31. Mai 2024
Weltcup#2: Einzelsprint
Nach dem Weltcup ist vor dem Weltcup. Bereits morgen geht es wieder los – diesmal in Genua. Erstmals gibt es den Internetstream des Wettkampfes auch auf Deutsch! Das deutsche Team möchte die Ergebnisse des Weltcups der letzten Woche gerne verbessern. Im Einzelsprint von Olten wurde damals Jannis Schönleber und Hanna Müller jeweils auf Platz 54 beste Deutsche. Die Damenkonkurrenz gewann Natalia Gemperle mit ihrem ersten Weltcupsieg für die Schweiz. Emil Svensk (SWE) gelang die Wiedergutmachung nach seinem frühen Ausscheiden im KO-Sprint, er gewann den Sprint der Herren.
Ergebnis Weltcup Einzelsprint
Damen
1. Natalia Gemperle (SUI) 14:15 Minuten
2. Simona Aebersold (SUI) +0:12
3. Tereza Janosikova (CZE) +0:27
54. Hanna Müller +1:57
71. Birte Friedrichs +2:26
81. Paula Starke +2:44
86. Patricia Nieke +2:54
98. Emma Caspari +4:31
106. Katharina Linke +5:12
Herren
1. Emil Svensk (SWE) 14:12 Minuten
2. Tuomas Heikkila (FIN) +0:01
3. Martin Regborn (SWE) +0:04
54. Jannis Schönleber +1:18
65. Anselm Reichenbach +1:30
74. Bojan Blumenstein +1:42
82. Ole Hennseler +1:51
86. Riccardo Casanova +2:00
94. Timon Lorenz +2:25
Bericht Weltcup Einzelsprint:
Die Bahnen stellten die Läufer*innen in diesem zweiten Weltcuprennen vor eine andere Herausforderung als noch in der KO-Quali zwei Tage zuvor. Ging es dort noch darum, schnell eine sinnvolle Route zu identifizieren, waren die Routenwahlen nun nicht derart komplex. Vielmehr ging es nun im Einzelsprint darum, äußerst präzise zu orientieren und auch kleine Zeitverluste zu vermeiden, die sich mit der Zeit aufsummieren konnten. Es erwartete die Läufer*innen ein entsprechend schnelles, enges Rennen, mit interessanten Wechseln aus „straight-forward“-Orientieren mit höchster Präzision und Routenwahlen ohne komplizierte Windungen und Drehungen. Mehrere Passagen mit Mehr-Ebenen-Bereichen stellten zusätzliche Herausforderungen. Ein Teil konnte bereits mithilfe des Bulletins vorbereitet werden, mit dem geöffneten Dachgarten kurz vorm Ziel hatte aber vermutlich nicht jede*r gerechnet.
Zwiegespaltene Gefühle überwogen nach dem Wettkampf im deutschen Team. Einigen waren durchaus zufriedenstellende Läufe gelungen, die ihr Niveau im internationalen Feld widerspiegeln. So berichtete Hanna Müller beispielsweise von einem „generell recht guten Lauf“. Sie verlor nur einige Sekunden durch Routenwahlen, manchmal fehlte ein bisschen Sprintroutine und sie war mit dem Kartelesen etwas hinterher. „Zum in die Punkte laufen fehlt einfach etwas Geschwindigkeit“, so ihr Fazit nach dem Lauf. Etwas geknickter waren die Herren. Physisch sind sie in guter Form, ihnen gelangen aber nicht durchgängig gute Läufe. So berichtete Riccardo Casanova (86. mit zwei Minuten Rückstand) beispielsweise von mehreren Fehlern, die jeweils 10 – 15 Sekunden kosteten. Jeder davon kostete entsprechende 10 – 15 Plätze. In Genua sollen nun auch technisch saubere Läufe zur guten physischen Form kommen. Dann wird es auch zum grundsätzlichen Ziel reichen, Weltcuppunkte zu erlaufen. Das Potential ist vorhanden, dass jeder der Athleten das schaffen kann. Riccardo jedenfalls wird hochmotiviert am Start sein – vor seinen Großeltern und weiterer Familie in seiner zweiten Heimat.
Das Herrenrennen an der Spitze war so eng wie inzwischen üblich. So konnte man einer ganzen Menge Athleten zutrauen, dieses zu gewinnen. Auch für die Zuschauenden ist das mitunter etwas unübersichtlich, immer wieder tauchen Athleten mit Zeiten auf, die vorher etwas unter dem Radar liefen. Am besten mit der Bahnanlage kam Emil Svensk aus Schweden zurecht. Der 30-Jährige war am Vortag noch im Fotofinish ausgeschieden. Jetzt waren es vielleicht die etwas frischeren Beine, die den entscheidenden Unterschied brachten. Fast die gesamte Strecke über lag er in Front, nur auf den ersten Posten ließ er dem noch schneller gestarteten Belgier Yannick Michiels (5., +0:14) den Vortritt. Nach dem Rennen musste Svensk der Aussage zustimmen, dass ihm Sprints in der Schweiz wohl liegen müssten – seinen bisher einzigen Weltcupsieg feierte er 2021 bei den Europameisterschaften in Neuchâtel. Der Vorsprung des Schweden lag am Ende bei einer Sekunde gegenüber Tuomas Heikkila (FIN). Der Finne schien den Vortag gut verkraftet zu haben, denn nach einem zwischenzeitlichen Rückstand von 8 Sekunden zu Rennhälfte schien es zwischenzeitlich fast so, als könne er Svensk schlagen. Platz drei ging mit Martin Regborn an einen weiteren Schweden, vier Sekunden hinter dem Sieger. Dieser war einer der Läufer, die in der Hektik des Wettkampfes untergingen und am Ende völlig überraschend (nicht von den grundsätzlichen Fähigkeiten!) mit einer Topzeit ins Ziel kam. Ein bisschen schade war es, dass die Flower Ceremony bereits nach den erstgestarteten Top40 der Weltrangliste abgehalten wurde. Alle anderen liefen erst später, aber im engen Herrenfeld ist es nicht auszuschließen, dass auch Läufer von dort aufs Podium laufen. Letztlich ging alles gut: Der Schwede Gustav Runefors wurde bei seinem Weltcupdebüt „nur“ sechster – als 534. der Weltrangliste.
Im Damenrennen gewann die überlegene Natalia Gemperle für die Schweiz – ihr erster Einzelsieg auf diesem Niveau für ihre neue Heimat. Relativ früh gestartet pulverisierte sie die ersten Zwischenzeiten geradezu und ließ früh keinerlei Zweifel aufkommen, dass der Sieg nur über sie ging. Sie berichtete später darüber, dass sie nicht so richtig gewusst habe, welches Tempo sie anschlagen solle, und orientierte sich in der Folge an jenem, welches auch im KO-Sprint gelaufen wurde. Eine gute Wahl, wie sich zeigte. Teamkameradin Simona Aebersold lag lange gleichauf mit ihr, konnte aber auf den letzten Posten doch nicht mehr gefährlich werden. Ganze zwölf Sekunden lag sie am Ende zurück. Die große Favoritin Tove Alexandersson (SWE) konnte bis kurz vor Schluss dicht an Gemperle herankommen. Dann aber übersah sie an dem geöffneten Dachgarten eine Treppe und verlor viel Zeit. So wurde es am Ende „nur“ Rang sieben für die erfolgsverwöhnte Schwedin. Andere profitierten: Die Tschechin Tereza Janosikova beispielsweise, die auf Platz drei lief und damit ihr erstes Weltcuppodest verbuchen konnte. Auf Platz 5 bestätigte Aleksandra Hornik ihre Sprintform aus dem letzten Herbst. Die junge Französin Cecile Calandry konnte mit Platz 6 ihr erstes Weltcuppodium erlaufen.
Morgen geht es schon weiter: In Genua wird ab 11:20 Uhr gesprintet. Die engen Gassen versprechen technisch anspruchsvolle Rennen direkt am Mittelmeer. Die Übertragung beginnt um 13 Uhr. Es gibt erstmals einen Livestream auf Deutsch – Einschalten lohnt sich!
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