26. Juni 2025
Nachruf Frank Finkenstädt
Am 6. Juni 2025 verstarb Frank Finkenstädt nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren in Kassel. Mit ihm verliert der deutsche Orientierungssport einen seiner erfolgreichsten Akteure der Bundesrepublik in den 60er und 70er Jahren. Der OLV Uslar verliert einen Freund und langjähriges Vereinsmitglied. Mit fünf Deutschen Einzelmeistertiteln – damals gab es nur eine Disziplin – zwischen 1969 und 1975 sowie sieben Weltmeisterschaftsteilnahmen zwischen 1968 und 1981 – auch diese wurden zu der Zeit nur alle zwei Jahre mit Langstrecke und Staffel ausgetragen – war Frank einer der prägenden Wettkämpfer in der Frühzeit des bundesdeutschen Orientierungslaufs.
Geboren wurde Frank Finkenstädt am 30 August 1943 in Bad Wildungen und wuchs in Nordhessen auf. Beim KSV Hessen Kassel begann er während seiner Schulzeit mit der Leichtathletik und wurde schnell ein erfolgreicher Mittel- und Langstreckler, auch über Hessen hinaus. Nach Germanistik- und Sportstudium in Göttingen unterrichtete er bis zu seiner Pensionierung in Bad Sooden-Allendorf. Die nordhessische Kleinstadt wurde für ihn zusammen mit seiner ersten Ehefrau Heide auch zum Familienwohnsitz. Aus dieser Ehe, die bis Mitte der 80er Jahre bestand, gingen vier Söhne hervor, Michael (1965), Björn (1968), Frank (1971) und Felix (1978).
Mitte der 60er Jahre lernte Frank in Bad Sooden-Allendorf den Orientierungslauf kennen und war gleich begeistert von dieser noch neuen Sportart. Bei den Deutschen Meisterschaften 1966 in Wellerode bei Kassel (für den KSV Hessen Kassel startend) war er als 23. noch ziemlich hinten zu finden, doch schon schnell stellten sich die ersten Erfolge ein und er schloss sich der OLG (später SSC) Bad Sooden-Allendorf an. Die erste Meisterschaft holte sich Frank im Jahr 1969 in Helsa. Es folgten vier weitere Titel: 1971 in Küstelberg/Sauerland, 1972 in Göttingen, 1974 in Homburg/Saar und 1975, im Jahr des Übergangs des OL vom Skiverband zum Turner-Bund, den DTB-Titel. In seiner langen Elitelaufzeit bis ins Alter von ca. 45 Jahren kamen noch viele weitere Medaillen hinzu, auch zwei Staffelmeisterschaften 1982 und 1985, jeweils zusammen mit Stefan König und Sohn Michael.
Neben der Nominierung zu zahlreichen Länderkämpfen nahm Frank an den Weltmeisterschaften 1968 (Schweden), 1970 (Friedrichroda/DDR), 1972 (CSSR), 1974 (Dänemark), 1976 (Schottland), 1978 (Norwegen) und 1981 (Schweiz) teil. Nur für die WM 1979 in Finnland, als gerade der Wechsel von geraden auf ungerade Jahre stattfand, wurde Frank nicht nominiert. Die Einzelplatzieren lagen bei allen Weltmeisterschaften zwischen Platz 40 (1970) und 49 (1972), das beste Staffelresultat erreichte er 1974 zusammen mit Gerd Heyser, Rainer Breidenich und Bernhard Grosse als Zehnter. Auch noch 1983, mit bereits 40 Jahren, war Frank gemeinsam mit seinem Sohn Michael bei der WM-Qualifikation in Ungarn dabei, schaffte die WM-Nominierung aber nicht mehr. Dafür gelang allerdings der nahtlose familieninterne Generationswechsel, denn der gerade erst 18 jährige und von Frank trainierte Michael konnte sich erstmals für eine Weltmeisterschaft im Erwachsenenbereich qualifizieren.
Als Trainer im SSC Bad Sooden-Allendorf hatte Frank ein gutes Händchen, zahlreiche seiner Schützlinge erreichten deutsches Spitzenniveau und teilweise auch darüber hinaus. Aufgrund seiner bekannten Kompetenz war er auch als Trainer bei mehreren anderen Bundeskaderathlet*innen gefragt.
Ende der 80er Jahre zog Frank zu seiner neuen Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Andrea nach Kassel. Beide schlossen sich am 01.01.1988 dem OLV Uslar an. Es bestanden schon langjährige Freundschaften zu verschiedenen OLVern und auch Michael Finkenstädt und Martin Nolte, dessen Trainer Frank ebenfalls war, starteten bereits seit 1987 für den OLV, was die Gründe zum Wechsel in das nördliche Bundesland Niedersachsen waren.
Die Gründung eines neuen Lebensmittelpunktes mit Kauf eines Einfamilienhauses am Waldrand in Söhrewald-Wattenbach, die Heirat und die Geburt der Kinder Laura (1992), Malte (1994) und Till (1997) legten für Frank den Grundstein zu einem bis zuletzt erlebten glücklichen Familienleben, in dem der OL natürlich weiterhin eine wichtige Rolle spielte. Es gibt in Europa wohl kaum einen Mehrtage-OL, an dem Familie Finkenstädt mit Wohnmobil und lange auch mit Hund nicht schon irgendwann einmal teilgenommen hat. Meistens dann zusammen mit anderen OLV-Familien mit mehreren gleichaltrigen Kindern, unter denen von klein auf noch bis heute dicke Freundschaften bestehen. Auch bei den eigenen Veranstaltungen des OLV Uslar, zu denen u.a. neun 5-Tage-Läufe zählen, war Frank stets eine wichtige, verlässliche und souveräne Stütze in Bahnlegung, -kontrolle etc. und besonders in der Funktion als langjähriger und nicht aus der Ruhe zu bringender Chef des Startteams wird er vielen in Erinnerung bleiben.
Wir werden Frank sehr vermissen und uns immer gerne an die vielen schönen Erlebnisse mit ihm zurückerinnern. Unser Mitgefühl gilt Andrea sowie seinen Kindern und Enkelkindern.
Die Trauerfeier und Beisetzung findet am 27. Juni im engsten Kreis im Ruheforst Kaufungen statt, standesgemäß in einem Waldstück, in dem schon seit 1975 auf Farbkarten OL betrieben wird.