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15. Juli 2026

Licht und Schatten in Genua

Konstantin Kunckel
Sorgte für das beste deutsche Ergebnis, einen hervorragenden 19. Platz im KnockOut-Sprint: Konstantin Kunckel (hier in der Qualifikation zum Einzelsprint)
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Sorgte für das beste deutsche Ergebnis, einen hervorragenden 19. Platz im KnockOut-Sprint: Konstantin Kunckel (hier in der Qualifikation zum Einzelsprint)
Foto: IOF / Kristina Lindgren

Mit der Sprintstaffel im Stadtzentrum Genuas ging am gestrigen Samstag die Weltmeisterschaft 2026 zu Ende. Für das deutsche Team stand insgesamt ein durchwachsenes Ergebnis zu Buche. Erfolgreichste Nation wurde die Schweiz mit zwei Weltmeistertiteln.

Ergebnis:

Einzelsprint

Damen

1. Simona Aebersold (SUI) 15:59 Minuten
2. Pia Young Vik (NOR) +1:11
3. Lucie Dittrichova (CZE) +1:18

Herren

1. Kasper Fosser (NOR) 16:11 Minuten
2. Guilhem Verove (FRA) +0:13
3. Tuomas Heikkila (FIN) +0:18

 

KnockOut-Sprint

Damen

1. Tereza Rauturier (CZE)
2. Karolin Ohlsson (SWE)
3. Pia Young Vik (NOR)

31. Hanna Müller

Herren

1. Guilhem Verove (FRA)
2. Akseli Ruohola (FIN)
3. Isac von Krusenstierna (SWE)

19. Konstantin Kunckel
31. Timon Lorenz

 

Sprintstaffel

1. Schweiz (N. Gemperle, T. Polsini, F. Aebersold, S. Aebersold) 63:14 Minuten
2. Schweden (H. Lundberg, J. Gustafsson, I. von Krusenstierna, K. Ohlsson) +0:20
3. Norwegen (V. Haestad Bjornstad, E. Langedal Breivik, K. Harlem Fosser, P. Young Vik) +0:38

23. Deutschland (M. Guthier, M. Pompe, K. Kunckel, H. Müller) +12:07

 

Bericht:

Einzelsprint

Den Auftakt zu den 42. Orientierungslaufweltmeisterschaften, der dritten reinen Sprint-WM, bildete der Einzelsprint. Es ging nach Sestri Ponente, einen Stadtbezirk Genuas an der Küste westlich der Innenstadt. Technisch anspruchsvolle Strecken warteten auf die Läufer*innen, die durch schmale Gassen, über steile Treppen und durch Parks wie an der Villa Rossi entlangführten. Stilbildend war besonders ein Element, welches im Laufe der Wettkämpfe immer wieder entscheidend wurde: Der Start lag überhöht, mit umso höherem Tempo galt es besonders in den Downhill-Teilen sauber zu orientieren.

Um im Finale am Nachmittag um die Topplatzierungen laufen zu dürfen, musste zunächst eine Qualifikation am Morgen überstanden werden. Ein Platz unter den besten 15 musste her. Für alle sechs deutschen Starter*innen reichte es an diesem Tag nicht. Für die beste Platzierung sorgte Julia Fritz, der auf die Qualifikationszeit als 18. rund 30 Sekunden fehlten. Bei den Herren fehlten dem kurzfristig eingesprungenen Ersatzläufer Anton Silier als 20. rund 45 Sekunden. Dabei brachte die Mehrheit der deutschen Läufer*innen auf den ersten Blick technisch solide Läufe ins Ziel. Es bleibt anzuerkennen, dass das Tempo in diesem Gelände für eine erfolgreiche Qualifikation nicht ausreichte.

Ohne deutsche Beteiligung ging am Nachmittag desselben Tages das Finale über die Bühne. Gelände und Arena blieben dieselben, durch geschickt gesetzte Sperren und einen Fokus auf andere Geländeteile als am Vormittag bot das Bahnlegerteam um Alessio Tenani würdige WM-Bahnen, die den Läufer*innen Konzentration vom ersten bis zum letzten Meter abverlangten. Das Rennen konnte dabei schon vorbei sein, bevor es richtig begonnen hatte: Was zu Posten eins auf den ersten Blick aussah wie eine Routenwahlaufgabe, waren zwei Sackgassen, die zahlreiche Läufer*innen schluckten. Es folgte eine abwechslungsreiche Strecke mit einem Mix aus simplen rechts-links-Routenwahlen für hohes Tempo, komplexeren, weil verwinkelteren Abschnitten, in denen Durchgänge erkannt werden mussten und Routenwahlfehler hart bestraft wurden, sowie simplen Mehrebenenstrukturen. Zusätzliche Aufgabe blieb es, die Bereiche der Karte auszublenden, die für die Aufgabe nicht relevant, trotzdem aber kartiert waren und für künstliche Unübersichtlichkeit sorgten.

Im Rennen der Damen war kein Kraut gegen die Topfavoritin Simona Aebersold (SUI) gewachsen. Technisch höchst präzise und mit einem Tempo, wie es keine ihrer Konkurrentinnen laufen konnte, navigierte sie über die Strecke und sicherte sich ihren ersten großen Einzeltitel im Sprint, an dem sie im Vorjahr in Belgien als große Favoritin noch gescheitert war. Die Silbermedaille ging an die Frau, die sie – damals etwas überraschend – geschlagen hatte: Pia Young Vik (NOR). Auf Simona Aebersold hatte sie im Ziel 1:11 Minuten Rückstand – im Sprint-OL sind das Welten, die eindrucksvoll die Überlegenheit Aebersolds untermauern. Bronze ging an die junge Tschechin Lucie Dittrichova in ihrem ersten Jahr in der Eliteklasse. Bis kurz vor Schluss war sie sogar auf Kurs zu noch Größerem, eine schlechte Wahl auf der letzten langen Routenwahl hin zum Ziel kostete jedoch zu viel Zeit und die Silbermedaille. Nur auf Platz fünf und damit eines der prominentesten Opfer der Sackgassen am Start landete Hanna Lundberg (SWE). Durch diesen Fehler verlor die Siegerin des Auftaktweltcups in der Schweiz bereits zu viel Zeit, die sie im Rennverlauf nicht aufholen konnte.

Nicht ganz so dominant lief der Topfavorit der Herren, Kasper Fosser (NOR). Trotz dass er nie mehr als die dreizehn Sekunden Vorsprung hatte, mit denen er schlussendlich gewann, geriet sein Sieg zu keinem Zeitpunkt ernsthaft in Frage. Neben der norwegischen Extraklasse hatten darauf aber auch die Konkurrenten gehörigen Einfluss, denn Fosser war nicht so überlegen, dass er unschlagbar wäre. Vielmehr schaffte er es im Gegensatz zu vielen seiner Konkurrenten, in jedem Streckenteil ausreichend richtige Entscheidungen zu treffen. Lange auf Augenhöhe war Tino Polsini unterwegs. Der Schweizer ist oft dann besonders gut, wenn viele schnelle Antritte gefragt sind, wie es enge und winklige italienische Hangstraßen erfordern. Fast spiegelbildlich zum Damenrennen wurde auch ihm die letzte lange Routenwahl zum Verhängnis. Im Gegensatz zu dort aber passierte ihm fast noch ein Parallelfehler, sodass er schließlich sogar bis auf Platz fünf zurückfiel, knapp vor Francesco Mariani (ITA), der mit Platz sechs für Begeisterung beim Gastgeberpublikum sorgte. Auf Platz vier lief der als Schnellstarter bekannte Zoltan Bujdoso (HUN), der an diesem Tag vielleicht etwas verhaltener anging als zuletzt und im letzten Streckenabschnitt den Zeitverlust in Grenzen halten konnte. Wie schlagbar Kasper Fosser gewesen wäre, zeigten die beiden weiteren Medaillengewinner… wenn da nicht für beide ein deutlicher Zeitverlust im Anfangsteil gewesen wäre. Zu Rennhalbzeit lagen sowohl Guilhem Verove (FRA) als auch Tuomas Heikkila (FIN) bereits über eine halbe Minute zurück. Bis ins Ziel schafften beide es allerdings, den Rückstand um fast zwanzig Sekunden zu drücken. Verove holte zwölf Sekunden hinter Fosser Silber, weitere sechs Sekunden dahinter gewann Heikkila Bronze. Es zeigt sich einmal mehr: In einem technisch so anspruchsvollen Sprint erwischt niemand einen perfekten Lauf. Es gilt, möglichst oft gute Entscheidungen zu treffen und Zeitverluste damit zu begrenzen.

 

KnockOut-Sprint

Zur Qualifikation für den KnockOut-Sprint ging es am Donnerstagmorgen erneut nach Sestri Ponente. Am Hang des Appennin stand ein technischer Down-Hill-Sprint an, der sich als perfekt für Hanna Müller erwies. Sie qualifizierte sich als fünfte ihres Heats für das KnockOut-Viertelfinale. Auch Konstantin Kunckel und Timon Lorenz schafften als 10. bzw. 11. ihres Heats den Sprung ins Viertelfinale. Schluss in der Qualifikation war dagegen schon für den nominell besten deutschen KnockOut-Sprinter Anselm Reichenbach, der zu viele der zahlreichen Fallen auf der Strecke erwischte. Er war damit nicht allein, denn einige große Namen verpassten die KO-Runden, am prominentesten unter ihnen sicherlich der amtierende Europameister August Mollén (SWE).

Reichlich Drama brachten diese KO-Runden am folgenden Nachmittag. Im Viertelfinale stand nach einem Start im Westteil der Stadt ein Schmetterling an, der es reichlich unübersichtlich machte und gleichzeitig schon für einige Vorentscheidungen sorgte. Als besonders entscheidend erwies sich ein Posten, den einige Läufer*innen unterhalb einer Mauer vermuteten, der aber oberhalb dieser zu finden war, sodass teils mehr als 30 Sekunden verloren gingen. Einige große Namen wie Natalia Gemperle (SUI) oder Ida Haapala (FIN) scheiterten so bereits im Viertelfinale. Auch Simona Aebersold (SUI) sorgte kurzzeitig sicherlich für erhöhten Puls bei ihren Fans: Nach dem zweiten Durchlauf des Schmetterlings bog sie schon auf die Routenwahl in Richtung Ziel ab, bemerkte den Fehler aber noch, drehte um und absolvierte auch ihren dritten Loop noch so schnell, dass sie sich fürs Halbfinale qualifizierte. Für eine Überraschung schon an dieser Stelle sorgte bei den Herren der junge Australier Cooper Horley. Er behielt im Zielsprint gegen den starken KnockOut-Sprinter Joey Hadorn (SUI) die Oberhand und zog mit erst 20 Jahren ins Halbfinale ein.

Für die drei deutschen Starter*innen endete der Wettkampf mit dem Viertelfinale. Platz 19 für Konstantin Kunckel in der Endabrechnung bedeutet gleichzeitig sein bestes WM-Ergebnis bei seiner erst zweiten WM-Teilnahme und zeigt, wozu er im Stande ist. Ausschlaggebend war schlussendlich das höhere Grundtempo, mit dem die drei Kontrahenten vor ihm den Schmetterling absolvierten. Die beiden weiteren Konkurrenten hielt er auf der abschließenden Routenwahl physisch im Schach. 
Timon Lorenz und Hanna Müller beendeten den Wettkampf jeweils auf Platz 31. Besonders im Viertelfinale von Timon war schon im Vorhinein klar, dass es ein mittelgroßes Wunder gebraucht hätte, um sich für die nächste Runde zu qualifizieren, standen doch drei absolute Topfavoriten auf den Weltmeistertitel in diesem Heat. Auch in Hannas Heat machte Favoritin Cecile Calandry (FRA) von Beginn an zu viel Tempo und zerriss das Feld. Hanna sprintete schließlich nur noch um Rang 4 und musste sich dort ihren beiden Kontrahentinnen geschlagen geben.

 

Es wartete ein denkwürdiges Halbfinale auf Athlet*innen und Zuschauende. Wenn auch ohne deutsche Beteiligung verpasste trotzdem jede*r etwas, der dieses Rennen nicht miterlebte. Prunkstück der Strecke: Ein Gebäude mit mehreren Ebenen, was äußerst schwer zu durchschauen war. Natürlich hatten alle Teilnehmer*innen genau diesen Bereich vorbereitet, die Schwierigkeit aber war, dass eine Vielzahl von Ebenen hätte belaufbar sein können, Treppen gesperrt worden waren und beispielsweise in einer kompletten Tiefgarage unter dem Gebäude lediglich zwei schmale Streifen passierbar gemacht wurden. Zusätzlich zeigte sich einmal mehr, wie schwer es ist, schon zwei Ebenen verständlich darzustellen. Dazu kam der Stress eines KnockOut-Halbfinals, in dem fünf Konkurrent*innen ähnlich planlos herumstanden und urplötzlich losliefen, wenn sie eine Lösung gefunden zu haben schienen. Letztlich mussten weite Umwege gelaufen werden – auch damit rechneten sicherlich nicht alle. So dauerte es teilweise über eine Minute, bis die Läufer*innen eine Lösung für diese Routenwahlaufgabe gefunden hatten.

Drama im ersten Halbfinale der Damen: Lucie Dittrichova, Überraschungsbronzemedaillengewinnerin vor drei Tage zuvor, hatte zuerst einen Weg zu Posten fünf gefunden und setzte sich ab – um kurz danach selbst in eine falsche Gasse zu laufen. Simona Aebersold und Eef van Dongen (NED) übernahmen die Führung – bis sie statt die Arenapassage zu nehmen in den Zieleinlauf hineinliefen, weil sie die Markierungen der Pflichtstrecke nicht sahen. Die angebrachte Markierung hätte sicherlich besser sein können, da am Posten umgedreht werden musste, um der Pflichtstrecke zu folgen. Später stellten die Veranstalter ein V-Board auf, um eben dies klarzustellen. Andererseits führte eine Routenwahl zu diesem Posten und die Passage musste später zum Schlussposten hin durchlaufen werden, eine komplette Absperrung war also auch nicht möglich. Ein Protest der beiden Benachteiligten wurde später abgelehnt. Es schien noch nicht genug Drama in diesem Halbfinale: Lucie Dittrichova schien neben Pia Young Vik sicher durch zu sein. Auf der Zielpflichtstrecke ließ sie schon austrudeln und bemerkte nicht, dass Lilly Graber (SUI) von hinten heransprintete und sie in letzter Sekunde noch überholte. 
Drama im zweiten Halbfinale: Sanna Fast (SWE) löste die Routenwahl am schnellsten, alle fünf Konkurrentinnen aber gingen kurz später gemeinsam auf die kürzere Routenoption, sodass alle sechs wieder vereint waren. Fast führte das Feld über einen Großteil der restlichen Strecke, bis sie kurz vor Schluss einen Routenwahlfehler machte. Calandry setzte sich durch eine eigene Routenwahl in Front, dahinter sprinteten Karolin Ohlsson (SWE) und Hedvig Valbjorn Gydesen (DEN) um Platz zwei. Und wie so oft in Zielsprints mit der Schwedin kam es zu Körperkontakt. Gydesen, eingebaut zwischen Calandry und Ohlsson versuchte eine freie Spur zu finden. Sie nahm dabei der Schwedin etwas Platz, die sich ihrerseits vor ihre Konkurrentin warf. Vor dem TV war eine eindeutige Schuldfrage schwer festzustellen, die Jury hatte mehr Material zur Verfügung und entschied: Gydesen wurde disqualifiziert.
Nur bisschen Drama im dritten Halbfinale: Hanna Lundberg (SWE) hatte auf der entscheidenden Routenwahl einen klaren Plan und nur eine kurze Standzeit. Tereza Rauturier (CZE) und Malin Agervig Kristiansson (DEN) hatten den aber auch, sie ließen die Favoritin dieses Heats nicht unbeaufsichtigt. Und weil auch Lundberg die letzte Routenwahl zum Schlussposten nicht gut wählte, konnten beide sich absetzen und ins Finale einziehen.

Die Halbfinals der Herren wurden nicht weniger dramatisch, auch hier bereits im ersten Halbfinale: Hochdekoriert nahezu alle Teilnehmer, fünf von ihnen sind bereits Medaillengewinner bei großen internationalen Meisterschaften auf Eliteniveau. Die Routenwahl sorgte auch hier für eine große Überraschung: Cooper Horley und Guilhem Verove hatten am schnellsten eine Route erkannt und schafften es, dass niemand ihnen folgte. Verove schlug seinen jungen Konkurrenten zwar physisch, der Abstand aber zum restlichen Feld war schon beachtlich. Einzig Tim Robertson (NZL) erkannte ähnlich schnell eine Lösung, war aber zu dem Zeitpunkt schon auf eine längere Option eingebogen. Statt umzudrehen hätte er diese besser durchgezogen, denn so war der Rückstand zu groß, als dass er noch ins Finale eingreifen konnte.
Drama im zweiten Halbfinale: Statt in Führung den Zieleinlauf zu absolvieren, lief Kasper Fosser ein zweites Mal die Arenapassage. Er bemerkte den Fehler zu spät, der große Favorit verpasste das Finale. Zoltan Bujdoso (HUN) profitierte und überquerte als Erster die Ziellinie, feierte… um dann festzustellen, dass er den Posten der Arenapassage nicht gestempelt hatte. Fabian Aebersold hatte eben das schon während des Laufes bemerkt, lief als vermeintlich zweiter Läufer in Wertung ins Ziel, feierte… und wurde disqualifiziert, weil er auf der Routenwahl zu Posten fünf eine Sperrfläche überquert hatte.
Das dritte Halbfinale war regelrecht langweilig gegenüber allem, was zuvor passiert war. Yannick Michiels hatte Posten fünf schnell durchschaut, wirkte dabei aber wohl zu selbstbewusst, denn das gesamte Feld folgte ihm. Im Zielsprint hatte er schließlich keine Chance gegen die jüngeren und verpasste den Einzug in die Runde der letzten sechs.

Nach einem solchen Halbfinale gerieten die beiden Finalläufe fast unspektakulär. Auf ungegabelten Bahnen blieb das Feld zu großen Teilen des Rennens zusammen. Einige Athlet*innen probierten es immer wieder mit eigenen Entscheidungen, die aber größtenteils nur zu Positionsänderungen in der Tram führten. Die Entscheidung im Rennen wurde letztlich physisch herbeigeführt, zentrales Element war der Santa Maria di Castello, ein Hügel südlich der Arena in der Altstadt Genuas.

Im Damenrennen lagen alle sechs Damen bis kurz vor Schluss dicht beisammen, die Entscheidung fiel erst im Zieleinlauf. Lediglich Lilly Graber hatte sich einen kleinen Rückstand eingehandelt: Sie schien physisch nicht so stark wie die Konkurrenz und hielt gerade so die hintere Position der Tram, zum letzten Posten versuchte sie durch eine eigene Route ihr Glück. Als entscheidend erwiesen sich die Positionskämpfe auf dem Weg zum letzten Posten, und wieder war das aggressive Laufverhalten von Karolin Ohlsson entscheidend für den Ausgang: Im Anlauf des Schlusspostens behinderte sie den Ablauf der eigentlich vor ihr platzierten Dänin Malin Agervig Kristiansson, um selbst den Posten stempeln zu können. Erst dadurch entstand die entscheidende Lücke für Tereza Rauturier (CZE), die keine Konkurrentin im Zielsprint mehr schließen konnte. Ohlsson sprintete per Zielfotoentscheid auf den Silberrang, Bronze sicherte sich Pia Young Vik, während Agervig Kristiansson leer ausging.

Auch im Rennen der Herren blieb die Gruppe lange zusammen. Guilhem Verove handelte sich früh einen kleinen Rückstand ein, indem er eine schlechte Route zu Posten drei nahm und musste sich in der Gruppe wieder vorarbeiten. Die Spitze übernahm der junge Cooper Horley, der zeigte, dass er zurecht in diesem Finale stand. Bis zum Kartenwechsel schienen die Konkurrenten zufrieden mit der Situation, erst als auf der folgenden Routenwahl, zu der die Gruppe sich trennte, das Tempo hochgezogen wurde, hatte der Australier zu kämpfen. Auch Timo Suter und Matthieu Perrin fielen durch den Routenwahlfehler zurück, sodass sich ein Dreikampf um den Sieg anbahnte. Etwas Drama hielt aber auch diese Entscheidung noch parat: Isac von Krusenstierna stürzte in Führung liegend über Straßenmobilar, kam zwar sofort wieder hoch, hatte aber zu viel Zeit verloren, um in den Sprint um den Sieg einzugreifen. Ihm blieb Bronze. Die umjubelte Goldmedaille sicherte sich der Franzose Guilhem Verove im Zielsprint vor Akseli Ruohola (FIN).

 

Sprintstaffel

An gleicher Stelle ging es tags darauf zur Sprintstaffel. Sogleich war die Frage, wie groß der Vorteil sein würde, im KnockOut-Sprint tags zuvor gelaufen zu sein und sich an die Gassen gewöhnt zu haben, oder ob dieses harte Rennen bei hohen Temperaturen eher ein Nachteil für die Beteiligten gewesen war. Gegenüber dem Vortag wurden andere Stadtteile durchlaufen. So ging es durch den Park Villetta di Negro, für die Herren ging es hinauf auf den Hügel Castelletto, dessen steile Hänge bergauf wie bergab das Feld weit trennten. Das deutsche Team kam auf einen desolaten 23. Platz, das schlechteste Ergebnis, das bei einer WM-Sprintstaffel seit ihrer Einführung vor zwölf Jahren erlaufen wurde.

Die Startstrecke für das deutsche Team lief Maren Guthier. Sie erwischte dabei einen denkbar schlechten Start. Schon zum ersten Posten lief sie zum falschen Gabelposten, verlor viel Zeit und vor allem die Tram vor sich. Auf dem ersten langen Anstieg schaffte sie es zwar, die Gruppe vor sich wieder aufzulaufen, eine große Spitzengruppe war aber bereits enteilt und nicht mehr einzuholen. Ihre Laufstärke schaffte sie nicht mehr auszuspielen, musste doch zu viel eigenständig orientiert werden, und so verlor das deutsche Team schon auf der Startstrecke fast 2:30 Minuten.
Nicht besser lief es für Marek Pompe auf Strecke zwei. Auch er verlor sich auf dem Weg zu Posten eins in den italienischen Gässchen. In der Folge war auch die Gruppe, die mit ihm gewechselt hatte, enteilt und er lieferte sich auf der Strecke ein Duell mit dem Kanadier Isak Fransson. Auch läuferisch erwischte er nicht den besten Tag und verlor insgesamt fast vier Minuten auf die Abschnittsbestzeit des Österreichers Lukas Novak. 
Für die beste deutsche Leistung des Tages sorgte Konstantin Kunckel auf Strecke drei. Er entledigte sich schnell seines kanadischen Begleiters und lief in der Folge ein sehr einsames Rennen. Die nächsten Konkurrenten lagen bereits über eine Minute in Front und liefen in der Gruppe im gleichen Tempo, ohne Fehler dieser Läufer war ein Herankommen schwer möglich. Gegenüber der Spitze verlor Konstantin trotzdem ebenfalls 2:30 Minuten.
So stand das Ergebnis fast schon fest, bevor Schlussläuferin Hanna Müller auf eine undankbare Schlussstrecke ging. Der einzige Unterschied, den sie gegenüber einem Einzelsprint bemerkt haben dürfte, wird wohl die unbekannte Startzeit gewesen sein, denn ihr einziger Gegnerkontakt passierte im Gegenlauf mit Konkurrentinnen auf einem deutlich späteren Streckenabschnitt. Letztlich hatte sie über vier Minuten Rückstand auf die Streckenbestzeit – dazu sei aber gesagt, dass selbst eine um zwei Minuten bessere Zeit nur einen Unterschied von einem Platz bedeutet hätte.

Das Geschehen an der Spitze bestimmten die üblichen Nationen: Die Schweiz als Titelverteidiger, Schweden als Herausforderer und Norwegen als das Team, das drei der letzten vier Sprintstaffeln gewinnen konnte. 
Für Schweden machte Hanna Lundberg auf der Startstrecke von Beginn an ordentlich Betrieb, sicherlich mit dem Ziel, ihre Konkurrenz unter Druck zu setzen und vielleicht schon eine Lücke zu reißen. Dabei startete sie sogar mit einem Handicap: Weil das schwedische Team vor zwei Jahren infolge eines Fehlstempels aus der Wertung gefallen war, startete sie als 32. in der letzten Startreihe. Bis zum Startdreieck hatte sie diesen Rückstand allerdings schon egalisiert – sowas ist möglich, wenn man denn will. Eine kleine Lücke von zwischenzeitlich fast zehn Sekunden schaffte die Schwedin zu reißen, die Konkurrenz kam bis ins Ziel besonders in Person von Hedvig Valbjorn Gydesen (DEN) wieder bis auf vier Sekunden heran. Im Feld der Favoritenteams passierte ansonsten wenig, lediglich Finnland verabschiedete sich aus dem Rennen um die Medaillen, indem sie sich über eine Minute Rückstand einhandelten.
Strecke zwei gehörte den Herren, und unter ihnen ganz besonders den Norwegern. Eirik Langedal Breivik schloss die achtsekündige Lücke zur Führung schnell und unkompliziert und setzte sich selbst in Front. Beeindruckend war seine Stärke bergauf auf den Castelletto hinauf, noch beeindruckender das Tempo, mit dem er diesen wieder hinunterrannte und nach diesen beiden Posten einen Vorsprung von zwanzig Sekunden hatte. Bis ins Ziel schaffte es die Konkurrenz, diesen Vorsprung wieder zu halbieren, die Ausgangsposition für Kasper Fosser auf Position drei könnte trotzdem nicht besser sein. Streckenbestzeit lief ein eher ungewöhnlicher Name: Lukas Novak brachte die Österreicher nach solidem Start bis auf Platz drei nach vorn.
Auf Strecke drei machte Kasper Fosser das, wofür er bekannt ist, wenn man ihn aus den Augen lässt: Weglaufen. Aus anfangs zehn Sekunden Vorsprung machte er schnell einen dreißigsekündigen Abstand. Symbolträchtig dafür war ein eindrucksvoller Sprung über ein Drängelgitter im Downhillpart. In der Verfolgung setzten sich auf Strecke drei die favorisierten Teams ab – die Schweiz, Frankreich und Schweden wechselten innerhalb von fünf Sekunden.
Die Schlussstrecke schien also denselben Lauf zu nehmen, wie sie in den bisherigen Sprintstaffeln des Jahres ablief. Pia Young Vik würde für Norwegen mit einem souveränen Lauf den Sieg eintüten. Dabei war die Rechnung ohne Simona Aebersold gemacht, die einmal mehr zeigte, dass sie die genuesischen Gassen vollends im Griff hatte. Schon bis zur Hügelkuppe an Posten drei schrumpfte der Vorsprung auf 13 Sekunden zusammen, drei Posten später war die Norwegerin eingeholt. Im Schlepptau hatte Aebersold zusätzlich noch die Schwedin Karolin Ohlsson, während Cecile Calandry für Frankreich eine Lücke hatte reißen lassen. Vik hatte im Kampf um ihre dritte Medaille dieser Weltmeisterschaft keinen guten Tag erwischt, Ohlsson wirkte stärker und sicherte ihrem Team schlussendlich mit der abschließenden Routenwahl Silber.

Hanna Müller Hanna Müller
Hanna Müller qualifiziert sich im KO-Sprint fürs Viertelfinale. Den Wettbewerb beendet sie auf Platz 31.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Hanna Müller qualifiziert sich im KO-Sprint fürs Viertelfinale. Den Wettbewerb beendet sie auf Platz 31.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Timon Lorenz Timon Lorenz
Das Wunder blieb aus, Timon Lorenz musste sich in seinem KO-Viertelfinale geschlagen geben. Er wurde 31.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Das Wunder blieb aus, Timon Lorenz musste sich in seinem KO-Viertelfinale geschlagen geben. Er wurde 31.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Kasper Fosser Kasper Fosser
Kasper Fosser sichert sich den Weltmeistertitel im Einzelsprint.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Kasper Fosser sichert sich den Weltmeistertitel im Einzelsprint.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Siegerinnen Einzelsprint Damen Siegerinnen Einzelsprint Damen
Die Siegerinnen des Einzelsprints der Damen lassen sich von den Zuschauer*innen feiern. Es fehlt Pia Young Vik (NOR), dafür feiert die viertplatzierte Tereza Rauturier (CZE) gemeinsam mit ihrer jüngeren Teamkollegin.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Die Siegerinnen des Einzelsprints der Damen lassen sich von den Zuschauer*innen feiern. Es fehlt Pia Young Vik (NOR), dafür feiert die viertplatzierte Tereza Rauturier (CZE) gemeinsam mit ihrer jüngeren Teamkollegin.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Guilhem Verove Guilhem Verove
Die Freude muss raus: Guilhem Verove (FRA) bejubelt den Weltmeistertitel im KO-Sprint.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Die Freude muss raus: Guilhem Verove (FRA) bejubelt den Weltmeistertitel im KO-Sprint.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Tereza Rauturier Tereza Rauturier
Allein auf dem Weg zum WM-Titel: Tereza Rauturier gewinnt den KO-Sprint.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Allein auf dem Weg zum WM-Titel: Tereza Rauturier gewinnt den KO-Sprint.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Cooper Horley Cooper Horley
Kann es selbst kaum fassen: Cooper Horley (AUS) steht mit 20 Jahren überraschend, aber verdient im Finale des KnockOut-Sprints.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Kann es selbst kaum fassen: Cooper Horley (AUS) steht mit 20 Jahren überraschend, aber verdient im Finale des KnockOut-Sprints.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Moment of Truth Moment of Truth
Ein "Moment of Truth": Die Halbfinalteilnehmer*innen versuchen, die anspruchsvolle Verbindung zu Posten 5 schnellstmöglich zu lösen.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Ein "Moment of Truth": Die Halbfinalteilnehmer*innen versuchen, die anspruchsvolle Verbindung zu Posten 5 schnellstmöglich zu lösen.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Sprintstaffelweltmeister*innen Sprintstaffelweltmeister*innen
Die Schweiz verteidigt den Weltmeistertitel in der Sprintstaffel: Tino Polsini, Natalia Gemperle, Simona & Fabian Aebersold.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Die Schweiz verteidigt den Weltmeistertitel in der Sprintstaffel: Tino Polsini, Natalia Gemperle, Simona & Fabian Aebersold.
Foto: IOF / Kristina Lindgren

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