn eine Abhängigkeit von Hausgymnastik droht, dann ist damit unverzüglich aufzuhören und mit einem anderen Hobby zu beginnen (Stricken, Kochen, Briefmarken sammeln).

Ein wichtiger Aspekt der Hausgymnastik ist auch die soziale Komponente. Durch den Austausch von Erfahrungen und selbstkreierten Übungen können neue Freundschaften entstehen und bestehende vertieft werden. Wichtig ist dies besonders  für Individualsportler, wie wir Orientierungsläufer es sind.

Hohen sozialen Wert haben auch die folgende Nebendisziplinen der Hausgymnastik:
- Synchron-Gymnastics:
Zwei oder mehr Partner führen gleichzeitig die selbe Übung aus.
- Kombination:
Zwei oder mehr Partner führen gleichzeitig verschiedene Übungen aus.
- Exchange:
Wohnungstausch mit (befreundetem) Partner: Möglichkeit, seine Fähigkeiten in neuem Gelände zu testen und Übungen auszuprobieren, die zuhause nicht möglich sind.


Die Autoren sind sicher, dass sich auch in der Orientierungslaufgemeinde viele Anhänger der Hausgymnastik finden werden. Wir würden uns deshalb freuen, wenn ihr uns ein Foto von euch beim Ausüben eures Lieblings-Moves einsenden würdet.
Die besten Bilder werden eventuell an geeignetem Ort ausgestellt und vielleicht sogar prämiert.

Zum Abschluss noch einige Tipps von Harrison und Ford persönlich:
– push it to the extreme – if you get the fear, go further – stay focused – think of the asthetics – always carry a camera – document everything –

 

Autoren: Jan Voigt, Luise Kärger (zeitgemäße Überarbeitung: Ingo Horst)

Der Elitetipp erscheint monatlich auf o-sport.de. In ihm werden verschiedene Leute über spezielle Themen im OL berichten, mit denen sie sich auskennen. Der Elitetipp soll dazu anregen, selbst darüber nachzudenken, was man alles besser machen könnte im OL.

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