24. August 2024
EOC 2024: Langdistanz
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Langdistanzspezialist*innen kamen voll auf ihre Kosten: Eine physisch harte Langdistanz mit schönen, großräumigen Routenwahlen. Für Weltcuppunkte reichte es im deutschen Team diesmal nicht. Das beste Ergebnis erlief Bojan Blumenstein mit Platz 46. Es gewannen Tove Alexandersson (SWE) und Kasper Fosser (NOR) jeweils überlegen ihre Konkurrenz.
Ergebnis
Damen
1. Tove Alexandersson (SWE) 85:43 Minuten
2. Simona Aebersold (SUI) +4:04
3. Andrine Benjaminsen (NOR) +6:51
62. Birte Friedrichs +33:57
78. Hanna Müller +41:32
90. Emma Caspari +56:14
96. Julia Fritz +61:59
DNF Lone Pompe
Herren
1. Kasper Fosser (NOR) 97:13 Minuten
2. Daniel Hubmann (SUI) +3:43
3. Miika Kirmula (FIN) +4:33
46. Bojan Blumenstein +22:44
65. Felix Späth +28:19
88. Anselm Reichenbach +36:45
97. Konstantin Kunckel +41:25
113. Timon Lorenz +49:26
Bericht
„Eine extrem harte Langdistanz“ – diese Aussage von Bojan Blumenstein, die wohl von jeder*m anderen Starter*in hätte stammen können, trifft es auf den Punkt. Sie bot alles, was eine Langdistanz bieten sollte. Nach ein paar kurzen Posten zum Einstieg stand sogleich die erste entscheidende Routenwahl an. Die Direktroute sah nach fürchterlich vielen Höhenmetern aus, wenn mehrere Täler schräg gequert werden mussten. Mit etwas Umweg gab es einen schönen Weg – sicherlich konnten dort Höhenmeter gespart werden? Naja, nicht substanziell, sodass diese Route zumindest im Damenrennen mitentscheidend sein sollte. Es folgten einige kürzere Posten, auf denen die Routenausführung eher als die Wahl entscheidend war. Kurz nach dem Kartenwechsel stand dann die zweite große Routenwahl an. Direkt durch drei bis vier Täler; links über den Start, sodass zunächst sämtliche Höhenmeter verloren wurden, die im zweiten Teil der Route wieder erklommen werden mussten; oder rechts, wo sich im Anfangsteil Wege und Schneisen anboten, die relativ weit und flach herumführten. Ein Tal , welches durchquert werden musste, gab es auch auf der rechten Route, doch sie schien so überlegen, dass die überwiegende Mehrheit der Läufer*innen sie nahm, konnte man sich doch zusätzlich auch die nächsten Posten gleich mitansehen. Auf den beiden anderen Varianten kam es zu deutlichen Zeitverlusten. Für die Damen ging es anschließend relativ flach durch diffuses Grün zurück in Richtung Ziel, die Herren hatten noch einige Meter mehr und ein paar kleinräumigere Routenwahlen entlang der Täler zu absolvieren.
Zusätzlichen Anspruch bot erneut die Hitze. Bei deutlich über 30 Grad waren die Getränkeposten bereits dicht gesetzt. Viele liefen zusätzlich mit Trinkrucksack – ein Bild, das man in der Häufung auf Weltcupniveau nicht allzu oft sieht. Nötig war es allemal.
Für das deutsche Team stand der 46. Platz von Bojan Blumenstein als Bestresultat zu Buche. Er verpasste damit die Weltcuppunkte knapp. Nach einer Coronainfektion infolge der Weltmeisterschaften ist er aktuell nicht in seiner Bestform. „Ich bin technisch ganz gut durchgekommen, physisch ist momentan einfach nicht mehr drin. Somit bin ich relativ zufrieden. Ich habe bis zum Ende gekämpft und alles gegeben“, konstatierte er nach dem Lauf. Auf Sieger Fosser hatte er am Ende 22 Minuten Rückstand. Felix Späth landete etwa sechs Minuten hinter Bojan auf dem 65. Platz. Nachdem er zu Beginn gut in den Rhythmus kam, kostete ein Fehler zu Posten 14 Zeit und wertvolle Kraft, die später fehlte, als er einen Parallelfehler machte und einen steilen Hang unnötig hinabstieg. Platz 65 ist trotzdem das zweitbeste Weltcup-Langdistanzergebnis seiner bisherigen Laufbahn. Ole Hennseler wurde aufgrund seiner Fußverletzung für die Staffel geschont.
Die beste deutsche Dame wurde Birte Friedrichs auf Platz 62 mit knapp 34 Minuten Rückstand. Sie blieb fehlerfrei, hatte wie alle anderen wohl auch, mit Wärme und Höhenmetern zu kämpfen. Nicht gar so gut lief es diesmal bei Hanna Müller. Ihr erster Posten scheint aktuell wie verhext, denn wieder passierte ihr dort ein Parallelfehler. Gegen Ende fehlte Kraft und Konzentration, sodass es Platz 78 wurde. Durch den Ausfall Patricia Niekes wurde Lone Pompe für die erste Damenstaffel eingeplant, sodass sie die Langdistanz nicht komplett laufen sollte.
International
Das Damenrennen dominierte – wie so oft – Tove Alexandersson (SWE) und machte jegliche Spannung schon mit der ersten Routenwahl zunichte. Sie nahm zwar nicht die perfekte Routenwahl, vielmehr begann sie, als würde sie die Umlaufroute nehmen, bevor sie doch noch auf eine direktere Variante umschwenkte. Dass ihr Tempo enorm war, zeigte sich dadurch, dass sie an Posten fünf trotzdem nur wenige Sekunden hinter Andrine Benjaminsen (NOR) lag, die die Route perfekt ausgeführt hatte. Kamilla Steiwer (NOR) und Evely Kaasiku (EST) lagen dort schon zwei Minuten zurück – beide hatten lange, bis zum Start der Weltranglistenführenden, in Front gelegen. Simona Aebersold und Natalia Gemperle (beide SUI) wählten die weitere Route und verloren jeweils über zwei Minuten. Gemperle wurde dabei bereits von Benjaminsen aufgelaufen. Auf der zweiten langen Routenwahl wurde die Entscheidung über den Sieg dann in aller Deutlichkeit getroffen. Aebersold hatte sich mit der Zeit an Andrine Benjaminsen herangearbeitet, lag nun schon virtuell auf Platz zwei. Nur einige hundert Meter später hatte auch Alexandersson ihre drei Konkurrentinnen aufgelaufen, hielt sich nicht lange auf und übernahm die Führung. Sie war sogar so stark, dass sie der Tram weglaufen konnte. Benjaminsen und Aebersold blieben zusammen, solange Aebersold mit ihrer Konkurrentin mitlaufen konnte, war Platz zwei recht sicher. Alexandersson sammelte weitere Konkurrentinnen ein – Hanna Lundberg, Marie Olaussen, Tereza Rauturier. 18 Minuten hatte die letztgenannte Tschechin Vorsprung, den Alexandersson auflief. Im Ziel übernahm sie die Führung von Kaasiku mit 14(!) Minuten und brachte Platz zwei bis vier gleich mit.
Das Rennen der Herren war, wie so oft, offener. Eine recht frühe Bestzeit setzte der Norweger Isak Jonsson – zu einer Zeit, als der spätere Sieger nicht einmal gestartet war. Mit dem Ausgang des Rennens würde er nichts zu tun haben, dafür waren 1:46h Laufzeit zu lang. Er konnte aber auch zeigen, dass den Norweger*innen dieses Gelände liegt, waren doch soeben drei Norwegerinnen in die Top10 der Damen gelaufen. Der Schweizer Fabian Aebersold, jüngerer Bruder der Silbermedaillengewinnerin bei den Damen, lief ein starkes Rennen. Für den Großteil der Strecke hatte er ein Tempo, das für eine Medaille hätte reichen müssen. Posten 18 wurde zu seinem Verhängnis. Er stieg zu früh in den Hang ein und verlor rund eine halbe Minute. Es wäre nicht so schlimm gewesen, wäre nicht sogleich ein weiterer Fehler passiert, diesmal von Routenwahlnatur. Statt wie viele seiner Konkurrenten die diesmal überschaubaren Höhenmeter auf der Luftlinie zu Posten 21 zu machen, umlief er durch das Tal, stieg dann aber erneut zu früh in den Hang ein. Er verlor über eine Minute. Seine Leistung, die ansonsten wohl einer Medaille würdig gewesen wäre, reichte so zu Platz 5. Kurze Zeit später lief der Schwede Viktor Svensk. Er lieferte sich eine Sekundenschlacht mit Aebersold um die Zwischenzeiten, meist knapp hinter dem Schweizer. Zu Posten 18 aber überlief er den Einstieg in den Hang – ebenfalls dreißig Sekunden gingen verloren. In der Folge konnte er nicht mehr ganz auf dem Niveau laufen wie zuvor. Wenige Posten später zog Bruder Emil virtuell im Klassement vorbei, es blieb Platz 6. Jener Emil Svensk war, seit einem frühen Zeitverlust schon zu Posten 1 und einem routenwahlbedingten zu Posten 13, lange Zeit gemeinsam mit Kasper Fosser unterwegs. Wenige Posten vor dem Ziel schaffte Svensk es noch, sich von Fosser zu lösen und um seine Medaillenchance zu kämpfen, es reichte aber nicht mehr. So durfte sich Miika Kirmula (FIN), der ein unauffälliges Rennen auf hohem Niveau zeigte, über die Bronzemedaille freuen. Silber ging an den 41-jährigen Altmeister Daniel Hubmann (SUI), der einmal mehr zeigen konnte, dass mit ihm noch immer zu rechnen ist. Nachdem er am Vortag noch geklagt hatte, dass der Kopf die medaillenwürdige Leistung der Beine zunichte machte, passte diesmal beides zusammen. Ein Drama im Medaillenkampf ereilte einmal mehr Max Peter Bejmer (SWE). Im Kampf um die Medaillen achtete er im Anlauf von Posten 13 auf der Nase nicht auf die Codenummern, stempelte den Damenposten und fiel aus der Wertung.
Der Sieg ging in überlegener Manier an Kasper Fosser. Schon die erste Routenwahl konnte er nutzen, um einen anderthalbminütigen Vorsprung herauszulaufen. Gar so dominant wie bei den Damen wurde seine Leistung nicht, dazu ist die Spitze der Herren zu breit. Er sammelte „nur“ den sechs Minuten zuvor gestarteten Emil Svensk und Joey Hadorn ein. Sein dreiminütiger Vorsprung geriet aber auch nicht in Gefahr, als Svensk und Hadorn ihm gegen Ende noch einmal weglaufen konnten. König Olav (Lundanes), der für Jahre das Geschehen auf der Langdistanz dominierte, hat nun endgültig einen würdigen Nachfolger, und auch der ist Norweger.
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Ergebnis EOC Langdistanz