06. Juli 2025
JWOC Staffel
Schweiz und Schweden heißen die neuen Juniorenweltmeister in der Staffel. Für die deutschen Staffeln gab es ein durchwachsenes Ergebnis. Das Top10-Ziel wurde verfehlt, es gab durchaus gute individuelle Leistungen.
Ergebnis
Damen
1. SUI (H. Radzikowski, K. Hotz, S. Sannwald) 110:13 Minuten
2. SWE (S. Hordegardh, A. Bjork, F. Herne) +2:54
3. CZE (V. Vyziblova, B. Stryckova, K. Stepova) +3:30
11. (13.) GER (M. Fritz, J. Fritz, L. Pompe) +15:46
Herren
1. SWE (L. Rosen, W. Selin, H. Mogensen) 106:09 Minuten
2. SUI (D. Baumberger, C. Müller, L. Berger) +0:02
3. CZE (P. Tomasek, E. Heczko, D. Bolehovsky) +2:41
Disq. GER (D. Saupe, T. Buchberger, L. Dequiedt)
Keine 24 Stunden nach der Entscheidung über die Mitteldistanz ging es am Donnerstag um die Medaillen in der Staffel. Das Gelände war schnell, auf gar zu schwierige Posten verzichtete der Veranstalter – es sollte ein schnelles und enges Rennen werden.
Bei den deutschen Herren lief David Saupe eine hervorragende Startstrecke. Er schaffte es in der ersten Verfolgertram mitzulaufen. Die drei Teams aus Tschechien, Norwegen und der Schweiz konnten sich früh nach vorn absetzten. Schweden verpasste die Führungstram durch eine langsamere, direktere Route zu Posten fünf. Kurz vor der Sichtstrecke hatte David etwas Pech mit einer längeren Gabelung, konnte aber wieder an die Tram heranlaufen. Im Ziel lag er in der langgestreckten Gruppe rund eine Minute hinter der Führung, die vom Schweden Max Oesterberg angeführt wurde und erst auf den laufbetonten zwei letzten Posten etwas auseinanderfiel. Neben den üblichen Verdächtigen in dieser Tram – Finnland und Frankreich – waren auch zwei Überraschungen dabei: Litauen und besonders Belgien. Von den Podiumsanwärtern verpasste lediglich Ungarn den Sprung in diese Gruppe. Sieger der Startstrecke wurde der Tscheche Adam Zridkavesely, allerdings für das nominell etwas schwächere Team Tschechien 2. Ihm folgten mit geringem Abstand David Baumberger (SUI) und Sondre Olaussen (NOR). Die Schweizer wurden ihrer Favoritenrolle damit gerecht, die norwegischen Herren zeigten sich in der Staffel erwartungsgemäß deutlich stärker als in den Tagen zuvor.
Als zweiter deutscher Läufer ging Till Buchberger an Position zwölf ins Rennen. Seine Stärken liegen besonders im technischen Bereich, weshalb ihm diese läuferische Strecke nicht so gut liegen sollte. Er verlor schnell die Verfolgertram, fand sich aber wenige Posten später bereits in der nächsten großen Gruppe wieder, die er dank der kurzen Gabelungsvariante an Posten 13 halten konnte. Im Ziel lag er auf Platz 23, rund fünf Minuten hinter der Führung. Diese hatte nach Strecke zwei Norwegen mit Kristoffer Stromdal Wik inne. An Posten vier profitierte er gemeinsam mit seinem Schweizer Begleiter von einer längeren Gabelung des führenden Tschechen, sodass beide aufschließen konnten. Auch Finnland mit Aapo Virkajarvi und der Schwede Wilmer Selin konnten sich heranarbeiten und dank einer kürzeren Gabelung an Posten 13 den Anschluss schließlich herstellen. Als fünfköpfige Gruppe ging es auf die Schlussrunde, auf der Virkajarvi schließlich noch reißen lassen musste. Erwähnenswert etwas weiter hinten: In der zweiten großen Gruppe etwa drei Minuten zurück lagen neben den Gastgebern aus Italien als Überraschungen die Ukraine und Belgien 2.
Hochmotiviert startete Loic Dequiedt als Schlussläufer der deutschen Staffel ins Rennen. Er machte sich an eine Aufholjagd – nicht gegenüber der Spitze, doch er sammelte seine direkte Konkurrenz einen nach dem anderen auf und setzte sich nach einem Renndrittel gemeinsam mit Estland sogar von der Gruppe ab. Am vorletzten Posten passierte dann das Unglück. Loic kontrollierte die Ablaufrichtung nicht ausreichend und lief fast 90 Grad falsch vom Posten weg. Eine große Tram von Konkurrenten zog vorbei und im Stress, den Zeitverlust so gering wie möglich zu halten, vergaß er den letzten Posten am Eingang der Zielpflichtstrecke zu stempeln.
Der Kampf um den Sieg sollte sich zwischen drei Staffeln entscheiden: Jonas Fenne Ingjerd für die führenden Norweger, Hannes Mogensen für Schweden und den Schweizer Loic Berger. Als erstes fiel der Norweger zurück, nachdem er Posten fünf minimal verfehlte. Und bald darauf kam es für ihn noch schlimmer: In der Postensequenz von sieben bis neun lief er den letzten dieser aufgereihten Posten nicht mehr an, Norwegen war aus dem Medaillenrennen raus. Ab dem Zeitpunkt spielte Loic Berger (SUI) seine Physis und die kürzere Gabelung zu Posten 13 perfekt aus, schnell hatte er fast 45 Sekunden Vorsprung. Am Arenadurchlauf ein kurzer Schock für Team Schweden: Mogensen wollte vom Sichtposten direkt zum nächsten Posten orientieren, anstatt die Sichtstrecke zu absolvieren. Die aufgeregten Rufe des Teams ließen ihn seinen Fehler realisieren und er drehte um. Und an Posten 17 liefen auch die beiden Führenden wieder zusammen, denn Berger suchte im Postenraum. Es kam zum Zielsprint, den Mogensen knapp für sich entschied. Und auch um Platz drei gab es eine enge Entscheidung. Daniel Bolehovsky (CZE 1) arbeitete sich an das Team aus Finnland und CZE 2 heran und hatte im Schlussspurt ab Posten 20 das höchste Tempo. Die Überraschung verpassten hingegen die Belgier. Lange konnten sie sich im Kampf um Platz fünf behaupten, doch auf den letzten Metern waren Mitteldistanzjuniorenweltmeister Marton Csoboth (HUN) und der Franzose Antoine Derlot zu stark und Belgien verpasste das Podium knapp.
Die Startstrecke der deutschen Damen lief Marlene Fritz. Technisch kam sie recht sicher durch, doch läuferisch verlor sie viel Zeit. Das zeigte sich schon auf der langen Wegstrecke in Richtung des ersten Postens. Während Teamkollegin Annika Stamer, die für ein Mixed-Team lief, den Anschluss an die Verfolgertram schaffte und lange vorn dabei war, fand sich Marlene in der Tram dahinter wieder. Bis ins Ziel verlor sie mehr als zehn Minuten auf die Spitze. Besser lief es für Annika. Bis zu einem geringfügigen Parallelfehler an Posten 8 war sie in der ersten großen Gruppe dabei, erst im Schlussteil ging die Lücke zu den besten nach und nach auf.
In der Führung setzten sich schnell die großen Favoriten ab: Für Tschechien Hana Vitkova, dazu die Schweiz. Nicht aber die erste Schweizer Staffel mit Henriette Radzikowski, die nach der längeren Gabelungsvariante an Posten neun rund eine Minute Rückstand hatte, sondern Rahel Good für Schweiz 2. Zu diesem Zeitpunkt allerdings war den favorisierten Tschechinnen allerdings schon ein kostspieliger Fehler passiert, der bereits die norwegischen Männer zuvor gekostet hatte: Vitkova querte das Tal nach der Postensequenz 4-6 zu früh und stempelte Posten 6 nicht. Früh schon lief alles für die Eidgenössinnen. Im Kampf ums Podium hinter Good (SUI 2) folgte Radzikowski (SUI 1) und dahinter im Sekundenabstand die Staffeln aus Lettland, Schweden und Norwegen, letztere mit Sigrid Schmitt Gran, Tochter der bisher einzigen deutschen WM-Medaillengewinnerin Frauke Schmitt.
Für Julia Fritz ging es als zweite Läuferin also darum, Plätze gutzumachen. Das klappte mit ihrem besten Waldrennen der Wettkampfwoche. Von Platz 39 aus lief sie insgesamt zwanzig Plätze auf und ließ Konkurrentin um Konkurrentin hinter sich zurück. Auf die Führung verlor sie zwar über drei Minuten, dort enteilte allerdings die Schweiz der gesamten Konkurrenz.
Mit Tschechien außer Wertung – Viktorie Skachova hatte mit rund einer Minute Vorsprung keinen Einfluss auf die Konkurrenz – wurden die Schweizerinnen ihrer Rolle vollkommen gerecht. Nach einer unnötigen, routenwahlbedingten Dickichtquerung zu Posten vier hatte Kati Hotz zwar etwas Rückstand angesammelt, rang sie die Konkurrentinnen auf der Schlussrunde physisch nieder und übergab mit fast 1:30 Minuten Vorsprung auf Schlussläuferin Seline Sannwald. Im Kampf um Platz zwei befanden sich Schweden und Norwegen, gemeinsam mit ihnen lief als „Absicherung“ Schweiz 2. Finnland und das zweite tschechische Team hatten bereits weitere 90 Sekunden Rückstand.
Die angepeilte Top10-Platzierung in der Nationenwertung schien schon außer Reichweite, als Lone Pompe als 19. die Schlussstrecke für die deutsche Staffel in Angriff nahm. Und mit der fünftschnellsten Schlussstrecke aller Staffeln schaffte sie die Grundlage, sich doch noch Hoffnung zu machen. Nachdem sie zu Rennbeginn allein eine Reihe Konkurrentinnen einsammelte, war sie auf der zweiten Hälfte der Strecke in großer Gruppe unterwegs. Erst nach der Sichtstrecke konnte sie die Tram auseinanderlaufen und lief als 11. Nation über die Ziellinie. Die zehntplatzierten Britinnen waren mit mehr als 2:30 Minuten Abstand doch zu weit weg.
An der Spitze nahm Seline Sannwald die Schlussstrecke für die Schweiz in Angriff. Die Juniorenweltmeisterin im Sprint hatte noch eine Rechnung mit Staffeln offen. Ihre Hauptkonkurrentin direkt hinter ihr hatte ebenfalls schon JWOC-Gold in diesem Jahr gewonnen: Freja Hjerne (SWE) ist Juniorenweltmeisterin über die Langdistanz. Auch die Norwegerin Ingeborg Roll Mosland konnte schon gute Ergebnisse aufweisen, ging allerdings angeschlagen in das Finale. Der Vorsprung sprach für Sannwald, doch Hjerne startete stark. Durch kürzere Gabelungsvarianten, besonders aber gute Routenwahlen, konnte sie den Vorsprung auf 40 Sekunden verkürzen. Zu Posten acht fiel bereits die Vorentscheidung: Hjerne wählte eine Route zu tief im Hang und verlor die aufgeholte Zeit bereits wieder. Mit über zwei Minuten Vorsprung war Sannwald uneinholbar. Dahinter aber wurde es dramatisch. Zunächst um Bronze, denn Roll Mosland verlor auf einer schlechten Routenwahl zum achten Posten ebenfalls entscheidend an Zeit, Eeva Liina Ojanaho (FIN) und Katerina Stepova (CZE) zogen vorbei. Ojanaho schickte sich sogar an, zu Hjerne aufzuschließen, ihr Anlauf zu Posten 10 geriet zu ungenau, dass es von Erfolg gekrönt sein könnte. Dann wurde es auch um Silber dramatisch. Hjerne lief am Sichtposten vorbei. Ihre Teamkolleg*innen versuchten sie auf den Fehler aufmerksam zu machen, erst als ein Teammitglied sie festhielt, bemerkte sie ihren Fehler und kehrte um. Ein anschließender Protest der anderen Teams gegen diesen Eingriff von außen wurde später abgelehnt. So sicherte sich Tschechien im Zielsprint die Bronzemedaille. Beeindruckend war auch die Aufholjagd um Platz sechs: Rita Maramarosi war für Ungarn fast zwei Minuten schneller als alle Konkurrentinnen auf der Schlussstrecke und lief noch von Nationenplatz 12 aus nach vorn.
Erwähnt werden sollte auch die Tschechin Lucie Dittrichova. Nach dem Fehlstempel ihrer Teamkollegin trat sie zur Schlussstrecke mit der Begründung nicht mehr an, das Rennen um den Sieg nicht beeinflussen zu wollen.
Mit der Staffel geht eine anstrengende JWOC-Woche zu Ende. Das deutsche Team kann ein positives Fazit ziehen. Mit Platz 10 im Nationenranking und einer Reihe ansprechender Einzelresultate war diese Juniorenweltmeisterschaft durchaus erfolgreich. Natürlich hofft jede*r Athlet*in zur JWOC perfekte Läufe zu zeigen. Letztlich gehören kleine Fehler und Ungenauigkeiten immer zum OL dazu. Besonders im Damenteam war es für den Großteil des Teams die letzte JWOC. Für sie gilt es den Sprung in die Elite zu schaffen, im August nehmen sie teilweise bereits an der Qualifikation zur Elite-EM teil. Bei den Herren sind unter anderem Loic Dequiedt und David Saupe, die beide zu Teilen starke Leistungen zeigten, im nächsten Jahr in Schweden wieder dabei.
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