14. September 2026
Phantastische Felsen und wo sie zu finden sind
In einem der schönsten und anspruchsvollsten deutschen Felsengelände fand am vergangenen Wochenende (11.-13.09.) das Saxonia-O-Festival 2026 statt. Der USV TU Dresden lud zu einer Lang- und einer Mitteldistanz als Wertungsläufe zur Bundesrangliste an die Nikolsdorfer Wände ein. Die Langdistanz in der Hauptklasse der Damen gewann Birte Friedrichs (MTV Seesen), die Mitteldistanz ging an Marlene Fritz (OL-Team Filder). Der Sieger der Herren hieß an beiden Tagen Matthias Kretzschmar (Post SV Dresden).
Los ging es bereits am Freitagabend, nicht im Felsenparadies, sondern auf einem großen Stein, vielmehr Festung Königstein. Wettkampf und Tourismus zur gleichen Zeit, das bot ein Sprint aus der Feder von Bahnlegerin Anna Wartewig. Interessante Routenwahlen und gleichzeitig ein Blick über das umliegende Elbtal, inklusive Wettkampfwald der nächsten Tage warteten auf die Starter*innen. Eine Auflage der Burgverwaltung entpuppte sich regelrecht als Glücksfall: Die bewaldeten Parkpassagen oben innerhalb der Festung durften nicht belaufen werden. Um dies sicherzustellen, brachte das Veranstalterteam fast vier Kilometer Absperrungen ins Gelände. Einziger Wehrmutstropfen: Die Teilnehmerbegrenzung von nur 300 Starter*innen, welche der USV TU Dresden als Auflage zur Durchführung der Veranstaltung bekommen hatte, die dazu führte, dass so manche*r begeisterte Park-Tour-Fan nicht laufen konnte.
Mit einer verkürzten Langdistanz ging es schon am nächsten Mittag in die Felsen. Bahnlegerin Paula Starke bemühte sich, langdistanztypische Aufgaben zu stellen: Lange Routenwahlen warteten im Wechsel mit kürzeren, technisch anspruchsvollen Passagen. Eine besondere Herausforderung, denn schon zwei Jahre zuvor fanden an gleicher Stelle die deutschen Meisterschaften über die Langdistanz statt, auch mit der Mitteldistanz am nächsten Tag durfte es nicht allzu viel Überschneidung geben. Aufgrund des über den Sommer ordentlich hochgeschossenen Bewuchses wurden besonders die langen Routenwahlen ein Abwägen der Belaufbarkeit, oft zeigte sich, dass es sich lohnte Wege auszulaufen. Besonders im Mittel- und Südteil machten Brombeeren den Wald schwerer belaufbar, als es noch vor zwei Jahren der Fall gewesen war.
Der Start, noch im flacheren und unübersichtlich grünen Hang gelegen, überraschte einige Läufer*innen offensichtlich, die sich auf Felsen vom Start weg eingestellt hatten. So gab beispielsweise die Elitesiegerin Birte Friedrichs später zu Protokoll: „Beim Loslaufen dachte ich noch ‚Was ist das denn für ein Kinderposten‘, nur um dann gleich zu weit zu laufen und 30 Sekunden zu verlieren.“
Das Rennen der Damen Elite blieb im Folgenden lange Zeit spannend und äußerst eng. Noch nach der ersten langen Routenwahl zu Posten 5 lagen die drei Führenden innerhalb einer Minute – obwohl alle drei eine unterschiedliche Wahl trafen. Erst auf der zweiten Rennhälfte schaffte es Birte Friedrichs, sich einen Vorsprung zu erarbeiten – bedingt durch eine konstante Leistung auf hohem Niveau und guten Routenwahlentscheidungen. Eine Chance auf den Sieg hätte wohl auch Julia Fritz (OL-Team Filder) gehabt, ihr allerdings passierte der eine Fehler zu viel und sie musste sich mit drei Minuten Rückstand und Platz 2 begnügen. Im Ziel lag sie 14 Sekunden vor Zwillingsschwester Marlene.
Bis in die Zehenspitzen motiviert seinen jüngeren Konkurrenten zu demonstrieren, wie man in seinem „Wohnzimmer“ läuft, zeigte Matthias Kretzschmar (Post SV Dresden) eine bärenstarke Leistung. Sein Vorsprung betrug im Ziel 10:05 Minuten auf den zehn Jahre jüngeren Timonz Lorenz (OLG Regensburg). Als ausschlaggebend neben der Motivation sieht er in diesem Gelände besonders seine Erfahrung an: Nur ein bis zwei Stunden von Dresden entfernt liegen die zahlreichen, spannenden Sandsteinfelsen und Labyrinthe Tschechiens, in denen regelmäßig Wettkämpfe stattfinden. Platz drei ging, mit weiteren fünf Minuten Rückstand, an Moritz Müller (Post SV Dresden).
Neben diesem so überdeutlichen Sieg in der Herren Elite und einigen Entscheidungen mit deutlichen Zeitabständen, gab es eine Reihe von Kategorien, die deutlich knapper ausgingen: In der D14 lagen zwischen Platz drei und Siegerin Selma Löffler lediglich 47 Sekunden, in der H16 siegte Gustav Bader mit gerade einmal fünf Sekunden Vorsprung. Den größten Abstand verbuchte Christiane Tröße in der D35 – 24 Minuten vor ihrer Konkurrenz. Eine beeindruckende Leistung zeigten auch unsere Ältesten: In der D85 erreichten Brigitte Burkhardt und Uta Breckle das Ziel dicht beisammen mit jeweils gut zwei Stunden Laufzeit.
Noch mehr Felsen gab es über die abschließende Mitteldistanz am Sonntag. Ein Wechsel aus kurzen Posten für die genaue Kartenarbeit und einigen längeren Verbindungen, die auch Routenwahlen und höheres Lauftempo zuließen, forderte eine stete Anpassung und hohe Aufmerksamkeit bei der Tempowahl. Selbst nach einer gründlichen Einstellung auf das Gelände am Vortag lud Bahnlegerin Patricia Nieke zu größeren Fehlern und Suchaktionen ein.
Im Rennen der Damen Elite zeigte Marlene Fritz einmal mehr, dass die Mittelstrecke ihre Paradedistanz ist. Schon auf den ersten Posten baute sie einen Vorsprung von rund einer Minute auf Birte Friedrichs auf, den sie auch nicht wieder hergab. In der Folge waren beide gleich schnell unterwegs, der Vorsprung pendelte sich bei dieser früh herausgelaufenen Minute ein, Friedrichs konnte nicht mehr entscheidend Zeit gutmachen. Die dritte im Bunde, Julia Fritz, machte nach gutem Start zu Posten drei bereits einen vorentscheidenden Fehler und lag eine weitere Minute zurück. Für einen Großteil der restlichen Strecke war sie auf dem Niveau der anderen beiden unterwegs, ein Routenwahlfehler zu Posten sechs vergrößerte den Rückstand aber so weit, dass sie nicht mehr angreifen konnte.
In der Herren Elite ließ Matthias Kretzschmar einmal mehr nichts anbrennen. Er setzte sich von Posten eins an in Front und zeigte technisch und läuferisch eine weitere überragende Leistung, sodass er schließlich mit einem Vorsprung von 3:32 Minuten gewann. Auf den weiteren Podestplätzen folgten zwei Junioren. Loic Dequiedt (SV Robotron Dresden), der auch schon Weltcupluft schnuppern durfte, erlief Platz zwei. Ole Baath (TSV Jetzendorf), der nach einem verkorksten Lauf am Vortag sicherlich auf Wiedergutmachung aus war, erlief rund fünf Minuten hinter Kretzschmar den dritten Platz.
Das vergangene BRL-Wochenende wird sicherlich nicht der letzte Wettkampf gewesen sein, der an den Nikolsdorfer Wänden stattfand. Vielleicht wird es in den nächsten Jahren wieder einer der traditionsreichen Vielposten-OLs sein? Dem Dominator der Herren Elite an diesem Wochenende würde wohl manch Eine*r zustimmen: „Wenn man mich fragt, könnte hier jedes Jahr ein Wettkampf stattfinden.“
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