07. Juli 2024
JWOC Mitteldistanz
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Platz 22 für Julia Fritz und ein solides Teamergebnis über die Mitteldistanz sorgte für ein positives Fazit zum Abschluss der Einzelwettkämpfe bei der diesjährigen JWOC. Die Tschechen feierten einen Doppelsieg durch Lucie Dittrichova bei den Damen und Jan Strycek bei den Herren.
„Fast and Furious“ ist wohl eine treffende Beschreibung der Strecken für die JWOC Mitteldistanz. Der Wald war unglaublich offen und schnell belaufbar. Hauptsächlich waren es moosbewachsene Kiefern- oder Tannenwälder, an manchen Stellen machte Heidelbeerkraut den Boden tiefer. Die Sicht aber war fast überall weit. Mäßig viele Höhenmeter kamen hinzu. Charakteristisch für das Gelände waren tief eingeschnittene Gräben zwischen den Flachpassagen. Verwundene, kleine Seitentäler sorgten für schwierigere Posten. Kompass und Richtungskontrolle bei hohem Tempo einerseits, im richtigen Moment das Tempo rausnehmen und in den FeinO-Modus wechseln, darauf kam es an.
Am besten im deutschen Team klappte das bei Julia Fritz, die von einem schnellen und technisch sauberen Lauf berichtete. Nur durch eine Routenwahl zu Posten 5 verlor sie einige Sekunden, als sie auf den Weg hinauslief. Vielleicht aber waren dies auch sinnvoll invenstierte Sekunden, um nach den ersten Posten noch einmal kurz den Kopf ausruhen zu können. Auf Siegerin Lucie Dittrichova hatte Julia im Ziel 4:26 Minuten Rückstand. Starke Läufe zeigten auch Lone Pompe und Anne Kästner auf den Plätzen 36 und 37. Lone berichtete von einem flüssigen und fehlerfreien Lauf, sie war vielleicht sogar noch ein bisschen schneller als Julia unterwegs, verlor allerdings gleich zum Start an Posten zwei einige Sekunden.
Bester deutscher Herr wurde einmal mehr Florian Nagel. Er wurde 48., sein Rückstand auf Sieger Strycek betrug mit 4:42 Minuten nur wenig mehr als jener Julias bei den Damen. Es ist bezeichnend dafür, wie eng das Herrenfeld ist, dass er damit zwanzig Plätze weiter hinten liegt. Florian sprach im Ziel von einem optimalen Lauf. Nur minimale Zeitverluste von vielleicht fünf Sekunden passierten ihm. Dass kein besseres Ergebnis herauskam, lag an der zu geringen Laufgeschwindigkeit, die zu verbessern die Aufgabe der nächsten Zukunft ist. Insgesamt bilanzierte er, dass die Mitteldistanz für ihn, der eher über die Technik kommt, zu leicht und laufbetont war. Die anderen deutschen Herren lagen eine gute Minute weiter zurück zeitlich dicht beisammen.
Das Rennen der Herren durfte vor heimischem Publikum ein Tscheche eröffnen. Tomas Urbanek war erster Starter und konnte gleich eine Zeit deutlich unter dreißig Minuten anbieten. Die Führung hielt eine ganze Weile, bis zunächst Joschi Schmid (SUI) und später Mathias Lataste (FRA) noch stärkere Zeiten anboten. Der Franzose durfte mehr als zwei Stunden im Leader’s Chair verbringen, bevor eine Reihe spätgestarteter Läufer ihn doch noch unterboten. Der Norweger Alfred Bjoerneroed zunächst, dessen Lauf fast perfekt war. Die Zeit von 26:39 Minuten schien kaum schlagbar. Zwei der letzten Starter bewiesen aber, dass es noch möglich war. Der Tscheche Jan Strycek lief wie auf Schienen, ein Lauf kann kaum besser gelingen. Entsprechend feierten ihn die tschechischen Zuschauer*innen im Ziel. Er ließ sich sogar zu einem „Dive“ über die Ziellinie hinreißen – hoffentlich würde sich das nicht rächen. Denn der bereits zweifache Goldmedaillist der diesjährigen JWOC, Matthieu Bührer aus der Schweiz, war noch im Wald. Und er zeigte, wo sich noch Zeit finden ließ: Im ersten Grabensystem, speziell zwischen Posten 3 und 5. In diesem Abschnitt mussten eine Reihe Gräben gequert werden, und er distanzierte Strycek auf einer Verbindung um 10, Bjoerneroed gar um 20 Sekunden. Strycek aber lief minimal stärker, an Posten 16 lagen sie wieder gleichauf. Dann aber kam die Entscheidung. Bührer verlor im Dickicht zu Posten 17 durch eine geringfügige Richtungsabweichung etwa dreißig Sekunden. So wurde es Gold für den Tschechen, Bührer verpasste den Sieg, Bjoerneroed errang Bronze.
Das Damenrennen war einmal mehr eine Demonstration der Stärke durch Lucie Dittrichova (CZE). Im Ziel hatte sie über eine Minute Vorsprung auf ihre Teamkollegin Viktorie Skachova, die sich jedoch nur hauchdünn um 4 Sekunden gegenüber Bronzemedaillengewinnerin Alma Svennerud (SWE) durchsetzte. Wie stark Dittrichova war, zeigt sich im Vergleich mit der Superwomanzeit: Nur ein einziges Mal verlor sie mehr als 10 Sekunden, im gesamten Lauf betrug der Rückstand auf die Superwomanzeit genau eine Minute. Perfekter geht fast nicht. Es gab an diesem Tag andere, die das Tempo gehabt hätten, ihr gefährlich zu werden. Die erst 18-jährige Janka Mikes (HUN) beispielsweise zauberte einen starken Start in den Wald, im Grabensystem zu Posten drei verlor sie aber durch einen Richtungsfehler über eine Minute. Alma Svennerud war lange erste Verfolgerin Dittrichovas, schien aber auf dem Weg zu Posten 8 einen der vielen, parallelen Gräben auf der Karte nicht wahrgenommen zu haben und suchte zu früh. Auch für sie 30 Sekunden Zeitverlust, es blieb der Kampf ums Podest.
Nach dem tschechischen Dreifachsieg über die Langdistanz besetzten die Tschechinnen diesmal die obersten beiden Stufen des Podests. Sollte das nun erneut ein Stärkebeweis sein und den Status der Tschechinnen als Topfavoritinnen auf Staffelgold festigen? Oder war es ein Hoffnungsschimmer für die Konkurrenz, dass die drei Tschechinnen nicht unschlagbar waren und eine Überraschung in der Staffel möglich war? Wir werden sehen…