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01. Oktober 2022

Gelungener JEC-Auftakt in Blankenburg

Konsti Haertelt
Konstantin Kunckel im Zieleinlauf beim JEC-Sprint
Foto: Daniel Härtelt
Konstantin Kunckel im Zieleinlauf beim JEC-Sprint
Foto: Daniel Härtelt

Mit Platz drei im JEC-Sprint (Juniors European Cup) konnte Jule Roßner ein Ausrufezeichen vor heimischer Kulisse setzen – trotz Start in der älteren Juniorinnenkategorie. Mit einer geschlossen starken Teamleistung machten auch die Herren in der H20 auf sich aufmerksam. Freuen konnte sich auch das Team beim zeitgleich stattfindenden Weltcup in der Schweiz über den 10. Platz bei Damen und Herren.

Nach einigen Tagen perfekten Herbstwetters zuvor präsentierte sich der Himmel am Samstagmorgen wolkenverhangen, grau und regnerisch - ein nicht zu unterschätzender Aspekt bei den Sprintbahnen am Schlossberg in Blankenburg, die mit engen Gassen und viel Kopfsteinpflaster aufwarteten. Schlossberg – das heißt auch viele Höhenmeter: 160 an der Zahl hatte die H20 zu absolvieren, die anderen Bahnen nur geringfügig weniger. Bahnleger Sven Claudius schaffte es aber diese Höhenmeter angenehm zu verteilen und gleichzeitig in interessante Routenwahlen zu verpacken, dass sie sich für die Meisten nicht gar so schlimm angefühlt haben dürften.

Topergebnis aus deutscher Sicht war der hervorragende dritte Platz von Jule Roßner. Mit Jahrgang 2005 gehört sie noch dem jüngeren Jahrgang der D18 an. Sie lief also gegen bis zu drei Jahre ältere Konkurrentinnen. Entsprechend machte sie sich vorher auch keine Gedanken zu einer möglichen Platzierung. Sie war sich nach eigener Aussage bewusst, dass sie im Sprint nicht ganz schlecht ist. Dadurch konnte sie relativ unbedarft an den Start gehen. Es wirkte sich vermutlich positiv aus, dass sie in der Woche vor dem JEC recht viel zu tun hatte, sodass sie in Gedanken nicht die ganze Zeit beim kommenden Wettkampf war und so keine Wettkampfnervosität entwickelte. Trotz des guten Ergebnisses war Jules Lauf keineswegs perfekt. Einige Routenwahlen entschied sie falsch. Ihr Lauftempo und konsequente Routenausführung minimierten die Zeitverluste. Auf Siegerin Sanna Hotz aus der Schweiz fehlten nach 14:32 Minuten Laufzeit 14 Sekunden.
Mit Platz sieben und 18 Sekunden Rückstand erreichte Anselm Reichenbach in der M20 das beste Herrenergebnis, knapp gefolgt von Lucas Imbsweiler auf Platz neun (+0:25 Minuten). Es gewann Nathan Marchand aus Frankreich in 12:31 Minuten. Anselm sprach hinterher von einem „bisschen komischen Lauf“. Er kam zu Posten fünf und der Posten fehlte. Was genau passiert war, konnte Bundestrainer Thilo Bruns erklären. Trotz eines hohen Aufwands an Postenbewachern im Gelände wurde die Station von einem Anwohner entfernt. Der Postenbewacher merkte es recht schnell. Trotzdem traf er fünf Läufer an, die den Posten suchten. Es habe das Lauferlebnis etwas kaputtgemacht, erzählte Anselm später. Trotzdem zog er den Rest des Wettkampfes durch und konnte das Erlebnis während des Laufes zumindest verdrängen. Im Ziel wurde er trotzdem zunächst mit einem Fehlstempel registriert - Posten fünf fehlte natürlich. Das ebenfalls betroffene schwedische Team legte Protest gegen die Wertung der Kategorie M20 ein, die Jury gab dem Protest statt und zeitweilig war die Kategorie IOF-konform annulliert. Es folgte ein Gegenprotest aus dem deutschen Trainerteam: Natürlich sei die Situation nicht optimal, doch der JEC sei kein offizieller IOF-Event und schon bei vergangenen Junioren Europa Cups sei es üblich gewesen, dass nur Teilstrecken annulliert wurden, denn bei diesem Wettbewerb gehe es eher darum, dass die NachwuchsläuferInnen Erfahrung mit internationalen Starts sammeln. Auch diesem Protest gab die Jury aus unbeteiligten Nationen statt, sodass letztlich doch ein Klassement für die H20 aufgestellt werden konnte. Die Posten vier bis sechs wurden herausgerechnet.
Auch wenn das Erlebnis den Lauf beherrschte, im weiteren Verlauf blieb Anselm fokussiert. Auch er wählte den Berg hinauf zu Posten elf nicht die optimale Route. Er schaffte es aber auch auf den schnellen, kurzen Verbindungen im Vorfeld dieses Postens schon vorzuplanen, sodass er damit am Posten keine Zeit verlor.
Durch das Kopfsteinpflaster und die Bedingungen zu Beginn fühlte Lucas sich zunächst etwas überfordert, sodass er gar nicht erst dazu kam vorzuplanen. Anders als Anselm, der an Posten zwei loslief ohne sich genug mit der Verbindung beschäftigt zu haben, nahm er sich aber an den Posten die Zeit zur Routenplanung, um dann umso zielsicherer orientieren zu können. Wie das gute Ergebnis von Lucas zeigt ist auch das eine valide Taktik, die zu einem guten Ergebnis führen kann.

Nicht ganz so weit vorn klassierten sich die LäuferInnen in den jüngeren JuniorInnenkategorien D/H18. Marlene Fritz wurde als beste Deutsche 20., Marek Siegert bei den Jungen erreichte Platz 19. Noch mehr als in der D/H20 ging es in diesen Kategorien um das Sammeln von Erfahrung. Achtbar schlugen sich auch die DebütantInnen für das deutsche Nationalteam Tobias Nagel (H18, 23.), Annika Simsch (D18, 45.) und Hanne Kaufmann (D20, 28.).

Gewonnen wurde die H18 von Alfred Bjørnerød aus Norwegen, in der D18 siegte Ingeborg Roll Mosland, ebenfalls aus Norwegen. Dass die Topnationen wie Schweden oder die Schweiz allesamt am Start standen, zeigt, dass der Wettbewerb JEC sehrwohl ernstgenommen wird. Ohne die guten Ergebnisse der deutschen Jugendlichen relativieren zu wollen muss aber auch festgestellt werden, dass nicht die Topteams dieser Nationen an den Start gingen.

Der dritte Platz von Jule wurde teamintern bereits entsprechend gefeiert. Das Trainerteam spendierte ihr einen Harzer „Brocken“ – wer das nicht kennt: eine Süßigkeit, die in Wernigerode hergestellt wird. Zu hoch sollten die Erwartungen für die Langdistanz am morgigen Sonntag trotz der heutigen Ergebnisse nicht gesteckt werden. Das Trainerteam erwartet in der H20 gute Ergebnisse. Auf einer Langstrecke kommen die Altersunterschiede allerdings noch mehr zum Tragen, sodass gerade von Jule zwar ein gutes Ergebnis erwartet werden kann, ein Podium oder Top10 aber keinesfalls vorausgesetzt werden sollten. Neben ihr hat vor allem auch Emma Caspari das Potential für eine gute Platzierung. Laut Cheftrainer Thilo Bruns wird insbesondere die Schlusspassage am Regenstein rennentscheidend sein.

 

Weltcup in Davos

Viele Höhenmeter hatten auch die Herren und Damen in den schweizerischen Alpen zu bewältigen. Ein steiler Hang auf Höhe der Baumgrenze bildete das Wettkampfgelände. Zunächst ging es mit hohem Tempo downhill. Zur Rennhälfte folgte dann eine lange Routenwahl den Hang wieder hinauf. 140 Höhenmeter hatte allein diese Verbindung bei den Herren.

Die zuletzt sehr guten Platzierungen in den Waldstaffeln konnten die Herren in der Besetzung Erik Döhler – Ole Hennseler – Bojan Blumenstein ein weiteres Mal bestätigen. Auf der Startstrecke liefen die ersten 20 Minuten für Erik Döhler laut eigener Aussage super. Er machte keine Fehler und war mit der Führungsgruppe unterwegs. Dann verlor er aber in einem Hang etwas Zeit, weil er an einer Stelle nicht durchkam. Er verlor auch die Tram, und weil er (wahrscheinlich auch durch die Höhe) nicht mehr schneller laufen konnte, einfach kaputt war und nach eigener Aussage nicht besser trainiert sei, verlor er bis ins Ziel insgesamt zwei Minuten auf Daniel Hubmann und musste noch einige Konkurrenten vorbeilassen. Auf Nationenrang acht liegend übergab er an Ole. Auch Ole startete sehr konzentriert und technisch sicher in seinen Lauf, wodurch er immer die richtigen Gabelposten erwischte und einige Leute auflaufen konnte. Zur langen Route den Hang hinauf war er am Ende einer langen Tram. Obwohl er nur wanderte war er aber schon recht platt. Daher bog er wie einige andere auch zu früh in den Wald ab und verlor seine Tram, sodass er allein hinterher laufen musste. Auch er berichtete über körperliche Beeinträchtigungen durch die Höhe. Ole verlor einen Rang, sodass Bojan an Position neun ins Rennen ging. Dieser konnte die gute Vorarbeit seiner Vorläufer nicht ganz veredeln. Nach den ersten fünf Posten mit voller Kontrolle unterlief ihm ein großer Fehler am gegabelten sechsten Posten, was sich inklusive des Folgefehlers zur sieben zu mehr als zwei Minuten aufsummierte. Er brachte den Rest des Laufs im Kampf gegen Tschechien 2, den er für sich entscheiden konnte, technisch gut ins Ziel, sodass am Ende Platz zehn stand. Hätte er Posten sechs mit mehr Ruhe angegangen, wäre vielleicht sogar ein Angriff auf Platz sieben möglich gewesen.
Ein zweites deutsches Herrenteam in Besetzung Riccardo Casanova – Anton Silier – Colin Kolbe erreichte Gesamtrang 32.
Das Rennen bestimmten vom Start weg vor allem die Schweizer. Auf der Startstrecke liefen Daniel Hubmann (SUI) und der Franzose Frederik Tranchand an der Spitze des Feldes. Kasper Fosser brachte die Norweger auf der zweiten Strecke in Front. Bestzeit hier lief der Italiener Riccardo Scalet, der sein Team auf Rang zwei nach vorn brachte. Auf der Schlussstrecke übernahm dann aber wieder Joey Hadorn für die Schweiz die Führung. Er führte sein Team vor Norwegen und Schweden zum Sieg.

Hanna Müller machte im Damenrennen auf der Startstrecke schon zu Posten eins einen größeren Fehler. Immerhin, einige andere waren auch noch dabei. Danach konnte sie sich bergab wieder etwas vorarbeiten, bergauf war sie aber zu langsam und kam nicht mehr näher an die Tram vor sich heran. Sie übergab an Position 14 auf Paula Starke. Paula konnte auch davon profitieren, dass Patricia Nieke in einem Mixedteam gemeinsam mit Hanna wiedergekommen war, sodass sie zeitgleich mit Leonore Winkler startete. Im Verbund konnten sie noch einige andere auflaufen. Sie hatten aber auch Glück nicht disqualifiziert worden zu sein, als sie auf der langen Routenwahl zu Posten acht im Hang zu weit nach oben kamen und ein nicht abgesperrtes Sperrgebiet streiften. Am Ende hatte sie den aufgelaufenen Konkurrentinnen nichts mehr entgegenzusetzen, konnte aber Rang 14 behaupten. Die Tram, in der Birte lange Zeit unterwegs war, lief schlussendlich um Rang acht. Bis zur Sichtstrecke lief es ganz gut, danach nahm sie aber eine Route durch zu viel Kraut, sodass sie den Kontakt nach vorn verlor. Auf den letzten Posten ging es also nur noch darum, sich gegen die Britin und die Lettin durchzusetzen – was ihr auch glückte, sodass das Team mit Rang zehn sehr zufrieden sein konnte.

Es gewann – fast nicht anders zu erwarten – auch bei den Damen die Schweiz. Im Dreierverbund mit Schweden und Norwegen setzten sie sich schon auf der Startstrecke vom Rest des Feldes ab. Auf der Schlussstrecke machte sich dann das Fehlen von Tove Alexandersson bemerkbar. Sanna Fast konnte nicht mehr gegen Simona Aebersold gegenhalten und musste sich mit Rang zwei begnügen. Andrine Benjaminsen lief schon zu Posten eins zur falschen Gabel und konnte danach nur noch auf Fehler der Konkurrentinnen hoffen. Diese blieben aus, sodass sie ihr Team auf Rang drei lief.

Mehr:
Ergebnis Weltcup-Staffel
Ergebnis JEC-Sprint
Bilder JEC Sprint Mediendatenbank
Bilder WC-Staffel Mediendatenbank

Leon Kollenbach
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