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23. Juni 2022

Vorstellungs­runde WM Teil 1 – das Herrenteam

In einer kurzen Interviewreihe soll das WM-Team beginnend mit den Herren vorgestellt werden. Drei Starter gehen bei den Titelkämpfen, die am 26.06.2022 mit der Sprintstaffel im dänischen Kolding beginnen, an den Start. Während Bojan Blumenstein (OSC Kassel) und Erik Döhler (TUS Karlsruhe-Rüppurr) in allen Disziplinen antreten, wird Colin Kolbe (TUS Lübbecke) nur die Einzeldisziplinen bestreiten.

Was machst du gerade beruflich? Wo lebst du? Wie sieht damit dein Trainingsumfeld aus?

Bojan: Ich arbeite in einer 50% Stelle als OL Trainer an einer Sportschule in Oslo (Wang Toppidrett Oslo). Ich wohne direkt am Stadtrand und habe mit den großen Weiten der Nordmarka und meinem Heimatverein Nydalens SK fantastische Trainingsbedingungen.

Colin: Ich studiere Informatik an der TU in Dortmund, da ich meinen Studiengang zwei Mal gewechselt habe, werde ich erst Anfang 2023 meinen Bachelorstudium abschließen. Allerdings wohne ich seit über 2 Jahren in Riga, Lettland. Meine Freundin wohnt dort und direkt bevor die Covid-Pandemie begonnen hat, war ich dort und bin letztendlich, ermöglicht durch Online-Studium, bis jetzt dortgeblieben.
Letztendlich trainiere ich dort ähnlich wie ich auch zuvor trainiert habe, jedoch (leider) mit etwas weniger Höhenmetern. Im Bezug auf OL habe ich jedoch deutlich mehr Möglichkeiten, sodass ich hier und da deutlich einfacher ein Waldtraining mitnehmen kann. Speziell in Riga gibt es zudem einige Sprintkarten, sodass ich diese sogar meist läuferisch erreichen kann.

Erik: Derzeit schreibe ich meine Masterarbeit im Maschinenbau und lebe in Göteborg in Schweden. Nach Göteborg gekommen bin ich vor drei Jahren als Austauschstudent und habe vor zwei    Jahren meinen Master im Maschinenbau begonnen. Ich trainiere hier in Göteborg mit meinem schwedischen Verein Göteborg Majorna OK und vielen weiteren OLern. Nach der Vollendung meines Masters gegen Ende dieses Sommers werde ich aber nach Bern in die Schweiz ziehen und dort anfangen zu arbeiten.

 

Mit welchen Erwartungen gehst du in die WM? An welchen Ergebnissen möchtest du dich messen lassen? Was war deine beste Platzierung in einer Sprintdisziplin bisher?

Bojan: Meine bisher beste Sprintplatzierung ist der 25. Platz beim Knockoutsprint Weltcup in Borås. An dieses Ergebnis möchte ich anknüpfen. Wenn alles gut geht, sollte eine Platzierung unter den besten 25 sowohl beim Einzelsprint als auch im Knockout möglich sein.

Colin: Bis Anfang Mai war ich noch sehr zuversichtlich in Bezug auf die WM, jedoch lief die Vorbereitung durch eine leichte Erkältung danach nicht mehr so ideal, sodass ich auch beim Weltcup eher unterperformt habe. Danach lief es wieder besser, sodass ich wettkampfbereit an den Start gehen werde. Durch die reine Sprint-WM ist die Leistungsdichte nochmal etwas höher, sodass nach dem 21. Platz letztes Jahr eine ähnliche Platzierung im Einzelsprint (mein Fokus) schon sehr gut wäre.

Erik: Meine Erwartungen an die WM waren nach dem erfolgreichen Weltcup in Schweden und den guten Ergebnissen bei den Sichtungsläufen in Dänemark groß und als Ziel hatte ich die Verbesserung meiner Ergebnisse vom Weltcup (25. Platz im Knockout). Da mich aber seit 3 Wochen eine Verletzung plagt, liegt der Fokus derzeit darauf, alle Wettkämpfe erfolgreich absolvieren zu können, was nicht heißen soll, dass ich meine Ziele nicht trotzdem erreichen kann.

 

Bojan, wie hat deine Wohnsituation in Oslo deine Vorbereitung auf die Sprint-WM beeinflusst? Aus deutscher Perspektive könnte man denken, dass in Norwegen das meiste Training in den vielen schönen Wäldern stattfindet.

Ab und zu war ich zum OL Training auch im Wald, allerdings deutlich weniger als die letzten Jahre. Nur weil es schöne Wälder gibt bedeutet das ja nicht, dass man ständig in ihnen trainieren muss. Von Dezember bis März liegt in Oslo in der Regel zu viel Schnee um im Wald trainieren zu können. In diesem Zeitraum wird in Norwegen fast ausschließlich Sprint-OL trainiert. Zumindest in den größeren Städten wie Oslo und Trondheim. In Oslo ist die komplette Stadt eine riesige Sprint-OL Karte. Die Qualität der Karte variiert etwas, aber im Großen und Ganzen ist sie ok. Mein Trainingstagebuch zeigt mir bisher knapp 60 Sprint-OL Einheiten in den letzten 6 Monaten. Nur wenige dieser Einheiten habe ich alleine durchgeführt bzw selber organisieren müssen. Zusätzlich habe ich vermehrt kurze Intervalle auf hartem Untergrund gemacht.

 

Colin, deine besten internationalen Platzierungen – herausstechend natürlich JWOC-Gold 2018 – hast du im Einzelsprint erreicht. Welche besonderen Anforderungen hat diese Disziplin, die dir besonders liegen?

2018 war natürlich echt ein klasse Jahr. Nach guter Vorbereitung konnte ich eine Sprint-Karte in die Hand nehmen und ich wusste einfach was ich machen musste. Diesen 'vollen Automatismus/Flow' habe ich dieses Jahr leider (bisher) nicht ganz erreichen können. Im Sprint kommt es vor allem darauf an bei sehr hohem Tempo schnell die (richtigen) Entscheidung zu treffen, ich glaube das liegt mir beides allgemein sehr gut.

 

Erik, deine besten internationalen Platzierungen im KO-Sprint erreicht. Welche besonderen Anforderungen bringt diese Disziplin mit sich, die besonders gut zu dir passen?

Ich denke, dass ich ein „Wettkampf-Typ“ bin, der bei Gegnerkontakt über sich hinauswachsen kann. Bei jedem Wettkampf spielt das Mentale eine große Rolle, aber im Knockout braucht es vor allem Abgezocktheit und insbesondere den Willen. Und ich denke, dass ich den „Willen“ habe, und zusammen mit guten Beinen und einem Quäntchen Glück konnte ich bei den letzten beiden Knockout-Wettkämpfen meine bisher besten Ergebnisse erzielen.