OL OL

10. April 1988

Arne Leibusch: Wie es früher war.

Der alte Arne ist doch ein guter Kerl: kommt am 10. April von weit her in den Deister und bringt auch noch den schönsten Sonnenschein mit, nachdem noch am Vortag Regen und Schnee tiefe Sorgenfalten in die Gesichter der Organisatoren vom TK Hannover trieben.

Doch Arne wußte halt, daß die Hannoveraner wehmütige Erinnerungen wachrufen und den jungen Leuten gleichzeitig mal zeigen wollten, wo es früher so langging: Orientierungslauf auf dem schwarz-weißen Meßtischblatt, selbst abzuzeichnende Bahn, dazu eine Kontrollkarte alten Zuschnitts, die nicht regenfest präpariert werden konnte, denn an den Postenschirmen hingen keine Lochzangen sondern Stempel oder Zeichenstifte, mit denen die Kontrollfeldmarkierungen anzubringen waren. Und überhaupt die Postenschirme: selbstgenähte Stoffbeutel aus dem OL-Museum mit phantasievoller rot-weißer Raumaufteilung.

Nur Arne und seine Freunde, die Waldgeister, wissen, wieviele Kontrollkarten damals bei Regenwetter nicht mehr auszuwerten und wieviele Ergebnisse daher nicht ganz astrein waren. Denn seitdem Arne Leibusch in den zwanziger Jahren den OL in Deutschland zaghaft eingeführt hatte, konnte er, wenn auch aus dem Verborgenen, die Entwicklung ziemlich gut verfolgen.

Doch diesmal hatte er ja selbst das passende Wetter mitgebracht, und so konnte alles mit rechten Dingen zugehen. Am Start bestaunte Arne die neuartige Kluft der jungen Hüpfer. Er selbst trug wie eh und je sein rustikales OL-Gewand.

Nun endlich konnte Arne seine Bahn abzeichnen. Doch warum bekam er dann noch so eine neumodische Farbkarte in die Hand gedrückt? „Das letzte Drittel der Strecke mußt Du auf dieser Karte laufen!", wurde ihm bedeutet, und los ging’s.

Mit dem schwarz-weißen Papier hatte unser Arne keine Schwierigkeiten, da war er halt zu Hause, diesen Weg außen herum nehmen, hier Kompaß und Schritte, dort einen kleinen, planvollen Kreis geschlagen, bis der rot-weiße Stoffbeutel aufblitzt. Arne sah einige Youngster planlos herumschwirren, die nicht auf die Idee kamen, im Notfall die Farbkarte als Rettungsanker zu werfen. Arne hatte so etwas natürlich nicht nötig, im Gegenteil: am Start der Farbkartenstrecke wurden ihm die Beine schwer, und er mußte sich oft auf seinen OL-Stock stützen, bis er endlich das Ziel auf dem idyllischen Waldsportplatz erreicht hatte. Doch ob der schönen Veranstaltung, die ihm und gut 200 weiteren Orientierern vom TK Hannover geboten worden war, nahm Arne Leibusch schon bald wieder putzmunter die Siegerehrung vor. Und vielleicht freut es ihn ein wenig, daß sein schwerer Pokal nun zum ersten Mal für ein Jahr in der OL-Nachrichten-Redaktion steht.