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05. Oktober 2023

EOC Sprint

Sara Hagström
Erstes Einzelgold für Sara Hagström.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Erstes Einzelgold für Sara Hagström.
Foto: IOF / Kristina Lindgren

Der perfekte Lauf, das war es, was die deutschen Starterinnen und Starter gebraucht hätten um das Europameisterschaftsfinale im Sprint zu erreichen. Es gelang leider keinem von ihnen, und so fand das Finale schließlich ohne deutsche Beteiligung statt. Die Goldmedaillen feierten Sara Hagström (SWE) und Matthias Kyburz (SUI).

Vorlauf

Zwei kurze Sprints – sowohl Qualifikation als auch Finale entschieden sich mit deutlich unter 13 Minuten Laufzeit – der Kategorie „eher einfach“ standen zum Auftakt der Titelkämpfe an. Umso schneller wurde gelaufen und umso präziser musste orientiert werden, wollte man die Qualifikation überstehen. Ein einziger Fehler, ein einziges Zögern konnte entscheidend sein, sodass es nicht für die Top15 des Heats reichen würde.

Als bester Deutscher wurde Jannis Schönleber 23. Elf Sekunden fehlten ihm. Innerhalb von absurden 21 Sekunden klassierten sich die ersten 15. Die anderen Heats waren nicht einfacher. Anselm Reichenbach fehlten als 26. zwölf Sekunden zur Qualifikation (+0:36 auf den Heatsieger), Colin Kolbe (25.) fünfzehn Sekunden (+0:47). Perfekte Läufe erwischten sie alle nicht.
Auch die großen Namen international waren an einem solchen Tag nicht vor unliebsamen Überraschungen gefeit. Es erwischte eine Menge von ihnen, denen Medaillen zugetraut worden waren: Gustav Bergman (SWE), Daniel Hubmann und Florian Howald (SUI), Tim Robertson (NZL) um nur einige zu nennen.

Als beste deutsche Dame auf Platz 25 verpasste Paula Starke das Finale um 26 Sekunden (+1:02 auf Heatsieg). Trotz ihres Ausscheidens war sie letztlich recht zufrieden, war es doch wesentlich knapper als erwartet. Einen aggressiven Laufstil aus der Vorbereitung konnte sie gut umsetzen. Fürs Finale hätte es wohl auch mit einem perfekten Lauf nicht gereicht, zwei kleine Routenwahlfehler summierten sich nur auf etwa 10 Sekunden.
Ähnlich klangen auch Birte Friedrichs (28.) und Patricia Nieke (31.). Sie schafften es, gute Läufe zu zeigen, ihnen war aber vorher bewusst, dass das läuferische Vermögen wohl nicht fürs Finale reichen würde.


Finale

In der Altstadt Veronas rund ums Amphitheater ging es am frühen Nachmittag um die Medaillen. Wieder war das Motto: „Wenn es zu einfach ist, bist du nicht schnell genug gelaufen“. Wer es am besten verstand, trotz des hohen Tempos fehlerfrei zu bleiben und möglichst nicht zu zögern, landete weit vorne. Komplexe Routenwahlen gab es wenige, stattdessen galt es häufig schnell zwischen zwei recht offensichtlichen Routen zu entscheiden. In Worten der britischen Kommentatorin Katherine Bett: Die Routen unterscheiden sich oft nur um fünf Sekunden, aber immer die richtige zu nehmen, macht auch irgendwann 30 Sekunden aus.
Als weitere Fehlerquelle erwiesen sich die Plätze und Innenhöfe, die oft von mehreren Seiten erreichbar waren. Wer die Ablaufrichtung unsauber traf, fand sich schnell in einer falschen Gasse wieder. Dann passte aufeinmal die Kompassrichtung nicht mehr und wertvolle Sekunden verrannen.

Am Ende setzten sich doch wieder die FavoritInnen durch. Der frühgestartete Schwede Martin Regborn setzte eine erste Duftmarke. Kurz nach ihm kam Matthias Kyburz (SUI) und klassierte sich sechs Sekunden vor ihm. Auch er war ungewohnt früh ins Rennen gegangen. Der zu dem Zeitpunkt noch amtierende Europameister im Sprint, Emil Svensk, lief ein gutes Rennen. Für ihn aber reichte es nicht, 23 Sekunden Rückstand, am Ende Platz 8. Zahlreiche Konkurrenten kamen Kyburz Zeit von 12:26 Minuten in der Folge nahe. Im Schlussdrittel lief der Schweizer ihnen sämtlich davon. Der Norweger Kasper Fosser ist wohl in jedem Rennen, in dem er an den Start geht, ein Siegkandidat. Er lief auf Augenhöhe mit Kyburz, aber auch er verlor die entscheidenden Sekunden erst auf den letzten Posten, vier Sekunden hinter Kyburz. Tschechiensieger Ralph Street (GBR) kam zeitgleich mit Martin Regborn ins Ziel, am Ende Platz 4. Denn einer kam noch. Der Finne Tuomas Heikkila hatte seinen Qualiheat gewonnen und konnte als einziger aus diesem Kreis den Medaillen noch ernsthaft gefährlich werden. Doch wie so viele andere auch verlor er zu Posten 19 und 20 die entscheidenden Sekunden, an denen Kyburz den Sieg sicherte. Platz drei und Bronze bedeutet trotzdem das beste Karriereergebnis Heikkilas.
In diesem Sekundenkampf klassierten sich am Ende 37 Herren innerhalb einer Minute – eine enorme Leistungsdichte.

Bei den Damen war es zunächst eine Reihe finnischer Damen, die mit Bestzeiten aufwartete. Die beste von ihnen war Venla Harju. Die Schweizerin Elena Roos startete ähnlich gut, setzte sich am Ende ab und lief in Führung. Am Ende stand Platz 9 für die Schweizerin auf Abschiedstournee. Dass sie mit dem Sieg wohl nichts zu tun haben würde, zeigte sich, als die Schwedin Sara Hagström phänomenal startete. Sie musste vorlegen, die Topfavoritinnen starteten erst nach ihr. Ihr Vorsprung war enorm – 32 Sekunden vor der zwischenzeitlich in Führung gelaufenen Polin Aleksandra Hornik, eine bekanntermaßen laufstarke Athletin, die mit Platz 5 ihr bestes Karriereergebnis erlief.
Simona Aebersold (SUI) startete etwas langsamer – heißt gesamt 6 Sekunden bis Posten 8. Nach einem minimalen Zeitverlust Hagströms konnte sie sich sogar kurzzeitig in Front schieben, lief aber in eine Sackgasse zu Posten 13 und verlor 15 Sekunden. Das erwies sich als zu viel, um die Zeit zurückzuholen. Tatsächlich kamen noch einige Sekunden dazu. Bronze für die Schweizerin in der Endabrechnung.
Tove Alexandersson (SWE) verlor auf den ersten Posten ebenfalls Zeit auf Hagström, enorme 12 Sekunden bis Posten 7. Danach, man kennt es, holte sie kontinuierlich Zeit heraus. An Posten 10 hatte sie den Rückstand auf Hagström wieder egalisiert und ging an Posten 12 erstmalig in Führung. Beim Ablaufen von Posten 15 erwischte auch sie eine Sackgasse, Hagströms Zeit lief wieder davon. Aber wieder holte Alexandersson den Rückstand gegenüber ihrer Teamkollegin auf. Am vorletzten Posten hatte sie gar drei Sekunden Vorsprung – dann fand sie den Zieleinlauf nicht. Sie lief auf der falschen Seite der Absperrungen ein, musste umdrehen und verlor neun Sekunden.
Ein bisschen Glück gehörte wohl auch dazu, Sara Hagström feierte überglücklich ihre erste Einzel-Goldmedaille.

 

Ergebnis

Damen

1. Sara Hagström (SWE) 12:17 Minuten
2. Tove Alexandersson (SWE) +0:08
3. Simona Aebersold (SUI) +0:23
4. Natalia Gemperle (SUI) +0:28
5. Aleksandra Hornik (POL) +0:32
6. Lina Strand (SWE) +0:45


Herren

1. Matthias Kyburz (SUI) 12:26 Minuten
2. Kasper Fosser (NOR) +0:04
3. Tuomas Heikkila (FIN) +0:05
4. Martin Regborn (SWE) +0:06
4. Ralph Street (GBR) +0:06
6. Jonatan Gustafsson (SWE) +0:16

Matthias Kyburz Matthias Kyburz
Matthias Kyburz - Goldmedaillist bei den Herren.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Matthias Kyburz - Goldmedaillist bei den Herren.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Sara Hagström Sara Hagström
Sara Hagström kann ihren Sieg noch nicht fassen.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Sara Hagström kann ihren Sieg noch nicht fassen.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Jannis Schönleber Jannis Schönleber
Guter Lauf, trotzdem war in der Qualifikation für Jannis Schönleber Schluss.
Foto: Fred Härtelt
Guter Lauf, trotzdem war in der Qualifikation für Jannis Schönleber Schluss.
Foto: Fred Härtelt
Colin Kolbe Colin Kolbe
Colin Kolbe verpasste das Finale knapp.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Colin Kolbe verpasste das Finale knapp.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Anselm Reichenbach Anselm Reichenbach
13 Sekunden fehlten Juniorenweltmeister Anselm Reichenbach fürs Finale.
Foto: Fred Härtelt
13 Sekunden fehlten Juniorenweltmeister Anselm Reichenbach fürs Finale.
Foto: Fred Härtelt
Paula Starke Paula Starke
Paula Starke in der Qualifikation.
Foto: IOF / Kristina Lindgren
Paula Starke in der Qualifikation.
Foto: IOF / Kristina Lindgren

Mehr:
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Leon Kollenbach
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