11. Mai 2026
Steil und steinig – DM Mittel 2026
In Kassel stieg am vergangenen Wochenende die Deutsche Meisterschaft über die Mitteldistanz. Steiniges Gelände, unübersichtliche Vegetation und einige Höhenmeter forderten die 750 Läufer*innen physisch wie technisch. In den Eliteklassen kürten sich Ellen Klüser (USV TU Dresden) und Ole Hennseler (MTV Seesen) zu den neuen deutschen Meister*innen. Beim BRL & WRE Sprint am Folgetag siegte bei den Damen erneut Ellen Klüser, bei den Herren gewann der belgische Sprintstar Yannick Michiels.
Bei bestem OL-Wetter hatte der OSC Kassel am Samstag, 09.05., zu den Deutschen Meisterschaften Mitteldistanz geladen. In den steilen Hängen des Brasselsbergs, direkt südlich des Weltkulturerbes „Bergpark Wilhelmshöhe“, warteten Felsbänder und frühlingshaft begrünter Wald. Gefordert war entsprechend präzises Orientieren bei gleichzeitig höchstmöglichem Tempo im mitunter unübersichtlichen Gelände. Wer sein Tempo über schwer belaufbare Steinfelder und im nassen, rutschigen Hang hochhalten konnte, hatte gute Aussichten auf eine Topplatzierung. „Unser Ziel bei der Bahnlegung war es, eine echte Mitteldistanz vorzubereiten, die den Läuferinnen und Läufern sowohl technisch als auch physisch viel abverlangt“, so Bahnleger Hendrik Holzhauer. „Gleichzeitig haben wir versucht, die Bahnen möglichst in die gut belaufbaren Teile der Karte zu legen und die Höhenmeter nicht unnötig in die Höhe zu treiben. Mit der Startüberhöhung am Bismarckturm, einem würdigen Startort, und dem Ziel am Hilla hatten wir ideale Rahmenbedingungen für einen attraktiven Wettkampf.“
Das Wettkampfzentrum lag malerisch am erwähnten Erholungsressort „Das Hilla“. Wer die knapp 150 Höhenmeter vom Parkplatz aus hinauf geschafft hatte, wurde von einem Zieleinlauf unter blühenden Apfelbäumen begrüßt. Ein paar Meter weiter hinauf lag im Sonnenschein die Zielwiese mit dem Schlussposten. Die ersten Meter des Zieleinlaufs waren, um dem Ruf der OLer gerecht zu werden, eine sumpfige Schlammlandschaft, in der der ein oder andere OL-Schuh vorübergehend stecken blieb.
In der Damen Elite setzte sich Ellen Klüser (USV TU Dresden) in beeindruckender Manier durch. Im Ziel hatte sie beinahe drei Minuten Vorsprung auf Susen Lösch (USV Jena). Platz drei sicherte sich Birte Friedrichs (MTV Seesen). Von Beginn an lag Ellen in Front, nur auf den ersten Posten konnte die Konkurrenz mit ihren Zeiten mithalten. Den ersten Unterschied machte Ellen auf der eigentlich unscheinbaren Verbindung zu Posten sechs: Sie war 20 Sekunden schneller als die nächstschnellste Läuferin und lief auf die unmittelbare Konkurrenz um den Sieg sogar 45 Sekunden und mehr heraus. Von dort an baute sie ihren Vorsprung sukzessive aus, gewann die Hälfte aller Postenverbindungen und sicherte sich ihren ersten Einzeltitel im Elitebereich. Spannend blieb auch der Kampf um Platz drei. Bis kurz vor Schluss waren Birte Friedrichs und Hanna Müller nahezu gleichauf und wechselten im Postentakt die Position. Erst eine kleine Ungenauigkeit kurz vor Schluss brachte die Entscheidung zugunsten der Seesenerin.
Bei den Herren ist Ole Hennseler (MTV Seesen) der neue deutsche Meister über die Mitteldistanz. Seine Vorstellung war ähnlich souverän, er bestach dabei besonders durch seine Konstanz. Er vermied größere Zeitverluste, sodass er seiner Konkurrenz nie die Chance gab, die entstandene Lücke zu schließen. Mit 51 Sekunden auf den Belgier Yannick Michiels beim Gastspiel im Nachbarland geriet sein Vorsprung nie in solch komfortable Bereiche wie im Rennen der Damen, als letztgestarteter Läufer durfte Ole Hennseler sich aber sogar schon im Zieleinlauf über den Sieg freuen. Die Silbermedaille ging an Marek Pompe (SV Robotron Dresden) nur drei Sekunden hinter Michiels. Er war auf dem Großteil der Strecke auf Augenhöhe mit Ole unterwegs, der eine Fehler zu viel zu Posten 14 kostete ihn die Chance auf den Sieg. Spannend wurde es auch um Bronze, zwischen Toby Scott (OLV Steinberg) und Konrad Stamer lagen nur neun Sekunden, dazwischen rangierte sich sogar noch Timon Lorenz ein und verpasste die Medaille um nur eine Sekunde.
Auch neben den Entscheidungen der Elite gab es spannende und enge Medaillenkämpfe. In der D16 siegte Jara Lauer (OLG Regensburg) mit nur 7 Sekunden Vorsprung vor Selma Drechsler (Post SV Dresden). Noch enger ging es unter anderem in der H55 zu, hier sicherte sich Rolf Breckle (Bovender SV) nur eine Sekunde vor Raik Zschäckel (SV IHW Alex 78 Berlin) den Titel. Mit einer geteilten Goldmedaille endete die DM Mittel in der D50 – Hanka Straube (SV Lengefeld) und Brit Horst (SC Königstein) absolvierten ihre Strecke identischer Zeit. Besonders dramatisch wurde es in der H18: Julian Doetsch (OLV Steinberg) siegte denkbar knapp vor Daniel Schmidt (TSG Wiesloch). Dabei gab er den Titel fast noch aus der Hand, denn wenige Meter vor der Ziellinie verlor der das Gleichgewicht und stürzte, rappelte sich auf und rettete eine Sekunde ins Ziel.
Zu einem BRL & WRE Sprint ging es am Folgetag nur wenige Kilometer weiter nach Süden. In Baunatal sprinteten über 600 Läufer*innen um die Sekunden. Mit dem Zieleinlauf im Parkstadion war ein gebührendes Ambiente gefunden. Zuvor ging es durch den Stadtpark und rund um die Sportanlagen des KSV Baunatal. Der Start direkt hatte es in sich: In den schmalen Gassen und Treppen des örtlichen Altenzentrums ging manche Sekunde und Traum einer Topplatzierung verloren. „Ich wollte aus einem mäßig spannenden Gelände eine herausfordernde Sprintbahn mit ein paar Überraschungen erzeugen“, erklärte Bahnleger Bojan Blumenstein seinen Ansatz. „Dafür galt es die kleinen spannenden Gebiete so gut wie möglich auszunutzen, im einfacherem Wohngebiet Routenwahlen zu erzeugen und durch 2 Labyrinthe und einem kleinen Hügel mit schmalen Pfaden im Grün ein paar Überraschungen einzubauen.“
Den Sieg in der Damen Elite sicherte sich erneut Ellen Klüser (USV TU Dresden). Diesmal wurde es deutlich knapper – im Ziel hatte sie 10 Sekunden Vorsprung auf Nationalteamkollegin Marlene Fritz (OL-Team Filder). Auf dem dritten Platz landete mit einer starken Leistung Juniorin Stanja Lindig (SSV Planeta Radebeul). Besonders beeindruckend ist auch die Leistungsdichte im Elitefeld: Die Top10 trennten nur 43 Sekunden.
Bei den Herren setzte sich World-Games-Sieger und Topfavorit Yannick Michiels aus Belgien durch. Im Anfangsteil lag er noch etwas hinter „unseren“ Herren zurück, nach der Straßenquerung konnte er seine Laufstärke ausspielen und ließ sich noch im Zieleinlauf gebührend feiern. Zweiter mit 27 Sekunden Rückstand wurde Timon Lorenz (OLG Regensburg). Knapp dahinter sicherte sich Konstantin Kunckel (USV TU Dresden) mit einer beeindruckenden Leistung besonders im technisch anspruchsvollen Anfangsteil den dritten Platz.
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