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04. September 2022

DM Sprint in Hamburg

Durch Corona um zwei Jahre verschoben, konnte nun endlich die DM Sprint in Hamburg stattfinden. In den komplexen Strukturen am Überseering orientierten in den Hauptklassen Birte Friedrichs (MTV Seesen) und Bojan Blumenstein (OSC Kassel) am schnellsten. Nicht nur Bahnen und Gelände, die ganze Organisation war einer deutschen Meisterschaft absolut würdig: Der Wettkampf lockte auch einige wenige ausländische StarterInnen an, am prominentesten wohl die beiden Topathleten Gustav Bergman (SWE) und Yannick Michiels (BEL).

Begeistert zeigten sich beide Topläufer von dem Gelände und den Bahnen. Selbst sie fanden sich in der Situation, dass sie sich von dem Gelände überfordert fühlten. Während Gustav Bergman „nur“ das Postennetz ablief – er musste den Zug zurück in die Heimat bekommen – startete Michiels mit dem Ziel die Weltranglistenpunkte abzuräumen. Schon in der Qualifikation aber war für ihn Schluss, er erwischte einen falschen Posten auf einer Transportverbindung. Er zeigte sich selbstkritisch und im Interview vor dem Finale riet er nocheinmal eindringlich, immer die Codezahlen zu kontrollieren. Er durfte dann trotzdem im A-Finale starten, außer Konkurrenz allerdings und als Vorläufer vor allen anderen Startern.

Zentral in der Bahnanlage von Bahnleger Christian Teich war der ständige Wechsel zwischen den anspruchsvollen Strukturen und einfacheren Postenverbindungen, auf denen das Tempo hochgeschraubt werden musste. Und hier hatte die Coronasituation auch einen positiven Effekt: Dank der Überarbeitung der Kartierungsnorm ISSprOM 2019-2 ließen sich die Strukturen über mehrere Ebenen eindeutiger und übersichtlicher kartieren. Entsprechend konnte er trotz der Komplexität des Geländes sehr faire Bahnen legen. Viele Nerven und Kraft kosteten ihn aber die vielen Baustellen, die über die vergangenen zwei Jahre in dem Gebiet aufgebaut wurden und mehrfache Bahnänderungen nötig machten. Nichtsdestotrotz fand er viele spannende Routenwahlen, teilweise fielen selbst die EliteläuferInnen herein und nahmen längere Routen in Kauf.
Einen völlig anderen Charakter hatte noch die Qualifikation am Vormittag. Vor allem am Anfang war „viel klein-klein“, die Wahl mit dem Containerdorf zu Beginn der Strecke sollte auch verschiedene Facetten von OL in einer Großstadt zeigen. Der rabiate Geländewechsel zum Finale sollte auch als Schockmoment sofort am Start wirken. Gut vorbereitete LäuferInnen konnten sich davon wahrscheinlich nicht überraschen lassen, bei anderen wird es aber vielleicht funktioniert haben.

Wie gut sie vorbereitet waren zeigten unter anderem die Herren in der Elitekategorie. Alle drei Medaillengewinner berichteten davon, dass sie den ersten Posten fast exakt dort erwarteten und entsprechend schon durchgeplant hatten. In einer Zeit von 16:30 Minuten gewann Bojan Blumenstein die Goldmedaille mit 27 Sekunden Vorsprung vor Riccardo Casanova (OLG Regensburg). Bronze ging mit weiteren zwei Sekunden Rückstand an Toby Scott (OLV Steinberg). Bojan berichtete von einem Lauf in gutem Fluss. Zwar wählte er nicht immer die beste Route, war sich aber sicher, immer eine gute Route erwischt zu haben. Seine Vorbereitung war nicht ganz so umfangreich wie die der anderen. Zwischen den beiden Läufen lag er auf dem Hotelzimmer und bereitete den Wettkampf mit der Karte vor.
Noch mehr Aufwand steckte Riccardo in seine Vorbereitung mit der alten Karte. Heute nahm er die Wettkampfkarte auf, sah den ersten Posten und weil dieser schon komplett durchgeplant war, konnte er Fullspeed losgehen und die nächsten Posten vorplanen. Erst gegen Ende war er etwas mehr überfordert, weil er mental müde wurde und so weniger vorplanen konnte. Die Silbermedaille sicherte er laut eigener Aussage im Schlussteil. Einerseits war er darauf eingestellt, dass der Schlussteil sehr läuferisch wurde, und konnte sich entsprechend quälen, andererseits wurde er im Zieleinlauf lautstark von seinen Vereinskameraden angefeuert. Riccardo berichtete von einigen kleineren Zeitverlusten, musste aber einsehen, dass Bojan einfach zu stark war. Letztlich war er sehr glücklich über die Silbermedaille, denn er nahm es nicht als selbstverständlich hin, nach langer Verletzungspause sofort bei einer so stark besetzten DM Sprint Silber zu holen.
Das Podest komplettierte der Steinberger Neuseeländer Toby Scott. Er trieb es sogar mit der Vorbereitung noch etwas auf die Spitze. So wusste er, dass die Etagen sehr hoch waren, sodass jeder Etagenwechsel und jede Treppe viel Zeit kosteten. Er lief läuferisch gut, gab aber an, wahrscheinlich die ein oder andere Treppe zu viel genommen zu haben. Gold war auch für ihn nicht drin, die Silbermedaille vergab er vermutlich an Posten 11, als er erst an die falsche Mauerecke lief und einen Augenblick verwirrt herumstand.
Zu einer Einordnung der Leistungen der Herren: WM-Bronzemedaillengewinner Yannick Michiels lief als Vorläufer ungefähr eine Minute schneller als Bojan.

Überglücklich war die Siegerin in der Damenelite im Ziel. Stolz berichtete Birte Friedrichs von ihrer ersten Goldmedaille auf Eliteniveau und ihren ersten Sieg bei einer DM Sprint. Dem Gefühl nach war vor allem der Anfang anspruchsvoll, am Ende wurde es laufbetont. Aber auch zu Beginn sollte, sobald man eine Route gewählt hatte, Tempo gemacht werden. Sie gab aber auch zu, dass es mitunter anspruchsvoll war, überhaupt eine Route zu sehen – auch andere werden dieses Gefühl sicherlich gehabt haben. Etwa ab der Hälfte der Strecke sah sie Konkurrentin und Silbermedaillengewinnerin Paula Starke (USV TU Dresden) immer wieder im Gegenlauf, konnte aber kaum von ihr profitieren. Erst durch einen Fehler der Zweitplatzierten am Ende der Strecke bekam sie noch die Chance zum Schlussposten zu ihr aufzulaufen und im Zielsprint sogar an ihr vorbeizugehen.
Ebenfalls zufrieden zeigte sich Paula. Nachdem sie die EM zuletzt noch wegen einer Coronainfektion verpasst hatte, konnte sie zumindest auf der ersten Hälfte der Strecke an vergangene Leistungen anknüpfen und ein ähnliches Tempo wie Birte laufen. Zu einem läuferischen Einbruch kam dann im Schlussteil noch ein etwa 25 sekündiger Fehler, als sie eine unsinnige Route zu Posten 17 wählte.
Als drittplatzierte konnte Katharina Linke (MTV Seesen) beweisen, dass sie im Sprint inzwischen in der erweiterten deutschen Spitze angekommen ist. Obwohl sie sich gut vorbereitet fühlte, verlor sie aber gleich zum ersten Posten 45 Sekunden. Das brachte sie schon ab Posten 2 in eine Drucksituation, denn die nach ihr gestartete Paula konnte fast zu ihr aufschließen. In der Folge nahmen beide immer wieder unterschiedliche Routen, bevor Paula zu Posten 8 endgültig an sie heranlaufen konnte. In der Folge profitierten wahrscheinlich beide vor allem läuferisch von dem Gegnerkontakt, bevor Katharina am Ende wieder wegen obengenannten Fehlers von ihrer Verfolgerin weglaufen konnte. Den Gegnerkontakt machte Katharina auch dafür verantwortlich, dass es letztlich zu Bronze reichte. Auf die starke Juniorin Hanne Kaufmann (USV TU Dresden) rettete sie 6 Sekunden ins Ziel.

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