28. August 2025
Ereignisreiche EM-Sprintstaffel
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Mit der Sprintstaffel in Hasselt starteten am heutigen Mittwoch die Europameisterschaften in Belgien. Das Auftaktrennen gewann Norwegen und sicherte sich damit den ersten Titel in einer Sprintstaffel. Deutschland fiel mit einem Fehlstempel aus der Wertung – wie auch 14 andere Teams.
Ergebnis:
1. Norwegen (V. Haestad Bjornstad, E. Langedal Breivik, K. Fosser, A. Benjaminsen) 61:13 Minuten
2. Schweiz (N. Gemperle, R. Rancan, J. Hadorn, S. Aebersold) +0:20
3. Schweden (A. Sonesson, J. Gustafsson, M. Regborn, H. Lundberg) +0:24
MP Deutschland (P. Nieke, M. Pompe, A. Reichenbach, B. Friedrichs)
Bericht:
Die drei Favoritenteams machten die Medaillen unter sich aus. Mit Norwegen gewann dabei sicher nicht der Topfavorit, doch eine durchgehend nahezu fehlerlose Mannschaftsleistung zahlte sich in der Endabrechnung aus. Der Weg dahin war allerdings dramatisch.
Für die Sprintstaffel hatten sich die Belgier einen besonderen Arenaaufbau überlegt, der zu einer stimmungsvollen Atmosphäre beitrug. So lag diese direkt am Kanaalkom, dem ehemaligen Industriehafen, der inzwischen eine sehenswerte Flaniermeile ist. Für den Massenstart und später auch die Arenendurchläufe hatten sie eigens eine Pontonbrücke über den Kanal gelegt. Vor zahlreichen OL-Fans und auch einigen interessierten Passant*innen hieß es am Abend um 19 Uhr weit nach Feierabend: Klappe, die Erste – Action!
Auf der Startstrecke blieb das Feld noch dicht beisammen. Eine Spitzengruppe etablierte sich bereits, in der alle Spitzenteams und mögliche Überraschungen wie Spanien und Frankreich vertreten waren. Die Startstrecke gewann Inka Nurminen für Finnland. Lediglich Tschechien lag von den namhaften Top6-Anwärtern bereits mehr als 45 Sekunden zurück. Für die Belgier rückte eine solche Platzierung bereits in die Ferne. Die Dramatik folgte erst Sekunden nach dem Zieleinlauf, als die Teams auslasen und erste Fehlstempel auftauchten. Spanien und Estland aus der Führungstram wurde disqualifiziert, dahinter erwischte es eine ganze Tram, darunter auch die deutsche Startläuferin Patricia Nieke. Die meisten von ihnen überliefen den Vorschlussposten 18, dessen Postenkreis zur Erkennbarkeit der Lücken an vielen Stellen aufgeschnitten wurde. Es war gut gemeint, doch letztlich war er vielleicht nicht mehr dominant genug im Kartenbild, sodass einige Läufer*innen ihn nicht mehr wahrnahmen.
Die zweite Strecke wurde zum Schaulaufen von Eirik Langedal Breivik (NOR). Ab der Arenapassage lief er einen Vorsprung heraus, der zwischenzeitlich über 20 Sekunden betrug. Mit einer Lücke von immerhin 13 Sekunden Vorsprung übergab er auf seinen Wechselläufer Kasper Fosser. Zwei Läufer, Jonatan Gustafsson (SWE) und Akseli Ruohola (FIN) bildeten die ersten Verfolger, dahinter folgten mit weiteren 10 Sekunden Abstand die Schweiz und Frankreich. Schon zu diesem Zeitpunkt schien klar, dass die Medaillengewinner aus diesem Kreis kommen würden, denn hinter diesen fünf klaffte eine 30-sekündige Lücke.
Marek Pompe als zweiter deutscher Läufer lobte die Bahnen im Ziel ausdrücklich. Durch viele Routenwahlen und viele enge Gassen und Richtungswechsel war man ständig beschäftigt und hatte keinerlei Zeit, den Kopf auszuruhen, denn sobald das möglich war, wartete eine komplexe und damit anspruchsvolle Routenwahlaufgabe darauf, vorbereitet zu werden. Nach 15 Minuten höchster Konzentration ist es so besser zu verstehen, wie so eine Vielzahl von Fehlstempeln am vorletzten Posten zustande kommen kann.
Auf der dritten Strecke lief sich die Spitze wieder etwas zusammen. Gemeinsam fingen Tuomas Heikkila (FIN) und Martin Regborn (SWE) den Norweger Kasper Fosser wieder ein und konnten in der Folge sogar eine Lücke reißen. Bis ins Ziel vergrößerten sie diese Lücke auf die Norweger auf 26 Sekunden. Dahinter verlor die Schweiz in den zumindest für Zuschauer spektakulären und bunt beleuchteten Passagen und Tunneln im Mittelteil der Bahn an Boden. Frankreich und der stark laufenende Pole Piotr Parfianowicz konnten aufschließen. Im Ziel aber mussten beide mit Schrecken feststellen: Es fehlte ein Posten – fast die einzigen, bei denen es nicht der vorletzte Posten war. Als Joey Hadorn seine Schlussläuferin Simona Aebersold auf die Reise schickte, musste die Schweizerin eigentlich nur noch nach vorn schauen. Eine Lücke von 50 Sekunden nach hinten würde sie nicht mehr hergeben.
Bei Anselm Reichenbach als drittem Läufer sickerte die Information langsam durch, speziell dadurch, dass Deutschland neben einigen anderen nicht unter den platzierten Teams angezeigt wurde auf dem Bildschirm, der im Wechselbereich die Läufer*innen mit den notwendigen Informationen versorgte, wann sie zum Wechsel erscheinen mussten. Er lief das Rennen trotzdem ernsthaft zu Ende, auch um die Beine für den nächsten Tag anzutesten. Fazit: KO-Quali kann kommen.
Auf der Schlussstrecke veränderte sich an dieser Situation zunächst wenig. Hanna Lundberg (SWE) und Maija Sianoja (FIN) führten das Rennen mit einer komfortablen Lücke an, zum Arenadurchlauf hin schien die Schwedin eine kleine Lücke reißen zu können. Dahinter schien es zunächst so, als könne Simona Aebersold (SUI) den Abstand zur Norwegerin Andrine Benjaminsen verringern – ein Szenario, das zum Leiden der Norwegerin in der Vergangenheit schon allzu oft eingetroffen war. Dann ging es in die Innenstadt. Eine schlechte Routenwahl zu Posten 9 von Hanna Lundberg ließ die Lücke massiv schrumpfen, auf der anderen Route war Sianoja allein nicht schnell genug. So formierte sich wieder eine Dreiergruppe, auch Simona Aebersold wirkte, als können sie noch aufschließen. Im letzten Drittel ging Lundberg schließlich die Kraft aus und sie musste die beiden Erstplatzierten ziehen lassen. In der Folge überholte auch Simona Aebersold die Schwedin noch. Um den Sieg spitzte sich das Rennen auf eine Zielsprintentscheidung zu. Zu dieser kam es jedoch nicht mehr. Die letzte Routenwahl entschieden Benjaminsen und Sianoja unterschiedlich, wohl im Versuch, jenem Zielsprint aus dem Weg zu gehen. Dazu kam es auch nicht. Auf der Route Sianojas lag der Schlussposten zu verlockend im Sichtfeld, wenn man aus dem letzten Durchgang hinauslief. So übersah sie jenen Posten davor. Sie lief zwar als erste über die Ziellinie, doch über den Sieg konnten sich Andrine Benjaminsen und Norwegen freuen, die damit zum ersten Mal bei einem Großanlass eine Sprintstaffel gewannen.
Birte Friedrich lief die Schlussstrecke in Kenntnis der vielen Disqualifikationen zu ende.
Nach der Sprintstaffel geht es am Freitag mit den Finalläufen im KO-Sprint weiter. Anselm Reichenbach konnte sich für das Viertelfinale qualifizieren. Ab 13:20 Uhr beginnt die Übertragung, zu der es ein Update gibt: Über den Streamingdienst der EBU, Eurovisionsport, kann der Livestream in Deutschland kostenlos empfangen werden. Dazu ist nur das Anlegen eines Accounts notwendig.
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Übertragung auf Eurovisionsport
Ergebnis EOC Sprintstaffel