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27. September 2020

Coronamaßnahmen ad absurdum – ein Kommentar von Daniel Härtelt

Da die Fallzahlen des Coronavirus SARS-CoV-2 europaweit in der Summe eine steigende Tendenz aufzeigen, werden auch in Deutschland zunehmend verschärfende Maßnahmen getroffen. Die Anzahl der definierten Risikogebiete steigt stetig, erste Orientierungsläufe werden wieder abgesagt. Im Gegensatz dazu schauen am heutigen Sonntag 10000 Zuschauer im Stadion das Fußballspiel von Dynamo Dresden gegen Waldhof Mannheim – wie ist das möglich?

Im Nachgang der öffentlich kommunizierten Entwicklung der Corona-Fallzahlen zu Beginn des Jahres stoppte zunächst ein sogenannter "Lockdown" in ganz Deutschland das bekannte Leben. Im weiteren Verlauf entspannte sich die Situation vielerorts, so dass getroffene Einschränkungen schrittweise gelockert wurden und in Ansätzen eine Normalisierung der Situation eintrat.

Parallel dazu wurden nach dem Prinzip Gießkanne auf Bundesebene vorher nicht verfügbare Milliarden ausgegeben und Maßnahmen getroffen, um die Auswirkungen der Einschränkungen in irgendeiner Weise abfedern zu können.

In diesem Zusammenhang fanden auf politischer Ebene diverse Gipfel in der Hauptstadt und auf den Ebenen darunter statt. Im Bereich Sport stand das Thema Fußball von Anfang an ganz oben auf der Agenda. Nach intensiven Verhandlungen konnten vor allem die bezahlten Profi-Fußballer zeitnah wieder ihre Aktivitäten aufnehmen. Inzwischen ist es vielerorts auch wieder möglich vor einer definierten Anzahl von Zuschauern zu spielen.

Ein im Zusammenhang der Wiederaufnahme des Sportgeschehens veröffentlichtes Videos eines Profi-Fußballers, welches belegte, dass die definierten und abgestimmten Hygiene-Maßnahmen zwar auf dem Papier niedergeschrieben waren, in der Realität allerdings kaum eingehalten wurden, schadete dabei genauso wenig, wie die realistische Erkenntnis, dass bei Fernsehproduktionen eine Vielzahl von Menschen miteinander agieren und entsprechende Vorgaben zur Hygiene schwerlich einzuhalten sind.

In genau der gleichen Manier wird der Bevölkerung nun suggeriert, dass 10000 Fußballfans in einem Stadion genau die im Hygienekonzept erarbeiteten Maßnahmen von Anfang bis Ende durchführen werden. Da es aber weder politisch noch medial irgendein Interesse darin gibt langfristig dem Unterhaltungsmedium Fußball zu schaden, wird das Verhalten vermutlich am Ende aber auch keine Rolle spielen.

Stattdessen werden mit anderen Maßnahmen und der permanenten medialen Berichterstattung der Bevölkerung suggeriert, dass eine Bedrohungslage existiert und die Situation so gut wie möglich unter Kontrolle ist. So werden in einem inzwischen stark vernetzten Europa faktisch mal wieder die Grenzen geschlossen. Um genau zu sein werden aus deutscher Sicht Risikogebiete erklärt, welche die Bevölkerung bei der Ein- und Ausreise in zahlreiche Länder in die Quarantäne schickt und Tests voraussetzt.

Dass in vielen Grenzregionen aber schon seit Jahrzehnten übergreifend gearbeitet, gewohnt und sich ausgetauscht wird, wird einmal mehr nicht beachtet. Dass nationale Alleingänge keine globalen Probleme lösen, ist vielerorts auch nicht angekommen.

Die Orientierungssportler sind in dieser ganzen Situation mal wieder Spielball der politischen Entscheidungen auf allen Ebenen. Der Oberlausitzer OL, welcher als grenzüberschreitende Veranstaltung geplant und kurzfristig abgesagt wurde, ist ein Beispiel.

Was in den kommenden Wochen auf allgemeiner politischer Ebene, auf Ebene des Deutschen Turner-Bundes bzw. darunter entschieden wird, bleibt abzuwarten.

Wünschenswert wäre, auf europäischer Ebene die unterschiedlichen Situationen in den Regionen zu begutachten und gemeinsam pro Sachverhalt individuelle Regelungen zu treffen. Eine stärkere Beachtung des Klimathemas im aktuellen Veränderungsprozess wäre parallel dazu absolut notwendig.

Unabhängig davon wird mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit der Fußball einmal mehr die letzte Sportart sein, welche in aller Konsequenz die Auswirkungen von Maßnahmen zum Coronavirus SARS-CoV-2 verspüren wird – auch wenn es ein Kontaktsport ist und seit Jahren medial regelmäßig negative Schlagzeilen fernab des Stadions zu lesen sind. Schon Anfang des Jahres wurde im Nachgang der Fußballspiele in verschiedenen europäischen Ländern über Verbreitungstheorien in den Stadien diskutiert. Dies führte allerdings nicht dazu, dass sich das aktuelle Verhalten der Entscheidungsträger wesentlich geändert hat. 

Kontakt: presse at o-sport . de

Hinweis: Dieser Kommentar ist eine persönliche Meinungsäußerung und gibt nicht zwingend die Meinung des Deutschen Orientierungssport-Verbandes e.V. oder anderer Sportverbände wieder.

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