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11. April 2021

Elitetipp im April: Ausdauersport nach Covid-19 Erkrankung

Die Corona-Pandemie hat auch Orientierungslauf-Deutschland weiter fest im Griff. Wettkämpfe werden abgesagt oder verlegt. Viel schlimmer aber: immer wieder erkranken auch sonst gesunde Ausdauersportler. Glücklicherweise gleichen die Verläufe dann eher denen einer Erkältung, seltener denen einer Grippe. Die Fragen nach überstandener Infektion sind dann natürlich: Wann kann ich wieder trainieren? Auf was für körperliche Signale muss ich achten? Kann ich einfach so wieder loslegen?

Und hierbei unterscheidet sich die Covid-19 Infektion deutlich von der banalen Erkältung. Covid-19 befällt nämlich nicht nur die Atemwege. Das Virus kann auch bei milden oder asymptomatischen Verläufen im ganzen Körper unbemerkt enormen Schaden anrichten, bis hin zu einem Multiorganversagen. Der Grund ist, dass Covid-19 die schützende Gefäßinnenhaut (das Endothel) befällt und so eine systemische Entzündung der Blutgefäße verursachen kann. Über die Entzündung der Mikrogefäße kann es zu Funktionseinschränkungen und Schäden unter anderem am Herzen, den Nieren, der Leber und dem Gehirn kommen. Organe können unbemerkt und nachhaltig geschädigt werden. Dies ist dann eine mögliche Ursache für ein sogenanntes long-Covid-Syndrom.

Bei der Lunge merkt man schnell, wenn etwas nicht stimmt. Man hustet oder hat Atemnot. Dass das Herz ein Problem hat spürt man oft nicht. Gerade Jugendliche oder Leisungssportler trainieren einfach weiter und begeben sich in große Gefahr. Univ.-Prof. Martin Halle von der TU München, einer der führenden Sportkardiologen in Deutschland, der viele Hoch-/Leistungssportler betreut, bestätigte dies unter anderem im Interview mit www.spiegel.de. Der Anlass damals war ein Eishockey-Profi der Grizzlys Wolfsburg, bei dem nach mildem Covid-19 Verlauf durch Zufall eine Herzmuskelentzündung festgestellt worden war.

Durch die Infektion der Strukturen des Herzens können ganz verschiedene Herzerkrankungen ausgelöst werden. Entzündungen der Blutgefäße können zu Durchblutungsstörungen des Herzens und im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt führen, Entzündungen der Herzklappen können zu deren Vernarbung mit folgender irreparabler Herzschwäche führen, Entzündungen des Herzmuskels können zu Rhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod führen – auch bei zuvor gesunden Ausdauersportlern.

Um das Risiko dieser teils dramatischen Folgen der Erkrankung zu minimieren, sollte diese auch bei mildem Verlauf ernst genommen werden. Eine entsprechend lange Sportpause ist obligat. Wie lange diese sein sollte, ist abhängig von der Schwere des Verlaufes:

  • Bei asymptomatischem Covid-19 für die Dauer der Quarantäne, also etwa 2 Wochen.
  • Bei mildem Verlauf bis mindestens zur völligen Genesung, mindestens jedoch 2-4 Wochen.
  • Bei schwerem Verlauf und stationärer Behandlungsbedürftigkeit mehrere Wochen bis zur völligen Genesung.

Anschließend empfiehlt sich eine sportmedizinische/kardiologische Untersuchung inklusive Laboruntersuchung, EKG und Echokardiografie (Herz-Ultraschall).

Eine sehr gute übersichtliche Konsensus-Tabelle zum Thema „Return to Sports“ gibt es von den österreichischen, sportmedizinischen Universitäts- und Landesinstituten hier:

Konsensus Return to Sports

Erst nach sportmedizinischer/kardiologischer Untersuchung ist an ein unbeschwertes Ausdauertraining im Wald, natürlich mit Karte und Kompass zu denken. Bleibt gesund!

Autor: Dr. med Rolf Breckle

Der Elitetipp erscheint monatlich auf o-sport.de. In ihm werden verschiedene Leute über spezielle Themen im OL berichten, mit denen sie sich auskennen. Der Elitetipp soll dazu anregen, selbst darüber nachzudenken, was man alles besser machen könnte im OL.

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