08. Oktober 2026
Höhenmeter zum Jahresabschluss – die DM Lang
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In Oberbärenburg bei Altenberg fand im Erzgebirge am vergangenen Wochenende die DM Lang traditionsgemäß als nationaler Saisonabschluss statt. Physisch fordernde Bahnen mit reichlich Höhenmetern sorgten für würdige Titelkämpfe. In den Eliteklassen gewannen Emma Louise Arnesen (OSC Kassel) und Ole Hennseler (MTV Seesen). Beim Deutschland-Cup am Sonntag stand einmal mehr der Post SV Dresden in allen Klassen zuoberst.
Was zu erwarten war, verriet schon ein Blick auf die Bahndaten. Höhenmeter satt, dazu kamen lange Bahnen; eine Langdistanz eben. Ein Blick auf die alte Karte bereitete zusätzlich auf das vor, was kommen würde: Quer durch das Laufgebiet zog sich ein mehr als 100 Höhenmeter tiefes Tal, welches die allermeisten Altersklassen wohl auf der ein oder anderen Route durchqueren müssten.
Unter diesen Bedingungen bot Bahnleger Franz Gawlitza eine abwechslungsreiche Strecke an. Kurze Posten, bei denen es auf präzise Kompassarbeit ankam, wechselten mit längeren und langen Verbindungen, die einige Routenwahlaufgaben stellte. Nicht immer war die Direktroute die beste Option, besonders im Anfangsteil lohnte es sich, Höhenmeter zu sparen und die Seitentäler zu umlaufen. Auch die Belaufbarkeit variierte – schneller, moosiger Nadelwaldboden und Heidelbeersträucher wechselten sich ab. Prunkstück der Bahn war die erwartete lange Routenwahl über das Tal – in der Herrenelite mussten bei 20 Minuten Laufzeit und mehr über 200 Höhenmeter am Stück absolviert werden. Dabei gab es nicht die klassischen eindeutigen Optionen, zwischen denen abgewogen werden musste, es gab vielmehr eine Vielzahl kleiner Variationen zwischen mehreren Laufwegen.
Sowohl in der Eliteklasse der Damen als auch bei den Herren gab es überlegene Favoritensiege. Die Damenkonkurrenz gewann Emma Louise Arnesen, langjährige Lebenspartnerin von Nationalläufer Bojan Blumenstein und seit diesem Jahr für den OSC Kassel startberechtigt. Im Ziel hatte sie fast 13 Minuten Vorsprung. Sie präsentierte sich vom Start an physisch überlegen in einem durch krankheitsbedingte Ausfälle reduziertem Starterinnenfeld. Als einzige der Topläuferinnen nahm sie eine eigentlich etwas schlechtere Route durchs Tal, und während ihre Konkurrenz höhenmetersparend umlief, baute sie den Vorsprung schnell drei Minuten aus. Ab Rennhalbzeit wuchs der Vorsprung schließlich physisch bedingt weiter an. Der Kampf um die weiteren Medaillen dagegen blieb bis zuletzt spannend. Schon zu Posten eins verlor Hanna Müller (Gundelfinger Turnerschaft) zwei Minuten und startete in der Folge eine Aufholjagd. Vor ihr lagen Marlene Fritz (OL-Team Filder) und Patricia Nieke (USV TU Dresden). Während Nieke am Ende der langen, harten Strecke Tribut zollen musste, blieb der Kampf um Silber lange spannend, und erst eine falsche Routenwahlentscheidung der jungen Schwäbin im letzten Renndrittel brachte Müller den entscheidenden Vorteil.
Mit fast acht Minuten Vorsprung entschied Ole Hennseler (MTV Seesen) die Konkurrenz der Herrenelite für sich. Konnten zu Beginn noch die beiden Dresdener Marek Pompe (SV Robotron Dresden) und Matthias Kretzschmar (Post SV Dresden) seinen Zwischenzeiten folgen, so baute er den Vorsprung technisch äußerst präzise bis auf drei Minuten zu Beginn der langen Routenwahlverbindung aus. Diesen Vorsprung verwaltete er souverän, vergrößerte ihn in der Folge sogar noch und ließ spätestens, als er im letzten Renndrittel Nationalteamkollege Timon Lorenz (OLG Regensburg) auflief, keine Zweifel aufkommen, dass er seinen Titel verteidigen würde. Auch bei den Herren blieb der Kampf um die weiteren Medaillen spannend, ein Vierkampf bahnte sich an, bei dem Matthias Kretzschmar durch einen Fehler kurz vor der Routenwahlverbindung zunächst ins Hintertreffen geriet. Dafür setzte sich Matti Bruns (MTK Bad Harzburg) mit einer technisch soliden Leistung auf die zwischenzeitliche Silberposition. Durch eine schlechte Ausführung auf der zweitlängsten Routenwahlverbindung des Tages, eigentlich die etwas bessere Option, vergab er diesen Vorsprung allerdings, der Blick ging in der Folge eher nach hinten. Auf Silber setzte sich Marek Pompe ab. Für die restliche Strecke lagen Bruns und Lorenz nahezu gleichauf, erst kurz vor dem Ziel fiel die Entscheidung zugunsten des Harzburgers.
Dass ein Deutschland-Cup nicht ohne eine gewichtige Rolle des Post SV Dresden vonstattengehen kann, zeigt ein Blick in die nähere Vergangenheit. In Spitze und Breite bringen sie die besten Voraussetzungen mit, Topteams zusammenzustellen. Die Postler wurden ihrem Ruf gerecht, sämtliche Entscheidungen des Tages – sogar die Rahmenklassen – entschieden die Gelben zu ihren Gunsten.
Für würdige Bahnen sorgte an diesem Sonntag Bahnleger Tilo Pompe, und für die Atmosphäre das Wetter. Als über achtzig Staffeln um halb zehn in den Wald starteten, lag noch ein dichter Nebelschleier über Oberbärenburg, sorgte für eingeschränkte Sicht und etwas mystisch angehauchte Stimmung im Wald – wahrscheinlich wohl trotzdem allen lieber als der letzte Besuch einer DM in Altenberg 2013.
Die Startstrecke war an der Spitze lange umkämpft und sorgte für einen überraschenden Startstreckensieger. Vom OK Mark Brandenburg lief Henning Kapischke die schnellste Zeit, knapp vor Nachwuchsläufer Moritz Kuntze (USV Jena). Für die favorisierten Postler kam Leif Bader mit der Spitzengruppe zurück. Tomi Kääriäinen dagegen verlor für den als Hauptkonkurrenten auserkorenen USV TU Dresden schon über vier Minuten – ein Richtungszeig für den weiteren Verlauf der Staffel.
Auf Strecke zwei setzte sich Gustav Bader zunächst von der restlichen Spitzengruppe ab und war in der Folge allein für den Favoriten an der Spitze unterwegs. Er blieb allerdings nicht fehlerfrei, durch eine Unkonzentriertheit bot er seinen Verfolgern die Möglichkeit, die Lücke zu verkleinern. Das taten besonders Aiko Klein (USV TU Dresden) und Holger Mager (Post SV Dresden II). Bestzeit auf der Strecke lief Arthur Klotz für den SV Robotron Dresden. Eine Vorentscheidung gab es auch zuungunsten des MTK Bad Harzburg, der auf dieser Strecke zu viel Rückstand kassierte, als dass später noch einmal ins Medaillenrennen einzugreifen war.
Die kurze Strecke drei gehört traditionell der Jugend. Die Bestzeit lief Selma Drechsler für das Topteam, Erik Bruns brachte den MTK Bad Harzburg in Reichweite einer Top6. Der USV TU Dresden griff auf Punkte aus den höheren Altersklassen zurück, es fehlte die Spritzigkeit, die unser Nachwuchs auf solch einer Strecke mitbringt.
Auf inzwischen zehn Minuten Vorsprung vergrößerte Andreas Lückmann die Lücke auf Strecke vier. Auch er lief Abschnittsbestzeit, sodass der Sieg für den Post SV nur Formsache schien. Zusätzlich war auch der zweite Platz fest in Händen der Gelben, Jens Leibiger brachte Team Post II noch vor den Stadtrivalen zum Wechsel. Direkt hinter dem Podest lag ein Überraschungsteam: Die Berliner Turnerschaft.
Während Matthias Kretzschmar auf der Schlussstrecke mit einem sicheren Lauf den Sieg eintütete, brachten zwei Entscheidungen dahinter Spannung. Im Kampf um Platz zwei machte sich Wieland Kundisch auf die Jagd nach Philipp Müller, während Matti Bruns und Jugendläufer Louis Antoine Krüger einerseits um Platz vier kämpften, gleichzeitig aber sicher auch auf Fehler der Konkurrenz hofften. Letzteres trat nicht ein, und so überholte Kundisch mit Abschnittsbestzeit noch seinen Konkurrenten und damit Silber für den USV TU Dresden. Bis zuletzt spannend blieb dafür der Kampf um Platz vier, denn Louis Krüger zeigte eine bärenstarke Leistung, blieb bis ins Ziel am Elitebronzemedaillist des Vortages dran und musste sich erst auf den letzten Metern geschlagen geben.
Auch im Schüler-Cup war der Post SV Dresden das Maß aller Dinge. Mit gut zwei Minuten Vorsprung gewannen nach etwas über einer Stunde Laufzeit Johanna Wiedenfeld, Lotte Richter, Oskar Krüger und Merle Richter vor dem OLV Steinberg. Platz drei und damit Bronze ging gut fünf Minuten hinter dem Siegerteam an den USV TU Dresden.
Den Auftakt des Wochenendes machte ein Sprint mit Wertung zur Deutschen Park Tour. In Altenberg, unterhalb des Großen Galgenteiches, konnte man in Laufentfernung zum Massenquartier am Wohngebiet bei erhöhter Wertigkeit wichtige Punkte sammeln. Zwischen Mehrfamilienhäusern und einigen Wiesenflächen rund um den Campingplatz bot Emil Friedländer kurzweilige Strecken zum Beine ausschütteln an. Ein paar Höhenmeter zur Akklimatisierung standen dabei ebenso auf dem Programm wie einige künstliche Sperren, die auch zwischen jenen freistehenden Mehrfamilienhäusern interessante Routenwahlen boten. Wer schon durch den Sprint auf Temperaturen gekommen war, konnte im Naturbad direkt am Ziel für schnelle Abkühlung sorgen – auch wenn das bei abendlich kühlen Temperaturen und mit Sonnenuntergang aufziehendem Nebel vielleicht nicht jedermann*fraus Sache war.
Ergebnis:
DM Lang – Damen Elite
1. Emma Louise Arnesen (OSC Kassel) 85:19 Minuten
2. Hanna Müller (Gundelfinger Turnerschaft) +12:46
3. Marlene Fritz (OL-Team Filder) +13:56
DM Lang – Herren Elite
1. Ole Hennseler (MTV Seesen) 99:29 Minuten
2. Marek Pompe (SV Robotron Dresden) +7:37
3. Matti Bruns (MTK Bad Harzburg) +10:04
Deutschland-Cup
1. Post SV Dresden (L. Bader, G. Bader, S. Drechsler, A. Lückmann, M. Kretzschmar) 131:10 Minuten
2. USV TU Dresden (T. Kääriäinen, A. Klein, H. Gossel, K. Uiboupin, W. Kundisch) +10:11
3. Post SV Dresden (F. Burghardt, H. Mager, M. Richter, J. Leibiger, P. Müller) +11:50
Schüler-Cup
1. Post SV Dresden (J. Wiedenfeld, L. Richter, O. Krüger, M. Richter) 60:13 Minuten
2. OLV Steinberg (O. Nakonechna, V. Hinkel, Q. Hinkel, Y. Gez) +2:32
3. USV TU Dresden (O. Kääriäinen, M. Müller, M. Trilca, K. Jobke) +5:40
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