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16. März 2026

Nachruf Ute Lösch

Ute Lösch
Foto: Familie
Foto: Familie

Am 15. Februar 2026 ist Ute Lösch nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 63 Jahren verstorben. Sie galt in ihrer Sportart als die gute Seele der zahlen- und leistungsmäßig starken Orientierungslaufabteilung beim Jenaer Universitätssportverein und engagierte sich weit über die Stadtgrenzen Jenas hinaus im deutschen Orientierungssport.

Ute kam 1962 in Rodewisch im Vogtland zur Welt. Von der Kindheit an war sie dem Sport verbunden, daneben fiel sie durch ein besonderes Talent für die Mathematik früh auf. Ab der 11. Klasse kam sie aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Leistungen in eine Spezialklasse für Mathematik und Naturwissenschaften an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt (heute TU Chemnitz). In dieser Schulzeit wohnte Ute im Internat, wo sie auch ihren späteren Ehemann Steffen kennen lernte.

Karl-Marx-Stadt gehörte damals zu den Leistungszentren des Orientierungslauf in der DDR und einer von Utes Mathe-Lehrern war Bernd Döhler, ein aktiver Orientierungsläufer. Auf einer Klassenfahrt organisierte er einen kleinen OL für seine Schüler, was ein Schlüsselerlebnis für Ute wurde, und was sie ein ganzes Leben nicht wieder losließ. Ihr Steffen, den sie beim OL gefunden hatte, bestärkte natürlich die Bindung an diese Sportart. Durch Bernd Döhler kam Ute zum BSG Aufbau Karl-Marx-Stadt. Nach dem Abitur studierte Ute gemeinsam mit ihrem Mann Mathematik in Karl-Marx-Stadt.

Nach der Hochzeit 1985 in Weimar fanden beide eine Anstellung bei Carl-Zeiss im benachbarten Jena. Ute arbeitete in der Entwicklung der Planetarien, während Steffen eine Promotionsstelle bei Zeiss antrat. Bald darauf kam Sohn Sören zur Welt.

Wie bei fast allen „DDR-Bürgern“ warf die politische Wende in der DDR auch bei Löschs viele Fragen: Wie geht es weiter? Steffen war noch bei der Armee und Jeder hatte Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Ute und Steffen behielten 1990 ihre Arbeitsplätze, wobei Steffen zur Jenoptik umstrukturiert wurde. Materiell gut abgesichert, entschied sich die Familie für ein zweites Kind. Susen wurde im August 1993 geboren. 
Die „Wende“ ermöglichte es aber auch, dass Löschs ins Kernland des OLs reisen konnten. Beide waren gleich nach ihrem Umzug nach Jena zur Hochschulsportgemeinschaft (HSG, heute USV) der Universität gegangen, wo es eine rührige OL-Gruppe gab. Gleich von Beginn an engagierten sie sich bei Organisationsaufgaben, so bei der Durchführung des 24-Stunden-OLs.

2003 verließ Ute Zeiss und arbeitete oft befristet in verschiedenen Unternehmen, u. a. in einem Start-Up der Medizintechnik. Ihre letzte Arbeitsstelle war ab 2020 das „Internationalen Studienzentrum Thüringen“, wo sie als Lehrkraft für Mathematik ausländische Studierende unterrichtete.

Die ganze Zeit lief das ehrenamtliche Engagement der Familie Lösch in der OL-Abteilung des USV Jena weiter. Beide Kinder fanden schnell den Weg zu dieser schönen Natursportart. Utes Engagement wurde dadurch angeregt, zunehmend wurde sie zu einer versierten Übungsleiterin im Kinder- und Jugendsport, was mit dem Besuch vieler Weiterbildungslehrgänge verbunden war. Außerdem hatte Ute das Wettkampfmeldewesen der Jenaer Oler übernommen, was eine regelmäßige Präsenz bei den wöchentlichen Übungsstunden erforderte. Die Übungsleitertätigkeit von Ute wurde intensiver, als Sören aktiv am Training teilnahm und seine Freunde mit zum Training brachte. In der Folge entstand Mitte der 1990er Jahre eine sehr gute Kinder- und später Jugendgruppe beim USV Jena, die es vorher in diesem Umfang nicht gegeben hatte. Nicht zuletzt schuf Ute durch ihr Wirken im Hintergrund auch die Voraussetzungen dafür, dass ihr Ehemann zeitlich die Möglichkeit hatte, die Entwicklung des OLs im deutschen Verband, auf Landesebene und im Verein maßgeblich mitzugestalten.

Daneben war Ute auch selbst noch aktiv im Sport. Sie betonte dabei aber immer, dass ihr der Erfolg ihrer Schützlinge der wichtigste Lohn ihres ehrenamtlichen Engagements sei. Zu Buche standen dabei auch Silber- und Bronzemedaillen bei Deutschen Meisterschaften in ihrer Altersklasse.
Diese Erfolge waren für Ute aber eher zweitrangig. Viel wichtiger war es ihr darauf hinzuwirken, dass ihre und andere Kinder mit viel Freude OL betreiben konnten. Sie unterstützte darüber hinaus auch diejenigen, die mehr als nur Spaß haben wollten und sich für den Leistungssport interessierten. So kam es, dass über die Jahre gerechnet mindestens sieben ihrer Schützlinge den Sprung ins deutsche Nationalteam schafften und für Deutschland international an den Start gingen. Den sportlichen Höhepunkt dieser Unterstützung markierten die „World Games 2022“ in den USA, als Utes Tochter Susen dort zwei achte Plätze erreichte. Zur Unterstützung des Leistungssports war Ute selbst auch im Trainerrat aktiv.

 

Im Sommer 2021 wurde durch Zufall eine schwere Krebserkrankung diagnostiziert. Nach verschiedenen Behandlungen wurde die Krankheit durch ein neu zugelassenes Medikament gestoppt, sodass ihre zwischenzeitliche Genesung als ein medizinisches Wunder anzusehen ist. Umfangreiche Rehamaßnahmen und kontinuierlicher Muskelaufbau sorgten dafür, dass Ute ab Sommer 2022 wieder eine Stunde und mehr wandern konnte. Auch Radfahren und Schwimmen musste sie völlig neu erlernen. Sie nahm auch ihre Lehrtätigkeit am Internationalen Studienzentrum Jena wieder auf, musste sich aber Ende 2023 erneut einer Chemotherapie unterziehen. Bei einer der regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wurden Ende 2025 erneut Metastasen gefunden, die trotz Behandlungsversuchen nicht zu stoppen waren.

Als Ute Anfang Februar 2026 bereits in der Klinik lag, haben ihr die ehemaligen „OL-Kinder“ einen Brief geschrieben. „…Wir denken oft an die schöne gemeinsame Zeit in den vielen Trainingslagern und bei den Wettkämpfen zurück…“ Als sie diesen Brief vorgelesen bekam, war sie tief gerührt und vergoss viele Tränen. Solch ein Brief war ihr ein besseres Dankeschön als jede Ehrenamtsauszeichnung, von welchen Ute eine ganze Reihe erlangte.

Mit Ute verliert der OL in Jena und in Deutschland ein durchweg hochengagiertes Gesicht. Ute durfte in den letzten Jahren mit Zufriedenheit erleben, wie andere ihr Lebenswerk fortsetzen. Eine bessere Würdigung kann es nicht geben.

 

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Samstag, den 21. März um 10 Uhr in Jena auf dem Nordfriedhof statt. Bitte keine Trauerkleidung und auch keine Blumen- oder Geldgeschenke! Stattdessen Spenden für den OL, an den Förderverein des Carl-Zeiss-Gymnasiums oder für die Imaginata. Das hat sich Ute so gewünscht.

 

Text im Original: Hans-Georg Kremer
Auf Seiten des USV Jena veröffentlicht, Kürzung durch die Redaktion

Mehr:
Der umfassende Nachruf im Original auf der Website des USV Jena

Hans-Georg Kremer
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